Alle Jahre wieder zieht es Ihre königlichen Hoheiten Prince Charles und Camilla Parker Jones in schottische Gefilde, wo sie neben anderen protokollarischen Lustbarkeiten auch immer wieder die eine oder andere Destillerie besuchen, um dort Tafeln zu enthüllen, Fässer zu versiegeln und Stühle in Beschlag zu nehmen.
Der Stuhl von Price Charles bei Laphroaig. Foto von Frank Gauert, alle Recht vorbehalten.
Auch jetzt wieder haben die beiden eine Destillerie mit ihrem Besuch beehrt, und zwar die Speyside-Destillerie Ballindaloch, wie The National in der aktuellen Ausgabe berichtet. Der Duke und die Duchess of Rothesay, als die sie in Schottland bekannt sind, hatten dort die ehrenvolle Aufgabe, zwei Stöpsel in die bereitgestellten Fässer zu treiben und durch die Enthüllung einer Plakette die Destillerie nun auch offiziell zu eröffnen (sie arbeitet ohne königlichen Segen bereits seit September, wie wir uns damals zu berichten bemühten).
Eine Aufnahme der beiden aus dem Jahr 2009
Abgesehen davon sprachen die beiden mit Arbeitern der Destillerie und hatten zudem ein Pläuschen mit Guy Macpherson-Grant, dessen Familie die Destillerie besitzt. Er zeigte sich naturgegeben hoch erfreut über den königlichen Besuch und die Aufmerksamkeit, die der Destillerie in Aberdeenshire dadurch geschenkt wurde.
Guy Macpherson-Grant (rechts) hält die Kommissionierungspapiere in der Hand
Bei Tone Øhrboms Whiskysaga fanden wir heute den Hinweis auf eine neue Veranstaltung in Norwegen. Der Organisator des Bergen International Whisky & Beer Festivals, Frode Harring, plant zusammen mit der Fjordline eine Whisky & Beer Cruise. Die Abfahrt in Bergen/Norwegen ist für Samstag, den 24. Oktober geplant. Nach 48 Stunden Kreuzfahrt auf der Nordsee endet die Fahrt wieder in Bergen. Während dieser Zeit findet dann auf dem Schiff das Whisky & Beer Cruise Festival statt, genauer am Samstag von 14:30 bis 21:00 Uhr und Sonntag von 12:30 bis 20:30 Uhr. Auf dem Schiff ist Platz für 1100 Besucher, geplant sind bis jetzt 8 – 10 Masterclasses.
Vielleicht mögen Whisky Kreuzfahrten für Süßwassermatrosen innovativ aussehen – für Skandinavier scheint sie (fast) alltäglich sein. Die Vikingline veranstaltet schon seit 2009 jährlich die Cinderella Whisky Fair. Tone Øhrbom besuchte diese Messe in den letzten beiden Jahren und gibt uns seine Erfahrungen weiter. Wie wir uns das vorstellen müssen? Wie im Video der Vikingline zu sehen, handelt es sich um eine ganz normale Messe – nur auf einem Schiff.
Irische Whiskeys? Zahnlos, langweilig, wässrig? Manche Vorurteile sind schwerer auszurotten als die Masern oder Polio – aber zumindest weniger werden sie, auch dank der dauernden Überzeugungsarbeit vieler Whiskyfreunde, die die Iren als Abwechslung und Ergänzung für sich entdeckt haben.
Und als hätte es noch einen weiteren Beweis für die Qualität irischer Whiskeys bedurft, hat Serge Valentin heute drei davon verkostet – mit wirklich ansehnlichen Ergebnissen für zwei. Besonders gespannt sind wir nach seinen Notizen hier auf den neuen 23jährigen Cooley von Cadenhead – wir kennen den Vorläufer mit 21 Jahren und waren so begeistert davon wie Serge. Hier aber die aktuellen Wertungen:
Whisky pur? Mit Wasser? In Cocktails? Wir von Whiskyexperts finden: Genießen soll jeder auf seine Art – und wir wollen jeden dabei unterstützen, für sich den größten Genuss mit dem Wasser des Lebens zu finden.
Daher freuen wir uns besonders, Reinhard Pohorec, einen der besten Barkeeper im deutschsprachigen Raum und begeisterten Fachmann für Whiskycocktails, in unserem Team zu haben. Er wird seine Begeisterung in regelmäßigen Beiträgen mit unseren Lesern teilen – und in ihnen seine Lieblingsrezepte für einfache, raffinierte, klassische oder experimentelle Cocktails mit Whisky, exklusiv hier auf Whiskyexperts.
Unser zweites Rezept für einen Whiskycocktail ist ein echter Klassiker – und dennoch so einfach zuzubereiten. Reinhard macht es vor.
