Whisky wird seit jeher nicht nur getrunken, sondern auch gesammelt – sei es, um besondere Tropfen für später aufzuheben oder rein des Sammelns willen. Immer schon, und verstärkt in den letzten Jahren, war Whisky auch ein Gegenstand der Wertanlage – begünstigt durch den Umstand, dass ältere Jahrgänge immer rarer werden und sich der Markt für Whisky global ausweitet.

Märkte sind dynamisch und ändern sich. Gastautor Marco Jansen von der Whisky Investments GmbH wirft für uns vierteljährlich einen Blick auf den Sammlermarkt und berichtet dabei über relevante Ereignisse und Entwicklungen. Hier ist sein aktueller Beitrag:

Der Whisky-Sammlermarkt – Bericht für Q1 2017

Nachdem die Preise für Whisky Raritäten im Jahr 2016 auf neue Rekordstände geklettert sind (der Apex 1000, ein Index für in UK versteigerte Whisky Raritäten stieg im letzten Jahr um phänomenale 38%!) mehrten sich die Sorgen am Markt, dass es sich bei dem rasanten Aufschwung um eine Blase handeln würde, die kurz vor dem Platzen sei.

In den ersten 3 Monaten des Jahres war hiervon allerdings wenig zu spüren. Beim Markt für Whiskyraritäten zieht die Nachfrage nach Single Malts aus den 60er und 70er Jahren weiter deutlich an – gerade in den letzten Wochen wurde auf Grund dieser Entwicklung über deutliche Preissteigerungen bei den großen unabhängigen Abfüllern spekuliert.

Signifikant ist allerdings, dass die Preise von vielen Highflyern der letzten Jahre wie z.B. Port Ellen, Brora oder auch der japanischen Karuizawa Destillerie stagnieren oder sogar leicht rückläufig sind – die Sammler scheinen nicht mehr bereit zu sein, jeden Preis zu bezahlen und sehen Potenziale für weitere Preissteigerungen eher bei anderen Abfüllungen am Markt.

Weiterhin aufwärts gerichtet ist das Preisniveau hingegen bei Abfüllungen von Macallan – hier konnten zum Teil schon jetzt Preissteigerungen von mehr als 10% seit Jahresanfang beobachtet werden und selbst bei einigen NAS-Abfüllungen der Destillerie ziehen die Preise deutlich an.

Interessant ist auch ein Blick auf die Entwicklung des Negative Apex 1000 – der Index für die Malts mit der geringsten Performance. Wie schon im letzten halben Jahr läuft dieser Index auch in 2017 seitwärts und nicht wie sonst üblich negativ – ein deutliches Zeichen für die sehr breite Nachfrage und relative Stärke des Marktes.

Auch bei den neuen Releases von Sammlerflaschen setzt sich der Nachfragedruck der letzten Jahre fort. Egal ob es neue Abfüllungen aus Campbeltown, von den Orkneys oder zuletzt von Islay waren – die Flaschen wurden den Händlern quasi aus den Händen gerissen. Die Preise an den Sekundärmarkten schossen oft schon wenige Stunden nach dem Release deutlich in die Höhe, unabhängig von Alter und Qualität der Abfüllung.

Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass der Markt für Whiskyraritäten sich weiter sehr robust entwickelt und trotz der enormen Entwicklung der letzten Jahre noch keine Anzeichen einer nachhaltigen Blasenbildung auszumachen sind.

Marco Jansen von Whisky-Investments.de

Autor Marco Jansen, Gesellschafter der Whisky Investments GmbH, arbeitet seit 16 Jahren in der Finanzbranche und sein Betätigungsfeld – neben der Betreuung von vermögenden Privatkunden – sind die internationalen Kapitalmärkte. Vor etwa 10 Jahren entdeckte er bei einer Reise nach Schottland seine Leidenschaft für Single Malt Whisky. Seitdem verfolgt er mit Interesse die Whiskymärkte und eine kleine Sammlung erlesener Tropfen füllt die speziell dafür eingerichtete Vitrine in seiner Heimat am Niederrhein.

Unser Titelbild zeigt die Catedral do Whisky – die größte Whiskysammlung der Welt