Mit freundlicher Genehmigung des Autors Ernst J. Scheiner bringen wir hier einen Artikel über die Aufbruchstimmung in der irischen und schottischen Whisk(e)yindustrie. Im ersten Teil, den wir am vorigen Sonntag veröffentlichten, beschäftigten wir uns mit den Umbrüchen in Irland, die die Whiskeywelt verändern werden, ebenso wie in Teil 2. Im abschließenden dritten Teil wenden wir uns nach einem weiteren Blick auf die grüne Insel auch Schottland zu. Der Artikel ist ein Nachdruck aus dem Irland-Journal.

Irlands westlichste Brennerei

Mittlerweile produziert die seit 2012 in Dingle beheimatete Whiskey- und Gin-Destillerie. Ihr Gin ist bereits auf dem Markt, der erste Whiskey ist 2015 zu erwarten. Geboren wurde die Idee einer neuen irischen Destillerie in Dublins Temple Bar District. Im Mai 1996 eröffneten Oliver Hughes und Liam LaHart ihre erste kleine Bierbrauerei und brauten nach traditionellen Rezepten jeweils drei Stouts, drei Lagerbiere und drei Ales. Ihre bahnbrechende Geschäftsidee gab ihnen Recht, denn 1999 kam das weltbeste Ale aus der ersten unabhängigen Brauerei Irlands.

Der Grundstein war gelegt, denn wer Bier brauen kann, der ist auch in der Lage Whiskey zu destillieren, ist doch der Gerstensaft seine Ausgangsbasis, dachte sich der rührige Oliver Hughes. In dem schottischen Whisky-Experten John McDougall fand er einen kongenialen Partner zur Verwirklichung seiner Idee einer Whiskey-Distillery. Der legendäre McDougall blickt selbst auf ein langes Engagement in der Whiskybranche zurück, war er doch in der Produktion oder als Manager bei Balvenie, Ladyburn, Laphroaig, Springbank oder Tormore tätig.

Blick über den Hafen von Dingle. Bildrechte bei whiskyexperts, Bernhard Rems
Blick über den Hafen von Dingle. Bildrechte bei whiskyexperts, Bernhard Rems

Westlich von Dingle, Co. Kerry, fanden sie in Milltown in der ehemaligen wassergetriebenen Fitzgerald-Sägemühle einen idealen Produktionsort. „Im milden Golfstrom-verwöhnten Klima, in dem bekanntlich die irischen Whiskeys besonders gut reifen, wird unser Dingle Whiskey seinen überzeugenden Charakter erhalten,“ hofft Oliver Hughes. Die Produktionsanlagen wurden von John McDougall in Zusammenarbeit mit Forsyths aus dem schottischen Rothes, Speyside, entworfen. Die berühmten Kupferschmiede schmiedeten in Handarbeit die Brennblasen, drei für die Destillation von Getreidebrand und eine für die Herstellung von Gin oder Vodka.

Zusammen mit dem Head Brewer von Porter- house, Peter Mosely, begannen sie am 7. Oktober 2012 den ersten Gin in einer speziellen Brennblase, Oisín genannt, zu brennen. Neun Pflanzen und Kräuter der Region, darunter Eberkirsche, Eibe, Fuchsia, Heide, Kerbel, Weißdorn, Koriander und Engelwurz schaffen eindrucksvolle Aromen.

Etwas länger dauerte es bis der erste dreifach gebrannte Single Malt aus irischer Gerste in den Spirit Safe strömte. „…the sprit is great and the whiskey will be liquid magic!“ frohlockte John seinen New Make, sein neugeborenes Kind. Fruchtige, malzige Aromen verbinden sich mit einer angenehmen Süße und Cremigkeit. Das Herzstück der Spirit Still kommt auf eine durchschnittliche Alkoholstärke von 72% vol. und überzeugt ebenfalls durch seine Reinheit. Erst Proben versprechen einen fruchtigen, milden und samtigen Whiskey mit sehr viel Potential.

Seit dem Neu- und Erweiterungsbau der Midleton Distilleries im Co. Cork durch die Irish Distillers Group, einem Zusammenschluss von Cork Distillers, Jameson & Son und Power & Son (Bushmills gehörte von 1972 bis 2005 ebenfalls dazu) im Jahre 1975 ist die Dingle Distillery die erste wirklich neue Brennerei auf der grünen Insel.

Die neue Generation irischer Brennereien in Bandon, Belfast, Cork, Enchiville, Horse Island Londonderry, Dublin usw. wetteifert zukünftig mit den Irish Distilleries der Global Players um die Gunst der Whiskey-Welt: Cooley und Kilbeggan (Beam Inc/Suntory), Bushmills (Diageo) und Midleton (Pernod-Ricard). Waren doch die beiden letztgenannten ein tragisches Überbleibsel einer einst so großen irischen Whiskey-Vielfalt. 1837 produzierten 90 Brennereien zweifach oder dreifach destillierte Getreidebrände aus ungemälzter und gemälzter Gerste, Hafer, oder aus 100% Gerstenmalz mit oder ohne Rauchnoten. Die neuen Brenn- meister werden an diese vielfältige Vergangenheit mit ihren neuen Produkten anknüpfen.

