Whiskyfun: Angus verkostet Bruichladdich Rare Cask Series

Langsam aber sicher kehrt wieder die gewohnte Routine auf der Seite von Serge Valentin ein: Unter der Woche regelmäßige Tasting Notes von ihm, samstags die Gastbeiträge von Angus MacRaild, am Sonntag Malternatives, also Spirituosen, die nicht mit Whisky zu tun haben.

Und nachdem heute Samstag ist, können wir über eine Verkostung von Angus berichten, der sich diesmal drei Abfüllungen von Bruichladdich eingeschenkt hat. Es sind nicht irgendwelche, sondern drei Jahrgangsabfüllungen aus der Bruichladdich Rare Cask Serie, über die wir schon vor einiger Zeit hier berichtet haben und die aus den ältesten Fässern stammten, die in den Lagerhäusern von Bruichladdich noch lagerten.

Wie kommen sie nun bei Angus weg? Lesen Sie es selbst in seinen Verkostungsnotizen:

  • Bruichladdich 30 yo 1986/2017 (44.6%, OB, Rare Casks Series, Oloroso sherry casks and PX sherry butts, 4200 bottles): 85 Punkte
  • Bruichladdich 32 yo 1985/2017 (48.7%, OB, Rare Casks Series, Bourbon, Fresh Bourbon, French Oak, 4200 bottles): 86 Punkte
  • Bruichladdich 32 yo 1984/2017 (43.7%, OB, Rare Casks Series, Bourbon, 3000 bottles): 90 Punkte

Eine Karte der Lowland-Destillerien

Dank unseren Freunden beim Alba Collection Verlag, den Spezialisten für Whiskykarten aller bedeutenden Whiskyregionen rund um den Globus, können wir Ihnen heute eine Karte im Multimedia-Format der bestehenden, geplanten und gewesenen Destillerien in den Lowlands präsentieren. 

Die Lowlands gehören mit Campbeltown zu den beiden Regionen, die von Whiskykrisen am stärksten betroffen waren und eine Unzahl von Lost Distilleries aufweisen. Im Gegensatz zu Campbeltown, wo gerade einmal drei Destillerien bestehen und keine weiteren geplant sind, sind die Lowlands aber die Region, in der sich die meisten neuen Brennereien im Bau oder in Planung befinden. Für viele ist es damit die zur Zeit spannendste Region in Schottland, was Whisky angeht.

Warum diese Karten, von denen wir einige ausgesuchte für Sie bringen? Der Verlag schreibt dazu:

Mit diesen Charts unterstützen wir seit Jahren kostenfrei interessierte Tastingveranstalter, Whisky Club’s und Händler, welche unsere Karten gerne in ihren MultiMedia-Präsentationen nutzen wollen. 

Das bedeutet, dass Sie diese von uns veröffentlichten Karten bei uns herunterladen und sie in Multimedia-Präsentationen verwenden dürfen. Wenn Sie Interesse an den ausgedruckten und plastifizierten Karten in größeren Formaten haben, schauen Sie doch einfach bei der Alba Collection vorbei.

Untenstehend also die Lowlands-Karte etwas komprimiert zum Ansehen. Sie können sie unkomprimiert unter diesem Link für sich herunterladen.

Nochmals herzlichen Dank an den Alba Collection Verlag!

Nur bis Sonntag: Gewinnen Sie einen „kriminellen“ Fassdeckel

Kurz aber knackig: Wir verlosen nur noch bis Sonntag gemeinsam mit unserem Partner Whiskyfässer.com aus Deutschland einen Fassdeckel, der ein Stück eines Kriminalfalls war und deshalb ein ganz besonderes Stück Whiskygeschichte darstellt. Er ist nicht das, was er zu sein scheint, und er hat viele Leute um ihr Geld gebracht. Aber alles der Reihe nach.

Auch wenn der Deckel eine dubiose Geschichte hat, so ist die Quelle höchst seriös: Über 30 original schottische Whiskyfässer hat das Team von Whiskyfässer.com momentan im Onlineshop im Angebot und damit verfügt das kleine Mecklenburger Unternehmen über das größte Angebot an Whiskyfässern im gesamten deutschsprachigen Raum. Die meisten Fässer sind Ex-Bourbon Fässer, aber Whiskyfässer.com hat auch einige Ex-Sherry Fässer im Angebot. Dabei kommen diese naturbelassenen Fässer sogar aus allen Regionen Schottlands. Von den Lowlands bis zu den Highlands, über die Speyside bis zu den Inseln und natürlich Islay.

