Whisky ist immer sehr stark mit den Menschen verbunden, die ihn erzeugen. Ihre Ideen, ihre Erfahrungen prägen seinen Stil ebenso wie es die Brennblasen tun.

Es sind aber nicht nur die im Rampenlicht stehenden Menschen, wie zum Beispiel die Master Blender oder die Distillery Manager – jeder der Mitarbeiter, vom Mash Man bis zum Verantwortlichen für die Lagerhäuser, trägt seinen Teil dazu bei, dass der Whisky einer Brennerei im Idealfall etwas Unverwechselbares wird – oder, wenn es sich um Mitarbeiter des Visitor Centers handelt, der Besuch dort.

Unser Gastautor Stefan Bügler, dem wir schon einen einfühlsamen Artikel über ein Fest bei der Lindores Abbey Distillery und über Glen Scotia (Teil 1 und Teil 2) verdanken, nimmt sich in seinem dritten Beitrag den Menschen hinter der Brennerei Springbank in der Whiskyregion Campbeltown an. Dieses handwerkliche Kleinod der Destillierkunst in Schottland lebt wie nur wenige Brennereien von Handarbeit und dem Spirit der an der Whiskyerzeugung Beteiligten.

Den Artikel bringen wir für Sie in zwei Teilen (der zweite Teil erscheint morgen) – und wünschen Ihnen viel Vergnügen bei der Lektüre:

Treffpunkt an der Ecke Longrow und Well (Teil 1)

Longrow. Mit der Erwähnung dieser Straße ist unser heutiger Treffpunkt kein echtes Geheimnis mehr: die Springbank Distillery in Campbeltown. Von der Gerste bis zur Flasche, hier wird der gesamte Prozess der Whiskyherstellung unter einem Dach durchgeführt. Dabei werden geradezu historische Gerätschaften in ebensolchen Gebäuden verwendet.

So überrascht es nicht, dass es in der Brennerei einige versteckte Orte gibt, die kaum ein Besucher zu sehen bekommt. Wer könnte besser geeignet sein, uns an diese Orte zu führen, als die charismatischen Mitarbeiter von Springbank?

Springbank an der Ecke Longrow & Well- Copyright by Stefan Bügler

Maltbarns – Face to Face mit Kerry Hastie

Geradezu konspirativ begrüßt mich Kerry Hastie, eine langjährige Mitarbeiterin der Brennerei, die sich in auf den Malzböden (Maltbarns) absolut zuhause fühlt.

Der Boden im Erdgeschoß ist mit keimender Gerste bedeckt. Die unweltfreundliche Klimaanlage ist niedrig eingestellt, was bedeutet, dass nur wenige Fenster geöffnet sind, um die optimale Temperatur zu halten, die der Gerste beste Bedingungen während des Keimens bietet.

Im sonst nicht zugänglichen ersten Stock der Maltbarns zeigt mir Kerry den Steep. Das sind Wasserbecken, in denen die Gerste immer wieder in Wasser getränkt wird, damit sie glaubt es sei Frühling und höchste Zeit zu keimen. Ich kann nicht umhin, ein Lächeln in Kerry’s Gesicht zu bemerken.

„Tja“, sagt sie, „wenn du hier nachts alleine die Malzböden bearbeitest und die Uhr drei oder vier Uhr morgens schlägt, da fängst du an Dinge zu hören, die nicht da sind. Eine gewisse innerliche Unruhe kommt da schon auf. Eines nachts habe ich die Gerste gewendet und mich immer weiter in Richtung Steep vorgearbeitet, als dort plötzlich ein weißer Geist heraussprang und mich zur Salzsäule erstarren ließ. Es war ein Kollege von mir, der sich einen weißen Sack übergezogen hatte und stundenlang im Steep ausharrte, um mir diesen Streich zu spielen.“

Wie Kerry ihm diesen Streich vergolten hat, dazu möchte sie sich leider nicht äußern. Ihrem Gesichtsausdruck kann ich jedoch ablesen, dass die Rache sehr süß war. „Es gab viele richtig gute Streiche seitdem ich hier arbeite, aber die bleiben innerhalb dieser Wände“, sagt sie und belässt es dabei.