WorldClass-Sieger Österreich 2014: Reinhard Pohorec
Kaum ein Drink gilt Cocktail Aficionados und Genießern als solch Ikone wie der Sazerac. Kaum ein Getränk ist so fundamental “New Orleans” und Inbegriff des Big Easy wie die Mischung aus Spirituose, Peychaud’s Bitters, Zucker und Absinth.
Quasi eine Variation dessen, was man heute als Old Fashioned beschreiben würde, ist der Sazerac Cocktail nicht dogmatisch auf eine Basisspirituose festgenagelt. Manche Historiker vermuten die Ursprünge im importierten Karibik Rum, Cognac macht sich aber recht rasch breit, nicht zuletzt ob der stark frankophilen Prägung des amerikanischen Südens und der Präsenz so legendärer Marken wie Forge & Fils. (Dass man hier schier unendlich in den Geschichtsbüchern weiterblättern und einen bis heute fortlaufenden roten Spirituosenfaden aufnehmen könnte, ist in einem früheren Beitrag des Autors dieser Zeilen nach zu blättern – Sazerac ist ja seit Jahren unter den absoluten Top Produzenten und Whiskys dieser Welt.)
Diesem Umstand und generell der Tatsache, dass entlang des Mississippi der American Whiskey immer weiter an Popularität zulegte, ist es geschuldet, dass der Sazerac Cocktail heute auch oft mit Rye Whiskey aufzuwarten weiß.
Dunkel, kräftig und komplex muss sie sein, die Basis des Drinks, ob das nun ein VSOP respektive XO Cognac, ein Rye Whiskey oder – ja, ganz verwegen – eine 50:50 Liaison der beiden ist, bleibt dem Genießer selbst überlassen. Dezent traubig weinige Signatur durch den französischen Edel-Weinbrand, crisp trockene Würze vom Roggen, die Möglichkeiten sind weit gefächert. Wer es noch einen Ticken robuster haben möchte, könnte mit einer Fassstärke wie dem Willet Rye (die jungen, etwa vier Jahre alten Vertreter machen sich exzellent) das letzte Quäntchen ausreizen. Nicht nur die exzellente Qualität, auch die Fülle an verschiedenen Stilistiken der amerikanischen Whiskeys der letzten Jahre lässt die Herzen höher schlagen.
Dem Affen seinen Zucker
Auch über die Süße kann man ein paar Zeilen verlieren oder die Puristen streiten lassen. Im 19. Jahrhundert waren zumeist große Blöcke des braunen Goldes vorrätig, von denen man à la minute kleine Würfelchen abschlug. Findet man also „sugar cube“ in alten Rezepturen, so kann man getrost davon ausgehen nicht den bis zum Geht-Nicht-Mehr raffinierten, wunderschön in Form gepressten weißen Kubus Wiener Herkunft zu meinen. Ein paar wenige Produzenten bieten auch heute erstklassige 100% Zuckerrohr Würfel mit höherem Melasseanteil.
Ein Spritzer Seltzer oder Sodawasser kann dabei helfen, ebendiesen zu zerdrücken und quasi eine Art Instant-Sirup im Glas herzustellen.
Wer es etwas leichter und vor allem leichter löslich im Getränk haben möchte, greift gleich zur Flasche Zuckersirup, je nach Verdünnungsgrad auch rich oder nur simple syrup bezeichnet.
Antoine Amedie
Peychaud’s Bitters sind wohl jener Bestandteil des Cocktails, an dem es kaum etwas zu rütteln gibt, zumindest für eine ganz klassische Interpretation. Antoine Amedie Peychaud hatte unweit des Sazerac Coffee House – der Geburtsstätte des Getränks – eine Apotheke betrieben, jene Bitteressenz die fortan auch seinen Namen tragen sollte galt als Allheilmittel für Krankheiten, Magenverstimmungen, Tropeninfekte und andere Wehwehchen. Die leuchtend rote Farbe und der charakteristische Duft und Geschmack sind noch heute integraler Bestandteil jedes Barsortiments und vieler Classic Drinks. Peychaud’s Bitters verleiht dem Sazerac Tiefe, rundet Ecken und Kanten ab, gibt ihm Eigenständigkeit.
Und dann wäre da noch der obskure und immer leicht anrüchig anmutende Absinth. Ja, diverse Künstler mögen sich im Absinthrausch neuer Inspiration ausgesetzt gefühlt haben, und ja, sicher hat der miese Basisalkohol früherer Jahrhunderte den ein oder anderen dicken Schädel bereitet, von giftig oder groß gefährlich braucht man bei Absinth aber heute längst nicht sprechen. Mythen und Mysterien, Märchen und Mahnung – doch das ist ein andere Geschichte und nicht unser Hauptaugenmerk. Fakt ist und bleibt, die grüne Fee gehört in den Sazerac Cocktail, man kleidet das Glas, in welchem der Drink serviert wird, vorab mit der Anisspirituose aus.
