Aus einem uns unerfindlichen Grund *g* überschlagen sich heute die Sensationsmeldungen über Whisky: „The Whisky Exchange“ berichtet zum Beispiel, dass der „Heilige Gral“ des Whiskys, eine 500 Jahre alte Abfüllung, gefunden wurde. Sie gehörte einst Friar John, dem legendären John Cor, der das erste überlieferte Whiskyrezept festhielt.
Durch exakte historische Quellenforschung konnte bei einer Ausgrabung die legendäre Hüftflasche von John Cor aus einem Grab entnommen werden – und sie enthielt sensationellerweise noch eine geringe Menge Whisky (3cl). Nach intensiver wissenschaftlicher Untersuchung können 100ml davon von einem potenten Sammler in einem Nachbau der Originalflasche erworben werden…
Eine unserer regelmäßigen Rubriken werden die Whiskys des Monats sein, in denen wir, sehr subjektiv gesehen natürlich, Whiskys für Einsteiger und Kenner vorstellen möchten. Unsere Empfehlung für April ist eigentlich eine Empfehlung für eine spezielle Destillerie, die zu erkunden sich für Einsteiger wie auch für Kenner auszahlt: Bunnahabhain.
Chris Upson [CC-BY-SA-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia CommonsBunnahabhain (ausgesprochen anfangs so, wie man es schreibt, also mit „u“, den Rest verspielt man etwas, so dass es wie „Bunnahavn“ klingt) ist eine alte Islay-Destillerie – aber für Islay eigentlich sehr untypisch, weil sie in der Regel ungetorften Whisky erzeugt – als einzige Islay-Destillerie. Sie liegt ganz im Norden der Insel, mit Caol Ila als einzigen Nachbarn. Momentan hat Bunnahabhain die größte Produktionskapazität auf Islay – aber nicht den höchsten Output an Whisky – der kommt von Caol Ila.
Seit 1881 gibt es die Destillerie nun, seit 1963 besitzt sie vier riesige Brennblasen. In ihren Lagernhäusern findet man übrigens auch Fässer von Tobermory und Ledaig – die Lagerflächen auf Mull sind einfach zu begrenzt.
Was macht nun Bunnahabhain so interessant für Einsteiger wie Fortgeschrittene? Nun, zunächst einmal ist Bunnahabhain eine Destillerie, die es in den letzten Jahren geschafft hat, die Qualität der Standardabfüllungen durch die Bank zu steigern und nicht zu verringern. Das zeigt sich auch dadurch, dass die neueren Abfüllungen alle mit 46.3% gemacht werden, statt mit 40% oder 43%. Weiters gibt es unter den Standardabfüllungen keinen „Ausreisser“ nach unten – man kann also aus einer großen Anzahl verschiedener Altersstufen und Abfüllungen wählen, ohne Gefahr zu laufen, etwas Enttäuschendes zu finden – wenn man die Charakteristik von Bunnahabain mag (weich, nussig bis malzig). Der dritte Punkt, warum wir Bunnahabhain generell empfehlen, ist die große Auswahl an Produkten von unabhängigen Abfüllern, die ebenfalls interessant und gut sind.
Für Einsteiger bietet sich der 12jährige Bunnahabhain an. Er ist preiswert und offenbart den Bunnahabhain-Charakter sehr schön. Man bekommt ihn für knapp über 30 Euro. Wer mit einem rauchigen Bunnahabhain aus dem Standardsortiment einsteigen will, der sollte den Bunnahabhain Cruach-Mhòna probieren, der mit 50% in der 1l-Flasche abgefüllt wird und an die 60 Euro kostet. Er ist der Whisky, der dem generellen Islay-Charakter am nächsten kommt, aber immer noch die Sanftheit eines Bunnahabhain offenbart. Eigentlich gibt es ihn exklusiv im Duty-Free, aber man findet ihn auch in anderen Geschäften.
Sehr positiv überrascht war ich vom neuen 18jährigen Bunnahabhain, den ich unlängst an der Planet-Bar in Kapstadt verkosten konnte. Er ist komplex, angenehm am Gaumen mit einer schönen Mischung aus süßen und Ledernoten – er geht hervorragend mit einer Zigarre. Ganz günstig ist er nicht, etwa ab 85 Euro geht er in unseren Landen über den Ladentisch. Wer allerdingsdiese Summe ausgeben will und nicht unbedingt eine Destillerieabfüllung haben möchte, sollte sich eher an unseren Empfehlungen für Fortgeschrittene orientieren.
