Leser fragen, Leser antworten: Quicktipps für Edinburgh

Unser Leser U. L. hat uns per Mail mit einigen Fragen zu seinem in Bälde stattfindenden Edinburgh-Aufenthalt kontaktiert – und zwei unserer Redakteure haben ihm darauf mit ihren Ideen und Vorschlägen geantwortet. Hier die Mail mit den Fragen:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Im März habe ich die Möglichkeit im Rahmen einer 3 tägigen Mitarbeiter Exkursion Edinburgh zu besuchen (mein Englisch auffrischen).
Können Sie da gute Whiskygeschäfte empfehlen. Ich dachte da ev. an Cadenhead.
Auch bin ich immer an einen guten Mortlach interessiert. Gibt es da eine Möglichkeit ein Geschäft zu finden, welches  Adelphi vertreibt?
Lohnt sich „the Scotch Whisky Experience“ oder ist das eher für Touristen.
Können sie an Sehenswürdigkeiten, außer der Burg noch was anderes empfehlen?
Gibt es ev. eine Distillery in der Nähe ?

Vielen Dank
mit freundlichen Grüßen

Edinburgh, Bild von Christian Bickel (2005), CC-Lizenz
Edinburgh, Bild von Christian Bickel (2005), CC-Lizenz

Redakteur Reinhard Pohorec hat ihm so geantwortet:

Einen schönen guten Abend!

Ich bin so frei und melde mich einmal mit ein paar Tips und kleinen Hinweisen:

  • SWE: in der Tat „touristisch“ und etwas klischeelastig, aber dafür exzellent gemacht und den Besuch jedenfalls wert. Auch kann man am Ende der Tour einen Einblick in den großen Shop werfen. Dazu sieht man immerhin eine der beeindruckendsten Flaschensammlungen der Welt sowie die größte Bottle überhaupt. Auch die Guides spielen immer eine gewisse Rolle. Scheuen Sie jedenfalls nicht vor vielen Fragen, viel Kommunikation und dann geht man bestimmt auf Sie ein.
  • Glenkinchie ist die am nächsten gelegene Destillerie!
  • Bezüglich Shops würde ich die Royal Mile / High Street rauf‘ und runter laufen, unvoreingenommen Treiben lassen, stöbern, genießen ist hier das Motto. Folgen Sie Ihrer Nase und den lieben kleinen Schaufenstern…
  • Holyrood House / Palace ist sehr schön, reicht aber von außen.
  • Halbwegs feste Schuhe einpacken und auf den Arthur’s Seat spazieren. Der Blick ist unbezahlbar, vor allem wenn ein wenig Sonne scheint.
  • Britannia sehr nett, ein Stück Geschichte!

Darf ich mir erlauben Ihnen auch noch ein paar Restaurants und Bars ans Herz zu legen, sofern Sie Zeit finden und Interesse an einem guten Schluck haben (es muss nicht immer ein purer sein) 😀

  • Essen: The Kitchin (von Tom Kitchin) oder Castle Terrace, der Mann ist top und spielt „local“ auf ganz neue und spannende Art.
  • Trinken: Bramble Bar, Panda & Sons, The Bon Vivant (auch exzellentes Bar Food zum Teilen!), Tigerlily, The Voodoo Roms (nicht überdrüber aber spannend zu sehen, nettes Konzept)

Nun, fürs Erste hoffe ich etwas helfen zu können. Meine lieben Kollegen haben vielleicht auch noch eine Ergänzung?

Mit den besten Grüßen und Spirits,
Reinhard Pohorec

Und auch Redakteur Dirk Piesczek hat einige gute Tipps für unseren Leser:

  • Whisky-Shop in Edinburgh: Da muss auf jeden Fall Royal Mile Whiskies genannt werden. Der Name lässt es vermuten: Dieser Shop befindet sich auf der Royal Mile und ist fast nicht zu verfehlen. Der Cadenhead Shop befindet sich ebenfalls auf der Royal Mile, Richtung Parlament.
  • Trinken: The Bow Bar – ein Pub mit einem guten Bier- und Whisky-Angebot inmitten der Altstadt
  • Sehenswürdigkeiten: Auf jeden Fall ins Edinburgh Dungeon. Es gibt verschiedene Touranbieter, eine Buchung im Voraus ist ratsam.

