Nicht zum ersten Mal und sicherlich nicht zum letzten Mal widmet sich Serge Valentin der Brennerei Clynelish. Die vier Whiskys der heutigen Verkostung wurden Mitte der 90er destilliert und lagerten alle mindestens bis zu ihrer Volljährigkeit. Das heutige Quartett und ihre Bewertungen in der gewohnten Kurzübersicht
Clynelish 18 yo 1995/2014 (43%, Signatory Vintage, Decanter Collection, refill sherry, cask #8669, 873 bottles) 87 Punkte
Clynelish 19 yo 1995/2014 (48.4%, Duncan Taylor, Dimensions, cask #4676, 221 bottles) 80 Punkte
Clynelish 18 yo 1996/2015 (55.5%, Signatory Vintage for The Whisky Exchange, refill sherry, cask #6509, 606 bottles) 89 Punkte
Clynelish 20 yo 1994/2015 (55.4%, Cadenhead, Sherry Cask) 79 Punkte
Auch in Japan, auf der Insel Hokkaido im Norden, soll eine neue Destillerie errichtet werden. Stefan Van Eycken berichtete darüber auf seiner Website Nonjatta schon Ende des letzten Novembers. Heute fanden wir bei ihm einen Artikel, dass die Website der Akkeshi Distillery nun online ist und, für eine japanische Brennerei eher ungewöhnlich, sie ist zweisprachig. Ohne die fast üblichen PR-Attribute wird die geplante Brennerei sehr detailliert dargestellt: mittels 6 Wash backs und je einer Wash still (5.000 Liter) und Spirit still (3.600 Liter) sollen jährlich 300.000 Liter produziert werden. Im Oktober 2016 soll die Destillation starten.
Ein recht interessantes Interview fanden wir in der Online-Ausgabe des Magazins der Süddeutschen Zeitung. Der langjährige Gastronom und Autor des „Schumann’s Whisk(e)y-Lexikon“ erklärt in einem locker geführten Gespräch dem Interviewer seine Sicht auf den Whisk(e)y im Allgemeinen, Whisk(e)y in aller Welt und auch in Deutschland im Speziellen. Sehr lesenswert.
Deutschland und der deutsche Sprachraum haben eine aktive, vielfältige und interessante Whiskyszene. Persönlichkeiten in der Industrie, im Handel und unter den Whiskyfreunden haben sie geprägt und ihren Weg bestimmt.
Auf Whiskyexperts wollen wir in der kommenden Zeit in lockerer Abfolge diese Personen zu Wort kommen lassen, um so ein umfassendes Bild dieser Szene zu entwerfen. Heute sprechen wir mit Corinna Schwarz. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Dietmar Schulz leitet sie Alba Import. Als Importeur und Großhändler bringt Alba Import verschiedene Whiskymarken nach Deutschland und vertreibt sie hier exklusiv, so zum Beispiel Kilchoman oder die unabhängigen Abfüller A. D. Rattray und Wemyss.
Neben Details zu ihrem Werdegang haben wir Corinna auch zu der Arbeit eines Importeurs und Großhändlers gefragt – und wieder interessante Einblicke in eine Facette der deutschen Whiskyszene erhalten:
Whiskyexperts: Frau Schwarz, gab es so etwas wie ein Schlüsselerlebnis, das Ihre Liebe zum Whisky entfacht hat?
Corinna Schwarz: In der Tat, das gab es. Mein Ehemann Dietmar Schulz hatte damit etwas zu tun, denn er ist schon viel länger beim Whisky als ich. Aber ganz so simpel ist es nicht. Als ich vor 15 Jahren meinen ersten Single Malt getrunken habe, war mir gleich klar, dass dieses Getränk etwas Besonderes ist. Mein erster war ein Balvenie, mein zweiter ein Ardbeg. Diese Bandbreite der Aromen hat mich begeistert, genau wie die Tradition und bewegte Geschichte, für die „uisge beatha“ steht.
Ihre Lebensgeschichte bis zu diesem Moment – wollten Sie immer schon das tun, was Sie jetzt tun oder hatten Sie erwartet, dass sich Ihr Leben anders entwickelt?
