Ganz unabhängig von der Qualität des erzeugten Whiskys muss man die Destillerie Springbank auf Campbeltown für ihre Haltung zu ihrem Produkt loben: Jeder einzelne Arbeitsschritt zur Erzeugung des Whiskys wird vor Ort am Gelände vorgenommen (gerade noch einmal Kilchoman leistet sich diese arbeitsaufwändige Vorgangsweise). Auch verzichtet man auf die Verwendung von Computern und automatisierten Anlagen – was bedeutet, dass Springbank verhältnismäßig viele Arbeitsplätze schafft. Diese Grundeinstellung ist nicht nur teuer und deshalb sehr selten geworden, sie ist auch der Versuch, ein Stück Tradition in jene Zeit herüberzuretten, in der Effizienz manchmal wichtiger genommen wird als Ursprünglichkeit.

Aber auch abgesehen davon genießen Whiskys aus der Destillerie Springbank einen guten Ruf unter Whiskyfreunden – das gilt für alle drei Marken, die dort erzeugt werden: Springbank selbst, die ungetorfte Variante, die 2.5 Mal gebrannt wird, dann Longrow, der torfige Whisky des Hauses und zu guter Letzt Hazelburn, der dreifach gebrannte Whisky.

In unserer Verkostung hat sich Redakteur Bernhard Rems den zwölfjährigen Springbank in Fasstärke, abgefüllt im Jahr 2013 mit 50.3%, ins Glas gegeben. Der Whisky stammt aus seiner Privatsammlung.

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Nase: Zunächst findet man Vanille, und zwar eine Menge davon. Dann ist hier warmes Apfelmus zu riechen, etwas Gewürznelken findet man. Das Bild einer leicht angestaubten Bibliothek drängt sich einem auf, und jenes von warmen, rotfarbenen Ledersitzen in einem alten britischen Sportwagen, der in der Sonne steht. Etwas Toffee, etwas Vanillepudding, etwas italienischer Pannetone – der Whisky präsentiert sich sehr komplex und reichhaltig in der Nase. So reichhaltig, dass er zum Verweilen und Entdecken einlädt.

Gaumen: Wieder Vanille, aber auch erdige Noten. Es ist, als hätte man kurz Kandiszucker im Mund gehabt und einen cremigen Film davon an den Wangen. Etwas wie Tawny Orange Marmelade ist dabei, Holz und Honig, dann eine ganz winzige Prise Salz. Der Geschmack füllt den Mund, tut dabei nicht bedeutsam, er ist es. Wiederum sehr schön und faszinierend vielfältig.

Finish: Mittellang bis lang, wärmend und ohne bittere Töne; die Prise Salz bleibt.

Alles in allem: So viel Komplexität und Charakter traut man einem zwölfjährigen Whisky nicht zu, aber wer den Springbank 10 kennt, der für sich schon ein sehr reifes Werk ist, der weiß, dass man bei Springbank alles andere als flache Tropfen herstellt. Dieser Whisky verlangt Beschäftigung, ohne dabei fordernd oder kompliziert zu wirken. Ich gebe ihm ein ausgeprägtes Sehr Gut – und eine höchst lobende Erwähnung dafür, dass dieser schöne, gerade Whisky in der Regel unter 50 Euro erhältlich ist.

 


Über unser Ratingsystem:

Wir vergeben 0-5 Sterne in drei Kategorien: Nase, Gaumen, Finish

Die Gesamtnote ergibt sich aus dem Mittelwert dieser drei Kategorien. Unsere Skala geht von 0-5 Sternen und ist nicht mit dem Wertungssystem xx/100 vergleichbar. Sie kann so interpretiert werden:

0-1 Stern: Furchtbar. Nur äußerlich anwenden.

1-2 Sterne: Enttäuschend. Aber vielleicht kann man damit die Gäste zum Gehen bringen.

2-3 Sterne: Geht so. Kann man trinken. Muss aber nicht.

3-4 Sterne: Gut. Macht man gerne immer wieder mal auf.

4-5 Sterne: Sehr gut. Daumen hoch. Ab 4.5 Sternen: Spitzenklasse. Vor diesem Whisky verbeugt man sich.

Wichtig: Wir haben Geschmack. Unseren. Nicht Ihren. Unsere Verkostungsnotizen sind kein richterliches Urteil. Darum haben wir bei unseren  Reviews auch die Möglichkeit vorgesehen, dass unsere Leser selbst werten können. Machen Sie Gebrauch davon, falls Sie den Whisky schon probiert haben!