Letztlich wäre das Internet aber nicht das Internet, wenn wir damit den Wissensaustausch nicht auf eine weitaus breitere Ebene heben könnten, nämlich durch Ihre Antworten. Bitte nutzen Sie die Kommentarfunktion auf unserer Webseite und teilen Sie Ihre Edinburgh-Tipps mit dem Fragesteller – und damit mit allen unseren Lesern. Wir freuen uns auf Ihren Input!

Serge verkostet: Balmenach

Als Begleitung zu den Music Awards wählte Serge Valentin für die heutige Verkostung auf Whiskyfun zwei Whiskys aus der Speyside-Brennerei Balmenach. Der Achtjährige des Indies Single Cask Collection wurde im letzten Jahr abgefüllt, das Rumfinish hinterließ deutliche Spuren im Geschmacksprofil – ein wenig Wasser lässt ihn laut Serge zum schottischen Mojito werden. 44 Jahre zuvor wurde der zweite Kandidat destilliert. Für seine Reifung durfte er weit mehr Zeit in Anspruch nehmen, dazu kam noch ein längeres Verweilen in der Flasche – auch dies wird einen weiteren Einfluss gehabt haben. Die beiden Balmenachs in der Übersicht:

  • Balmenach 8 yo 2006/2014 (55%, Single Cask Collection, rum finish) 82 Punkte
  • Balmenach-Glenlivet 1962/1983 (92 US proof, Duthie for Narsai’s and Corti Brothers, USA) 91 Punkte
Balmenach Destillerie, Foto von Iain Macaulay, CC-Lzenz
Balmenach Destillerie, Foto von Iain Macaulay, CC-Lzenz

Sind das wirklich 5 neue Ardbeg? Die gesammelten Etiketten für die USA

Fünf neue Ardbeg wird es 2015 vielleicht oder vielleicht auch nicht geben, wie wir bereits berichteten, hier wollen wir Ihnen nochmals gesammelt die Flaschenetiketten für die US-Releases dazu vorstellen – aber sie werfen nach wie vor einige Fragen auf.

Zunächst einmal ist hier der Ardbeg Bicentennial, mit 49.2% abgefüllt und (leider) NAS, also No Age Statement.


Ardbeg Bicentennial Vorderseite

 

Ardbeg Bicentennial Rückseite

 

Dann der Ardbeg Atmosphere, ebenfalls mit 49.2% abgefüllt und ohne Altersangabe

ardbeg Atmosphere Vorne

 

ardbeg 2

Nummer drei in der Riege ist der Ardbeg Continuum, ein dritter NAS mit 49.2%:

Ardbeg Contimuum

ardbeg 4

Nummer 4, der Ardbeg Perpetuum, mit 47.4% abgefüllt und wieder – wie langweilig – ohne Altersangabe:

ardbeg 7

ardbeg 6

Und der fünfte im Bunde, der Ardbeg Anniversary. Er hat wiederum 49.2% und keine Altersangabe, ist aber ein Committee Release.

Ardbeg Anniversary

 

Ardbeg Anniversary Back

Was fällt auf? Bis auf den Perpetuum sind alle mit 49.2% abgefüllt, kein einziger (!) kommt mit einer Altersangabe – und die Tasting Notes auf den Rückseiten lesen sich alle gleich. Und zwar haargenau gleich.

