Germany’s Whisky Awards 2013: Eine Preisverleihung ohne Glamour, aber mit Misstönen

Artikel von Ernie – Ernst J. Scheiner, www.whisky-distilleries.net

Ein 21-jähriger Single Malt der Speyside Distillery Tormore in Fassstärke begrüßte die geladenen Gäste zur Verleihung der Germany’s Whisky Awards 2013. Initiator und Preisstifter Christian Rosenberg, Herausgeber der Zeitschrift Der Whisky-Botschafter sowie Veranstalter der INTERWhisky, eröffnete die Verleihung im Frankfurter Fünf-Sterne Hotel Jumeirah, die während der zeitgleich stattfindenden 15. Fachmesse für Whiskykultur INTERWhisky erfolgte.

Bei gedämpftem, fast schummrigen Licht stellte Autor und Herausgeber Heinfried Tacke die Inhalte sowie Themen seines Whisky Guide Deutschland 2014 vor. Sehr detailliert veranschaulichte Tacke den Zuhörern aus der deutschen und internationalen Whisky-Welt das Konzept des wertigen 400-seitigen Führers (eine Rezension folgt).

Die geladenen Gäste. Copyright Ernst J. Scheiner, The Gateway to Distilleries 2013

Die geladenen Gäste. Copyright Ernst J. Scheiner, The Gateway to Distilleries 2013

Der ‚Genuss-Autor’ Tacke, der Verleger und Veranstalter Christian Rosenberg sowie eine Jury zeichneten verantwortlich für die Auswahl der Nominierten sowie der Preisträger der Germany’s Whisky Awards 2013.

Deutschlands beste Whisky Bar liegt 2013 im bayerischen Aschaffenburg. Dort betreiben Michael Schiffman und Katja Langstrof ihre beliebte und geschätzte Dead End Rock & Blues Bar. Musik sowie ein breites hochwertiges Whisky-Angebot mit vielen Fassabfüllungen von den Berry Brothers, Duncan Taylor sowie Raritäten erwarten den Gast. Katjas Kochkunst ergänzt vortrefflich die angenehme und gemütliche Atmosphäre. In der Sackgassen-Kneipe des Schottland-faszinierten Duos treffen sich nicht nur die rund 160 Mitglieder des Dead End Whisky-Clubs. Dietmar Wündisch berät Whisky-Interessierte freundlich und kompetent im angeschlossenen Whisky-Shop Scotch Corner, wo auch Whisky-Seminare für kleine Gruppen stattfinden.

Das Team der Dead End Bar, Aschaffenburg. Copyright Ernst J. Scheiner, The Gateway to Distilleries 2013

Das Team der Dead End Bar, Aschaffenburg. Copyright Ernst J. Scheiner, The Gateway to Distilleries 2013

Bester Whisky Shop Deutschlands 2013 wurde der seit 1986 vom ‚Whiskykanzler’ Werner Hertwig in Berlin-Schöneberg geführte Wein- und Whisky-Laden. Entscheidend für diese Auszeichnung sind laut Heinfried Tacke bis zu fünfzehn Kriterien: Qualität des Sortiments und der Beratung, Präsenz, Tasting-Angebote sowie Formen der Kundenbindung. Mit über 2000 Whisk(e)ys, darunter fast alle Independent Bottlers, begeistert der renommierte Whisky-Experte seine Kunden. Bereits Mini-Tastings ab drei Personen garantieren Exklusivität und kompetente Orientierung beim Mitveranstalter des Cöpenicker Whisky Herbst.

Um den Preis Germany’s Best Whisky International 2013 wetteiferten Douglas Laing mit seiner Old Particular Serie, Jim Beams 12-jähriger Signature Craft Whiskey, Diageos Johnnie Walker Odyssey, Kilchomans Vintage 2007, Laphroaigs Cuan Mor und Tullamores Blended Pot Still Whiskey Phoenix. Strahlender Sieger der internationalen Auswahl wurde der österreichische Master Distiller Dr. Robert Birnecker. Zusammen mit seiner Frau Sonat betreibt er seit 2008 eine Kleinbrennerei in Chicago. Aus dem Wettbewerb ging ihr Koval Single Barrel Rye Whiskey aus Illinois als Germany’s Best International Whisky hervor.