Es hätte sich in viele Richtungen entwickeln können, es gibt nie nur einen „vorgezeichneten“ Weg. Ich bin ein sehr vielseitig interessierter Mensch. Aber ich habe insofern alles richtig gemacht, als dass ich selbstständig bin und unser eigenes Unternehmen leite – eine Herausforderung, die ich nicht missen möchte. Noch dazu haben mein Mann und ich eine persönliche Vorliebe erfolgreich zum Beruf gemacht.
Wie begann das mit Alba Import – und wie lief die Entwicklung des Unternehmens zu dem, was es jetzt darstellt?
Es begann schon viel früher, denn Alba Import ist nicht unsere erste Firma. Die persönliche Whiskygeschichte meines Mannes reicht fast 30 Jahre zurück. Schließlich war es eine Mischung aus guten Kontakten und Gelegenheiten, die sich bieten, wenn man zur rechten Zeit am rechten Ort ist. 2006 haben wir unsere guten Kontakte nach Schottland nutzen können und erhielten durch Empfehlung eines Freundes den Import von A.D.Rattray. Kurze Zeit später sind wir dann Anthony Wills begegnet und konnten den Newmake der gerade eröffneten Kilchoman Farmbrennerei probieren. Wir waren gelinde gesagt verblüfft ob der tollen Qualität und wollten unbedingt Teil des Kilchoman-Projektes werden.
Für „unsere“ Marken haben wir stets mit viel Engagement und Herzblut gearbeitet, sind dabei aber fair und ehrlich geblieben. Anscheinend haben wir das richtig gemacht, ist doch Alba Import stetig gewachsen und weitere Empfehlungen haben uns neue Produkte beschert.
Ich erzähle dann noch gerne die Geschichte, wie mich Donald Hart anrief. Er sagte, er hätte Gutes über Alba Import gehört und ob wir nicht seine neuen Maltman Abfüllungen importieren möchten. Ich glaubte, ich hätte mich verhört – ruft mich wirklich die Whiskylegende Donald Hart an? Nachdem ich ihm eine Weile zugehört hatte, dachte ich, ich muss nachfragen, hilft ja nichts. Also unterbrach ich ihn mit „excuse me, but are you THE Donald Hart?“ Er – sichtlich erfreut über das Erkennen – „yes indeed, THE Donald Hart!“
Bild: Corinna Schwarz und Dietmar Schulz von Alba Import
Als Importeur und Großhändler für unabhängige Whiskymarken steht man ja ein wenig zwischen den Fronten – man ist Bindeglied, muss aber wohl immer auch einen Interessensausgleich bewerkstelligen. Wie würden Sie einem Interessierten erklären, was Sie machen, warum Sie es machen und warum Sie es so machen wie Sie es machen?
Stimmt, ein Thema, dass Dietmar und ich gerade vor ein paar Tagen bewegt haben, bevor ihr diese Frage nun stellt. Dass ihr fragt, zeigt mir, dass ihr den Markt gut kennt, denn wir haben wirklich eine Art Vermittlerrolle. Als Laie könnte man meinen, dass unsere Aufgabe als Importeur einfach ist. Aber es ist kompliziert. Denn Whiskykunden, Händler und auch unsere Lieferanten haben Erwartungen, die sich nicht immer decken. Zum Glück haben wir uns nie verstecken müssen, was die Qualität unserer Produkte angeht. Sollte es einmal passieren, dass wir von einer Abfüllung nicht überzeugt sind, so kaufen wir sie nicht ein. Soviel Eigenständigkeit muss sein und für diese eigene Meinung schätzen uns viele Händlerkunden.
Ein schwierigeres Thema ist, dass es häufig von limitierten Abfüllungen nicht genug zu verkaufen gibt und wir uns um eine gerechte Verteilung im Handel bemühen müssen. Uns ist dabei stets an einer breiten Händlerkundschaft gelegen. Ein zweites schwieriges Thema ist die Preisgestaltung. Wir mahnen stets gen Schottland die Preisentwicklung der letzten Jahre an und uns ist weder an Preisdumping bei ständig verfügbaren Artikeln noch an überzogenen Gewinnen bei seltenen Abfüllungen gelegen. Wir versuchen da im Sinne des Verbrauchers zu agieren, dem ja nicht damit geholfen ist, wenn er „Machir Bay“ 3,– EUR günstiger kaufen kann und dann für „Loch Gorm“ einen völlig überzogenen Preis bezahlen soll.