Die Destillerie Kilbeggan
Die Destillerie Kilbeggan

Tullamore entsteht neu

Die neue Tullamore Dew -Destillerie, die seit einiger Zeit im Bau befindlich ist
Die neue Tullamore Dew -Destillerie, die seit einiger Zeit im Bau befindlich ist

Selbst die Schotten kehren nach Irland zurück und investieren in die Whiskey-Industrie. Die Nachricht von William Grant & Sons Ltd, eine Destille- rie in Tullamore zu bauen, erfreute 2012 die Lokalpolitiker. Endete doch 1954 mit der Schließung der gleichnamigen Brennerei in Tullamore eine Whiskey-Tradition. Die Grants of Dufftown, Besitzer von Glenfiddich, werden in Tullamore wohl im Herbst 2014 wieder einen Gerstenbrand in der neuen State-of-the-Art Distillery brennen. Die Schotten sehen im irischen Whiskey-Markt große Entfaltungspotentiale. Vorausschauend hatten sie die Marke Tullamore D.E.W. – ihre Whiskeys wurden von den Midleton Distilleries und von Cooley hergestellt – von ihren italienischen Besitzern erworben. Rund 35 Personen werden sowohl einen Grain Spirit als auch einen Pot Still Spirit brennen. Die Jahresproduktion wird jährlich 1,85 Million Liter reinen Alkohol erreichen. Der Whiskey reift in 26 Paletten-Lagerhäusern und drei kleinen traditionellen Dunnage Warehouse – mit maximal drei Lagen übereinander liegenden Fässern – heran. In Deutschland ist der Tullamore D.E.W. die Nummer 1 und erreicht einen Marktanteil von über 60%.

Der einzigartig geformte Spirit Safe der Tullamore Dew Destillerie
Der einzigartig geformte Spirit Safe der Tullamore Dew Destillerie

Whisky in Schottland

Schottlands Distillery Boom setzt sich gleichfalls fort. Seit dem Einstieg der Farm Distilleries Kil- choman und Daftmill im Jahre 2005 schäumt die Whisky-Industrie. Mit £ 4,3 Milliarden erreichte 2013 der Export schottischer Whiskies einen er- neuten Höhepunkt. Pro Sekunde werden mehr als 40 Flaschen „Wasser des Lebens“ exportiert, das ergibt im Jahr mehr als 1,3 Milliarden Whisky-Flaschen in den Regalen der Geschäfte. Allerdings belegen die Exportzahlen für 2013 eine leichte Abkühlung des sicherlich hitzigen Marktes, nur um 3% erhöhte sich der Umsatz gegenüber dem Vorjahr. Die Umsätze in Taiwan und Korea blieben hinter den Erwartungen zurück. Deutschland nimmt nach den USA, Frankreich, Singapur und Spanien den fünften Platz ein.

In Schottland heizt der Bau neuer Brennereien die Goldgräberstimmung an. Investoren sehen Chancen einer sehr hohen Verzinsung ihres Kapitals. Wie ihre keltischen Nachbarn möchten sie dabei sein und am Erfolg der Getränke-Giganten Diageo, Pernod-Ricard, Suntory, Campari und Bacardi teilhaben.

Es ist daher kein Wunder, dass immer mehr neue schottische Brennereien aus dem Boden sprießen. Die Liste ist mittlerweile lang: Abhainn Dearg, Ardnamurchan, Annandale, Anniston, Ardnamurchan, Drimnin, Falkirk, Gartbreck, Harris, Inchdairnie, Kingsbarns, Portavadie, Glen Turner, Roseisle, Saxa Vord, Strathearn und Wolfburn beteiligen sich am Aufschwung. Bestehende Distilleries wie Glen Keith oder Glenlivet wurden bereits ausgebaut, die Produktionskapazität von Imperial, Mortlach oder Teannich wird derzeit mehr als verdoppelt.

Neues aus der Speyside

Gerüchte um den Neubau einer Whisky-Distillery in der unmittelbaren Nachbarschaft von Cragganmore gab es schon seit einiger Zeit. Öffentlich wurde das Projekt durch die die Förderzusage der schottischen Regierung in Höhe von 1,27 Millionen Pfund im Juni 2013.

ballindaloch

Auf dem am River Spey gelegenen Ballindalloch Estate entstand nach dem Willen von Lady Laird of Ballindalloch, Clare Macpherson-Grant Russell, in ehemaligen Wirtschaftsgebäuden eine Whisky-Brennerei. Direkt neben dem zum Ballindalloch Castle gehörenden Golfplatz gibt es somit eine weitere touristische Attraktion in der Speyside. Rege Bautätigkeiten setzte ein als die schottische Regierung ihre Förderzusage gab. Das Moray Council hatte bereits im Juli 2012 die Bauanträge des Ballindalloch Trust zum Umbau und zur Erweiterung der nicht mehr genutzten und allmählich verfallenden Stallungen an der A95 genehmigt. Das Council gestattete den Bau einer Craft-Distillery mit Lagerhaus sowie Besucherzentrum. Mit der Whisky-Destillation soll dem Vernehmen nach im September begonnen werden. Die Produktion wird vom erfahrenen Brennmeister Charlie Smith (vormals Manager der Talisker Distillery in Skye) überwacht. Den MacPherson-Grants ist es damit gelungen, einen erfahrenen und in der Whisky-Welt sehr renommierten Fachmann zur Mitarbeit zu gewinnen.

Guy Macpherson-Grant (rechts) hält die Kommissionierungspapiere in der Hand
Guy Macpherson-Grant (rechts) hält die Kommissionierungspapiere in der Hand

Die Grants of Ballindalloch (nicht zu verwechseln mit den Grants of Glenfarclas oder den Grants of Glenfiddich) gehören zum schottischen Hochadel und sind freundschaftlich eng mit der englischen Königsfamilie verbandelt. Ihr Herrensitz zählt zu den ‚romantic Castles’ in Schottland und wird gerne als die Perle des Nordens umschrieben. Dort findet der Reisende auch eine der ältesten Aberdeen-Angus-Herde des Landes, die seit 1860 ohne Unterbrechung gezüchtet wird.