Fortgeschittene können aus einer sehr großen Anzahl von unabhängigen Abfüllungen wählen. Dewar Rattray hat erst unlängst einen sehr preiswerten 37jährigen Bunnahabhain herausgebracht (Einzelfass #5763, 43% – knapp um die 150 Euro), der durchaus ausgezeichnete Bewertungen erhielt. Wer es etwas günstiger will, kann auch zum Bunnahabhain mit 22 Jahren vom selben Abfüller greifen (Fassstärke, 44.4%, Einzelfass Nr. 5835, rund 80 Euro), der vor allem durch seine Sanftheit und den runden Geschmack besticht. In manchen Geschäften findet man auch noch den 20jährigen Bunnahabhain 1991 von Wilson & Morgan (in der Holzkiste), der eindrucksvoll zeigt, wie gut sich ein Bunnahabhain mit einem Sherry-Fass versteht. Mit ca. 85 Euro sind sie hier dabei. Generell sei angemerkt, dass Bunnahabhain ausgezeichnet altert.
Nicht ganz überraschend wurde heute bekannt, dass die SWA (Scotch Whisky Association) ihre Vorschriften für Scotch Whisky ändern wird. Wie auf Whisky Israel zu lesen, wird der Mindest-Alkoholgehalt von Scotch Whisky auf 46 Vol. % angehoben. Single Cask Whiskies dürfen nur noch in Fassstärke abgefüllt werden, für Single Malts wird die Zugabe von Zuckercouleur und die Kühlfilterung verboten und sind nur noch bei Blended Whiskies möglich. Auch für das Finishing gibt es jetzt eine Änderung: es darf nur noch ein Fasstyp für das Finishen verwendet werden, eine Kombination aus z.B. Sherry- und Portwein-Fässern wird es in Zukunft nicht mehr geben.
(Anm.: Dies war ein Aprilscherz einer israelischen Whisky-Seite. Natürlich ist (leider) nichts davon wahr.)
Über 300 Events in fünf Tagen – das Spirit of Speyside Whisky Festival vom 2. – 6. Mai 2013 bietet einiges für die Whisky Enthusiasten. Auch in diesem Jahr gibt es wieder den Festival Transport Service. Bei diesem umfangreichen Programm ist es schon sehr schwer, Highlights zu benennen: vielleicht die Wiedereröffnung der Tamdhu-Destillerie am 3. Mai. Oder die Möglichkeit, nach einer Destillerie-Führung am 6. Mai bei Glenfarclas bei der Auswahl der Fässer für 1998er The Family Casks Abfüllung zu assistieren. Oder …
Diesmal werfen wir einen Blick auf eine Leser-Bar aus dem Westerwald, die fast schon einen künstlerischen Anstrich hat. Sie gehört Markus Jung aus Wilsenroth und er schreibt:
Ich sende Ihnen hier ein Foto meiner kleinen Whiskysammlung.
Das Regal besteht aus alten „Wein aus deutschen Landen“ Weinkisten und meine Sammlung zählt aktuell 6 blended und 27 Single Malts.
Begonnen habe ich vor ca. 2 Jahren mit einem Aberlour 10J, an dem ich „Blut geleckt“ habe. Danach habe ich mir den Singleton of Dufftown gekauft und bin geschmacklich somit in den Highlands hängen geblieben.
In unserem Freundeskreis veranstallten wir immer wieder einmal Whiskytastings untereinander, wenn genug neues im Sortiment ist und regelmäßig feiern wir zusammen in meinem „exorbitanten Pub“, meiner Kellerbar am Rande des Westerwaldes, wo so manches Fläschchen sein jähes Ende findet…
Bei den vielen abwechslungsreichen Drams, die sich aus dieser Bar entnehmen lassen, wären wir gerne bei solch einer Feier dabei :-).
Das Bild lässt sich durch Anklicken vergrößern:
Und? Wie sieht Ihre Heimbar aus? Schicken Sie uns ein Bild und eine kurze Beschreibung an team(at)whiskyexperts.at…
Nach einem Besuch der Glenmorangie-Destillerie in den achtziger Jahren stand für die Brauerfamilie Schnitzler fest: „Das können wir auch“. Erst 2007 im Zuge eine Neubaus konnte der Plan der eigenen Brennerei verwirklicht werden.
