von Ernie -Ernst J. Scheiner www.whisky-distilleries.net

Jeden Monat sind in Zeitungen oder Blogs neue Distillery-Projekte zu lesen. Was ist los in Schottland? Stetig steigende Exportzahlen, viel freies investives Kapital verbreiten in Schottland eine Goldgräberstimmung wie im 19. Jhd.. Schnelles Geld verspricht scheinbar der Whisky.

Da soll es nach den Plänen des bretonischen Brennmeisters Jean Donnay mit Gartbreck auf Islay wiederum ein Farm Distillery geben. Was die Mitchells in Campbeltown mit Glengyle, Anthony Wills mit Kilchoman (Islay) und die Brüder Francis und Ian Cuthbert mit Daftmill (Lowlands) 2004 bzw. 2005 einläuteten setzte sich mit den massiven Investitionen der Global Players Diageo und Pernod Ricard fort. Die Öko-Brennerei Roseisle an der Nordseeküste sowie die erweiterte, prozessoptimierte The Glenlivet in der Speyside und Caol Ila auf Islay markierten die ersten Anzeichen des neuen rasanten Wachstums. Glenglassaugh und Glen Keith wurden wiedergeboren. Grants Alisa Bay und Glen Turners Bathgate wurden in den Lowlands neu geschaffen. Carron-Imperial, Teaninich, Macallan 2 und Mortlach 2 sind auf dem Wege, das schottische Whisky-Loch mit immer mehr Spirit zu überschwemmen. Die Grain Distilleries North British in Edinburgh und Cameronbridge in Fife wurden gigantisch vergrößert.

Francis Cuthbert von Daftmill: "My whisky will be bottled when it's ready" Mittlerweile schlummert sein Whisky im achten Jahr. Foto Copyright The Gateway to Distilleries 2013.
Francis Cuthbert von Daftmill: „My whisky will be bottled when it’s ready“
Mittlerweile schlummert sein Whisky im achten Jahr.
Foto Copyright The Gateway to Distilleries 2013.

Riesige Lagerhäuser folgen den Brennereien in den Highlands und Lowlands, wo der Getreidebrand mindestens drei Jahre in Eichenholzfässer reifen muss, bevor er den Weg in die Regale der Supermärkte findet. Eichenholzfässer werden knapp, wird es daher neue Formen der Whisky-Reifung geben? Wird der junge schottische Whisky zum Standard? Werden Whiskies mit einer Altersangabe zum Luxusprodukt der wohlhabenden in Südamerika oder Asien, fragen sich Whisky-Geniesser.

Shane Fraser von Wolfburn: "Ich wollte schon immer einmal einen Whisky von Anfang an machen." Foto Copyright The Gateway to Distilleries 2013.
Shane Fraser von Wolfburn: „Ich wollte schon immer einmal einen Whisky von Anfang an machen.“
Foto Copyright The Gateway to Distilleries 2013.

Mittelgroße Brennerei-Projekte wie Wolfburn in Caithness, Ardnamurchan im westlichen Hochland, Kingsbarns im östlichen Lowland und Inchdairnie in Perthshire, Falkirk oder Annandale in der südlichen Grenzregion zu England werden eine neue qualitative Vielfalt eröffnen, die Ende des 19. Jhds in Schottland vor dem Pattison Crash üblich war.

Strathearn in Perthshire wird mit den neuen Micro-Brennereien in Ballindalloch, Lindores, Sax Vord, Barra, Portavadie, Drimnin, Anniston, Abhainn Dearg, Harris u.a. ein neues Whisky-Genre der Kleinbrennereien eröffnen. Selbst in der Metropole Glasgow  und im beschaulichen Aberlargie südlich von Perth wird wieder ein Gerstendestillat aus den kupfernen Brennblasen sprudeln. Die ehemalige Distiller-Dynasty der Morrisons kehrt dort wieder in die Produktion zurück.

Neue Konzepte einer Lohn- und Auftragsbrennerei, die in der Nähe des Blend Centres Perth entstehen soll, überraschen kaum.

Quo vadis Scotch Whisky?