Man bekommt sie nicht oft und wenn, dann nur um eher unbescheidene Summen: Alte Kruizawa sind Sammlerstücke, die aber zu gut sind, um nicht getrunken zu werden. Bei Serge Valentin von Whiskyfun schlägt sich das auch in hohen Wertungen bei seiner Verkostung von vier alten Karuizawas nieder: Zwischen 86 und 93 Punkten verteilt er, gemeinsam mit jeder Menge Lob.
Karuizawa 32 yo 1981/2013 (57.3%, OB for La Maison du Whisky, bourbon, cask #8461, 186 bottles): 86 Punkte
Karuizawa 33 yo 1980/2013 (62.1%, OB for La Maison du Whisky, bourbon, cask #6431, 124 bottles): 90 Punkte
Karuizawa 31 yo 1981/2013 (60.5%, OB for La Maison du Whisky, sherry butt, cask #78): 93 Punkte
Karuizawa 33 yo 1980/2013 (60.3%, OB for La Maison du Whisky, sherry butt, cask #4556): 91 Punkte
The 4 W’s… Beheimatet in – wie könnte es anders sein – Kentucky, ist der Straight Bourbon in der signifikant, kantigen Flasche heute ein weltweit gern getrunkener und populärer Whisky aus den Vereinigten Staaten.
Zurück gehend auf die Star Hill Farm in Loretto, arbeitet die heutige Maker’s Mark Destillerie seit 1889 unter den wachsamen Augen der Familie Samuels.
Burks‘ Makers Mark Distillery, 3 Meilen östlich von Loretto, Kentucky
Seit 1954 wird Maker’s Mark produziert, T. William „Bill“ Samuels Sr entwickelte zuvor die Rezeptur gemeinsam mit Bourbon Grand Seigneur Pappy van Winkle. Rund vier Jahre später glänzte die erste Abfüllung in den Flaschen, die schon damals mit rotem Wachs versiegelt wurden, heute ein klares Erkennungsmerkmal der Marke.
Hiram Walker & Sons krallte sich 1981 den aufsteigenden Stern am Spirituosen-Firmament, sechs Jahre später zeichnete dann Allied Domecq für das Produkt verantwortlich, bis zum Verkauf von Maker’s Mark an Fortune Brands 2005, selbst später in unterschiedliche Bereiche aufgeteilt und mit Beam Inc als Dachgruppierung der Drinks Business.
Eine bewegte Geschichte eines Whiskys – ja, trotz seiner amerikanischen Herkunft ohne „ey“ geschrieben – der aber stets in Familientradition handwerklich hergestellt wurde und bis heute wird. Auf den Gründer Bill Sr folgte Bill Jr, der seinerseits 2011 die Agenden an Sohn Rob weitergab.
Die Schottisch Irischen Wurzeln der Samuels sind übrigens der Grund für die Schreibweise und die Tradition, die dem Produkt innewohnen.
Nur 19 barrels produziert man in einer Charge, eine – wie man offiziell verlauten lässt – „fürchterlich ineffiziente“ Produktion, „hand rolled and hand mashed grist“ entsprechen nicht gerade dem Riesenvolumen anderer Brands. Zuerst in Column Stills auf zirka 60% vol. Alkohol destilliert, anschließend etwas rückverdünnt und in Pot Stills wiederum auf 65% abv gebrannt, wandert die wertvolle Flüssigkeit mit 120 Proof oder 60% Volumen in die Fässer und Rackhouses.
Während der Lagerzeit, die sich in etwa mit sechs Jahren zu Buche schlägt, werden die Fässer von Hand rotiert. Das heißt die ersten drei Jahre ruht der Whisky in den höheren Etagen, wo die Hitze und Temperaturschwankungen für eine rasche Entwicklung sorgen, bevor die letzten Jahre eine langsame finale Reifung in den unteren Bereichen des Warehouse sicherstellen.
Ein weiteres, ausschlaggebendes Differenzierungsmerkmal gegenüber dem Großteil der Mitbewerber ist die Verwendung von rotem Winterweizen als „small grain“, nebst dem Hauptbestandteil corn und etwas malted barley. Während Roggen normalerweise Spicyness und Gewürznoten beisteuert, bietet ein wheated bourbon rundere, weichere Akzente, einen Hauch von Süße und Charme.
Für viele Jahre hat die immer populärer werdende Marke nur eine Ausprägung mit DEM Maker’s Mark als Small Batch Straight Bourbon auf den Markt gebracht. Nun, Gut Ding will ja bekanntlich Weile haben, in Loretto hat man das sehr konsequent umgesetzt. Eine lange Trial & Error Phase war nötig um die Whiskymaker final in ihrem Gefühl zu bestärken, dass ein neues Produkt in fundamentalem Zusammenhang mit dem Original stehen, man aber ein etwas prägenderes Geschmacksprofil kreieren müsse.