Wir stellen also nochmals die Frage: Sind das wirklich 5 verschiedene Abfüllungen? Oder nur 2? Wollen uns die Marketingleute von Moet Hennessy, die sich über die Quellen der Fans bei den Behörden in den USA ärgern, einfach nur nasführen? Vielleicht wissen wir nach den Feiertagen dann mehr…

Ralfy’s Video Review #511: Benromach 10yo

Ralfy hat ihn zu seinem Whisky des Jahres 2014 erklärt (siehe hier) – jetzt kommt, gerade veröffentlicht, sein Video mit den Verkostungsnotizen zu ihm, dem Benromach 10yo, dem Speysider aus der Destillerie von Gordon & MacPhail. Ehrlich, unverfälscht, eigenständig und bemerkenswert ausgereift für seine 10 Jahre. Entsprechend die Wertung: 89 von 100 Punkten. Auch die Verpackung findet lobende Erwähnung (vor allem, dass der Deckel auch als repräsentativer Flaschenständer herhalten kann). Zwanzig in Ralfy’s ganz eigener Art ausschweifende und dennoch interessante und unterhaltsame Minuten, entweder hier oder auf Youtube:

Video: Französischer Whisky

Die Franzosen sind weltweit die größten Whiskykonsumenten – dass mittlerweile auch einige sehr interessante Whiskys in Frankreich produziert werden, ist in unseren Landen selbst unter Whiskyfreunden eher weniger und nicht in der ganzen Bandbreite (mittlerweile gibt es 25 verschiedene Produzenten) bekannt.

Wir haben für Sie auf Youtube ein Video gefunden, das in gut 5 Minuten Whisky in Frankreich vorstellt und Ihnen vielleicht Lust machen kann, einmal einen dieser für uns „exotischen“ Tropfen zu genießen. Zwar widmet sich der Hauptteil des Videos eines „Whiskys“, der sich auf Grund des während der Fermentation zugesetzten Zuckers nicht Whisky nennen darf, aber dennoch ist das Video nicht nur für Frankophile interessant. Jedenfalls verdient es einen Platz in unserer sonntäglichen Reihe von Videos über Whisky.

Auch beim französischen Whisky gilt wie bei Whisky aus Deutschland, Österreich und der Schweiz: Es wäre unfair, ihn mit den Schotten zu vergleichen, denn diese Whiskys sind eine eigene Kategorie und bemühen sich auch nicht, im Geschmack den Schotten 1:1 nachzueifern. Sie wollen ein eigenständiges, gutes Produkt sein – und immer öfter gelingt ihnen das. Jetzt aber viel Vergnügen mit dem Video:

Whisky im Bild: Heaven Hill – Fässer bei Kingsbarns

Die schottischen Whiskydestillerien sind auf amerikanische Bourbon-Fässer angewiesen. Kingsbarns verwendet für seinen New Make Fässer aus der Heaven Hill Distillery (unter anderem produzieren sie den ausgezeichneten Elijah Craig Bourbon). Auf diesem Bild, dass die Destillerie heute gepostet hat, sieht man die Fässer unter der Januarsonne in den Lowlands neben der Destillerie auf ihre Bestimmung warten und hier können Sie sehen, wie sie Anfang November angeliefert wurden)…

Bild: Kingsbarns Distillery
Bild: Kingsbarns Distillery

Chip Tate gründet Tate & Co. LLC, brennt Brandy und Whiskey

Nach dem Zerwürfnis mit Balcones geht Chip Tate, deren ehemaliger Gründer und Master Distiller, seinen eigenen Weg. Laut einem Bericht der texanischen Waco Tribune hat er sich im Gebäude nahe dem Waco Regional Airport eingemietet oder -gekauft und wird dort noch heuer Brandy produzieren – und so schnell wie möglich natürlich auch Whiskey. Dem „handgemacht“ bleibt Chip Tate natürlich treu, auch seine sechs Brennblasen aus Kupfer werden also von ihm handgefertigt sein.

Der Firmenname macht deutlich, dass Tate die Kontrolle über sein Unternehmen diesmal nicht aus der Hand geben will, dass er jedoch auf Partner für die Zusammenarbeit angewiesen sein wird. Eine Bank unterstützt ihn finanziell, er wird aber der Hauptfinanzier des Unternehmens sein. Aus gesicherter Quelle wissen wir, dass Chip Tate eine Zeit lang mit dem Gedanken spielte, die neue Destillerie über Crowdfunding zu finanzieren – davon scheint er jetzt aber abgekommen zu sein.

