Donnerstag, 21. Januar 2021, 09:33:51

Whisky und die Tücken des Alters

16Ist 16jähriger Whisky 16 Jahre alt? Diese Frage mag auf den ersten Blick nicht besonders intelligent klingen. Aber sie muss gestellt werden, weil Altersangaben gar nicht so eindeutig sind, wie sie scheinen. Dazu kommt, dass Alter ein durchaus beachtenswertes Kriterium ist, wenn es um die Qualität von Whisky geht. Es ist kein absoluter Maßstab, aber immerhin  ein hilfreicher Wegweiser. In der Regel werden Sie unter 3jährigen Whiskys nur sehr wenige hochqualitative Abfüllungen finden, aber hat ein Whisky einmal 25 Jahre Reifung hinter sich, werden diese deutlich häufiger zu finden sein.

Dieser Gründe wegen ist es durchaus sinnvoll, sich mit den Altersangaben etwas näher zu beschäftigen.

Die richtige Antwort auf die eingangs gestellte Frage ist übrigens: Mindestens. Das liegt daran, dass bei einer konkreten Altersangabe nur der jüngste Whisky angeführt wird. Weil Single Malt Whisky durchaus auch eine Mischung verschiedener Fässer (allerdings nur aus einer einzigen Destillerie) sein kann, sind öfters auch ältere Whiskys in der Abfüllung enthalten. 16jähriger Whisky ist nur dann wirklich genau 16 Jahre alt, wenn er aus einer Einzelfassabfüllung stammt (und hier zählen nur volle Jahre: wurde ein Whisky im Februar destilliert und im Januar abgefüllt, so werden die letzten 11 Monate nicht mitgerechnet).

Steht auf einer Flasche ein Jahrgang angegeben (z.B. 1992), dann müssen alle verwendeten Fässer im entsprechenden Jahr destilliert worden sein. Hier gibt es keine Ausnahmen: jüngere oder ältere Fässer haben in einer Jahrgangsabfüllung (Vintage) nichts verloren. Insofern könnte man durchaus sagen, dass Jahrgangsabfüllungen die „geraderen“ Whiskys sind.

Damit kommen wir zum dritten möglichen Fall der Auszeichnung des Alters bei Whisky: Keiner. In letzter Zeit werden immer häufiger Abfüllungen ohne Angabe von Alter oder Jahrgang auf den Markt gebracht. Diese sogenannten NAS-Abfüllungen (no age statement) sind ein direktes Resultat der Verknappung älterer Fässer durch die stark gestiegene Nachfrage nach Whisky. Und sie sind ein zweischneidiges Schwert: Einerseits finden sich unter den „alterslosen“ Whiskys durchaus sehr interessante und hochwertige Produkte, andererseits aber auch Mischungen, die Mühe haben, ihre geschmacklichen Mängel zu verbergen. Die Marketingabteilungen der Destillerien oder Konzerne versuchen dann, mit schönklingenden Namen die überproportionale Beimengung von jungem Whisky zu behübschen – aber der Gaumen hat nun einmal keine Rezeptoren für Werbung. Er entscheidet nach Geschmack.

Natürlich ist nicht jeder alte Whisky ein guter Whisky. Und nicht jeder Whisky ohne Altersangabe ist schlecht. Aber je mehr wir über einen Whisky wissen, desto sicherer können wir entscheiden, ob wir Geld für ihn ausgeben wollen oder nicht. Abfüllungen, die uns über das Alter des Whiskys im Unklaren lassen, sind deshalb aus meiner Sicht generell etwas problematisch und ich hoffe, dass dieser Trend nicht überhandnimmt.

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