Maker’s 46 wurde als erste Neuerung nach mehr als einem halben Jahrhundert vorgestellt und erhält als eigentlich „fertiger“ Maker’s Mark eine zusätzliche Reifung. Die entleerten Fässer werden mit französischen Eichenstäben (inner staves, anybody?) versehen, der wiedereingefüllte Whisky nimmt über Monate zusätzliche Noten von Vanille, Karamell, Tannin, Röstaromen und Gewürzen auf.
Das gesamte Portfolio wird durch limitierte Sonderabfüllungen und einzelne, für regionale Märkte bestimmte Expressionen abgerundet.
Nach dem kurzen ABV-Intermezzo diesen Jahres kann man sich als Fan und Ambassador heute wieder darauf freuen und verlassen, dass man mit 45% vol. Alkohol Maker’s Mark in der Flasche belohnt wird, aber das ist eine andere Geschichte.
Unterm Stricht steht eine kerngesunde, ständig wachsende American Whiskey Marke, ohne „E“, mit 4 W’s (die bezieht sich auf die Eckpfeiler: Water, Wheat, Wood, Wax), einer großen Anhängerschaft und höchster Produktqualität, die sicher mitverantwortlich ist für die Entwicklung, dass man auch als wählerischer Whisky Connaisseur heute den Blick über den Atlantik weiten muss und den amerikanischen Produzenten Tribut zollt, für ihre großartigen, eigenständigen Tropfen.
Man mag zu seinen Bewertungen stehen wie man will, aber übergehen kann man sie kaum. Hier ist eine (nicht vollständige) Liste der Gewinner der Auszeichnungen in Jim Murray’s Whisky Bible 2014, die auf einer Liste von TheWhiskyexchange.com beruht – die meisten davon sind auch dort käuflich erwerblich:
Scotch Gesamtgewinner:
Scotch Whisky of the Year & Single Malt of the Year (Multiple Casks) – Glenmorangie Ealanta
Scotch Blend of the Year – Ballantine’s 17yo
Scotch Grain of the Year – Clan Denny Dumbarton 48yo
Als Freund schottischer Single Malts wird der eine oder andere unserer Leser seine Nase auch schon in andere Richtungen ausgestreckt haben, sei es in Richtung der irischen Whiskeys oder, noch weiter westlichüber den Atlantik, in Gläser mit amerikanischen Bourbons. Nach den ersten Versuchen mit der Standardware bekommt man dann vielleicht auch Lust, sich ein wenig tiefer mit der Materie zu befassen und Small Batch Releases, also in kleineren Mengen produzierte Bourbons zu verkosten (wobei man „kleinere Mengen“ durchaus in amerikanischen Maßstäben messen darf). Einer davon, und wahrscheinlich der Bekannteste, ist Maker’s Mark, den Redakteur Bernhard Rems hier für Sie verkostet hat. Man findet ihn ohne Mühen im Fachhandel, und das zu einem durchaus attraktiven Preis von unter 25 Euro.
Nase: Ganz typisch für einen Bourbon bringt er Honigsüße und einen Korb reicher Früchte an und in die Nase, aber auch diesen buttrigen Maisgeruch, den auf dem Land Aufgewachsene so gut kennen. Etwas Rosinen gesellen sich noch dazu, insgesamt ist das wuchtig und voller Aromen, sehr direkt und dabei mögenswert.
Gaumen: Auch hier kommt der Maker’s Mark gehaltvoll daher: Frische Früchte, jede Menge Vanille. Gewürze und Ingwer bringen etwas Schärfe, aber insgesamt übewiegt die Öligkeit und das Saftige. Ein leichter, erster Anflug von Eiche ist zu erkennen, der wird dann im Finish noch dichter. Man hat ein sattes Mundgefühl, nichts Filigranes, sondern laut und unvermittelt, fast als würde man seine Zähne in einen Candy Bar schlagen.
Finish: Hier bekommt der Maker’s Mark mehr Bitterkeit als viele andere Bourbons, und für meinen Geschmack mehr, als ihm wirklich gut tut. Zuerst ist da zwar die Vanille mit ihrer Süße, die sich in Karamell wandelt und dann dem Holzigen weicht, aber das ist nach dem ganzen süßen Spiel zu kontrastierend und nicht unbedingt angenehm überraschend. Lang ist das Finish insgesamt, und wärmend.
Alles in allem: Wer ein Gefühl dafür bekommen will, was in einem Bourbon alles stecken kann, der ist beim Maker’s Mark durchaus richtig. Gegenüber der Standardware bietet er wirklich dichten, entdeckungswürdigen Geschmack. Wäre nicht das meiner Meinung nach zu holzige Finish, könnte er in der Oberliga mitspielen, so aber reicht es nicht ganz. Dennoch: den muss man nicht mit Eis behandeln (obschon er darüber gegossen durchaus seinen Reiz hat), den kann man auch pur genießen, so wie der Verkoster es tat.