Und so sieht das Ganze dann kompakt aus:
Der Sazerac – (c) Diageo, mit freundlicher Genehmigung
in einem Tumbler auf Eiswürfeln verrühren und in ein vorgekühltes, mit Absinth ausgekleidetes Glas gießen, straight up (sprich ohne Eis) servieren
mit den ätherischen Ölen einer Zitronen- oder Orangenschale parfümieren
So einfach und doch so gut – viele Klassiker sind schlichtweg Klassiker aus einem Grund, weil sie den Lauf der Zeit überdauert haben, Geschichte mitgeschrieben haben, und wohl auch, weil sie köstlich schmecken. Kein Chi-Chi, Schäumchen, „An Auf Bei“ und Überhaupt Gemüse Drumherum – ein heftiger Schluck Whiskey mit ein bisschen Bitters und dem guten alten Absinth, Herz, was willst du mehr.
Von Matthew Stewart, Brand Ambassador für Glenfiddich im südostasiatischen Raum, haben wir über Twitter eine interessante Tabelle gefunden, die zeigt, wie die verschiedenen Fasstypen den Geschmack und die Farbe des darin gelagerten Whiskys verändern. Ein Blick reicht, und man bekommt eine ungefähre Vorstellung, was einen geschmacklich mit einem bestimmten Finish oder einer bestimmten Fasslagerung erwartet.
Der zweite Teil der Verkostung von torfigen Whiskys ohne Destillerieangabe ist heute auf Serge Valentin’s Whiskyfun zu finden. Gleich ohne viel Aufhebens hier die Abfüllungen und ihre Wertungen:
Islay 8 yo 2005/2013 (46.1%, Sansibar, single malt, 188 bottles): 84 Punkte
Smoking Islay (58.2%, Blackadder, single malt, cask #BA2013/451, 370 bottles, 2013): 86 Punkte
Classic of Islay 14 yo (60%, Vintage Malt Whisky Co, for Jack Wiebers, single malt, cask #3007, 2006): 89 Punkte
Islay 14 yo 1994/2008 (53,1%, The Daily Dram): 88 Punkte
Wie wir aus der Adelphi-Destillerie Ardnamurchan erfahren haben, ist Mark Armin Giesler, der bislang dort als Assistant Distillery Manager tätig war, zum Production Manager aufgestiegen. Gemeinsam mit Liz MacLaren als Visitor Centre Manageress ist er nun für die Destillerie verantwortlich. Mark ist damit unseres Wissens nach der erste Deutsche, der in leitender Position in einer schottischen Destillerie beschäftigt ist.
Mark Armin Giesler, neuer Produktion Manager bei Ardnamurchan, gestern am Abend vor der Destillerie.
Eine Press Release von Diageo, die heute veröffentlicht wurde, bringt erneut Botschaft von eher schwachen Zahlen für den größten Getränkekonzern der Welt: Für die letzten 9 Monate gab es 1.7% weniger Volumen, und in der gleichen Periode sind die Net Sales um 0.3% geschrumpft.
Wachstum gab es in Afrika (6.2%) und Nordamerika (0.2%), ansonsten nur ziemlich deutliche Rückgänge (Europa -0.5%, Lateinamerika -3.3% und der pazifische Raum mit Asien -5.5%). Besonders drastisch werden die Rückgänge, sieht man sich nur die letzten drei Monate an: -1.3% in Europa. -10.3% in Lateinamerika und -6% in Asien.
Natürlich resultieren diese Einbrüche nicht allein aus dem Whiskygeschäft, aber summa summarum scheinen die Boom-Zeiten in diesem Segment – zumindest momentan – vorbei zu sein.
Ganz neu und gerade in den Handel gelangt: Von Tobermory gibt es jetzt eine 18jährige getorfte Abfüllung, den neuen Ledaig 18yo. In ihm vereinen sich Sherry und Rauch zu einem, wie die Website sagt, Whisky des ursprünglichen Ledaig-Stils. Fruchtigkeit, ein teeriger Rauch und Seeluft – uns konnte eine Kostprobe vom neuen Ledaig 18yo auf der Wiener Whiskymesse überzeugen.