Die Pläne für die neue Destillerie sind im Artikel ausführlich und offen beschrieben – wer sich also für amerikanische Whiskeys interessiert (und diese werden auch am europäischen Markt in Hinkunft unserer Meinung nach mehr und mehr Bedeutung erlangen), findet darin interessanten Lesestoff.

Chip Tate - Balcones Distillery (Bildrechte bei der Balcones Distillery)
Chip Tate – Balcones Distillery (Bildrechte bei der Balcones Distillery)

Der Standard: Schottlands Ölsektor „kurz vor dem Zusammenbruch“?

Nicht direkt whiskybezogen ist diese Nachricht, aber für das Land, aus dem unser aller liebstes Getränk stammt, von nicht minder großer Bedeutung wie das Geschäft mit dem Wasser des Lebens: Die schottische Ölindustrie steht laut einer Analyse der Lobbygruppe Brindex kurz vor dem Zusammenbruch, berichtet die österreichische Tageszeitung Der Standard. Auch wenn diese extrem pessimistische Ansicht nicht von allen geteilt wird: Experten erwarten heuer durch den anhaltend niedrigen Ölpreis den Verlust von 5.000 bis 10.000 Arbeitsplätzen und den Wegfall von jeder Menge Steuereinnahmen.

Die erwarteten hohe Steuereinnahmen aus dem Ölgeschäft waren übrigens ein wichtiges Argument der Unabhängigkeitsbefürworter. So hat jetzt nicht nur die britische Regierung, sondern auch die schottische Nationalpartei damit zu kämpfen…

Ölplatform in der schottischen Nordsee. Foto von Christensen, CC-Lizenz
Ölplattform in der schottischen Nordsee. Foto von Christensen, CC-Lizenz

Serge verkostet: Allt-A-Bhainne und Braeval

Zwei unabhängige Abfüllungen verkostet Serge Valentin heute auf seiner Site Whiskyfun: Einen Allt-A-Bhainne von Chapter 7, der bei ihm als eher mittelprächtig, aber mögenswert eingestuft wird, und einen ebenso ordentlich, aber nicht enthusiastisch benoteten Braeval von The Pearls of Scotland.

  • Allt-A-Bhainne 18 yo 1995/2014 (59.2%, Chapter 7, bourbon hogshead, cask #166300, 264 bottles): 81 Punkte
  • Braeval 1991/2013 (52,9%, The Pearls of Scotland, cask #95119, 228 bottles): 82 Punkte
Destillerie Allt A Bhaine.  Bildrechte bei Lars Pechmann.
Destillerie Allt A Bhaine. Bildrechte bei Lars Pechmann.

Blogrundschau: Vom Feinsten

Wir wollen wieder einmal einen Blick auf internationale Blogs werfen um zu sehen, was Verkoster dort so zu verschiedenen Abfüllungen sagen. Zum Jahreswechsel haben sie durch die Bank das Kästchen mit dem feinen Stoff geöffnet und uns – zumindest schriftlich – an ihren Kostbarkeiten teilhaben lassen:

  • Malt and Oak verkostet einen Brora 24yo aus der Rare Malts Selection – da gibts wenig zu meckern.
  • Der 25jährige Caol Ila wird auf Whisky Gospel verkostet – und auch hier ist man von dem, was im Glas ist, begeistert.
  • Ein St. Magdalene 24yo Port Finished von Murray McDavid ist bei den Whiskyphiles im Glas – schwere Begeisterung macht sich breit.
  • Ein Caperdonich 1968 mit 41 Jahren von Duncan Taylor wird bei The Malt Desk verkostet – und der scheint dem Verkoster zu viel Eiche zu zeigen, trotz hoher Bewertung.
  • Und Words of Whisky verkostet zwei Abfüllungen aus Port Ellen – auch hier ist man höchst angetan.
Port Ellen Destillerie (abgerissen) die Mälzerei steht noch, Foto von Jan Kuchenbecker, GNU-Lizenz
Port Ellen Destillerie (abgerissen) die Mälzerei steht noch, Foto von Jan Kuchenbecker, GNU-Lizenz