Brennblasen von Glendronach. Bild von Akela NDE, CC license
Gestern noch konnten wir Ralfy und seine Verkostung Glendronach Cask Strenght Batch#2, heute dürfen wir den Release des Batch#3 präsentieren. Von offizieller Seite aus der Destillerie haben wir zwar noch nichts gehört, der Onlineshop The Whisky Barrel führt ihn aber schon im Programm und er ist mit £49,69 ganze acht Pence günstiger als sein Vorgänger. Auf Facebook fanden wir das Rückenlabel mit den offiziellen Tasting Notes. Dort sind Noten von Gerste und frisch gesägtem Holz aufgeführt, ebenso zarte Noten von Aprikosen und Orangeat, des weiteren ein subtiler Hauch von Milchschokolade.
Die Destillerie Glengyle in Campeltown, die den Kilkerran erzeugt, ist noch jung, und dementsprechend jung sind ihre Abfüllungen. Work in Progress ist nun bei Batch #5 angekommen. Während die ersten vier Batches beim Publikum gegenüber den neuen Abfüllungen von Kilchoman eher reserviert aufgenommen wurden, hat sich die Qualität des Whisky mit Batch #5 doch merkbar verbessert. Ob die Wertung von Serge in seiner Verkostung, die der Bourbon-Fass-Abfüllung satte 91 Punkte gibt, auf allgemeine Zustimmung stoßen wird, wagen wir zu bezweifeln. Dennoch: Serge ist von diesem Whisky mehr als angetan, meint, dass WiP nicht mehr Work in Progress, sondern Wonderfully Interesting Petrol bedeuten sollte. Die Sherrywood-Abfüllung erhält von ihm 84 Punkte.
Kilkerran 9 yo 2004/2013 ‚Work in Progress – Bourbon Wood‘ (46%, OB, batch #5): 91 Punkte
Kilkerran 9 yo 2004/2013 ‚Work in Progress – Sherry Wood‘ (46%, OB, batch #5): 84 Punkte
Auf die Sammler von Whisky-Miniatur-Abfüllungen kommen äußerst harte Zeiten zu. Whiskysponge – The no.1 site for front line whisky news – berichtet, dass die Scotch Whisky Arseociation sie für die Jagd mit Hunden und Pferden freigegeben hat. Diese Entscheidung trifft natürlich nicht überall auf Zustimmung. So schlägt Tessa Muldoon von Whisky-Aid – diese Organisation hilft Menschen, die die Whisky Bibel immer noch ernst nehmen oder den World Whisky Day für eine unschuldige und akzeptable Idee halten – stattdessen für diese Menschen, deren Sucht durch die Wissenschaft noch immer nicht erklärt werden kann, eher eine Therapie und Entwöhnung durch Heroin vor.
Uns persönlich trifft diese Entscheidung sehr hart. Wir sehen uns gezwungen, noch in diesem Monat für unsere Anhäufung von Whisky-Mininaturen eine besondere Verwendung einfallen zu lassen. Wir halten sie wie gewohnt auf dem Laufenden.
Es war eine unserer ersten Meldungen auf whiskyexperts.net im März, kurz nachdem wir online gegangen sind: Kilchoman war dabei, eine neue Lagerhalle zu bauen – und wir hatten auch ein Foto von den Bauarbeiten:
Damals schrieben wir: „Interessant ist, dass man sich dazu entschlossen hat, den gesamten Boden der Lagerhalle zu asphaltieren. In traditioneller Bauweise würde man den Boden unter den Fässern unbehandelt lassen (wie es zum Beispiel in den beiden momentan existierenden Lagerhallen der neuen Wolfburn-Destillerie geschieht)“. Nun ist die Conisby-Lagerhalle direkt am Meer fertiggestellt, und es wird gerade befüllt. Da drin legt nach dem ersten Augenschein noch nichts, was sich Whisky nennen dürfte – die Fässer wurden 2011 und 2012 befüllt):
Diese Datei ist unter der Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported lizenziert. Urheber BF123
In der Brennerei Woodford Reserve in Kentucky suchen Archäologen nach Relikten aus den Tagen, als ein Schotte dort die Standards der Bourbon-Produktion entwickelte. Im Artikel auf Spiegel online ist nachzulesen, wie James Crow mit seinem Werk die Grundlagen des Bourbons, wie wir ihn kennen, entwickelte.
