Dienstag, 19. Oktober 2021, 09:58:35

Wir verkosten: Tobermory 19yo, 54.2%, Sherryfass, Cadenhead

Auf der Insel Mull gibt es mit Tobermory eine sehr pittoreske Destillerie, die zwei verschiedene Arten von Whisky unter zwei verschiedenen Markennamen produziert. Bekannter ist momentan die Marke Ledaig, unter der torfige Whiskys auf den Markt kommen; sei es als Originalabfüllungen, sei es bei unabhängigen Abfüllern (die in den letzten Monaten durch ihre Angebote junger Tropfen, die sich neben Islay-Whiskys nicht zu verstecken brauchen, einen kleinen Ledaig-Hype ausgelöst haben ). Den ungetorften Whisky füllt die Destillerie unter ihrem eigenen Namen ab: Tobermory.

Von Cadenhead gibt es nun seit einigen Tagen einen Tobermory aus dem Jahr 1989, der im Juli 2014 abgefüllt wurde. Er stammt aus einem Sherry Butt, insgesamt sind von ihm 498 Flaschen mit 54.2% in die Geschäfte gelangt. Tobermorys aus dem Sherryfass sind nicht besonders oft zu finden – insofern ist diese Abfüllung also recht interessant. Was kann man sich von ihr geschmacklich erwarten? Unser Redakteur Bernhard Rems hat ihn gleich mehrmals verkostet – im Form eines Samples, das wir von Cadenhead zur Verfügung gestellt bekommen haben – und aus einer Privatflasche:

tobermorac

Nase: Hier schwefelt es gewaltig – und obschon man auf Schwefelgeschmack durchaus ambivalent oder sogar negativ reagieren kann, ist er hier stimmig und nicht nur mögbar, sondern eröffnet harmonisch eine Kaskade von schönen Sherrynoten, Pflaumenmus, Rumpflaumen, Orangen und etwas Rhabarber. Rund und dicht kommt die Nase daher, und mit dem Verstreichen der Zeit gesellen sich zu den ganzen fruchtigen Impressionen auch noch Anflüge von Mahagoniholz und ein Hauch Naturgummi dazu. Das Ganze ist eine ziemlich wuchtige Ouvertüre, die neugierig macht.

Gaumen: Nicht ganz so laut wie die Nase, sondern eher adagio, getragen. Schöne Fruchtnoten, in Milchschokolade getauchte reife Trauben, wieder Rumfrüchte, und hinten hinaus ganz leichter Pulverdampf. Bei zwei Verkostungen war der Alkohol nahezu unmerkbar, an einem Tag brachte er eine gewisse Pfeffrigkeit auf den Gaumen – es zeigt nur, wie tagesabhängig eine einzelne Verkostung sein kann. Insgesamt aber ein weicher, im Anklang sogar etwas nussiger Whisky, der im Mund wirklich Freude macht.

Finish: Lang, fruchtig, nussig und wieder deutlicher auf der Sherry-Seite. Eine leichte Trockenheit gegen Ende hin, fast ohne Holztöne, dafür mit einem Hauch gesalzenem Karamell.

Alles in allem: Ein interessantes und harmonisches Package – ein Sherry-Whisky mit einem gewissen Twist, den man gerne wieder und wieder verkostet, weil er unüblich, aber angenehm ist. Ein glattes „Sehr gut“, zumal auch der Preis mit 70-80 Euro auf der vernünftigen Seite bleibt.

 


Über unser Ratingsystem:

Wir vergeben 0-5 Sterne in drei Kategorien: Nase, Gaumen, Finish

Die Gesamtnote ergibt sich aus dem Mittelwert dieser drei Kategorien. Unsere Skala geht von 0-5 Sternen und ist nicht mit dem Wertungssystem xx/100 vergleichbar. Sie kann so interpretiert werden:

0-1 Stern: Furchtbar. Nur äußerlich anwenden.

1-2 Sterne: Enttäuschend. Aber vielleicht kann man damit die Gäste zum Gehen bringen.

2-3 Sterne: Geht so. Kann man trinken. Muss aber nicht.

3-4 Sterne: Gut. Macht man gerne immer wieder mal auf.

4-5 Sterne: Sehr gut. Daumen hoch. Ab 4.5 Sternen: Spitzenklasse. Vor diesem Whisky verbeugt man sich.

Wichtig: Wir haben Geschmack. Unseren. Nicht Ihren. Unsere Verkostungsnotizen sind kein richterliches Urteil. Darum haben wir bei unseren  Reviews auch die Möglichkeit vorgesehen, dass unsere Leser selbst werten können. Machen Sie Gebrauch davon, falls Sie den Whisky schon probiert haben!

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