Als Kilchoman im Vorjahr die erste Edition des Loch Gorm auf den Markt brachte, polarisierte die Abfüllung die Whiskyfreunde. Während die eine Fraktion ihn für eine ausgesprochen gelungene Mischung aus sherrylastig und torfig hielten, war er für andere nicht Kilchoman-typisch genug.

Die Verkoster der neuen Auflage, Whiskyexperts-Redakteure Silvia Behrens und Bernhard Rems, waren daher gespannt, wie der neue Loch Gorm sein würde. Diesmal stammt er aus dem Destillationsjahr 2009 und ist durchgehend in frischen Oloroso Sherrybutts gereift. Eine Nachreifung in Oloroso Hogsheads, wie bei der ersten Ausgabe, fand nicht statt. Insgesamt wurden heuer 17000 Flaschen abgefüllt, also deutlich mehr als die letztjährigen 10.000.

Das Testmuster wurde uns vom deutschen Generalimporteur Alba Import zur Verfügung gestellt.

Loch_Gorm_2014

Nase: Es beginnt sehr sanft und weich, um dann schnell speckig und salzig zu werden. Der Torfrauch prescht hurtig vor, vermengt sich mit einer doch recht wuchtigen Zitrusnote und etwas phenoligen Nuancen. Kalte Asche ist in der Nase, feuchte Fichtennadeln findet man, eine Bitternote und den Duft einer Petroleumlampe. Gegen Ende hin kommt Süße wieder deutlicher in den Fokus.

Gaumen: Dominant ist prickelnder Alkohol, die Kraft eines jungen Whiskys, der sich auch mit 46% nicht richtig bändigen lässt. Ingwer, Gewürze, aber einen weichen, sämigen Unterton findet man ebenso. Der entwickelt sich, immer begleitet von stark torfig rauchigen Noten, zu einem Geschmack von Bitterschokolade, von Zitronenzesten, Lakritze. Die Süße wird honigartig, mit Untertönen von Wachs. Das Gesamte ist ein doch sehr lautes Konzert von Geschmackseindrücken, nichts Subtiles.

Finish: Mittellang, erst süß, dann rauchig und am längsten wiederum eine Bitternote und etwas Salz. Wärmend. Für Silvia ist die Bitternote dominanter als für Bernhard.

Alles in allem: Auch dieser Loch Gorm wird wieder die Geister scheiden. Er ist kraftvoll, der Sherry steckt hinter den rauchigen Tönen etwas zurück, aber man muss diese Mischung aus Süße und Torfrauch goutieren, um ihn wirklich zu mögen. Man merkt seine Jugend, und das ist beileibe nicht als Makel gemeint, denn damit kommt die Frische ins Spiel, die die Kilchoman-Abfüllungen so auszeichnet. Diejenigen, die den ersten Loch Gorm nicht mochten, wird er wahrscheinlich nicht überzeugen. Die, die ihn mochten, wird er nicht verprellen, sondern mehr von seiner Art geben. Kein typischer Kilchoman, aber ein typischer Loch Gorm. Ein gutes „Gut“ von uns.

 


Über unser Ratingsystem:

Wir vergeben 0-5 Sterne in drei Kategorien: Nase, Gaumen, Finish

Die Gesamtnote ergibt sich aus dem Mittelwert dieser drei Kategorien. Unsere Skala geht von 0-5 Sternen und ist nicht mit dem Wertungssystem xx/100 vergleichbar. Sie kann so interpretiert werden:

0-1 Stern: Furchtbar. Nur äußerlich anwenden.

1-2 Sterne: Enttäuschend. Aber vielleicht kann man damit die Gäste zum Gehen bringen.

2-3 Sterne: Geht so. Kann man trinken. Muss aber nicht.

3-4 Sterne: Gut. Macht man gerne immer wieder mal auf.

4-5 Sterne: Sehr gut. Daumen hoch. Ab 4.5 Sternen: Spitzenklasse. Vor diesem Whisky verbeugt man sich.

Wichtig: Wir haben Geschmack. Unseren. Nicht Ihren. Unsere Verkostungsnotizen sind kein richterliches Urteil. Darum haben wir bei unseren  Reviews auch die Möglichkeit vorgesehen, dass unsere Leser selbst werten können. Machen Sie Gebrauch davon, falls Sie den Whisky schon probiert haben!