Nicht alles, was in Indien als Whisky produziert wird, darf sich den europäischen Markt auch als Whisky betreten. Serge Valentine verkostet heute insgesamt drei Abfüllungen der beiden Single Malt Whisky Destillerien (sind es nur zwei oder gibt es dort auch mittlerweile mehr?). Neben einer Abfüllung der schon bekannten Amrut Destillery gönnt er sich zwei Paul John NAS-Whiskys der John Distilleries. Amrut konnte ja schon in den letzten Jahre durch sehr gute Abfüllungen glänzen (Amrut Fusion als den drittbesten Whisky der Welt in der Whisky Bibel 2010 lassen wir hier unerwähnt). Nun müssen wir der Destillerie in Goa wohl auch mehr Beachtung schenken:
Paul John ‚Edited‘ (46%, OB, India, 2013) 82 Punkte
Paul John ‚Classic Select Cask‘ (55.2%, OB, India, 2013) 85 Punkte
Amrut 2009/2013 (60%, OB for La Maison du Whisky, India, bourbon, cask #3438) 89 Punkte
Gute und halbswegs presiwerte Whiskys zu finden ist heutzutage keine ganz leichte Aufgabe mehr. Umso erfreulicher ist es, wenn sich auch einmal unter den Standards ein solches Kleinod befindet – zumindest nach den Worten und der Meinung von Ralfy, der sein 405. Videotasting dem Balvenie 15yo Single barrel gewidmet hat. Er erntet höchstes Lob und eine Wertung von 91/100. Warum – und was ihn so asugezeichnet macht, kann man in dem 12:26 langen Video sehen:
Natürlich werden wir von der ersten Whiskymesse aus der Landeshauptstadt Graz in Bälde noch etwas ausführlicher berichten, aber hier schon mal ein paar Fotos vom ersten Tag der Whisky & Rum Graz, am Samstag – und ein paar erste Eindrücke:
Auch wenn sich einige Aussteller laut eigenem Bekunden wegen der Neuheit der Veranstaltung nicht besonders großen Publikumszuspruch erwartet hatten, waren doch alle letztendlich am Samstag mehr als positiv überrascht. Der Andrang war groß, aber immer so, dass man genügend Zeit hatte, sich den Ständen zu widmen.
Ein entsprechendes Rahmenprogramm gab es – typische schottische Musik ebenso wie modernere Lieder aus Schottland, mit viel Verve von einer Band dargebracht. Den Gästen hat es gefallen.
Erstaunlich viele junge Whiskyfreunde waren hier unterwegs…
Eine der Masterclasses des Abends – von Cadenhead’s Klaus Pinkernell – interessant und abwechslungsreich.
Whiskyexperts (Bernhard Rems) zu Besuch bei The Scotch Malt Whisky Society Österreich (Mag. Thomas Unterguggenberger und Jutta Unterguggenberger).
„The Beast“ – Eliajah Craig Kentucky Straight Bourbon Whiskey mit 134.2 Proof (oder anders gesagt: satten 67.1% Alkohol). Ein großartiger Bourbon!
Neben den „großen Namen“ fanden sich auch einige sehr interessante und für Europa relativ neue Anbieter auf der Messe, wie zum Beispiel Brennmeister und Besitzer Dr. Robert Birnecker mit Koval – Craft Spirits handmade in Chicago.
Über den Schwäbischen Whisky Walk hatten wir schon Anfang April berichtet, heute ist auf Zeit online ein weiterer Artikel erschienen. Redakteur Oliver Keppler nahm an der Wanderung teil und fasst seine Eindrücke und Erkenntnisse in einem lesenwerten längeren Artikel zusammen.
Den Schwerpunkt seiner heutigen Verkostung setzt Serge Valentin auf Abfüllungen von Domaine des Hautes Glaces. Die Farm-Destillerie in den französischen Alpen zeigt, welche hohe Qualität in einer handwerklichen Destillerie entstehen können. Dazu gibt es für ihn ein Pappy van Winkle, der noch aus der 1992 geschlossenen Stitzel-Weller Distillery kommt.
