Das Arcotel Nike in Linz. Schön ist anders, aber die Räumlichkeiten innen waren perfekt.
Das Arcotel Nike in Linz. Schön ist anders, aber die Räumlichkeiten innen waren perfekt.

Am 5. April 2013 fand in Linz an der Donau das Austrian Whisky and Spirit Festival statt. Als Verantstaltungsort wurde das Arcotel Nike gleich neben dem Brucknerhaus und dem Lentos gewählt, ein architektonisch nicht gerade überwältigender Turmbau, der aber – was An- und Abreise betrifft, strategisch sehr günstig gelegen ist. Auch die Innenräume waren für die Messe gut geeignet, das Geschehen verteilte sich über zwei Stockwerke und die Räume für die Masterclasses waren in ansprechender Größe ausgelegt.

Blick auf die Donau vom Arcotel. Frühling sieht anders aus...
Blick auf die Donau vom Arcotel. Linz zeigte sich von der eher trüben Seite…

Die Messe im Überblick

Zur Messe kamen an die 25 internationale und nationale Aussteller, darunter Produzenten, unabhängige Abfüller, Whiskyshops und Spezialitätengeschäfte, die sich über beide Stockwerke gut verteilten. Die Pforten öffneten sich um 13 Uhr, der Andrang war von Beginn an durchaus beachtlich. Ebenfalls ab 13 Uhr konnte man die Masterclasses buchen – viele davon waren sehr rasch ausverkauft und die Schlangen vor dem Ticketverkauf teilweise beängstigend lang. Meine Freundin und ich entschieden uns, drei der Masterclasses zu buchen: Die Präsentation der Single Cask Collection, da wir die neuen Abfüllungen kennenlernen wollten; die Masterclass von The Whisky Chamber mit Thomas Ide, da wir diesen unabhängigen Abfüller noch nicht kannten, und natürlich die Spezialitätenverkostung mit Peter Krause.

Kurz nach der Eröffnung im 1. Stock: Interessierte Messebesucher vor den Ausstellern
Kurz nach der Eröffnung im 1. Stock: Interessierte Messebesucher vor den Ständen der Aussteller. Später war es wesentlich voller, nie aber unangenehm gedrängt…

Eindrücke von den Ausstellern

Bei unserer Tour durch die Aussteller haben wir einige persönliche Highlights entdeckt, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. Zunächst war da der Stand von Peter Krause, auf dem man – wie natürlich auch bei allen anderen Ständen – mit den Messejetons einige ausgesuchte Köstlichkeiten verkosten konnte, so zum Beispiel einen Lochside 1981 von Blackadder aus der Raw Cask Serie (US-Import), 55,8%, Fass 618, abgefüllt 2007. 26 yo, 218 Flaschen, der unglaublich intensiv nach Cassis schmeckte, so intensiv, wie ich es noch bei keinem Whisky erleben konnte.

Ebenfalls sehr interessant war der Stand von Cadenhead’s, die erst vor kurzem eine Niederlassung in Salzburg eröffnet haben. Sie brachten ihre neuen Abfüllungen mit, darunter auch einen sehr guten 19jährigen Caperdonich, der ganz typisch für diese Lost Distillery war.

Ein ganzes Regal voller Köstlichkeiten präsentierte Grand Whisky, ein sehr schöner und gut bestückter Linzer Whiskyshop (mit einer Niederlassung in Wien). Highlights zum Verkosten waren dort sicher die neue Adelphi-Abfüllung eines 47jährigen Lochside aus dem Jahr 1965 und der köstliche Port Ellen Pe5.

Aus Schottland war Martin Armstrong, Sohn von Raymond Armstrong, Besitzers von Bladnoch, mit einem eigenen Stand vertreten. Er ist Whisky-Broker und macht auch einige eigene Abfüllungen. Interessantester Tropfen dort für mich war ein 23jähriger Bunnahabhain, der gehaltvoll und nussig daherkam und durchaus mit den guten Abfüllungen von A.D. Rattray mithalten kann. Martin’s Abfüllungen kann man in Österreich nicht kaufen, aber über seine Website bestellen (übrigens auch komplette Fässer). Leider sind die Versandkosten aus Schottland nicht unerheblich, sodass man besser mehr als eine Flasche bestellt.