Vierundreißig deutsche Whiskys standen bei einer Blindverkostung im Wettbewerb Germany’s Best Whisky National 2013. Die Jury mit Dr. Robert Birnecker (Koval Distillery, Chicago), Jens Fahr (No. 2 – Die Altstadtkneipe, Delitzsch), Frank Gauert (Forum Deutscher Whiskys), Gregor Haslinger (Inhaber des Geschäfts Whisky Spirits in Frankfurt), Manolis Savvidis (Whisky-Bar Zum Schwarzen Hasen, Berlin) und Bernhard Schäfer (internationaler Juror, Spirituosenexperte und Vorsitzender der Jury, Nürnberg) prüfte sechs ‚Flights’ mit jeweils vier bis sieben Whiskys, die nach Alkoholstärke und Getreidearten geordnet waren. Heinfried Tacke hatte die Destillerien bestimmt, die zuer Verkostung eingeladen waren, die Einsendungen zur anonymen Verkostung wurden von diesen nach eigenem Ermessen zusammengestellt.

Einigermaßen betroffen hörten die anwesenden deutschen Wettbewerbsbrennmeister eine Beurteilung ihrer Produkte vom weltweit tätigen Juror und Master of the Quaich Bernhard Schäfer: “Es waren Whiskys von gut bis schlecht…es waren einige dabei, wo kein‚Whisky’ auf dem Label stehen sollte.“ Der Präsident des Verbandes Deutscher Whiskybrenner Hans-Gerhard Fink reagierte auf eine derartige Aussage irritiert:

 ”Der gesamte Auftritt von Herrn Schäfer war völlig ungenügend, unvorbereitet und seine Aussage unerhört. Brennerkollegen investieren viel handwerkliche Arbeit, Herzblut und sehr viel Geld (von mehreren Zehntausend bis zu Millionen €) in die Produktion von Deutschen Whiskys und werden dann auf einer Prämierung in dieser Art düpiert, das ist nicht schön!”

Gleichwohl sei die Idee einer Preisverleihung sehr gut und es sei insgesamt positiv das Engagement der deutschen Brenner zu würdigen, so Brennmeister Fink, der die mit einer 3000 Liter großen Pot Still bestückte größte deutsche Finch Whisky Destillerie in Nellingen betreibt. www.deutsche-whiskybrenner.de

Insgesamt sei die Qualität der 2013 angestellten Whiskys gegenüber dem Vorjahr ansteigend, bemerkte ein anderes Jury-Mitglied gegenüber Whisky-Experts: „Ich erkannte einen Qualitätszuwachs, der sich bei einem kritischen Austausch der Whisky-Brenner untereinander vielversprechend weiterentwickeln wird. Dieser kollegiale Erfahrungsaustausch ist allerdings Voraussetzung für eine gute Zukunft des deutschen Whiskys.“

Germany’s Best Whisky National 2013 wurde ein Single Malt aus der schwäbischen Brennerei Alt & Enderle in Rosenheim-Sindolsheim. Die Brennmeister Joachim Alt und Michael Enderle schufen den 12-jährigen Neccarus-Sieger-Whisky. Seinen Namen erhielt der in Bourbon- und Sherry-Fässern ausgebaute Whisky vom Fluss Neckar: „Der Name Neckar ist keltischen Ursprungs und bedeutet wildes Wasser oder wilder Geselle. Ursprünglich stammt er von dem ureuropäischen Wort nik ab, das Losstürmen bedeutet. Die Entwicklung des Namens beginnt zu vorchristlicher Zeit mit der Bezeichnung Nikros, welche über Nicarus und Neccarus zu Necker und letztendlich zum heutigen Neckar wurde.“

