Fast möchte man es als Luxusstatus, bestimmt aber als außergewöhnliche USP beschreiben, wenn eine Destillerie als Solist einer ganzen Hebrideninsel aufgeigen kann. Bei Lochranza, auf der wunderschönen Insel Arran gelegen, produziert die Isle of Arran Distillery seit 1995 uisge beatha, nachdem man 1991 mit dem Bau begonnen hatte. Ein Pärchen Goldadler war es, dass den ambitionierten Plänen für einige Zeit eine Pause aufoktroyierte, da die seltene Spezies als zu schützend gilt und das auf dem Baugelände errichtete Nest Vorrang vor der Whiskyproduktion hatte.

Zwei Jahre nach der ersten Befeuerung der stills eröffnete Queen Elizabeth auch das visitor centre, das sich heute eines steten Besucherzustroms erfreut. Die Brennerei ist heute die einzig verbliebene Erbin einer langen Whiskygeschichte auf der immerhin siebentgrößten Insel Schottlands.

Jahrelang produzierte Arran nebst einer stetig erwachsener werdenden Reihe von Standardabfüllungen (jeweils in beschränkter Stückzahl) einige, nun ja nennen wir es „experimentelle“ cask finishes, manche großartig, andere einfach zu ausgefallen oder nicht ganz geglückt.

Im Jahre 2013 muss man dem (immer noch) Newcomer ein Kompliment dafür machen, die Whiskylandschaft mit einer spannenden Range an Abfüllungen zu bereichern, stets mit etwas höherem Alkoholgehalt und dem Verzicht auf Färbung und Kühlfiltration. Außerdem ist deutlich spürbar, dass Arran seinen Weg findet und geht, einen klaren Stil herauskristallisiert und eine konsistente Eigenständigkeit gewinnt.

Der 12y Cask Strength, in seiner Auflage als Batch #2, ist ein vatting von first und refill Sherry butts und hogsheads, die die fruchtig, malzig, vanillige Arran Signature um Gewürznoten, Spicyness und Dörrobstcharakteristika erweitern.

Arran Destillerie, Foto von Paul Birrell, CC-Lizenz
Arran Destillerie, Foto von Paul Birrell, CC-Lizenz

 

Nase: frisch, Vanille und Biskuit, getreidige Noten, röstig, Malzkaffee, grünlich grasige Akzente, wie eine frisch gemähte Alpenwiese, Blütencharakter, etwas custard creme, dann kommt pfeffrig rotfruchtige Würze auf, spicy, kraftvoll, beeindruckend, ein Jungspund, ein Kraftpaket, das seine Muskeln spielen lässt, Zitronenzeste, Kubebenpfeffer und etwas Myrtille, Belagonien, floral

Gaumen: wieder Zesten, diesmal Orange und etwas Limette, Buttertoast, oaky, das Holz macht sich deutlich bemerkbar, Vanillepudding, Karamell, Fudge, sehr weich und für die Stärke mit sehr wohlfeil eingebundenem Alkohol, crema catalana, Lavendel, mit etwas Wasser kommen mehr salzige Noten ins Spiel, Rosinen, Würze von Zimt und Macis, etwas Kaffee und Kakaobohne, nussig, Haselnüsse, Bitterschokolade, Rosinen-Milch-Brötchen

Finish: die muskulöse Statur dieses Whiskys zieht sich wunderbar in die Länge, ohne sich nur auf die alkoholische Stärke und den ersten Impact zu verlassen, eine Mischung aus frisch grasiger Vanille steht im Dialog mit würzig röstigen Dörrobstnoten und dem untermalenden Sherrycharakter, mittlerer Nachhall

Alles in allem: ein Kraftprotz, Arrans Handschrift klar erkennbar, ergänzt durch Volumen (in jeder Hinsicht), komplexe Aromen von den first und refill Fässern, mit 12Jahren immer noch sehr jugendlich überschwänglich, aber gut gesettled, ein toller Whisky für Fassstärke Freunde und eine sehr gelungene Variante dieses Malts von Lochranza, klare Empfehlung!!

Verkoster: Reinhard Pohorec arbeitet zur Zeit als Bartender im Savoy in London und beschreibt sich selbst als leidenschaftlicher Whiskygenießer. Er hat sich in seinem Berufsfeld auf den Purbereich und Whiskys spezialisiert und ist für whiskyexperts als freier Kolumnist tätig.

 


Über unser Ratingsystem:

Wir vergeben 0-5 Sterne in drei Kategorien: Nase, Gaumen, Finish

Die Gesamtnote ergibt sich aus dem Mittelwert dieser drei Kategorien. Unsere Skala geht von 0-5 Sternen und ist nicht mit dem Wertungssystem xx/100 vergleichbar. Sie kann so interpretiert werden:

0-1 Stern: Furchtbar. Nur äußerlich anwenden.

1-2 Sterne: Enttäuschend. Aber vielleicht kann man damit die Gäste zum Gehen bringen.

2-3 Sterne: Geht so. Kann man trinken. Muss aber nicht.

3-4 Sterne: Gut. Macht man gerne immer wieder mal auf.

4-5 Sterne: Sehr gut. Daumen hoch. Ab 4.5 Sternen: Spitzenklasse. Vor diesem Whisky verbeugt man sich.

Wichtig: Wir haben Geschmack. Unseren. Nicht Ihren. Unsere Verkostungsnotizen sind kein richterliches Urteil. Darum haben wir bei unseren  Reviews auch die Möglichkeit vorgesehen, dass unsere Leser selbst werten können. Machen Sie Gebrauch davon, falls Sie den Whisky schon probiert haben!

1 KOMMENTAR

  1. Arran hat u.E. tatsächlich das schönste Besucherzentrum Schottlands !