Produktion von Gerste in Schottland in den letzten 100 Jahren verzehnfacht

Dass wir in einer Welt leben, in der viele Dinge voneinander abhängig sind, ist eine Binsenweisheit – die man sich aber immer wieder vor Augen führen sollte, um nicht den Verlockungen der Vereinfachung im eigenen Denken zum Opfer zu fallen. Wie abhängig und sich befruchtend zum Beispiel Produktionszweige sein können, zeigt das Beispiel aus Schottland, das jetzt Aberdeen Press and Journal zum Anlass eines Artikels genommen hat. Nicht zuletzt durch die erhöhte Nachfrage nach schottischem Whisky, der ja Gerste als Grundstoff verwendet, ist die schottische Produktion dieses Getreides in den letzten 100 Jahren um 1000% gestiegen.

190.000 Tonnen waren es 1914 – und im letzten Jahr, 2014, über 2 Millionen Tonnen, die in Schottland produziert und geerntet wurden. Ist diese Menge für die schottische Whiskyproduktion ausreichend? Bei weitem nicht mehr, weswegen die Mälzereien überall in Europa Getreide zukaufen. Destillerien, die ausschließlich mit lokalem Getreide arbeiten, sind die absolute Ausnahme und werden immer seltener – auch Glengoyne, die bislang ausschließlich mit lokaler Golden Promise Gerste gebrannt haben, mussten laut Glengoyne’s Antony McCallum mittlerweile auch dieses Alleinstellungsmerkmal aufgeben (allerdings gilt das dann erst für Glengoyne-Whiskys, die in mehreren Jahren am Markt erscheinen werden).

Übrigens hat die Fläche, auf der Gerste angebaut wird, in den Jahren seit 1982 wieder abgenommen, aber der Ertrag pro qm ist in dieser Zeit weiter gestiegen, sodass 2014 ein Rekordjahr bei der Ernte war.

Hordeum Gerste
Hordeum Gerste

Serge verkostet: Clynelish und Kilkerran

Clynelish und Kilkerran – eine seltsame Mischung für eine Verkostung, werden viele sagen. Aber es hat schon einen Grund, warum Serge Valentin in seiner Neujahrsverkostung die beiden Destillerien in einen Topf wirft – denn laut ihm ist die Glengyle-Destillerie mit ihrem Produkt nicht weit entfernt vom alten Clynelish-Geschmack (was nebenbei ein beachtliches Kompliment ist). Der Kilkerran WIP 6 in seiner etwas seltsamen rosafarbenen Dose, genauer gesagt die Bourbon Wood Expression, erhält von Serge folglich auch starke 91 Punkte, so wie schon die vorjährige Abfüllung. Und der zum Vergleich verkostete Clynelish 1965 oder 1966 aus dem Abfüllungsjahr 1989 wird sogar mit fantastischen 98 Punkten bedacht…

  • Clynelish 15 yo 1995/2011 (46%, L’Esprit, first fill sherry butt, cask #8657): 88 Punkte
  • Clynelish 19 yo 1995/2014 (51.7%, The Whisky Agency, Liquid Library, hogshead, 295 bottles): 85 Punkte
  • Clynelish 24 yo 1990/2014 (47.5%, Cadenhead, London Exclusive, 228 bottles): 87 Punkte
  • Kilkerran 10 yo 2004/2014 ‚Work in Progress – Bourbon Wood‘ (46%, OB, batch #6): 91 Punkte
  • Clynelish 24 yo (49.4%, Cadenhead, Sestante, Italy, +/-1989): 98 Punkte
Die Clynelish-Destillerie
Die Clynelish-Destillerie

Video: CBS über amerikanischen Whiskey und dessen verschleierte Herkunft

Im Bericht zu unserem Whisky des Monats Januar beschreiben wir, wie Bulleit offen mit der Tatsache umgeht, dass der Whiskey in der Four Roses Distillery in Lawrenceburg, Kentucky hergestellt wird. Andere Marken sind in ihrer Kommunikation mit dem Umstand, dass sie nicht in ihrer „eigenen“ Destillerie gebrannt werden, sondern nach Rezept von einem Fremdhersteller, eher zurückhaltend bis verschwiegen.  Dieser Problematik, die mittlerweile bereits zu einem Prozess und schlechter Presse führte, widmet CBS einen Videobericht, in dem die Dinge zwar etwas verkürzt (weil auf die gesamte Kategorie angewendet), aber dennoch anschaulich dargestellt werden.