Der Titel Germany’s Best Innovation 2013 wurde dem rührigen, allseits sehr beliebten und geschätzten Helmut Knöpfle von Campari Deutschland zuteil. Seine Förderung und Qualifizierungsoffensive, die mit der Gründung der Bowmore Malt Ambassadors vor einigen Jahren begann, war der Jury eine besondere Belobigung mit einem erstmals vergebenen Award Whisky Motion 2013 wert. So waren seine Botschafter beispielsweise bei der Auswahl der ersten Bowmore Tempest Batch 1 Abfüllung aktiv beteiligt. Mittlerweile hat sich dieses Gremium auch den anderen Campari-Marken GlenGrant, Glen Garioch, Auchentoshan, Glenfiddich, The Balvenie, The Hakushu, Hibiki, Jamazaki, Tullamore DEW und Wild Turkey angenommen. Derzeit zählt ‚Knöpfles Whisky-Club’ rund 80 Whisky-Botschafter, die in ihren Tastings ihre Teilnehmenden für Whisky begeistern und somit die Entfaltung einer Whisky-Kultur in Deutschland nachhaltig fördern. „Damit sie auch die Wahrheit über die Whiskys nach draußen tragen, werden sie nicht nur in der Sensorik geschult und erwerben so Fertigkeiten der aromatischen und geschmacklichen Whisky-Bewertung, sondern lernen ebenfalls die Herstellungsverfahren differenziert kennen,“ beschreibt Helmut Knöpfle eine seiner Intentionen. Die Jury-Entscheidung wurde mit kräftigem, lang anhaltenden Applaus begrüßt und bestätigt.

Helmut Knöpfle. Brand Manager Campari Deutschland. Copyright Ernst J. Scheiner, The Gateway to Distilleries 2013

Helmut Knöpfle. Brand Manager Campari Deutschland. Copyright Ernst J. Scheiner, The Gateway to Distilleries 2013

Fazit

Leider ließ diese Preisverleihung eine glanzvolle Atmosphäre sowie feierliche Ausstrahlung gänzlich vermissen. Mit etwas mehr Aufmerksamkeit und einer darin ausgedrückten positiven Wertschätzung hätten die Nominierten und Preisträger prominenter im Fokus stehen können.

„Die mit Filzstift auf die Urkunden geschriebenen Namen sind doch etwas einfach, eingedruckt wäre mir lieber gewesen,“ stellte ein Preisträger lapidar fest. Wie im Vorjahr wurde eine Chance vertan, denn besondere Leistungen und Einsatz sollten grundsätzlich angemessen gewürdigt werden. Alle Wettbewerbsteilnehmer hätten sich dann sicherlich wohler und zufriedener gefühlt. Die Idee einer Belobigung alleine genügt nicht, ausschlaggebend ist vielmehr ihre professionelle Umsetzung.

  • Michael Simon

    Recht kritischer Bericht, der nachdenklich stimmt, danke dafür!

  • http://whiskyexperts.net/members/fb-diewhiskybotschaft/ Micha Tünnermann

    Ob Bernhard Schäfer schlecht vorbereitet war, mag ich nicht zu beurteilen, ebenso ob Whisky dabei war, der nicht den Namen verdient hat. Prinzipiell finde ich es gut, wenn ehrlich berichtet wird und nicht nur allen Honig um den Mund geschmiert wird. Ob dies allerdings auf einer Awardverleihung passieren muss, sei dahingestellt.
    Besonders herausheben möchte ich gerne die Arbeit und Leistung von Heinfried Tacke- wie immer hat er viel Herzblut und Arbeit in seinen Whiskyguide- von dem Händler wie Kunden profitieren- investiert. Endlich mal ein deutsches Werk. Vielen Dank, Heinfried!
    Tim Tünnermann, die Whiskybotschaft GmbH