Reportage: Das waren die Whisky & Genuss Tage in Dresden 2026

Unser Gastautor Stefan Bügler hat die Whiskymesse in Dresden besucht - und einen Bericht samt 39 Fotos mitgebracht

Über 60 internationale und nationale Aussteller, ein umfangreiches Programm mit Master Classes und Musik, ansprechende Kulinarik und eine stimmige Location – das sind die faktischen Eckpunkte der Whisky & Genuss Tage in Dresden, die Ende September stattfanden. Aber eine Whiskymesse ist natürlich immer mehr als das: Stimmung, Atmosphäre und ein Setting für Begegnungen und Austausch.

Unser Gastautor Stefan Bügler hat versucht, alle Facetten dieser Messe in Wort und Bild einzufangen und jenen zu vermitteln, die leider nicht die Gelegenheit hatten, die Veranstaltung zu besuchen. Vielleicht macht Ihnen unsere Reportage ja Lust, im nächsten Jahr (wieder) dabei zu sein…

Fotos: Copyright Stefan Bügler

GastartikelAutor: Stefan Bügler

Das waren die Whisky & Genuss Tage in Dresden 2026

Dresden ist immer eine Reise wert, für mich allerdings zum ersten Mal zu einer Whisky Messe. 

Unweit vom Bahnhof Dresden-Neustadt steht das Event Zentrum Alter Schlachthof, der den Whisky & Genusstagen einen sehr stimmungsvollen und passenden Rahmen bot.

Genau das ist wichtig für Messeorganisator Roy Arnold, der im Grunde für die Familie ab 18 ein breites internationales aber auch lokales Angebot mit rund 60 Ausstellern schafft. Aus dem Umland waren Whisky, Rum und Gin Produzenten vertreten, aber auch Bieter lokaler Delikatessen. Als Sahnehäubchen gab es noch zahlreiche Tastings inklusive sehr kurzweiliger Whiskystadtrundfahrten im Oldtimer-Bus sowie Live Musik. Alles wurde super organisiert von Roys charmantem Team.

Alles war auf drei miteinander verbundenen Veranstaltungsräumen sehr gut verteilt. Es gab bei allem Andrang immer die Möglichkeit sich mit den Ausstellern intensiver über ihr Produkt zu unterhalten und das Dram im Glas in Ruhe zu genießen. 

Alle Voraussetzungen für eine persönliche Entdeckungsreise waren also geben. Meine persönliche Reise startet hier:

Manchen mögen es heiß… Die ausgefallenste Art das eigene Produkt vorzustellen, war sicherlich die fahrbare (Tasting-)Sauna von Kyrö, in der Mitgründer und Master Distiller Kalle Valkonen mit bis zu sieben Gästen seinen Whiskyaufguss sehr finnisch entspannt zelebrierte und durch die Kyrö-Geschmackswelt führte. Auch Diogenes hätte sich hier zuhause gefühlt.

Aus dem hohen Norden Schottlands war Ryan Sutherland, Distillery Manager von der 8 Doors Distillery, zugegen und lud auch zum Tasting. Allerdings gab es noch nichts Gereiftes von dieser neuen Brennerei zu verkosten. Bis zur offiziellen Release – hier steht noch nichts fest – bleibt der Geschmack so ein Geheimnis. Allerdings war der New Make Spirit am Start und konnte sehr überzeugen. Große Mengen darf man jedoch nicht erwarten, denn gerade mal rund fünf Hogsheads (je 250l) produziert 8 Doors wöchentlich. Insgesamt reifen derzeit etwa 1300 Fässer im Lagerhaus. Ryan zielt auf einen typischen Highland Whisky Stil und aufgrund einer Gärzeit der Würze von weit über 100 Stunden, ist sicherlich etwas sehr fruchtiges erwarten.

Tja, Schottland ist ein Dorf – zumindest in der Whiskyindustrie – so wundert es nicht, dass Ryan mit diesen zwei Herren sehr gut befreundet ist. Mark van der Vijver ist International Sales Director für Morrison Distillers, u.a. durch Càrn Mòr bekannt, aber auch durch die Aberargie Distillery, deren Manager der zweite Herr im Bunde ist, nämlich Graeme Mackeddie. Tatsächlich konnte ich Aberargie bisher noch nicht probieren und war sehr angetan von der Komplexität des 2018er Destillats, welches mit um und bei 8 Jahren für die bisherigen drei Abfüllungen verwendet wurde. 