Sehr wichtig ist für uns immer ein partnerschaftlicher Kontakt sowohl zum Lieferanten als auch zum Händlerkunden. Darüber hinaus versuchen wir zu allen Produkten möglichst profunde und transparente Informationen zu liefern sowie den direkten Kontakt zum Whiskykonsumenten (z.B. auf Messen) zu pflegen.
Was wollten Sie einem Whiskyliebhaber aus Ihrer Position als Importeur immer schon mal sagen, was vielleicht seine Sicht auf Whisky verändern oder vertiefen könnte, weil er es vielleicht aus diesem Blickwinkel noch nicht gesehen hat?
Zunächst einmal – ich bin selber Whiskyliebhaber und bei aller Professionalität immer geblieben! Ich spreche also gerne von Whiskyliebhaber (der zufällig auch Importeur ist) zu Whiskyliebhaber ;-). Ich möchte sagen, verliert bitte nicht den Blick für die Vielfalt und bewahrt Euch die Neugierde! Manchmal ist es fast schockierend, wie viele Genießer anscheinend immer nur in eine Geschmacksrichtung tendieren, besonders zu Islay und zu schwer sherrytönigen Abfüllungen, und andere Stile fast schon verächtlich abtun. Ich frage mich, warum nicht mal häufiger links und rechts schauen, auch mal Speyside, auch mal schönes Bourbon Fass? Mir persönlich schmeckt nicht immer der gleiche Whisky, für mich gibt es verschiedene Drams für verschiedene Stimmungen.
Mein Plädoyer gilt auch dem jugendlichen und lebendigen Whisky. Wer nur alte Tropfen trinkt, der verpasst so manches Whiskyerlebnis. Und schließlich meinen viele, dass Einzelfassabfüllungen das Nonplusultra sind und am liebsten noch in Fassstärke. Lasst Euch nicht blenden 🙂 – eine Einzelfassabfüllung kann überragend sein, aber auch unterdurchschnittlich, das hängt nun mal maßgeblich vom jeweiligen Fass ab. Und beides wird angeboten und beides trägt den Namen „Single Cask Bottling“. Ich persönlich habe als Importeur beim Verkosten von Samples häufig die Erfahrung gemacht, dass „Small Batch Bottlings“ der Einzelfassabfüllung einiges an Komplexität voraus haben können. Also ein Lob auf die gut komponierte „Small Batch“ Abfüllung. Und ein Hoch auf den simplen und unkomplizierten „every day dram“. Beruflich muss ich Whisky förmlich „sezieren“, privat als Whiskyliebhaberin versuche ich, mir den Spaß und den Genuss daran zu wahren!
Nach welchen Kriterien wählt man eigentlich seine Produzenten für den Großhandel? Ist man dabei tatsächlich wählerisch oder würfelt einem da das Schicksal zusammen?
Beides – der Zufall hat natürlich auch die Hand im Spiel. Wir sind in der Tat wählerisch und keine „Markensammler“. Der Fokus in unserem Portfolio liegt auf unabhängigen Produzenten und Abfüllern. Unser Motto und Logo ist „Vibrant Stills“ – also dynamische und lebendige Marken. Dieser Ruf hat uns nun auch den Import des neuen Wolfburn Single Malt aus Thurso beschert, den wir gerne angenommen haben, da er erstens ein toller Northern-Highlander ist und zweitens zu uns passt. Wichtig war für uns immer, hinter der Marke zu stehen, sich also nicht „verbiegen“ müssen, dabei fair zu bleiben und niemandem anders eine Marke abzuwerben.
Wir haben diverse Import-Angebote abgelehnt, besonders dann, wenn wir dachten, dass wir nicht der ideale Partner sind. Das war zum Beispiel der Fall wenn uns der Whisky zu exotisch war oder es zu Überschneidungen mit unserem bestehenden Sortiment kam. Auch da wollten wir fair sein.
Was sind für Sie die markantesten Veränderungen im Whisky-Business in den letzten fünf Jahren? Wie sehen Sie diese, und was glauben Sie, wohin werden diese Veränderungen führen?
