Montag, 30. November 2020, 14:35:40

Goldgräberstimmung in Irland und Schottland – Teil 1

Beam 2020 Bowmore

Mit freundlicher Genehmigung des Autors Ernst J. Scheiner bringen wir hier einen interessanten Artikel über die Aufbruchstimmung in der irischen und schottischen Whisk(e)yindustrie. Im ersten Teil, den wir an diesem Sonntag veröffentlichen, beschäftigen wir uns mit den Umbrüchen in Irland, die die Whiskeywelt verändern werden. Der Artikel ist ein Nachdruck aus dem Irland-Journal.

Die in Dublin im Bau befindliche Teeling Distillery
Die in Dublin im Bau befindliche Teeling Distillery

Eine Goldgräberstimmung erfasst die Wirtschaft Irlands und Schottlands. Das Wasser des Lebens, im Gälischen Uisque Beatha oder Usquebaugh genannt, treibt die Gewinnerwartungen der Investoren in die Höhe. Es herrscht ein Hoch, jeder möchte am großen Erfolg des irischen Whiskeys und seinem schottischen Pendant teilhaben. Gab es in Irland Mit- te der 1970-er Jahre nur zwei Brenne-reistandorte, so werden dort künftig laut der 2014 neu gegründeten Irish Whiskey Association – um die fünfzehn Brennereien einen Whiskey herstellen. Ähnlich dramatisch sind die Zuwächse in Schottland. Zählte die Scottish Whisky Association bis vor wenigen Jahren noch 108 Brennereien, so wird diese Zahl um siebzehn steigen.

Das flüssige Gold

Taoiseach Enda Kenny eröffnete im vergangenen Juli Mayos erste Whiskey-Brennerei seit hundert Jahren. Zwanzig neue Jobs werden in Lahardane in der Nephin Distillery, nördlich von Castlebar gelegen, entstehen. Nach dem Willen von Jude und Paul Davis wird in ihren kupfernen Brennblasen ein getorfter Whiskey gebrannt, so wie das traditionell in früherer Zeit durchaus einmal in Irland üblich war. Drei bis vier Millionen Euro werden von Investoren in das Projekt fließen. Ende 2015 soll der erste Spirit fließen. Einen Nephin Whiskey wird es allerdings erst nach seiner vorgeschriebenen Mindestreifezeit von drei Jahren geben.

Die Whiskey-Renaissance

Seit Dr. John Teeling 1987 die Ceimici Teo Distillery erwarb, verändert sich die irische Whiskey-Welt nachhaltig. Jameson in Midleton und Bushmills in Antrim bekamen Konkurrenz. Der irische Blend Jameson avancierte zum beliebtesten irischen Whiskey der Welt. Über 38 Millionen Liter werden vom Markführer weltweit jährlich abgesetzt. Die Marken Tullamore D.E.W. und Bushmills nahmen 2013 den zweiten Platz bzw. den dritten Platz in der Rangfolge ein.

Die irischen Whiskey-Exporte steigen weiterhin im Schnitt zweistellig. Sie erreichten 2013 ein Volumen von 62 Millionen Litern, das entsprach einer Steigerung von 10,1% gegenüber dem Vorjahr. Drittgrößter Markt ist derzeit Russland, nach den USA und Irland. Kaum vorstellbar, aber wahr, der weltweite Whiskey-Export stieg von 2003 bis heute um sagenhafte 220%. Allerdings kühlte der Markt im vergangenen Jahr etwas ab, weil die Verkäufe in China und Indien nicht ganz die Erwartungen der Produzenten erfüllten.

Die Cooley Grain Distillery in Riverstown im County Louth, nördlich von Dublin gelegen, war der Grundstein für den Blended Whiskey Kilbeggan. Die Malts kamen von den ‘schottischen’ Pot Stills, die der Vater der irischen Whisky-Renaissance John Teeling von der stillgelegten nordirischen Brennerei Comber, südöstlich von Belfast gelegen, erwarb. Ursprünglich stammten die beiden Brennblasen aus der schottischen Ben Nevis Distillery in Fort William. Zahlreiche neue Whiskeys füllten die Regale: Clontarf, Greenore, John Locke, Tyrconnell, Connemara.

Nach dem Verkauf von Cooley an Beam Inc im Dezember 2011 versiegte für viele irischen Bonder die Whiskey-Quelle auf der Halbinsel Cooley. Beam stoppte 2012 überraschend die Zusammenarbeit und kündigte die alten Cooley-Lieferverträge ersatzlos. Cooleys Erfolgsmodell der früheren Jahre war der Verkauf von Whiskeys an unabhängige Bonder und Label-Inhaber. So stellte Cooley beispielsweise Hausmarken für die Lebensmittelketten Tesco, Safeways, Aldi oder Lidl her. Mehr als 30% des Umsatzes erzielte Teeling früher über diese Handelsschiene.