Im Erdgeschoß fand sich Cárn Mór mit den neuen und einigen älteren Abfüllungen. Cárn Mór macht nun auch einen interessanten Blend aus Fässern von Aultmore, Mortlach, Tomatin und Ben Nevis – er nennt sich Old Perth und ist für einen Blend erstaunlich gut.

Weinturm präsentierte einen guten Querschnitt durch die Abfüllungen von Douglas Laing. Auch dort war das Hauptgesprächsthema natürlich die Trennung der beiden Laing-Brüder. Ich hätte dort gerne einige der Old Malt Cask Abfüllungen verkostet, aber auch dem enthusiastischsten Whiskyliebhaber sind physiologische Grenzen gesetzt.

25 Aussteller sind zu viele, um sich mit jedem Stand ausführlich beschäftigen zu können. So mag uns manches Highlight entgangen sein. Einige Whiskys konnte man natürlich auch in den Masterclasses kennenlernen (zwischen fünf und sechs Abfüllungen wurden in jeder, die wir besuchten, verkostet). Um das alles halbwegs unbeschadet überstehen zu können, stärkten wir uns zwischendurch mit Gulaschsuppe und Wurstemmeln. Ebenso wichtig war es, unserem Gaumen und der Leber immer wieder ausreichend Wasser zu geben – dass dieses ausreichend vorhanden war, dafür hatten die Organisatoren dankenswerter Weise gesorgt.

Masterclasses

Die erste Masterclass war jene der Single Cask Collection, dem einzigen unabhängigen Abfüller aus Österreich. In der Masterclass wurden sechs der Abfüllungen vorgestellt. Highlights für mich waren ein Bladnoch aus dem Jahr 1990, der neue 21jährige Littlemill und ein wunderbarer 24jähriger Invergordon. Etwas enttäuschend fand ich den 1996er BenRiach, der für mich den Charakter dieser Destillerie nicht wirklich vermitteln konnte. Den Tobermory und den Glentauchers (beide 17 Jahre alt) hingegen habe ich genossen. Schön, auch einiges über die Philosophie der Abfüllungen zu erfahren. Man bemüht sich bei diesem Abfüller, Fässer auch durch Umfüllen oder ein Finish weiter zu veredeln und damit ein wenig Einfluss auf das Endprodukt zu haben (ganz im Gegensatz zur ebenfalls bei SCC im Shop erhältlichen Golden Cask Serie, bei der der Whisky genauso aus dem Fass kommt, wie er abgefüllt wurde.

Alexander Huprich von der SCC führt die Teilnehmer in die verschiedenen Abfüllungen der SCC ein.
Alexander Huprich von der SCC führt die Teilnehmer in die verschiedenen Abfüllungen ein.

Die zweite Masterclass, die wir besuchten, war jene von Thomas Ide aus Deutschland, der seine aktuellen Abfüllungen unter dem Label „The Whisky Chamber“ vorstellte. Dabei waren ein 20jähriger Glen Grant 1992, mit 53.3% aus dem ex Bourbon Barrel, sehr sanft und fruchtig, ein ebenfalls süßer Aultmore 1992 sowie ein blumiger Strathmill 1990. Der Bunnahabhain 1990 aus dem Ex-Sherry-Cask war guter Durchschnitt, jedoch nicht aufregend. Große Schwierigkeiten hatte ich mit dem Springbank 1998 aus dem Sherry-Fass, der mit 53.5% abgefüllt war. Für mich hatte er hinten nach einen Schwefelhammer (und ich bin in dieser Hinsicht nicht sehr empfindlich), der den sonst guten Eindruck in der Nase und am Gaumen zunichtemachte. Die letzte Abfüllung der Masterclass nannte sich „nuair an diabhail“ (fordere den Teufel heraus) und stammt aus der einzigen Islay-Destillerie, die bei unabhängigen Abfüllungen nicht namentlich genannt werden darf. Dieser wiederum war ausgezeichnet: rauchig, speckig, am Gaumen zusätzlich süß und salzig, im Nachklang wiederum mit Süße und trocken werdend – also ein sehr typischer und guter Vertreter dieser Destillerie.