Local Barley im Loft – Copyright by Stefan Bügler

Im Barley Loft im zweiten Stock lagern aus der Umgebung von Campbeltown kürzlich angelieferte 26 Tonnen Gerste. Das ist etwas mehr als die wöchentliche Kapazität beider Malzböden. Die Gerste wird sich in etwa 10.000 Liter reinen Alkohol (LPA) verwandeln, der als Single Malt Whisky frühestens in 10 Jahren die Springbank Fans in der „Local Barley“ Serie weltweit begeistern wird. Kerry ist sehr stolz auf diese Serie, da sie ihre Fertigkeiten im Zusammenspiel mit lokalen Rohstoffen und einem besonderen Geschmack abbildet. Ein Stück Heimat.

Wir gehen ein Stück weiter und kommen zu ihrem verborgenen Lieblingsplatz in der Brennerei: das geradezu antike Porteus Förderband, das die keimende Gerste in die Malztenne (Kiln) transportiert. „Es repräsentiert ein Stück zeitlose Industriegeschichte und ist ein besonderer Teil des Porteus Equipments, das wir noch unverändert im Einsatz haben“, findet Kerry.

Kerry Hastie im Barley Loft – Copyright by Stefan Bügler

Meet: Kerry Hastie, Distillery Worker Supervisor (Maltbarns)

  • Bei Springbank seit: November 2004
  • Lieblingsplatz in der Brennerei: das atmosphärische Barley Loft mit seinem Porteus Equipment
  • Springbank Lieblingswhisky: Local Barley 16 years old, 09/1999-01/2016, 54,3% Alc. Vol. – weil es für mich ein Stück Heimat im besten Sinne ist sowie aufgrund seines relativ hohen Alters und großen Anteils an Bourbonfässern

Als Malzspezialistin erklärt Kerry noch schnell die drei verschiedenen Malzsorten, die sie für die Single Malt Whiskys von Springbank herstellt:

  • ungetorftes Malz für Hazelburn (0 ppm), das mit 30 Stunden heißer Luft getrocknet wird,
  • leicht getorftes Malz für Springbank (8-10 ppm), getrocknet mit 6 Stunden Torfrauch und 30 Stunden heißer Luft und
  • stark getorftes Malz für Longrow (50ppm) mit bis zu 48 Stunden Torfrauch getrocknet.

Darüber hinaus wird für die Schwesterbrennerei Glengyle eine leicht getorfte (8-10 ppm) und eine stark getorfte (50 ppm) Variante für den Kilkerran Single Malt hergestellt.

Leider ist es an der Zeit, die fantastische Atmosphäre des Barley-Lofts zu verlassen. Während wir die Treppe hinuntergehen, spielen uns jedoch ein paar Spatzen ihren eigenen Alfred Hitchcock „Birds“-Streich. Sie scheinen uns zu anzugreifen, fliegen fast durch uns durch, allerdings nur um auf den Malzboden zu gelangen, wo die große Tafel für sie angerichtet ist. Zum Glück ist es nicht 4 Uhr morgens und ich habe Kerry an meiner Seite. Ehrlich gesagt: wir hatten beide einen Lachanfall. Wir gehen am Kiln und den Malzsilos entlang zur Malzmühle, wo Kerry sich von mir verabschiedet und mich an ihre Kollegin weitergibt.

Der Porteus-Dresser – Face to Face mit Lea Watson

Lea Watson arbeitet seit mehr als acht Jahren für Springbank. Sie hat einen Abschluss in „Brewing & Distilling“ und hatte einst das Angebot, für Diageo zu arbeiten, entschied sich jedoch dafür, bei Springbank als Tour Guide anzufangen. Wenn das keine Hingabe ist. „Springbank hat etwas sehr persönliches, geradezu familiäres und das finde ich sehr gut“, erklärt Lea ihren damaligen Entschluss. Als Tour Guide kennt Lea die Brennereigebäude in- und auswendig und nimmt mich mit, die schmale Holztreppe hinauf zum Porteus-Dresser, zwei Stockwerke über der alten Mühle aus den 1940er Jahren desselben Herstellers.

Der Dresser ist ein wahrhaft altehrwürdiges Gerät mit viel Ausstrahlung, das in seiner eigentlichen Funktion alle unerwünschten Gegenstände – z. B. kleine Steine ​​oder Metall – von der gemälzten Gerste trennt. Als Lea eines Tages auf dem Dachboden war, landete eine Maus im Behälter für Aussortiertes, nachdem sie den Hindernislauf durch den Dresser bewältigt hatte. „Sie war total fertig und zitterte wie Espenlaub. Aber für mich ist sie ein wahrer Überlebenskünstler. Ich habe mich ein paar Tage um sie gekümmert und sie hat sich wieder erholt“, erinnert sich Lea. Zum Glück für die Survivor Mouse gibt es bei Springbank scheinbar keine Katze.