Aus heiterem Himmel hatten die neuen Besitzer Beam Inc. – Jim Beam, Maker’s Mark, Laphroaig, Ardmore, Teachers – den Bonders die Verträge fristlos ohne eine Gnadenfrist gekündigt. Die Vertreiber des Michael Collins Blends, die Sidney Frank Importing Company ließ sich ein solch ruppiges Geschäftsgebaren nicht gefallen und verklagte Beam Inc. auf 100 Millionen Dollar Schadenersatz, da sie ohne Gründe, die Lieferverträge beendeten. Vor einem New Yorker Gericht konnte Sidney Frank einen ersten Erfolg in diesem Rechtsstreit um eine Wiedergutmachung verbuchen, ihrer Klage wurde stattgegeben. Mittlerweile gehört seit diesem Frühjahr Beam Inc dem japanischen Getränkegiganten Suntory.

Der einzigartig geformte Spirit Safe der Tullamore Dew Destillerie
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Rock und Whiskey

Nicht anders erging es dem Blended Whiskey Slane Castle. Neue Ideen waren daher gefragt. Die Slane Castle Irish Whiskey Ltd. handelte, wollte die Familie Conyngham doch ihr lukratives Whiskey-Geschäft erhalten. Seit 2009 vermarktete sie einen vom Cooley Master Blender Noel Sweeney geschaffenen Blended Whiskey. Jetzt baut sie notgedrungen ihre eigene Brennerei und stellt sich somit nachhaltig auf eigene Füße. Lord Alex Mount Charles: „Ende 2015 wird ein dreifach gebrannter Spirit aus den Pot Stills fließen. Wir werden die von uns angebaute Gerste verarbeiten und planen sogar eine eigene traditionelle Mälzerei.“ Slane Castle selbst wurde durch die Band U2 weltweit bekannt, die in dessen Räumen ihr viertes Album The Unforgettable Fire 1984 aufnahm. An den Ufern des Boyne River spielten die Rolling Stones, Queen, Bob Dylan, Oasis u. a. Größen der Rockkultur. Die eindrucksvollen Wirtschaftsgebäude aus dem 18. Jahrhundert werden derzeit neu eingedeckt und umgebaut. Die Brenn-Kompetenz kommt mit dem erfahrenen schottischen Brennmeister Allan Anderson (Invergordon, Loch Lomond): „Für mich ist das eine Herausforderung, irische wie auch schottische Brennmethoden umzusetzen, wir werden allerdings vorwiegend einen dreifach gebrannten Pot Still Whiskey herstellen. Es ist sehr spannend, einen Whiskey von Anfang an zu machen.“

Craft Distillery

Gleiches verfolgen die Vertreiber des irischen Blends Feckin. „Wir geben nicht auf, wir schaffen Neues,“ sagte der nordirische Bonder und Distri- buter Shane Braniff. Sein vor allen Dingen in den USA sehr erfolgreicher Blend und sein gewürzter ‘Whiskey’ sollten weiterhin erhältlich sein.
Pläne eines Distillery-Baus hatte der nordirische Geschäftsmann bereits 2005 entwickelt als der Feckin erstmals auf den Markt kam. Der akute Versorgungsengpass führte zu einem schnellen Handeln und nahm bereits im Dezember 2012 konkrete Formen an. Schließlich erhielt der Nordire die langersehnte königliche Brennerlaubnis Anfang 2014. Seit 130 Jahren war dies die erste Lizenz, die in Nordirland ausgefertigt wurde.

Damit bekommt die in Antrim gelegene Bushmills Distillery einen neuen ‚Nachbarn’ und verliert zukünftig ihr Allleinstellungsmerkmal, die einzige nordirische Whiskey-Brennerei zu sein.

Auf der südöstlich von Belfast gelegenen Ards Penisula entstand auf dem Enchiville Estate in Kircubbin eine neue Distillery. Jetzt sprudelt dort im County Down der Gersten-Spirit. Shane Braniff plant eine neue Vielfalt. Seine Kernmarken, der Blended Whiskey Feckin und die „gewürzte“ Variante werden weiter produziert. Vorsorglich hatte Shane Braniff bereits auf dem Estate Gerste anbauen lassen, um diese in einen Single Malt, aber auch in einen Pot Still Whiskey zu verwandeln.

(Fortsetzung folgt)

 

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