St. Kilian Whisky
 

Glenburgie 20 years old, 53,7% vol.
distilled in June 1995, bottled in November 2015

2nd fill American Bourbon hogshead

Verkoster: Reinhard Pohorec
Sample: Five Lions

5L_700ml_Glenburgie

Wieder einmal Glenburgie also – und ja, die treuen Leser entsinnen sich vielleicht einer gewissen, nicht ausschließlich historisch-amüsanten Motiven entstammenden Zuneigung des Autors zu diesem charaktervollen Speysider.

Diesmal darf man sich der Frage widmen, wie das Destillat im Kleide eines second fill American Bourbon hogshead aufzutreten vermag, aus dem Jahre 1995 und seither zwanzig Lenze gereift.

Nase: fett ölig, cremig duftiger Butterscotch, Vanille, Zimt und Karamell wabbern um sanft grasige, grünliche Hügeln kitschiger Speyside Idylle, Stachelbeere, etwas frisch anmutende Würze von Cassis, Salbei und Limettenschale, auch eine petrol-artige Note – im positiven Sinne! Fast rauchig und von vibrierender, kompakter Statur, Quitte, herb-stängelige Hagebutte, Fenchelsaat nebst karamellisierter, gegrillter Zitrone, Salzgebäck und Weihrauch
Mit Wasser und Zeit wird die grasige Würze intensiver, fleischiger, der weiß-kalte Rauch zeigt mehr Ecken und Kanten, die blättrige Kräutereinsprengselung entwickelt sich hin zu Eukalyptus, Menthol, Pfeffer, Sauerampfer – eine sehr spannende Nase, viel gilt es hier zu entdecken

Gaumen: ein schmeichelhaftes Opening getragen von der Anfangs schon gezeigten Vanilleseite, Karamell nebst herber Zitrus, etwas Salzzitrone, Quittengelee und auch die Hagebutte darf sich am Gaumen analog zur Nase zeigen, frische Minzbonbons, die stählern kühle Rauchigkeit und Reife von zwei Dekaden wunderbar eingebunden, das Holz von fein ziselierter, nie aufdringlicher Gerbstoffigkeit, wunderbar eingebundener alkoholischer Unterbau, der für Druck sorgt ohne sprittig zu wirken. Rund gezeichnet, fein durchwoben, mit einer frisch anmutenden Säure zur Abfederung der süßlich marmeladigen Eindrücke und getreidiger Gefälligkeit, ein Wechselspiel von Komplexität

Finish: lange klingt der Glenburgie nach, während sich die Süße eher zu Beginn und im Dialog zeigt, dominiert trockenblättrige, kristallklar-würzige und ätherische Frische den Abgang, noch einmal ist da der Pfeffer, noch einmal erzählt da die Balsamnote stolz ihre Geschichte, einmal noch muss auch die ledrige Tabakwürze mitspielen dürfen. Ehe sich ein wohlmeinender, friedlicher Ausklang dem Ende hin zuwendet – versöhnlich, charmant.

Alles in allem: das second fill hogshead hat dem Glenburgie gerade genug Charakter mitgegeben und ansonsten viel Raum zur Entwicklung eleganter Reifenoten geboten. Ausdrucksstärke schmiegt sich sanft an Gefälligkeit und Kraft – Würze im Dialog mit Süße und Frische. ‚What’s not to like?’ an einem solchen Malt?
Geradeaus ein „Sehr gut“.

Seit Beginn des Jahres verzichten wir in unseren Tasting Notes auf numerische Bewertungen und geben unseren Eindruck nur mehr über die Beschreibung wieder. Wir tragen damit unserem Gefühl Rechnung, dass man mit einem starren Punkteschema Vergleiche forciert, die den Whiskys nicht gerecht werden. PS: Wir haben Geschmack. Unseren. Nicht Ihren. Unsere Verkostungsnotizen sind also kein richterliches Urteil, sondern unser persönlicher Eindruck.