Im Beitrag geht es um den Templeton Rye Whiskey, und dort bei Rye ist die „Lohnproduktion“ verbreiteter als beim Bourbon  – allerdings muss man unserer Meinung nach auch berücksichtigen, dass sowohl beim Bourbon als auch beim Rye die Produktionsstätte nicht der einzige Einfluss auf das Endprodukt ist. Die sogenannte Mash Bill, also das Rezept dafür, und der verwendete Hefestamm sind wohl für den Geschmack wesentlich bestimmender.

Aus dieser Anlage stammen einige kleinere "Craft"-Whiskeys
Aus dieser Anlage stammen einige kleinere „Craft“- Rye Whiskeys

Whisky des Monats Januar: Bulleit Bourbon

In unserer regelmäßigen Rubrik “Whisky des Monats” stellen wir, sehr subjektiv gesehen natürlich, Whiskys vor, die wir besonders mögen, denen wir eine breitere Öffentlichkeit wünschen. Unser Redakteur Reinhard Pohorec, bester Bartender Österreichs und international geschätzter Spezialist in Sensorik,  hat sich zu Jahresbeginn für einen einfach erhältlichen, aber keineswegs einfach gestrickten Bourbon entschieden. Er erzählt, eingebettet in die Geschichte eines Treffens mit Tom Bulleit, warum er den Bulleit Bourbon schätzt und empfiehlt.

Die Spannung liegt knisternd in der Luft. Er spannt das Gewehr, ein schneller Blick, den Atem angehalten, PENG! Ein Treffer.

Der Mann neben mir, dessen schelmisches Grinsen eher an einen Schulbub und seine ersten Streiche erinnert, als an einen der Grandseigneurs der Whisk(e)ybranche, trägt ein schultergepolstertes Hemd – auf alles vorbereitet.

Tom Bulleit ist leidenschaftlicher Schütze. Wie sein Sohn, der in diesem Bereich schon annähernd professionell unterwegs ist, so der Vater stolz berichtet, hat auch Tom eine Affinität zu Colt und Gewehr.

Doch es fließt kein einziger Tropfen Blut, kein Tier muss um seine Existenz bangen. Wir stehen am Schießstand des wunderschönen Gleneagles Resort in Schottland. Hier treffen sich die weltbesten Bartender zum Global Final der Diageo World Class. Und Diageo schließlich ist ja auch für die Whiskeys aus dem Hause Bulleit zuständig, die sich nun im Premium Portfolio des Spirituosenriesen wiederfinden. Auch mit Rye und Bourbon werden die Protagonisten hier mixen.

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Whiskyexperts-Redakteur Reinhard Pohorec mit Tom Bulleit im Gleneagles Resort.

Mr. Bulleit ist ein ungemein herzlicher und aufrichtiger Mann. Zwischen zerlegten Tontauben und Patronenhülsen spricht er über sein Leben, seine Arbeit, seine Geschichte. Ob die rührige Markenhistorie bis ins Detail so eindeutig rückzuverfolgen ist, sei dahin gestellt, aber es macht schon eine gute Story, wenn Tom von seinem Vorfahren Augustus berichtet, dessen Brennkünste mit aus Frankreich in die Neue Welt übersetzten. Ein Small Batch Bourbon würde man heute sagen, das war sein Ziel, als er in den frühen 1800er Jahren zu destillieren begann. Doch das Glück wehrte nicht allzu lange und mit dem Tod des Erfinders, starb auch das Produkt selbst. Bis schließlich in den 90ern des vergangenen Jahrhunderts Tom selbst Interesse zeigte an der Tradition und dem Rezept vergangener Generationen. Vom Vater zum Sohne weitergegeben, hielt er so schließlich das goldene Ticket in der Hand und hob Bulleit Bourbon aus der Taufe. Für ihn sei das keine große Sache gewesen, habe doch „eigentlich jede Familie in Kentucky ihr eigenes Bourbon Rezept in der Schublade.“

