Samstag, 10. Dezember 2022, 00:54:10

Bericht von der John Walker & Sons Voyager – mit Verkostungsnotiz

Auf der John Walker & Son Voyager

Es muss schon einen ganz besonderen Hintergrund haben, wenn man sich als Global Player der spirits industry dazu entschließt, eine Segelyacht um den Globus zu schicken, die Weltmeere zu bereisen, außergewöhnliche Destinationen anzulaufen und mit außergewöhnlichen Menschen besondere Erlebnisse zu generieren.

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Die John Walker & Sons Voyager hat auf ihrer Reise Station in Hamburg gemacht und für drei Tage geladenen Gästen die Yacht, die Geschichte dahinter, den neuen Whisky „Odyssey“ und eine Schiffsladung Exklusivität präsentiert.

Auf verschiedenen Bars an Deck bereiteten fünf Bartender des GSA Raums Drinks mit Gold Label Reserve, Platinum Label und Blue Label zu, und zeigten mit eigenen Kreationen und Signature Drinks die Vielfältigkeit der Produkte sowie die handwerkliche Kunst und craftmanship, die die Barkultur heute so spannend und interessant macht.

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Ich hatte die große Ehre und Freude mit den großartigen Tresenvirtuosen Bert Jachmann, Atalay Aktas, Laura Schacht und Miguel Fernandez dieses Quintett zu bilden und meine einzig freien Tage von meiner Arbeit in der American Bar des Londoner Savoy Hotels für diesen Kurzausflug zu „opfern“…

Ob man jetzt auf Segelschiffe, große Yachten und das Drumherum Wert legt oder nicht, dieses Schiff und die Ausstattung – eigentlich die ganze Story – ist zweifelsohne nicht von schlechten Eltern. Und man muss kein Freund von Blended Scotch sein oder den Whiskies des Hauses Johnnie Walker mit Begeisterung begegnen, was sich die Firma Diageo hier hat einfallen lassen und organisierte, wirkt schon sehr ansprechend und toll inszeniert.

Entsprechend waren die Tage – neben diverser Partnerevents, von Mont Blanc, dem Alsterhaus über Mercedes, und etlichen anderen – von viel Prominenz, Whiskyexperten und Presse geprägt. Für uns aber definitiv am wichtigsten: die feinen Tropfen, ausgesuchte Kreszenzen, die den Weg in und aus den Gläsern fanden.

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Die drei angesprochenen Blends sollten durch fein abgestimmte Cocktails in Szene gesetzt werden, ich selbst brachte „Old Bodach“ mit aufs Schiff, ein sehr schlicht gehaltenes Zusammenspiel aus Platinum Label, Oloroso Sherry und Gran Classico Bitter. Mit zwei dash Peychaud’s auf Eis verührt und mit Zitronen- und Orangenzesten abgespritzt.

Von „Odyssey“ wurde viel erzählt, ein paar Glückliche durften auch mit Johnnie Walkers Global Brand Ambassador ein tasting erleben. Ob der streng limitierten Auflage stand der Blend dreier Single Malts aber nicht zur freien Verfügung und Verkostung aller an Bord.

Von Passion und Whisky als meiner ganz großen Leidenschaft zu sprechen, ist hier nicht weiter nötig oder angebracht, ich bin ein bescheidener Mensch und mit Sicherheit der Letzte, der einen Whisky wegen seines Packaging, des horrenden Preises oder dem Marketinggerüst trinkt, aber gerade da ich auch für Whisky Experts als Autor tätig sein darf, juckte es mich unter den Nägeln, vielleicht doch auf die aromengeleitete Suche nach den unbekannten Dreien gehen zu dürfen.

 

Verkostungsnotiz John Walker & Sons Odyssee

Und dann kam er doch, dieser kleine, spezielle Moment, wo ich in einer stillen Minute unter Deck ein Glas vor mir hatte, mit einem Schluck des – Verzeihung – sündteuren Sammlerstücks, das Diageo nun also auf den Markt bringt. Wer an eines der raren Fläschchens zu kommen gedenkt, wird dafür eine richtige Stange Geld los, so viel steht fest. Exklusivität hat hier ihren Preis.

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Tasting Notes:

Nase: volle Frucht eröffnet, tropische Zitrusanklänge, Banane, süßliches Opening, etwas Holzpolitur und lackige Noten, Sherry kommt dominant in den Vordergrund, Würze, Zimt, Muskat und etwas Nelken kleiden den subtilsten Anflug von Rauchigkeit in ein Gewürzbad, dazu gesellen sich Dörrfruchtaromen, ein feiner, sehr reifer Holztouch, dunkles Roggenbrot, etwas Pfeffer, Pumpernickel und Kirsche, dann mit Zeit ein frischerer Holzcharakter, weiße Holzscheite, etwas Sägemehl, und Wachs gegen Ende

Gaumen: viel Würze, kräutrig der Beginn, Liebstöckel spielt etwas mit Koriander, dann kommt die Vanille und wieder viel von dem Sherryimpact, der auch in der Nase da war, Holzton und Reifenoten von sehr feiner Harmonie und sehr schön verwoben, Tropenfrucht, Papaya, helles Holz, Pfefferspice, entwickelt sich mit mehr Süße, Macis, Ingwer und ledrige Tabaktöne

Finish: ein sehr langes Finish, lange bleiben die würzigen Sherrynoten liegen, getragen von dem Hin und Her aus hellen und dunklen Tönen, Vanillesüße, Tabak, Oloroso, komplex und stimmig

Alles in allem: ein von Sherry und würzig süßen Fruchtnoten geprägter Whisky, der eine schöne Komplexität, Intensität und Länge zeigt. Man und muss ein solches Produkt vermutlich von verschiedenen Seiten betrachten und unterschiedlichen Zielgruppen und Interessen Rechnung tragen.

Wenn ich einfach einen tollen Malt trinken möchte, wird der Odyssey den Anforderungen gerecht, man kann aber um günstigeres Geld auch fantastische Whiskies genießen. Odyssey punktet mit seiner Geschichte, dem ganzen Drumherum und ist ein von Marketing getragenes Produkt – nichts verkehrt daran. Die Qualität des Produkts stimmt, und die, die es sich leisten können, werden mit dem Whisky viel Freude haben, auch wenn die meisten davon ungeöffnet im Schrank als Sammlerstück ihr Dasein fristen werden.

In diesem Sinne, aufmachen, und mit den richtigen Menschen teilen und genießen.

Cheers und beste Spirits!

Auf eine Stern-Bewertung verzichten wir in diesem speziellen Fall. Zu diesem Whisky gehört viel Rundherum, das auch den Preis bestimmt – die Qualität des Whiskys können Sie den geschriebenen Verkostungsnotizen entnehmen.

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Verkoster: Reinhard Pohorec arbeitet zur Zeit als Bartender im Savoy in London und beschreibt sich selbst als leidenschaftlicher Whiskygenießer. Er hat sich in seinem Berufsfeld auf den Purbereich und Whiskys spezialisiert und ist für whiskyexperts als freier Kolumnist tätig.

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