Zu guter Letzt nahmen wir noch an der Spezialitätenverkostung mit Malt Maniac Peter Krause (slowdrink.de) aus Regensburg teil. Und was er den Teilnehmern bot, hatte es in sich – nicht nur in Bezug auf die Whiskys. Es war keine Frontalvorstellung, sondern ein genüssliches Miteinander mit viel Austausch und Wissensvermittlung in beide Richtungen. Hier die Beschreibungen aus der Ankündigung der Verkostung, da sie die Charakter der verkosteten Drams sehr gut beschreiben:

Die Flaschen, die in Peter Krauses Spezialitätenverkostung dargereicht wurden
Die Flaschen, die in Peter Krauses Spezialitätenverkostung dargereicht wurden

1) Warm-up: Thompson’s 30 years old Fine Bordeaux Single Distillery 40%. Ein 33-jähriger Brandy, der Cognacs des zehnfachen Preises das Fürchten lehrt – dies sind die letzten Flaschen dieser gesamten Spirituosenkategorie (es gibt keinen Bordeaux Brandy dieses Alters mehr auf der Welt!) – absoluter Hammer.

2) Bruichladdich 15 years old Samaroli’s Collection 1965 and before (Mayflower 1980 Krug), 1000 Wedgewood jugs, 75cl, 43% Der Whisky in diesem schönen Dekanter wurde stets richtig hoch bewertet (Serge Valentin: 93 Punkte)  und ist sehr ungewöhnlich: Der jüngste Bestandteil ist von 1965, jedoch sind hier wesentlich ältere Laddies mit abgefüllt worden! Daher weist dieser eher dunkle Dram auch einen dezenten Torfrauchgehalt auf, wie es bei Bruichladdich in den späten 1950ern und frühen 1960ern noch üblich war. Dazu kommen old-school-Sherry- Noten, Balsamico, Kaffee- und Nussaromen, Armagnac-Rancio, Schokolade und dunkle Fruchtmarmeladen. Ein echt abgefahrenes Teil und auch eine Mega-Rarität!

3) Auchentoshan 23 years old OB 22.10.1979, Sherry Butt 4560, 54,1% Einer dieser legendären Sherry-Malts aus den 1970ies mit Beeren, Demerara-Zucker, Nüssen und Zitrusfrüchten, dazu ein Touch Vanille, Tonkabohne, Muskatnuss und Marzipan gepaart mit alten Aromen vergessener Sherry-Fässer in perfekter Harmonie. Ein großer Auchie!

4) Tomatin 32 years old Old & Rare Platinum Selection Dec. 1975 – May 2008, Bourbon Cask, 3212 btl., 55,7% Mitt-1970er Malts aus dieser Brennerei sind inzwischen völlig vergriffen und selten noch unter 350.- Euro zu bekommen. Dieser späte 1975er steht seinen 1976er Kollegen in nichts nach und zeigt eine enorme Fruchtigkeit, die nur ganz wenige Whiskys aufweisen. So etwas darf man nicht verpassen. Mein Geheimtipp auf den Sieg.

5) Tamifroyg CV (1960 and later – 2007) for Regensburger Whisky Club (A Liquid Vaccine against Bird Flu), 26 btl., Port Bloodtub and Cedar Wood Finish, 50cl, 49% Dies ist für mich die gelungenste weil eleganteste Abfüllung unseres Clubs, eine meiner letzten Flaschen davon. Diese zweite Clubabfüllung enthält sogar einige Laphroaigs aus den 1960ern, aber der jüngste Bestandteil ist fünfzehn Jahre alt. Unser Port Charlotte hatte vielleicht mehr Kraft, aber dieser Laphroaig verzaubert durch Subtilität und Frucht, er wurde auch von drei Maniacs mit 90 Punkten bewertet. Ein ganz eigenständiger Islay Malt mit weichem Torf.

