Die Geschichte des Whisk(e)ys muss neu geschrieben werden

Bis jetzt glaubten wir diese Version über die Herkunft von und die Erfindung des Whisk(e)y: Im 5. Jahrhundert begannen christliche Mönche in Irland und Schottland zu missionieren. Neben der Bibel brachten die Mönche den dort lebenden Kelten auch das Wissen und die dazu gehörigen technische Geräte zur Herstellung von Arzneimitteln und Parfüm mit. Und diese Kelten waren dann die Ersten, die eine wasserklare Flüssigkeit destillierten. Diese hieß aqua vitae oder uisge beatha, woraus sich dann im Laufe der Zeit die Wörter Whisky oder Whiskey entwickelt haben. The Northern Research Society for Viking Daily Life kommt zu einem ganz anderen Ergebnis.

„Diesen Quatsch müssen wir jetzt schon seit Jahren lesen“.

Wir treffen uns mit dem Runologen und Sprachwissenschaftler Aegir Krøyer in Wien, und er ist sichtlich erbost. Aegir ist Vorsitzender der „The Northern Research Society for Viking Daily Life“ mit Sitz im norwegischen Stavanger und hat es sich auf die Fahne geschrieben, den Verlauf der Geschichte richtig zu stellen. „Das mit der Christianisierung wird schon einigermaßen stimmen. Nur das mit dem uisge beatha, das ist ein weiterer, in diesem Fall äußerst offensichtlicher, Übersetzungsfehler des Christentums“.

Denn Whisky oder Whiskey leitet sich vom altnordischen vískeýe oder víski ab. So sprachen die Wikinger zu ihrer Hochzeit, diese beiden Versionen dokumentieren nur unterschiedliche Dialekte, nämlich vískeýe im Altwestnordischen und víski im Altostnordischen. „Wir sehen es als unsere Aufgabe an, mit den Missverständnissen und auch Unwahrheiten über unsere Vorfahren aufzuräumen.“ Aegir Krøyer holt weiter aus. „Eine Viking ist im Altnordischen eine weite Schiffsreise. Aus diesem Wort wurden dann die Wikinger. Durch diese weiten Schiffsreisen wurde mit weit entfernte Kulturen Handel betrieben. Sie hatten aber auch kriegerische Eroberungen als Zweck.“ Aegir verschweigt nicht, wofür die Wikinger heutzutage eher bekannt sind. „Die Nordmänner – so nannten sie sich selbst und so nennen wir sie auch – brachten allerdings auch ihre Kultur mit und hinterließen Teile dieser überall in Europa. Ein wichtiger Bestandteil ihrer Kultur war das gemeinsame Trinken unterschiedlicher alkoholischer Getränke. Dazu gehörte neben Met (altnordisch mjǫðr) und Bier (altnordisch mungát) auch ein stark alkoholisches Getränk mit dem altnordischen Namen vískeýe / víski.“

Die erste Erwähnung von Whisky finden wir in Hamburg

Aegir Krøyer kann dies auch anhand historischer Quellen belegen: „Die Österreichische Nationalbibliothek bewahrt das bedeutendste Manuskript der ‚Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum‚ auf. Geschrieben wurde dies von Adam von Bremen, einem Kleriker und Chronisten, welcher Mitte des 11. Jahrhunderts lebte. Sein Werk besteht aus fünf Teilen. In den ersten drei Teilen schrieb er über die Geschichte des Erzbistums Hamburg. Im vierten Teil allerdings, Descriptio insularum aquilonis, beschäftigt er sich mit Nordeuropa. Dieses Werk gilt als älteste ausführliche Quelle zur Geographie und Kultur Nordeuropas, insbesondere Skandinaviens.“

Adam von Bremen, Geschichte der Hamburger Kirche, 11 Jahrhundert
Quelle: Scan aus Buch: Matthias Puhle (Hrsg.): Otto der Große. Magdeburg und Europa, Bd. II. Katalog, S. 8, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Adam_von_Bremen.jpg

Wir sind sichtlich beeindruckt, doch der Zusammenhang erschließt uns noch nicht sofort. Aegir fährt fort: „Der Dänenkönig Sven Estridsson (ca. 1020 – 1076 ) diente dem Geschichtsschreiber Adam von Bremen als Quelle für seine Darstellungen. Neben den Feldzügen und Eroberungen gab Sven Estridsson auch detaillierte Einblicke in das alltägliche Leben der Nordmänner. Und nach den erfolgreichen Überfahrten gab es für die Besatzung der Schiffe ein immer gleiches Ritual, welches Sven Estridsson so beschreibt: halda svá til hafnar, víski snerta. Übersetzt heißt dies: Heldengleich im Hafen, trank ich den Whisky mit einem Zug.“

Kaum eine Wikinngerreise dürfte ohne víski geschehen sein: halda svá til hafnar, víski snerta!

„Da die erste urkundliche Erwähnung des schottischen aquavite erst 1494 stattfand, die ‚Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum‘ allerdings schon zwischen ca. 1070 und ca. 1076 geschrieben wurde, ist es somit wissenschaftlich bewiesen, dass Whisky auf die Wikinger zurückgeht.“ Aegir Krøyer kommt zum Ende seiner Ausführungen. Ob dies auch für den nordamerikanischen Whiskey gälte, werfen wir fragend ein. „Dafür gibt es keine belastbaren Quellen“ antwortet Aegir, „doch wir gehen davon aus, dass Leif Eriksson bei seiner Entdeckung Amerikas Whisky mit an Bord hatte.“