Ein Schnäppchen ist der Ledaig 18, abgefüllt mit 46.3% und ohne Kältefiltrierung, aber nicht: An die 160 Euro muss man für die limitierte Abfüllung in Österreich auf den Tresen legen. In Holland ist er momentan mit ca. 120 Euro zu haben, aus Deutschland sind noch keine Verkaufspreise bekannt…
Manchmal ist es ganz interessant, einen Blick aus anderer Perspektive auf eine Destillerie zu werfen. Wir haben auf Filtration+Separation.com einen Artikel gefunden, der beschreibt, wie das Unternehmen Veolia (ein multinationaler Konzern in den Bereichen Wasser/Abwasser, Abfallwirtschaft, Energie und Transport) mit der Lowland-Destillerie Annandale zusammenarbeitete, um dort eine einwandfreie Wasserversorgung zu gewährleisten.
Dabei geht es um zwei Aspekte der Wassernutzung in Annandale: Das Erzeugen von Dampf (hier ist Reinheit und weiches Wasser gewünscht, um die Anlagen vor Ablagerungen zu schützen) und die Verdünnung des Spirits auf 40% bei der Abfüllung (hier kommt es vor allem auf Geschmacksneutralität an).
Was die beiden Unternehmen dafür in die Wege leiteten, das beschreibt der Artikel.
…zumindest, wenn es nach Cool Material geht – eine Site für Lifestyle und schöne Dinge im Leben. Solche Listen sind ja in der Regel immer mit ein wenig Lockerheit zu lesen (selbst, wenn sie vom Autor sehr ernst gemeint werden), denn Geschmäcker sind verschieden, punktum. Aber diese Liste ist zumindest nach unserem Empfinden nicht GANZ aus der Luft gegriffen, finden sich auf ihr doch auch Whiskys wie der Springbank 12yo in Fassstärke, der unserer Meinung nach wirklich zu den Guten gehört und mit einem guten Preis/Leistungsverhältnis punkten kann. Und auch einen Johnnie Walker Blue Label, handwerklich perfekt, darf man schon trinken sollen. Schauen Sie selbst und bilden Sie sich ihre eigene Meinung.
Die Überschrift klingt sehr schaurig, aber die Verkostung von Serge Valentin war sicher ein Vergnügen: Lauter getorfte Whiskys, die ihre Herkunft nicht verraten, sondern mit Fantasienamen (mehr oder minder blumig) versehen sind, weil es die Lieferverträge so wollten oder weil man einfach eine Marke aufbauen wollte.
Nun, wir alle kennen diese heimatlosen Raucher, und viele von uns haben auch die eine oder andere Flasche davon daheim, wenn es mal die Keule sein darf oder ein Zwischendurch-Schluck – also lassen Sie uns mal nachsehen, was Serge so zu ihnen sagt:
Images of Islay ‚McArthur’s Head Lighthouse‘ (53,2%, Malts of Scotland, single malt, 236 bottles, 2014); 81 Punkte
As We Get It 8 yo ‚Islay‘ (58.1%, Ian Macleod, +/-2014): 82 Punkte
Auf dem englischsprachigen Blog Distillery Stories findet man heute einen interessanten und bebilderten Beitrag über eine Reise zur Destillerie Laphroaig. Das Ganze ist recht locker geschrieben und mit Bildern aus dem Arbeitsalltag dort illustriert. Selbst wenn man nicht sattelfest im Englischen ist, sind es schon die Bilder wert, unserem Link zu folgen…
Der Stuhl von Price Charles bei Laphroaig. Foto von Frank Gauert, alle Recht vorbehalten.
Und wieder werfen wir einen Blick auf internationale Blogs und deren Verkostungsnotizen. Wir haben für Sie über die letzten Tage eine Auswahl der Veröffentlichungen zusammengestellt und präsentieren sie hier in der gewohnten Kurzform:
Auf Malt Review findet sich eine Besprechung des Glenglassaugh 30yo – und der Verkoster ist dort voll des Lobes für diese Originalabfüllung.
Für Mutige scheint der Breeder’s Choice zu sein, ein argentinischer Blend-Whisky, den man auf Best Shot Whisky billig und unbefriedigend fand.
Mortlach 22yo aus der Platinum Serie von Douglas Laing wird auf WhiskyIsrael sehr gelobt, aber der Preis ist mit 335 Pfund ein Aufreger für den Verkoster.
Words of Whisky bespricht den Caol Ila 1997 Unpeated, den man in einer Blindverkostung gar nicht so unpeated empfand, aber sehr trinkbar.
Mit einer guten Bewertung wird der Benromach Organic 2008 von The Malt Desk versehen – die Virgin Oak Casks haben ihr Werk gut getan, sagt der Autor.
Und auf The Mashtun genießt man den Arran „Miss Black“ – dort findet man diese nur in der Destillerie erhältliche Abfüllung einfach nur großartig.