Domaine des Hautes Glaces 2011/2013 ‚Secale‘ (56%, OB, Condrieu wood, 511 bottles) 65 Punkte
Domaine des Hautes Glaces 2010/2013 ‚L.10#03‘ (46%, OB, French oak, 1616 bottles) 85 Punkte
Pappy van Winkle 20 yo ‚Family Reserve‘ (45.2%, OB, straight bourbon, 2012) 89 Punkte
Heute in unserer Rubrik „Whisky im Bild“ als kleiner Appetitanreger die Flasche des ältesten Whiskys der jüngsten Islay-Destillerie Kilchoman, die bislang abgefüllt wurde: Kilchoman 2007. Man darf sich die typische Kilchoman-Rauchigkeit erwarten. Erwarten darf man sich die Flasche auch demnächst im gut sortierten Fachhandel – John Mc Lellan von Kilchoman tourt gerade durch Deutschland, um diese Abfüllung vorzustellen (z.B. gestern in Hamburg).
Auch die Highland Destillerie in der Nähe von Glasgow nutzt jetzt das Internet zur Kundenbindung und Crowdsourcing. Am 7. November um 19:00 Uhr Ortszeit (also bei uns eine Stunde später) können registrierte The Glengoyne Family Mitglieder (diese Plätze sind auf 1.000 limitert) dabei zusehen, wie Robbie Hughes (Distillery Manager) und Stuart Hendry (Brand Heritage Manager) drei Glengoyne Single Casks verkosten. Danach kann über das zu wählende Fass abgestimmt und so die nächste The Glengoyne Abfüllung bestimmt werden. Direkt danach besteht für die Online Tasting Teilnehmer die Möglichkeit, maximal zwei Flaschen dieser Abfüllung zu bestellen. Sollte
innerhalb von 24 Stunden die Abfüllung nicht ausverkauft sein, wird diese dann der ganzen The Glengoyne Family zum Kauf angeboten (Der Preis wird bei £350 liegen).
Wer hier leer ausgegangen sind, bleibt noch eine Möglichkeit: unter allen The Glengoyne Family Mitglieder wird eine Flasche Glengoyne 35yo verlost.
Nach dem Erfolg des wissenschaftlichen PR Experistunts „Galileo“, bei dem ein klein wenig Ardbeg in den Weltall geschickt wurde, wird die nächste Ardbeg Abfüllung sich auf das Thema Zeitreise konzentrieren – behauptet wenigstens whiskysponge, und denen konnten und haben wir noch nie etwas geglaubt. Auch ein Zitat von Jill Bumsden wird dies nicht ändern können. Aber lachen konnten wir darüber.
Nach dem Armorik Tasting in Essen verabredeten wir mit David Roussier, Directeur Générale der Distillerie Warenghem in der Bretagne, ein Interview. Unsere Fragen waren schnell formuliert und per Mail in die Bretagne verschickt. Doch David war in Sachen Armorik in der letzten Zeit sehr viel unterwegs, so mussten wir auf seine Antworten ein wenig warten. Bis jetzt.
Whiskyexperts: David, Du warst 5 Tage mit deiner Armorik Tasting Tour in Deutschland unterwegs. Welche Erfahrungen hast Du gemacht, wie waren die Reaktionen auf eure Whiskys?
David Roussier: Es war eine völlig neue Erfahrung für mich. Es war tatsächlich das erste Mal, dass ich auf einer Tasting Tour mit Präsentation und Verkostung an jedem Abend war. Aber ich hatte wirklich eine gute Zeit: erstens, weil alles gut organisiert und die Leute sehr nett zu mir waren, aber auch, weil die Reaktionen auf unsere Whiskys fantastisch waren. Die Leute waren wirklich überrascht. Ich verstehe, dass die Menschen misstrauisch sind, weil Whisky aus der Bretagne unüblich ist. Aber sobald sie die Whiskys probierten (vor allem die Fass Proben), waren sie von der Qualität überzeugt. Alles in allem war es eine wirklich schöne Woche.
Whiskyexperts:Du hast vor vier Jahren die Nachfolge in der Geschäftsführung bei der Warenghem Distillery angetreten und scheinbar einige Dinge in der Whiskyherstellung verändert. Kannst du uns etwas dazu sagen?