Lea Watson und der Porteus Dresser – Copyright by Stefan Bügler

Meet: Lea Watson, Sales Assistant & Tour Guide

  • Bei Springbank seit: Mai 2011
  • Lieblingsplatz in der Brennerei: der alte Porteus Dresser in geisterhaftem Ambiente
  • Springbank Lieblingswhisky: Springbank 15 y.o. – ich mag seine geschmackliche Balance und den hohen Anteil an Sherryfässern

Das gesamte Loft bietet ein wahrhaft stimmungsvolles Ambiente. Ein fantastischer Ort. Dann bemerke ich einen Spiegel, der aussieht, als stamme er direkt aus „Schneewittchen und die sieben Zwerge“. „Wofür ist der?“, frage ich. „Für Halloween“, lächelt Lea wissend. Ich kann spüren, dass hier ein weiterer Streich in Vorbereitung ist, ein guter, da bin ich mir sicher.

Genau wie Kerry ist Lea sehr angetan vom charismatischen Porteus Equipment: „Aber es ist ein Wahnsinn, dass das Unternehmen pleite gegangen ist. Die Maschinen, die Porteus gebaut hat, liefen so gut, dass sie oder Teile davon nie kaputt gingen. Ohne Ersatzteilgeschäft oder Reparaturen wird es dann schwer.“ Eine Lektion, die Telefon- oder IT-Hersteller heutzutage geradezu in ihre DNA aufgenommen haben.

The Coup – Copyright by Stefan Bügler

Aber zurück zum Prozess: nachdem die gemälzte Gerste durch den Dresser geleitet wurde, fällt sie eine Etage tiefer. Dort wiegt der sogenannte Coup das Malz in 40-kg-Portionen ab und bringt sie kontinuierlich in die Porteus-Mühle im Erdgeschoss ein. Heute steht er jedoch still. Lea zeigt auf ein graues Rohr, dass am Coup vorbeiführt: „Wir verarbeiten derzeit Kilkerran Malt. Das Malz läuft vom Silo durch den Dresser, aber vorbei am Coup direkt in den Anhänger draußen im Hof. Von dort wird die Gerste zur Verarbeitung in die Glengyle Distillery nebenan gefahren.“

Der Maltman – Face to Face mit John Doherty

John Doherty schaufelt Gerstenmalz vor schottischen Pyramiden – Copyright by Stefan Bügler

Meet: John Doherty, Production Worker (Maltings)

  • Bei Springbank seit: August 2017
  • Lieblingsplatz in der Brennerei: Im Anhänger Gerstenmalz schaufeln
  • Springbank Lieblingswhisky: Longrow 18 y.o. – weil ich die torfige Eleganz liebe

Ich folge dem grauen Rohr bis zum Ende und treffe John Doherty: „Ich bin heute der Mann mit der Maske“, lächelt er etwas erschöpft, „es ist staubig, fühlt sich an, als würde ich im Treibsand arbeiten, aber ich genieße diese körperliche Arbeit. Ich bin 41 Jahre alt, arbeite seit zwei Jahren hier und wünschte, ich hätte viel früher von Springbank erfahren. Aber zumindest bin ich jetzt hier. Ich liebe die verschiedenen Tätigkeiten und die familiäre Atmosphäre.“ Dann muss John schnell zurück in den Trailer und weiter schaufeln. Zeit für einen Blick auf die „schottischen Pyramiden“ im Hof hat er nicht. Klar zu sehen ist jedoch: wer mit Gerste arbeitet, muss fit sein.

 Lea geleitet mich vorbei an den zugänglichen Plätzen, wie z.B. der Porteus-Mühle und dem offenen Maischebottich. Auch den Tunroom mit seinen sechs Gärbottichen aus Lärchenholz, in denen eine relativ lange Gärung von 72 bis 100 Stunden einen „Wash“ mit 4,5% bis 5% Alkohol hervorbringt, besuchen wir heute nicht.

(Fortsetzung folgt morgen)