Ja, es gibt viele Veränderungen, die Entwicklung ist rasant und nicht ausschließlich positiv…. Ich begrüße es sehr, dass allerorts neue unabhängige Brennereien gebaut werden. Sie sprechen für den Unternehmergeist, der in der Whiskybranche herrscht und sie werden hoffentlich unter den alt-eingesessenen Konzernen munter „mitmischen“. Natürlich sehe ich auch, dass sich nicht alle gleichermaßen etablieren können, dazu sind es zu viele. Köpfchen und Strategie ist gefragt. Jedenfalls werden diese mittelständischen Brennereien dafür sorgen, dass die Whiskylandschaft nicht langweilig wird.
Zweitens ist da die Entwicklung zu NAS (non-age-statement) Whisky. Das ist für mich nicht schlimm, solange er in guten Fässern gelagert wurde. Und das macht es für junge Brennereien leichter.
Mit größerer Sorge sehe ich die Verknappung von älterer Whiskys und deren Preisentwicklung. Ich glaube auch, dass uns in Europa Märkte wie Russland und Fernost schaden, wo Whisky teuer sein muss, damit er als gut gilt. Wohin soll das führen? Schließlich gibt es nicht nur Reiche und ich befürchte, dass das Wachstum des europäischen Whiskymarktes stagnieren könnte. Viel ist zudem der negativen Entwicklung des EURO geschuldet…
Welche Entwicklung würden Sie gerne zurückdrehen oder aufhalten können und warum?
Siehe das obige Thema Preisentwicklung. Und den Trend „Whisky als Geldanlage“, der momentan sehr strapaziert wird. Neulich wieder ein Bericht auf N24 telebörse über Whisky als alternatives Investment. Dazu stehe ich sehr zwiespältig. Hier sehe ich nur noch mehr die Gefahr, dass die Preisspirale sich schneller dreht. So stört mich denn auch der große Sekundärhandel, der in den letzten Jahren entstanden ist. Bei ebay und sonstwo. Wenn dort seltene Abfüllungen zu horrenden Preisen auftauchen, bereitet mir das Unbehagen, zeigt es doch den Produzenten, was man von vornherein verlangen kann! Sammeln um später zu trinken oder Raritätentastings zu veranstalten, finde ich eine gute Sache, aber nicht als Geldanlage.
Welche Neuerscheinung in diesem Jahr hat Sie bislang am meisten begeistert? Und auf der anderen Seite des Spektrums: Gibt es einen Whisky, bei dem Sie sich gewünscht hätten, er wäre im Fass geblieben?
Sorry, wenn ich hier nichts Fremdes beisteuern kann. Ich finde so wenig Gelegenheit, mich noch durch die breite Whiskylandschaft zu probieren. Betriebsblindheit aus Zeitmangel :-). Der HYDE Irish Single Malt war für mich ein AHA-Erlebnis. Selten habe ich so sherry-tönigen würzig-kräftigen irischen Malt getrunken. Gleich gefolgt von unserem Armorik „Breton Oak pour Allemagne“. Armorik Single Malt gelagert in frischer bretonischer Eiche, ein Fass, das wir selbst ausgewählt haben.
Und zu guter Letzt: Wären Sie ein Whisky, welcher wäre das und warum?
Ich kenne die Frage eher als „wenn Sie ein Tier wären, welches Tier wären Sie dann“. Aber sei’s drum, schließlich spricht man ja auch beim Whisky von einem Charakter… Also ich bin facettenreich, mit vielen Gesichtern. Und ich bin ein Nordlicht, ich liebe das Meer. Ich könnte wohl ein Northern Highlander sein, ein Pulteney oder Clynelish. Beides Destillen, die ich sehr schätze. Ach nein – jetzt natürlich ein Wolfburn 🙂
Liebe Frau Schwarz, danke für das Interview.
Unser Whiskyszene-Interview mit Horst Lüning von Whisky.de können Sie hier nachlesen.
Seit dem 7. August soll er in Skandinavien, Ost- und Westeuropa erhältlich sein: Der anCnoc Peatlands. Er wird die fünfte getorfte Abfüllung von anCnoc sein, nach Tushkar, Rutter, Flaughter und Cutter.
Laut offizieller Website ist der Peatlands mit 9ppm getorft und mehr als 10 Jahre in amerikanischer Eiche gereift. 6600 Flaschen wird es von dieser limitierten Abfüllung geben. Einen Preis können wir noch nicht nennen.