Zeit Online porträtiert die kleine Brennerei in der Hausbrauerei und ihr Produkt Baas (Rheinisch für „Der alte Meister“ ), bei 600 Flaschen Whisky jährlich eine Rarität mit einem ambitionierten Preis (74,65 € für die 500 ml Flasche ).
Wie wir bereits am 08.03 berichteten wird der unabhängige Scotch Whisky Produzent, Isle of Arran Distillers, seinen ersten eigenen 16 Jährigen Malt diesen April auf den Markt bringen.
Der 16 Jährige ist der erste Teil einer Trilogie von speziellen Malt Whiskys und ist in einer weltweit limitierten Auflage von nur 9.000 Flaschen erhältlich. Es folgt der Arran 17 Jahre im Frühjahr 2014 und 2015 der Arran 18 Jahre .
Die neuste Version kommentierte James MacTaggart, der Master Distiller von Arran so: „Unser erster 16 Jahre alte Whisky beinhaltet alles, was groß- und einzigartig für Isle of Arran Malt Whiskys ist. Der Whisky ist nicht kältegefiltert und enthält keine künstlichen Farbstoffe, aber dafür eine große Palette von Aromen und Geschmacksrichtungen – er riecht nach Honig und Ingwer und hat einen weichen Geschmack mit Einfluss von Süße und Würze.“
Ganz oben, im Norden Schottlands, hat im Februar eine neue alte Destillerie ihren Betrieb aufgenommen: Wolfburn – und zwar fast exakt an jener Stelle, an der im frühen 19. Jahrhundert die ursprüngliche Wolfburn Distillery stand. Den ersten Whisky können wir nicht vor 2016 erwarten – aber dass dieser von höchster Qualität sein wird, dafür garantiert unter anderem Shane Fraser. Mit über 21 Jahren Erfahrung bei Lochnagar, Oban und zuletzt bei Glenfarclas kümmert er sich um den Herstellungsprozess von Anfang bis Ende. Shane war am Projekt Wolfburn bereits in den frühen Phasen beteiligt – wir sehen ihn hier vor den beiden Brennblasen der jungen Destillerie, die auf Qualität und nicht auf Masse setzen wird.
Wie Bruichladdich berichtet, war Prof. Otto Hermelin von der Abteilung für geologische Wissenschaften an der Universität von Stockholm zu Besuch in der Destillerie, um seine Forschung über die Auswirkung von Temperatur, Feuchte und Speicherort auf die Reifung von Single Malt Whisky fortzusetzen. Er hat insgesamt 10 Sensoren installiert, die die Daten an jedem Tag und zu jeder Stunde aufzeichnen. Diese Studie ist für 10 Jahre ausgelegt und läuft jetzt seit gut 18 Monaten.
Das wissenschaftlich Interessante an seinem jetzigen Besuch ist laut Bruichladdich, dass es momentan ungewöhnlich kalt ist und die Luftfeuchtigkeit äußerst gering – und er somit wirklich außergewöhnliche Umweltbedingungen vorfindet.
In dem gesamten Studienzeitraum (10 Jahre) überwacht Prof. Otto Hermelin mit seinem Massenspektrometer an der Universität jede Änderung in der Konzentration von Substanzen wie Ester (das ist eine Stoffgruppe, die durch die Reaktion einer Säure und eines Alkohols unter Abspaltung von Wasser ensteht). Diese Änderungen bringt er in eine Wechselbeziehung von verschiedenen Bedingungen, verschiedenen Behältern und verschiedenen Stellen im Lager von Bruichladdich.
Wir sind gespannt auf die Ergebnisse und ihre Folgen.
In der aktuellen Pressemeldung von Diageo, dem weltweit führenden Premium-Getränke-Unternehmen, hat Johnnie Walker zum sechsten Mal in Folge Platz 1 beim Premium Spirituosen Marken Ranking belegt und führt weiterhin unangefochten die Kategorie Scotch Whisky in der Top 100 Rangliste an.
Der Johnnie Walker Retail Wert macht mehr als 7 % vom Gesamtwert der Top 100 aus, mit einen Zuwachs von 11 %.
Weitere Marken von Diageo sind unter anderem Crown Royal, JεB, Buchanan, Windsor und Bushmills Whiskey.