David Roussier: In der Tat kam ich vor 4 Jahren in die Brennerei, um sie von meinem Schwiegervater zu übernehmen. Dabei beschlossen wir gemeinsam eine Strategie für die Zukunft: Wir wollen mehr für die High-End-Märkte wie den Export arbeiten. Also beschlossen wir, mit dem Breizh, dem Armorik Classic und dem Armorik Double Maturation eine neue Reihe von Whiskys zu erstellen. Wir haben auch beschlossen, unsere Produktion vollständig zu überprüfen und änderten ein paar Dinge, um einen noch besseren New Spirit zu bekommen. Wir haben uns zusätzlich sehr darauf konzentriert, die bestmöglichen Fässer zu bekommen, weil sie uns den besten Whisky ermöglichen.
Also ja, durchaus ein paar Änderungen und ich denke, es ist eine Verbesserung.
Whiskyexperts: Du betontest, dass eure Situation als Familienunternehmen euch viel Spielraum für Ungewöhnliches lässt. Welche Experimente hattet ihr schon gemacht, welche laufen gerade noch, welche können wir noch erwarten?
David Roussier: Die gute Sache an der Unabhängigkeit und als Familienunternehmen ist, dass man machen kann, was man möchte, auch Dinge, die als seltsam betrachtet werden. Wir experimentierten mit vielen verschiedenen Getreiden: Gerste, Weizen, Buchweizen, Roggen … Wir haben zum Beispiel Weizen Whisky für unsere Blends destilliert und lassen ihn in einigen ungewöhnlichen Fässern wie Sherry reifen. Wir experimentieren natürlich mit verschiedenen Arten von Fässern wie unter anderem Sauternes, und möglicherweise sind wir die einzigen, die einen Whisky verkaufen, der zu 100% in Sauternes reifte.
Ich denke, in der Zukunft werden wir noch eine Menge dieser verschiedenen ungewöhnlichen Dinge abfüllen können.
Whiskyexperts: Vielen Dank für deine Zeit und deine Antworten.
Neil & Joel von caskstrength.net – whisky blog ziehen das Tempo ein wenig an und präsentieren jetzt die vierte Abfüllung ihrer A-Z of whisk(e)y Reihe, schon die zweite in diesem Jahr.
Gemeinsam mit Dr. Matthew Crow, einem der Master Blender für Johnnie Walker, kreierten sie den 3D Whisky. Whiskys der drei Destillerien Dailuaine, Dalwhinnie und Dufftown wurden miteinander vermählt und mit 56,4 % abgefüllt, jede der 504 Flaschen ist handsigniert und nummeriert. Dazu gibt es noch eine 3D-Brille, um den stereoskopischen Effekt des Labels richtig erkennen zu können. Auf dem Label auf der Rückseite der Flasche findet man einen QR Code, der zur Downloadmöglichkeit der Pläne führt, mit denen man mittels eines 3D-Druckers den ersten ‚Print-Your-Own‘ Präsentations Karton produzieren kann.
Offizielle Vorstellung dieser Abfüllung ist der 11. November 2013. Der Trailer zu diesem Projekt ist auf der 3D Whisky Website zu finden oder unter diesem Satz.
Whisky in der Bar ist nicht nur „neat“ interessant, sondern natürlich auch als Zutat für Mixgetränke. Als die Lowland-Destillerie Auchentoshan heuer den Mix-Wettbewerb „Auchentoshan Switch“ ins Leben rief, haben wir bereits in mehreren Berichten (hier, hier und hier) den Fortgang für unsere Leser mitverfolgt. Nun gibt es auch ein Video zum europäischen Finale, dessen Gewinner sozusagen im Austausch mit den amerikanischen Sieger auf die andere Seite des Atlantiks wechseln und dort seine Fertigkeiten perfektionieren kann. Die kurzweiligen 4 Minuten und 30 Sekunden finden Sie hier:
Tullibardine Besucherzentrum, Photo von Brian D Osborne, CC-Lizenz
Ein interessanter Artikel in The Irish Times beschäftigt sich mit der Möglichkeit, Whiskyabfälle als Quelle für die Butanolerzeugung zu nutzen – Butanol wiederum ist eine Substanz, die als Treibstoff für Autos verwendet werden kann. Das Interessante an Butanol: Es lässt sich entweder mit herkömlichen Benzin mischen oder alleine verwenden; und das, ohne dabei den Motor umbauen zu müssen.