Wie üblich hier die Tasting Notes in unserer Übersetzung:
Es beginnt mit süßen Zitrusnoten, unterlegt mit Gewürznelken und Muskat in der Nase. Am Gaumen dichter, reichhaltiger Toffee-Geschmack, ummantelt von warmer und holziger Rauchigkeit.
Es ist schon schwierig genug, bei den schottischen Brennereien den Überblick zu behalten und hier die richtigen Kaufentscheidungen zu fällen. Und abseits des Scotch wird es im Bereich Whisk(e)y keineswegs einfacher. Eine kleine Hilfestellung bietet hier The Spirit Business. Im letzten Monat organisierten sie drei separate Blindverkostungen mit Whisk(e)y aus den USA, Irland und der Kategorie World Whiskys. Heute fassen sie die 10 besten in Bezug auf das Preis/Leistungsverhältnis in einer kleinen Slideshow zusammen. Einige sind in unseren Breitengraden problemlos erhältlich, bei manch anderer Empfehlung wird es schon sehr schwer bis fast unmöglich werden, diese Abfüllungen im hiesigen Fachhandel zu bekommen.
Obwohl er Whiskys dieser Brennerei für zum Winter passend hält und dieser (noch) sehr weit weg ist, verkostet Serge Valentin heute Glenfarclas – nicht vertikal, nicht horizontal, sondern einfach so, wie sie kommen. Und für uns als Redaktion nicht überraschend: Keiner der heutigen Kandidaten schneidet mit einer nur mittelmäßigen Bewertung ab, die vergebenen Punkte bewegen sich im hohen 80er Bereich bis in die 90er. Die Whiskys der heutigen Verkostung auf Whiskyfun in der Übersicht:
Glenfarclas 40 yo 1971/2012 ‚Red Baron of Speyside‘ (51.7%, Glen Fahrn, Switzerland, bourbon, 139 bottles) 91 Punkte
Glenfarclas 1997/2011 (56.3%, OB, Family Casks, for Kensington Wine Market, Canada, first fill oloroso, cask #397, 656 bottles) 88 Punkte
Glenfarclas 1995/2014 (57.1%, OB, Family Casks, for Classicdram Moscow Festival, Russia, refill sherry, cask #3783, 282 bottles) 88 Punkte
Glenfarclas ‚Legend of Speyside – Passion‘ (46%, OB, oloroso sherry casks, Germany, +/-2015) 85 Punkte
Glenfarclas 25 yo 1990/2015 (52.6%, Cadenhead, Authentic Collection, 192 bottles) 87 Punkte
Glenfarclas 8 yo 1969/1978 (86.8 US proof, Averys for Corti, San Francisco, USA, 75cl) 88 Punkte
Glenfarclas 40 yo 1958/1998 (52.8%, Signatory Vintage, 10th Anniversary, sherry butt, decanter, 496 bottles) 92 Punkte
Glenfarclas 31 yo 1965/1997 (64%, Scotch Malt Whisky Society, #1.76) 87 Punkte
Caol Ila 10y, destilliert 2005, abgefüllt 2015 Gordon & MacPhail, 56,4% vol., nicht kältefiltriert, nicht gefärbt Sample: McWhisky.com Verkoster: Reinhard Pohorec
Es ist weitverbreiteter Usus geworden eigene Exklusivabfüllungen in Partnerschaft mit Destillerien auf den Markt zu bringen, besonders wenn man sich mit einem Shop oder Online Store in den Whisky-Ring geworfen hat.
“Vor genau 5 Jahren, im August 2010 haben wir uns dazu entschlossen einen Whiskyshop zu eröffnen. Was zunächst als Versorgung von Bekannten oder Verwandten begann, hat sich innerhalb dieser Zeit prächtig entwickelt. Wir schauen stolz auf die letzten 5 Jahre zurück und blicken erwartungsfroh auf die nächsten 5-Jahre hinaus.” – mcwhisky.com
Nun mit einer fast ungläubigen Retrospektive und einem hoffnungsvollen Blick in die Kristallkugel lässt sich dann schon gut und gern ein zehnjähriger Whisky feiern. Wenn’s dann noch eine Fassstärke von Caol Ila via den Unabhängigen Abfüller Gordon & MacPhail ist, kann nicht mehr allzu viel schief gehen. Oder?