Zum Ostersonntag bringt SPIEGEL Online einen Artikel über Deutschlands älteste Destillerie für Whisky: Robert Fleischmann’s „Blaue Maus“, die mittlerweile schon 30 Jahre in Betrieb ist. Wir erfahren im durchaus lesenswerten Artikel einiges über die Historie und die Motivation hinter dem Unternehmen, etwas über das Umfeld an Destillerien in Deutschland – und man findet sogar kleine Verkostungsnotizen:
Auf dem Tresen stehen drei Probiergläser. Drei Jahrgänge, drei verschiedene Lagerungen und Qualitäten. Die erste, hellste, schmeckt nach Eiche und Frucht – gut, aber mehr Obstler als Whisky. Die mittlere trägt mehr Aromen, kreist ölig im Glas, hat Nase und süß-fruchtig nachschmeckenden Abgang: Weich, ohne Kanten, nicht unangenehm. Die dritte schließlich ist von dunklerer Farbe. Der Geruch hat ein wenig Rauch, im Mund aber entfaltet sich unverkennbar ein torfiges Aroma. Hat schon was: Gebrannt ist der Tropfen aus selbst importierter, torfgetrockneter schottischer Mälze. Es ist halt alles ein großes Experiment.
Wer sich für die Destillerie selbst interessiert oder sogar mal eine Führung buchen will, ist auf der Homepage der Blauen Maus bestens bedient…
Unsere heutige Leser-Bar stammt von Andreas Überschaer aus Eisingen in Deutschland. Sie ist eine Verbindung aus alter Handwerkskunst und modernster Technik. Warum? Andreas schreibt:
Ich bewahre meine Whiskies in einem alten Bauernschrank von 1860 auf.
Im oberen Fach stehen einige Tasting-Gläser und Whiskies aus den Highlands.
In der Mitte stehen links Speyside und rechts Kintyre, weiter unten dann die Inseln Skye, Islay, Arran, Mull, Orkney und Lewis.
Ganz unten stehen dann zwei Displays mit den Classic Malts und den zugehörigen Distillers Editions sowie einige Exoten.
Kleine Spielereien erleichtern den sicheren Zugriff der gesuchten Flasche auch im Halbdunkel, denn wie von Geisterhand zünden LEDs, wenn man an beliebiger Stelle die Hand in den Schrank steckt. Nach ca. 30 Sekunden geht die Innenbeleuchtung dann automatisch wieder aus.
Nur ganz wenige Flaschen sind noch verschlossen und werden erst beim nächsten Treffen mit meinen besten Freunden geöffnet.
Fast alle Whiskies habe ich vor dem Kauf bei Tastings versucht, denn ich liebe es, Whisky zu genießen und nicht, ihn wie eine Briefmarkensammlung zu präsentieren.
Die Bilder lassen sich wie üblich durch Anklicken vergrößern:
Haben Sie Lust, Ihre Bar unseren Lesern vorzustellen? Schicken Sie uns doch ein paar Bilder und eine kurze Beschreibung an team (at) whiskyexperts.at.
Ein Blick in die Lagerhalle 12 bei Bruichladdich. Fass an Fass gefüllt mit Whisky, einige sehr interessante Fässer im Vordergrund :-). Foto mit freundlicher Genehmigung von Bruichladdich…
Unser Eventkalender ist dank Dirk Piesczek mit einigen neuen Terminen in Deutschland und der Schweiz bestückt worden. Im Eventkalender wollen wir Ihnen Veranstaltungen rund um Whisky vorstellen, seien es nun Verkostungen, Messen oder andere sachbezogene Veranstaltungen. Zusätzlich sind nun folgende Termine eingetragen, mit allen Zeiten, Orten und Kontaktmöglichkeiten:
Whiskyfair Limburg
11. Kieler Whiskymesse
The Whisky Train
14. Cöpenicker Whiskyherbst
Whiskymesse Rüsselsheim
Whiskyfest Biberach
Schwäbischer Whiskytag Tübingen
Die AQUAVITAE
Whisky und Tobacco Days Hofheim 2013
Whiskyschiff Zürich
Wenn Sie oder Ihr Club Termine für Tastings, Vorträge oder Veranstaltungen veröffentlichen wollen: sehr gerne. Bitte schreiben Sie an team (at) whiskyexperts.at und wir tragen Ihren Termin in unseren Eventkalender ein.