Martin Tangney, Mitbegründer von Celtic Renewables, sagt im Artikel, dass momentan Biotreibstoff aus Ethanol besteht, aber Butanol die bessere Alternative sei. Es könne zudem aus einem reichlich vorhandenen Abfallprodukt der Whiskyerzeugung, nur teilweise durchgegärte Gerste, hergestellt werden. Von diesem „Draff“ fallen in Schottland jährlich 750.000 Tonnen an, Diese werden derzeit entweder als minderwertiges Futter genutzt oder überhaupt nur auf Halde gekippt.
Die Butanol-Gewinnung wird nun erstmals in einem gemeinsamen Projekt von Tullibardine und Celtic Renewables durchgeführt. Mehr dazu kann man im ausführlichen Artikel nachlesen.
Caperdonich Destillerie (jetzt abgerissen), Foto von Potstill.org
Und weiter geht es mit den bunt gemischten Verkostungen bei Serge Valentin von Whiskyfun. Heute im Glas: Eine Lost Distillery, Caperdonich, einen Highlander in einer Wemyss-Abfüllung, Glen Garioch, und einen uralten Whisky von La Maison du Whisky (bei denen selten etwas Unbrauchbares vorkommt): Glen Grant mit 59 Jahren Fassreife. Der Caperdonich ist sehr untypisch, der Glen Garioch sehr interessant und der Glen Grant laut Serge eine Wucht. Hier sind die Ratings:
Caperdonich 1996/2013 ‚Dunes An Oir‘ (58.6%, Malts of Scotland for Van Zuylen, bourbon hogshead, cask #MoS 13025, 276 bottles): 83 Punkte.
Hin und wieder wollen selbst eingefleischte Single Malt Genießer etwas über den Tellerrand schnuppern und sich einen Whisky einschenken, der nicht in Schottland seinen Ursprung hat. Unser Herausgeber Bernhard Rems hat sich heute einen kanadischen Blend eingeschenkt – den 8 Jahre alten Snake River Stampede. Der Batch wurde am 12. Dezember 1999 destilliert und am 18. Juli 2008 mit 40% abgefüllt. Laut dem Abfüller, Indio Spirits, wurde er nach der Lagerung (!) mit etwas Sherry aufgebessert. Auf der offiziellen Website findet man zwei positive Tasting Notes – kommen wir von Whiskyexperts zu einem ähnlichen Ergebnis?
Nase: Im ersten Anflug unangenehm nach Aceton. Später schält sich unter der alkoholischen Schärfe ein Hauch Granny Smith heraus, etwas Süße ist vorhanden (Rohrzucker), Getreide, und Kondensmilch, die knapp vor dem Kippen und daher in der Süße ganz leicht säuerlich ist. Nasser Karton hängt sich noch dran. Nein, das macht nicht wirklich Freude und lädt nicht ein, ihn zu verkosten.
Gaumen: Grünes, feuchtes Holz, eine harzige Note, nochmals Aceton. An den Zungenrändern wird das schnell bitter, als hätte man eine Aluminiummünze im Mund – oder eher so, als würde man den Whisky wie ein Cowboy aus dem Blechbecher trinken. Etwas Malzkaffee ist auch dabei, und ein kurzer süßer Anflug, aber das Bittere wird dominant und lässt sich nicht wirklich vertreiben.
Alles in allem: Der Abfüller Indio Spirits empfiehlt, ihn mit Cola oder Soda zu trinken, oder über Eis. Wir finden: wenn überhaupt, dann vielleicht so, ja – pur getrunken macht er absolut keine gute Figur. Das, was er an Körper besitzt, ist nicht schön, flach und eher ins Unangenehme gehend. Danke, aber nein danke.