Angetan vom Geschmack war ich auch bei der Podole Wielkie Distillery aus Polen, die mit Lukasz und Kamil vertreten waren. Die Brennerei verfolgt einen “from field to bottle” Ansatz. Der wird ja auch gerne in Schottland hier und dort gepflegt, aber eben auch in Polen und da lohnt sich der Blick über den Tellerrand, im wahrsten Sinne des Wortes. Denn hier wird auch vor der Kartoffel nicht halt gemacht. Mein erster gereifter Kartoffelschnaps war für mich zunächst ungewöhnlich, aber lecker. Genauso wie der Rye aus einem Tokajer Fass. Die Brennerei produziert etwa 20.000 Liter reinen Alkohol und wird bestimmt noch einige schöne Abfüllungen herausbringen. Sehr gute Botschafter dafür sind Kamil und Lukasz auf jeden Fall.

42 und Punkt. Wahrscheinlich hätte dem Team der Dresdner Whiskymanufaktur dieser Text für den ganzen Artikel gereicht. ‘Whisky Made in Dresden’ wäre länger, aber treffend. Seit 2019 wird in 5000L großen Brennblasen eine Palette von sieben Whiskys hergestellt, die für jeden Whiskyfan etwas bietet. Wie alles entstand ist mit zahlreichen Fotos auf der hauseigenen website dokumentiert und gewährt einen seltenen und umfassenden Einblick in die Entstehung einer Brennerei mit allem drum und dran. Ein Blick (nicht nur) auf die Website lohnt sich.

Next Stop: Rose Valley. Aus dem Herzen Sachsens kommen Erik und Astrid Brabant von der Feinbrandmanufaktur Brabant. Überwiegend mit lokalen Rohstoffen werden Whisky, Gin, Vodka, Rum sowie verschiedenste Liköre und Feinbrände hergestellt. Erik’s Whiskys sind gehegte und gepflegte Einzelstücke, denn er stellt nur etwa 2000L Gerstenmalzbrand im Jahr her. Abzüglich des Anteils der Engel, die bestimmt sehr gerne über dem Rose Valley verweilen, verbleibt eine kleine aber sehr feine Menge in Einzelfässern. Unter anderem hatte Erik zwei Maple Cask Finishes im Gepäck, die für mich qualitativ mindestens ebenbürtig sind gegenüber anderen Maple Cask Reifungen wie z.B. von Stauning.  

Ein Gast auf vielen Messen ist Whisky Jason, der wie kein anderer ein Botschafter für Amerikanische Whiskeys ist, egal ob Bourbon, Rye oder Single Malt. Wann immer man in diese Welt eintauchen möchte, Jason ist der perfekte Reisebegleiter. Ein Trip nach Brooklyn gefällig? Dort steht die Kings County Distillery, die schon länger zu meinen Favoriten zählt.

Sieben Siegel auf einer Whiskymesse? Dahinter versteckt sich die Stockhausen Methode, die Seven Seals den Geschmack verleiht. Das Geheimnis liegt quasi an der Oberfläche. Denn die Stockhause Methode verwandelt die Fläche eines normalen Fasses quasi in einen Fussballplatz. Dadurch entsteht ein viel größerer Austausch zwischen Destillat und Fass, was zu einer schnellen und intensiven Reifung führt. Wie immer super charmant führt Thorsten Manus durch eine Vielzahl verschiedener Fassreifungen.

Last but not least traf ich auf Cristobal Srokowski, Brand Ambassador von Abuelo Rum, für den Dresden der Ausgangspunkt für eine fast drei wöchige Tastingtour ist. Hm, was hat das mit Whisky zu tun? Ihm gehören zwei Restaurants in Barcelona, da gibt es bestimmt auch Whisky. Aber das ist nicht der Punkt. Der liegt in der Familie. Er ist der Neffe von Fabio Rossi, dem Inhaber von Wilson & Morgan, bekannt durch seine Single Barrel Selection. Forza!

Auch auf diese Art verbinden Whisky und Rum die Familie. Und das ist es doch, was Roy Arnold mit den Whisky & Genusstagen in Dresden im Grunde anbieten möchte. Rund 2.500 zufriedene Gäste haben das in diesem Jahr erlebt und ich bin mir sicher, nächstes Jahr werden es mehr.

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