Malt Maniac Peter Krause in seinem Element...
Malt Maniac Peter Krause in seinem Element…

Bei keiner dieser Kostproben hat Peter übertrieben. Der Bordeaux-Brandy war ein exzellenter Gaumenöffner, eine kleine Horizonterweiterung für Menschen, die hauptsächlich Whisky trinken. Einen Bruichladdich jener Qualität, wie sie die zweite Kostprobe bot, trinkt man sehr, sehr selten (kein Vergleich zu den neueren Abfüllungen – und die sind ja teilweise schon sehr gut). Der Auchentoshan und der Tomatin waren Fruchtbomben allererster Güte und zeigten, was jene Whiskyfreunde, die alte Malts kennen, an den neueren Abfüllungen manchmal schmerzlich vermissen. Und der Tamifroyg: Höchst komplex und in jeder Stufe des Genießens eine andere Erfahrung. Schade, dass es all diese Whiskys nicht in Massen gibt.

Alles in allem war die AWSF eine angenehme und wiederholenswerte Erfahrung: Gut organisiert, interessant und ein Begegnungsort mit alten und neuen Freunden. Nächstes Jahr denkt man daran, die Veranstaltung über 2 Tage laufen zu lassen; angepeilt sind der 25. und 26. April 2014. Wenn irgendwie möglich, werde ich sicher wieder dabei sein.

Messebeute

Natürlich verlässt man eine Messe nicht ohne Beute. Nach den Masterclasses und den Verkostungen an den Messeständen hatten sich für mich insgesamt fünf Must Haves herauskristallisiert, die ich von der Messe mitgenommen habe:

littlemillLittlemill 21yo, 55.6%, Single Cask Collection, Fass #20, 318 Flaschen: Als Lost Distillery sowieso sammelnswert – dieser aber ganz besonders. Ein cremiger, runder und für seine Stärke wunderbar trinkbarer Littlemill, der durch seinen weichen Charakter besticht.

 

 

invergordonInvergordon 24yo, 56.5%, Single Cask Collection, Fass #18589, 188 Flaschen: Ich habe ein gewisses Faible für Single Grain Whiskys, und Invergordon zählt in diesem Zusammenhang zu meinen Lieblinsgdestillerien. Dieser ist der jüngste Invergordon in meiner Sammlung, und seine Grain-Süße ist noch nicht so ausgeprägt, sodass man ihn fast für einen Single Malt halten könnte. Auch er ist rund, weich und angenehm trinkbar.

 

auchroiskob.30yoAuchroisk 30yo, 54.7%, Originalabfüllung, 2976 Flaschen: Ich konnte diesen Whisky bereits Ende des letzten Jahres verkosten und habe mich schon damals in seine Komplexität und seinen breiten Charakter verliebt. Der Preis hat mich aber immer abgeschreckt. Diesmal, im Messeshop, gab es ein unwiderstehliches Angebot, also musste ich zuschlagenJ. Meiner Meinung nach ein ganz großer Auchroisk.

 

lochside_1965_ad_47yLochside 1965, 54.6%, Adelphi, Fass #6779, 552 Flaschen: Eine Lost Distillery plus 47 Jahre im Fass gereift plus höchste Glücksgefühle bei der Verkostung – ein unwiderstehlich komplexer, reifer und harmonischer Whisky, der ganz deutlich die Signatur der Whiskys aus den „guten alten Zeiten“ trägt. Auf das Öffnen dieser Flasche freue ich mich ganz besonders.

 

 

pe5_1Port Ellen Pe5, 57.9%, 0.5l, Speciality Drinks Ltd: Ein Port Ellen mit überraschenden Kanten, torfig, ein wenig speckig und charaktervoll. Auch hier hat mich der Verkostungsschluck, den ich auf der Messe machen konnte, überzeugt. Port Ellen ist ohnehin nur mehr schwer zu bekommen, und wenn, dann zu irrwitzigen Preisen. Der Pe5 ist da eine Ausnahme, für Port Ellen sehr preiswert und dennoch von hoher Qualität.