Mr. Tom Bulleit, eine lebende Legende des Bourbons.
Mr. Tom Bulleit, eine lebende Legende des Bourbons.

Beachtlich an ebenjenem ist der hohe Roggenanteil von 28%. Die Würze und crispy Tiefe des Rye spiegeln sich am Gaumen wieder und verleihen jedem Schluck eindeutigen Charakter und Rückgrat.

Und obwohl Tom selbst ein Büro in einer der legendärsten Kentucky Distilleries sein Eigen nennt (Stitzel-Wellter), stammt Bulleit Bourbon nicht etwa aus eigenen Brennblasen. Es ist die Four Roses Distillery, Lawrenceburg, im Besitz der japanischen Kirin Brewing Company, wo jeder Tropfen destilliert wird. Und entgegen der gängigen Praxis anderer Abfüller, geht man bei Bulleit ganz offen und ehrlich mit diesem Faktum um.

Im Herbst 2015 übrigens eröffnet man auch noch eine neue, gänzlich eigene Destillerie in Kentucky, ein weiterer Meilenstein der Historie Bulleits. Aber das wird eine andere Geschichte sein.

Zurück zum Bourbon, der in einer kurzen, flachen Flasche mit aufwendigen Glasgravuren daherkommt – einem Flakon, angelehnt an Feldflaschen der Unabhängigkeitskriegssoldaten.

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Nun werden die damals wohl keinen Bulleit Bourbon genossen haben, dieses Privileg bleibt uns Genießern der Moderene vorbethalten. Mit satten 45% Volumen Alkohol läuft der Bourbon ölig ins Glas, in der Nase ein voller Duft von Honig, Buttermandeln und ein blumiger Hauch Lavendel. Keine Spur spritig oder lackig, wie manch American Whiskey zu Beginn. Hintergründig dann kommt das Holz zum Vorschein, vanillig, röstige Klänge von Marillen, üppig cremig.

Ebenso der Gaumen, der mit einem dezenten Gerbstoff die kraftvoll dichte Textur balanciert, schmalzig, doch stets fein und elegant. Schwarzer Pfeffer, etwas Myrrhe und Thymian schimmern hervor, rauchig holzig, Barbecue, wiederum Vanille, Butter, Obers und Creme Anglaise.

Ein bleibender Nachhall und langes Finish beschließen den Whiskey, die ihn zu einem exzellenten Every-Day-Dram machen. Super solide, ein verlässlicher American Whiskey, die manchmal etwas unterschätzt werden ob der Dominanz und hervorgehobenen Stellung der Single Malts. Zu Unrecht, denn hier zeigt sich in voller Größe, was Kentucky kann, was Bourbon kann.

Und gehen Sie ruhig frei und unverkrampft mit dem feinen Tropfen um, pur im Nosingglas, auf Eis, als klassischer Cocktail kalt gerührt oder lang mit Ginger Ale serviert. Weg mit Konventionen und bornierten Vorurteilen, genießen Sie einfach.

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Auch Tom und ich haben mittlerweile zwei Gläser gefunden. Ein schlichter kleiner Tumbler, nichts Großes, aber nach unzähligen erlegten Tontauben, Anstrengung und ein paar Stunden, die wie im Flug vergehen, ist das genau das Richtige. Und umso mehr wird mir auch bewusst, dass ich dieses Erlebnis mit einem ganz besonderen Menschen teilen kann, der neben vielem anderem auch der Oberverantwortliche für das ist, womit wir uns glücklich und zufrieden zuprosten.

Mit den besten Spirits,
Reinhard Pohorec