Samstag, 28. November 2020, 05:37:56

Goldgräberstimmung in Irland und Schottland – Teil 2

Beam 2020 Bowmore

Mit freundlicher Genehmigung des Autors Ernst J. Scheiner bringen wir hier einen Artikel über die Aufbruchstimmung in der irischen und schottischen Whisk(e)yindustrie. Im ersten Teil, den wir am vorigen Sonntag veröffentlichen, beschäftigten wir uns mit den Umbrüchen in Irland, die die Whiskeywelt verändern werden. Auch diesmal geht es weiter um die grüne Insel und den Veränderungen in der Destillerie-Szene. Der Artikel ist ein Nachdruck aus dem Irland-Journal.

Die Destillerie Kilbeggan
Die Destillerie Kilbeggan

Brauerei und Brennerei

Ohne großen Medienrummel entstand Ende 2012 in der O’Hara-Brauerei eine neue Whiskey-Destillerie. Der irisch-stämmige amerikanische Brauereibesitzer Dr. T. Pearse Lyons brachte Brennblasen aus Kentucky, USA, in das County Carlow und verblüffte die irische Whiskey-Welt. Bald werden die Pot Stills ihre vorübergehende Heimat verlassen. Sie ziehen nach Dublin in die St. James Church nahe der Guinness Brauerei um. Brauereibesitzer Seamus O’Hara beabsichtigt die entstehende Lücke zu schließen, denn in der ehemaligen Minch Mälzerei von Begenalstown möchte er ebenfalls eine Distillery errichten.

Bernhard Walsh, Hersteller der in Deutschland beliebten Marken Writer’s Tears und The Irishman, wird am gleichen Ort im nahen Royal Oak an den Ufern des River Barrow zusammen mit dem italienischen Getränkeproduzenten von Tia Maria eine größere Brennerei mit einem Produktionsvolumen von 3,6 Millionen Liter Alkohol bauen, das sind rund 400 000 Fässer voller Whiskey.

Dublin und Whiskey

Jack Teelings Nachricht des Baus einer Brennerei in der irischen Metropole erfreute die Touristenzentrale Failte Ireland. Nach der Schließung von Jameson & Son und John Power & Son Mitte der 1970ziger Jahre wird Ende 2014 wieder ein Getreidebrand an den Ufern des Liffey aus den Brennblasen sprudeln, denn die Teeling Whiskey Company wird in den Liberties eine Brennerei mit drei kupfernen Brennblasen errichten, die jährlich rund 500 000 Liter zweifach und dreifach gebrannter Whisky produziert. Nach 125 Jahren gibt es erstmals wieder eine Brennerei-Gründung in der früheren Whiskey-Hauptstadt Irlands. Dreißig neue Arbeitsplätze sorgen für eine neue Belebung des historischen Brauerei, Mälzerei- und Brennereibezirks von Dublin. Die Guinness Brauerei bekommt neue attraktive Nachbarn.

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Der Gründer und Manager der Teeling Whiskey Company Jack Teeling ist stolz über die neue Entwicklung, haben doch seine Vorfahren bereits 1782 in den Liberties Whisky gebrannt. Gemeinsam mit seinem Bruder Stephen Teeling werden sie ihre Distillery zu einem neuen touristischen Magneten in Dublin entwickeln, wo die Besucher endlich wieder einmal den Malzgeruch bei der Gärung und bei der Destillation von Whisky lebensnah in der Hauptstadt erleben können. Die Teelings hoffen, ab 2015 40 bis 50 Tausend und danach über 100 000 Besucher in die Brennerei zu locken. Es ist kein Wunder, dass der irische Arbeitsminister Richard Bruton die Investitionen von zehn Millionen Euro in die Brennerei und das Besucherzentrum am New Market Square begrüßte. Sichern diese doch langfristig neue Arbeitsplätze an einem Ort, wo es einmal rund 37 produzierende Distilleries gab.