Nase: trocken holzig, cremige Anmutung von lemon curd, Limettenzeste, auch Teeblätter sind dabei, Earl Grey – wie passend für einen waschechten Briten, Vanilleschote, sehr druckvoll wabern die Düfte aus dem Glas, ein Jungspund voller Kraft und Energie, vollreifer Pfirsich, ein kleines Schlagobers-Häubchen dazu, milchig üppig, und ja, natürlich ist da auch äußerst prominenter Torfrauch, das Lagerfeuer lodert (nicht nur im Hintergrund), generell ist die phenolische Note aber eher von einer holzig wurzeligen Festland Prägung, weniger maritim und mit Seetang beladen, glimmende Kohlen, Lakritz und eine zunehmend süßliche Wolke steigt auf, sehr spannend und mit ansprechender Komplexität
Gaumen: aber Hallo! Nun, es ist nicht der eleganteste Zungenschmeichler für Novizen, die noch nie mit schottischem Whisky in Berührung gekommen sind. Die Fassstärke versucht gar nicht ihre Alkoholmuskeln zu verstecken, dennoch ist der Eindruck nicht sprittig, aber “gehaltvoll”. Erst brandet eine opulente Süße auf, wiederum von holzig vanilliger Karamell Struktur, Biskuit getränkt mit Räuchernoten, dann setzt sich auch am Gaumen die teeblättrige Würze durch. Druckvoll füllig, intensiv, einzig die Vielfalt und Breite fehlt ein wenig.
Abgang: verglichen mit den imposanten Eindrücken von Nase und Gaumen ist das Finish am ehesten ein leiser Schwachpunkt des Malts, es bleiben ein wenig Süße, Zitrusfrische und der leise Nachhall von Asche sowie glühenden Holzscheitern, jedoch ist das Finish nicht so sämig, voll und cremig, wie die Nase erst versprechen würde. Dennoch rundum gefällig und ohne große Aufreger. Zum Schluss hin grüßt noch einmal der Earl Grey ehe der Malt seinen mittellangen Ausklang dahin schmeichelt.
Alles in allem: der Malt besticht besonders im Opening durch seine Kraft und jugendliche Aufgeregtheit, vielversprechend in der Nase, würzig aschig, in sehr guter Harmonie mit Süße und Cremigkeit, einzig im Abgang zeigen sich “vergleichsweise” leise Abzüge in der B-Note, in zehn Jahren braucht man aber auch nicht die Komplexität des Jahrhunderts erwarten. Und das was der Malt verspricht, zu können meint, das bringt er aber sowas von auf den Punkt. Frei Schnauze, fett und mit Kraft. Aber hallo…
Wie eine klassische schottische Destillerie aussieht, wissen die meisten Whiskyfreunde von Bildern und Videos. Etwas anders sieht es wahrscheinlich mit Bourbon-Distilleries aus, sie sind uns als Single Malt Fans nicht so vertraut.
In unserer sonntäglichen Videoserie möchten wir Ihnen daher heute einmal einen ungewöhnlichen Blick auf eine Destillerie in den USA bieten: Die Willet Distillery Aerial Drone Tour bietet Ihnen in schönen Full-HD-Bildern einen Flug über diese Destillerie und ihre Warehouses in Bardstown, Kentucky. Fast 5 Minuten tolle Aufnahmen, die einen schönen Blick auf diese Destillerie erlauben, entweder auf Youtube oder gleich hier bei uns.
Wenn man sich auf eines verlassen kann, dann auf das: Das Internet ist zumeist schneller als die offiziellen Verlautbarungen für neue Whiskys. Zwar nicht immer verlässlicher, aber die Quelle für die folgenden Neuheiten ist das American Alcohol & Tobacco Tax and Trade Bureau – und der Blog, der diese Etiketten entdeckt hat, ist Words of Whisky, von unserem geschätzten Freund Thijs Klaverstijn – also höchst verläßliche Sites. Wie immer gilt beim American Alcohol & Tobacco Tax and Trade Bureau allerdings, dass ein Etikett noch nicht zu 100% bedeutet, dass dieser Whisky dann doch erscheint, aber man kann in diesem Fall davon ausgehen, dass im September unter anderem diese Diageo Special Releases offiziell angekündigt werden (es wird wohl noch mehr geben):
Und weil wir gerade mit etwas seltsamen Meldungen über Whisky überhäuft werden, hier eine aus dem Bereich „Habe niemals vor, vom Dach einer Destillerie zu springen, das kann dumm enden, auch wenn es gut endet“: Am Mittwoch wurde in Stirling Alexander Robert McKinlay zu 10 Monaten Haft verurteilt, weil er in betrunkenem Zustand am 7. Juni auf die Deanston-Destillerie geklettert war und dort oben drohte, sich in den Tod zu stürzen.