Seoul aus der Vogelperspektive, Foto von Ta183ta, CC-Lizenz
Der Boom-Markt Asien bekommt Dellen: Wie die koreanische Nachrichtenagenur YONHAP berichtet, haben die Verkaufszahlen von Whisky in Südkorea einen empfindlichen Dämpfer hinnehmen müssen.Von Jänner bis Oktober 2013 gingen zum Beispiel die Verkäufe von Diageo South Korea um 11.8% zurück, jene von Pernod Ricard Korea um 19.3 Prozent. Insgesamt schrumpfte der Whiskymarkt um 12.3%. Schuld daran sei, so Analysten, eine andauernd schwache südkoreanische Wirtschaft. Auch der Ausblick ist laut einer Quelle aus der Industrie nicht rosig – man vermutet, dass die Schrumpfung weiter anhalten könnte…
Wer seinen Whisky aus dem Sherryfass mag, der kommt an Glendronach nicht vorbei. Fast jede Abfüllung von ihnen ist eine Sherrybombe, und der erste Batch des Glendronach Cask Strength fügte dam ganzen noch die Fassstärke hinzu. Er wurde in Verkostungen sehr hoch gelobt, mit Wertungen an die 90 Punkte (nicht schlecht für eine Standardabfüllung zu einem vernünftigen Preis). Ralfy verkostet nun in seinem aktuellsten Videotasting den Nachfolger, Batch #2. Und auch der schwächelt nicht, seiner Meinung nach. 89 Punkte bekommt er von Ralfy, und er hat ihn offensichtlich immer wieder gerne getrunken, sieht man sich den Stand in der Flasche an. Dieser gibt ihm auch noch die Gelegenheit, über die Nachreifung in geöffneten Flaschen zu sprechen (und über die Gefahr, dass ein zu lange geöffneter Whisky „abflacht“). Jedenfalls sehr unterhaltsame und interessante 12 Minuten, die man auf Youtube oder hier sehen kann:
Die Whiskyregion der Highlands soll Zuwachs bekommen. In Portavadie, nahe Tighnabruaich , ist der Bau einer Destillerie geplant. Auf dem Gelände Polphail Village befindet sich im Moment noch eine nicht mehr genutzte Siedlung für Angestellte der Erdöl-Produktion. Sie steht seit 35 Jahren leer und muss zuerst abgerissen werden. Danach soll mit dem Bau der Portavadie Distillery und einem dazu gehörigen Besucherzentrum begonnen werden, für die Energieversorgung ist der Betrieb einer eigenen Biomasse-Anlage aus eigener nachhaltige Forstwirtschaft geplant.
Die Destillerie ist Teil eines Masterplans für dieses Gebiet, das ausführende Architekturbüro Darren Baird Architecture plant hier noch den Bau eines Einzelhandelsgeschäfts, Büros und Wohnungen für Angestellte sollen dort ebenfalls entstehen.
Die Brennerei wird von der Portavadie Distillery limited betrieben, als Direktor ist unter anderem Alexander Bulloch eingetragen. Es könnte sich um den mittlerweile 86-jährigen Alexander „Sandy“ Bulloch handeln, welcher auch seit dem 5. Februar 1993 Direktor der Loch Lomond Distillery ist. Die Marken Sandy’s Voyage und Sandy’s Blend, vor allem dessen Beschreibung auf der Website lassen darauf schließen.
Für die Zukunft ist außer Single Malt Whisky auch die Produktion von Premium Vodka, Gin und sowie einem Schnaps ähnlichen Getränk namens Schnapped® geplant.
Glenlivet. Picture von Y. Kono. Published under GNU License
Serge Valentin von Whiskyfun hat sich für diesen Sonntag drei unabhängige Abfüllungen vorgenommen: Einen Imperial von Gordon & MacPhail für La Maison du Whisky, einen auf dem Etikett falsch geschriebenen Blair Athol und einen Glenlivet mit 14 Jahren, beide von The Coopers Choice. So richtig gefallen kann diesmal nur der Glenlivet, die anderen beiden werden von Serge in der Verkostung eher zurückhaltend bewertet:
Imperial 1995/2013 (45%, Gordon & MacPhail for La Maison du Whisky, first fill sherry butt, cask #4887): 75 Punkte
Blair Atholl 23 yo 1989/2013 (46%, The Coopers Choice, cask #6502, 280 bottles): 74 Punkte
Glenlivet 14 yo 1998/2012 (46%, The Coopers Choice, cask #6914, 260 bottles): 87 Punkte
Das The Glengoyne Family Live Online Tasting, welches am letzten Donnerstag live aus dem Warehouse No. 8 für The Glengoyne Family Mitglieder im Internet übertragen wurde, ist jetzt auf Youtube verfügbar. Wer also aus allererster Hand mehr über die Highland Destillerie wissen oder das ausgewählte Fass kennen lernen möchte, dem sein dieses Video ans Herz gelegt, bequem unter dem Post maus-schonend verfügbar oder für Selber-Klicker als Link.