Vom Bier zum Gerstenbrand

Die US-Dollars von Beam machten es möglich. Der irische Whisky Tycoon John Teeling ist wieder zurück im Geschäft. Der 68-jährige denkt keineswegs an einen Ruhestand: „Ich mag kein Golf, mir genügt das Rugby-Spielen mit meinen Freunden.“ Der profilierte, unorthodoxe und agile Unternehmer überraschte im August 2013 mit dem Kauf der Harp-Brewery in Dundalk. Ihr bisheriger Besitzer Diageo verlegte die Produktion des Harp Lager, des Smithick’s Ale und anderer Sorten nach Dublin in die St James’s Gate Brewery, wo bekanntlich das Guinness Bier gebraut wird. Bereits 2008 hatte Diageo eine mögliche Schließung der Harp-Brewery angekündigt. Zusammen mit seinen Söhnen Jack und Stephen wie auch den früheren Direktoren der Cooley Distillery im Co. Louth, Jim Finn und David Hynes, formierte er eine neue Gesellschaft, die Irish Whiskey Company (IWC) und gründete in der Brauerei die Great Northern Distillery.

„Wir haben im April 2013 damit begonnen, neue Destillationsanlagen zu installieren. Wir planen, im dritten Quartal 2014 mit der Produktion von Grain Whiskey, Pot Still Whiskey und Single Malt Whiskey zu starten,“ so John Teeling, „im Sudhaus werden wir die kupfernen Bottiche zu Brennblasen umbauen.“ Der clevere Whisky-Produzent, der als überzeugter Pioneer selbst keinerlei Alkohol trinkt, probierte noch nicht einmal die vielen Whiskey-Kreationen, die sein erfolgreicher Master Blender Noel Sweeney bei Cooley hervorbrachte. „Ich stamme aus einer konservativen Familie, mein Vater und meine Mutter tranken keinen Alkohol. Wenn wir Gäste hatten kaufte meine Mutter eine Flasche Powers, einen Dublin Whiskey, und sechs Flaschen Guinness … Als Jugendlicher gelobte ich, keinen Alkohol zu trinken … An meinem 21. Ge- burtstag trank ich einen wunderbaren Organgensaft. Ich war vollkommen zufrieden.“

Die in Dublin im Bau befindliche Teeling Distillery
Die in Dublin im Bau befindliche Teeling Distillery

In den nächsten Jahren werden die Investoren um Teeling 35 Millionen Euro in das Brennerei-Projekt investieren. Sie beabsichtigen, einige der bisherigen 80 Arbeitsplätze zu erhalten und ehemalige Brauereimitarbeiter in die neue Brennerei zu übernehmen. Insgesamt werden wohl nur 20 Arbeitsplätze geschaffen. Dundalk erhält damit wieder eine Whiskey Distillery, nachdem bereits 1925 die Malcolm Brown Distillery ihre Pforten schloss.

Da der Weltmarkt weiter nach irischem Whiskey lechzt, möchte der Teeling-Clan in den von Beam Inc aufgegebenen Markt wieder eindringen. Zukünftig soll das ehemals wirtschaftlich erfolgreiche Cooley-Modell die Arbeitsplätze in Dundalk sichern. Ab 2017-18 werden nach den Vorstellungen der Teelings wieder günstige Irish Blends, Pot Still Whiskeys und Single Malt Whiskeys weltweit die Regale mit irischem Leben füllen, die im Auftrag der Lebensmittelketten und der freien Labels irischer Whiskey-Bonder kreiert werden. Mit ihren sogenannten „White Labels“ hatten sie von 1987 bis 2011 mit der von ihnen umgebauten Potato Peel Distillery auf der Halbinsel Cooley eine Renaissance der irischen Whiskey-Vielfalt eingeläutet. Senior John Teeling blickt positiv in die Zukunft:

„Die irische Whisky-Industrie wird sicherlich auch ihre Höhen und Tiefen haben, aber wenn die Vorhersagen stimmen, dann werden wir in den Jahren 2020 bis 2024 rund 20 Millionen Cases (je 9 Liter) Whiskey vermarkten und bis 2030 mehr Irish Whiskey produzieren als die amerikanische Bourbon-Industrie.“

Den dritten und letzten Teil unserer Serie bringen wir am nächsten Sonntag…

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