Warum er das tat? Der Angeklagte und die Verteidigung führten ins Treffen, dass McKinlay zuvor das Begräbnis eines guten Freundes besuchte und danach Unmengen von Alkohol konsumierte. Die emotionale Belastung und der Alkohol hätten zu dem Ausraster geführt.
Nachdem der Angeklagte Angestellte der Destillerie, die ihn zum Heruntersteigen überreden wollten, mit „f*** off“ relativ unfreundlich zum Verschwinden aufforderte und die danach anrückende Polizei mit Dachziegeln zu bewerfen drohte, stieg er gegen 4 Uhr früh wieder vom Dach der Destillerie und verschwand im Schutz der Dunkelheit. Kurz darauf wurde er aber gestellt – und jetzt zur zehnmonatigen Haftstrafe verurteilt.
McKinlay hatte 117 Stunden gemeinnützige Arbeit, die er für ein vorangegangenes Vergehen erhalten hatte, nicht abgeleistet – vier der zehn Monate bekam er dafür aufgebrummt.
Whisky kommt auch hin und wieder im Chronikteil der Nachrichten vor: Wohl nicht für den Eigenbedarf, sondern um damit den Lebensunterhalt zu finanzieren, zog in Österreich ein Diebesquartett durch Supermärkte und stahl dort Alkohol im Wert von 10.000 Euro, berichtet der ORF in seinen Onlinenachrichten. Jetzt wurde ein 61jähriger Mann gefasst, der auch geständig ist.
Ihr Trick: Mit einem Seitenschneider befreite man die Flaschen (Whisky und Wodka) von der Diebstahlsicherung und transportierte sie in eigens angefertigter, hautenger Unterbekleidung an den Kassen vorbei. Es nutzte alles nichts: Der geständige Dieb sitzt nun in Eisenstadt in Haft, ein ausgeforschter Mittäter wird mit internationalem Haftbefehl gesucht.
Eine interessante Meldung für alle, die zum Beispiel auf ebay oder in Facebook-Gruppen nach Whiskyschnäppchen suchen: Am 12. August haben Sie nach einem Bericht der Glasgow Evening Times die Gelegenheit, Flaschen aus einer großen Whiskysammlung zu ersteigern, laut Bericht übrigens eine der größten im Vereinigten Königreich: 740 Flaschen, die gemeinsam an die 100.000 Pfund bringen sollen.
Der McTear’s Rare and Collectable whisky sale wird um 10 Uhr 30 in Glasgow stattfinden, 740 Flaschen kommen unter den Hammer, darunter zum Beispiel viele Cadenhead-Abfüllungen aus den Fünfzigern und Sechzigern.
Wir haben für Sie nach dem Erhalt der Nachricht ein wenig im Internet gestöbert und können Ihnen daher auch den Online-Katalog der Versteigerung präsentieren – es finden sich tatsächlich jede Menge interessante Flaschen darunter, so zum Beispiel der unten abgebildete Port Ellen aus dem Jahr 1977. Ach ja, und als registrierter Benutzer kann man sogar online auf die Lots bieten…
Recht interessanten Lesestoff bietet Coral & Rye mit dem englischsprachigen Artikel „Women Making Whiskey: An 800-Year History„. In ihm wird der Beitrag von Frauen zur Geschichte des Bourbon beleuchtet, zum Teil auf dem Buch „Whiskey Women“ von Fred Minnick basierend, zum Teil auf eigenen Recherchen.
Wer sich ein wenig in die Thematik einlesen will, der ist mit dem Artikel wirklich gut versorgt. Und dass ein Maker’s Mark das Titelbild für unsere Nachricht ist, hat auch einen „weiblichen“ Grund: das Design der Flasche (der Verschluss mit dem roten Wachs) wurde von einer Frau erfunden – es ist heute ohne Zweifel eine Ikone des amerikanischen Whiskeys.