Nebenbei wird auch eine große Menge an Originaldeckeln von Whiskyfässern aus den verschiedensten Brennereien angeboten. Hier geht es von Highland Park über Caol Ila bis Glenlivet und Jura.

Der „kriminelle“ Fassdeckel:

Bei dem Originaldeckel handelt es sich um einen „Betrugsdeckel“ der Grandtully Distillerie aus dem Jahr 1993.

Die Grandtully Distillery produzierte ab 1825 und lag in der Nähe von Aberfeldy, Perth und Kinross und gehörte zu einer Reihe von Kleinbetrieben von denen nur noch Edradour übergeblieben ist. Die Brennerei schloss 1910 für immer ihre Türen und stellte die Produktion ein.

Berühmt wurde die Brennerei jedoch erst 2004, denn es lag ein riesiger Betrugsfall vor. Stephen Jupe, der mit seiner Firma mit Wein handelte und Pleite ging, kaufte ab 1992 in der Speyside Distillerie einige Fässer auf, lackierte die Deckel neu und bot sie als Originalfässer aus der Grandtully Distillerie an. Er gewann zahlreiche Investoren die in Grandtully Single Malt Scotch Whisky investieren sollten. Er versprach ein ausgezeichnetes Wachstumspotenzial mit „sehr wenigen Risiken“ und 2000 Investoren, von denen viele im Ruhestand waren, taten es.

Natürlich flog der Betrug auf und 2004 wurde der Betrüger Stephen Jupe dann vom Londoner Richter Neil Steward zu einer 5 jährigen Haftstrafe verurteilt. In seinem Schlußwort sagte der Richter zum Angeklagten: „Ich habe keinen Zweifel, dass dies von Anfang an ein unehrliches Unternehmen war.“

Einer dieser höchst kriminellen Deckel wird nun hier verlost.

Und so gewinnen Sie den „kriminellen“ Fassdeckel:

1. Beantworten Sie bitte folgende Gewinnfrage: Wann begann die echte Destillerie Grandtully mit der Produktion?

a) 1811
b) 1817
c) 1825

Kleine Hilfe: Einfach diesen Text hier aufmerksam lesen 😉

2. Die richtige Antwort schicken Sie gemeinsam mit Ihrem vollen Namen und Ihrer Postanschrift ab sofort an folgende email: contest@whiskyexperts.net – und zwar mit dem Betreff „Fassdeckel“!

3. BITTE teilen Sie dieses Gewinnspiel auf Ihren sozialen Netzwerken. Ein wenig gute Nachrede kann auch uns nicht schaden ;-). Das Teilen ist nicht verpflichtend, aber es würde uns freuen.

Unter allen richtigen Antworten, die uns bis 21. Januar, 23:59 Uhr mitteleuropäischer Zeit erreichen, ziehen wir die Gewinnerin oder den Gewinner des Preises und geben sie oder ihn am 22. Januar 2018 bekannt. Der Gewinn wird durch Whiskyfässer.com versendet.

Pro Person ist nur eine Teilnahmemail möglich!

Teilnahmebedingungen:

Beim Wettbewerb kann jeder mitmachen, der in Deutschland, Österreich oder der Schweiz wohnt, die Gewinnfrage richtig beantwortet, seine Lösung mit dem Betreff „Fassdeckel“ einsendet und das 18. Lebensjahr vollendet hat. Der Wettbewerb läuft ab 15. Januar 2018 bis 21. Januar 2018, 23:59. Der Preisträger wird am 22. Januar auf unserer Webseite bekanntgegeben und per Mail benachrichtigt. Der Wettbewerb findet unter Ausschluss des Rechtsweges statt – es kann dazu kein Schriftverkehr geführt werden. Mitarbeiter von Whiskyexperts und Whiskyfässer.com sind von der Teilnahme ausgeschlossen. Der Versand erfolgt durch Whiskyfässer.com.

Mit der Teilnahme erklären Sie sich mit diesen Teilnahmebedingungen einverstanden. 

Wir wünschen Ihnen viel Glück und drücken Ihnen die Daumen!

Herzlichst,

Ihr Whiskyexperts-Team

Whiskyfälschungen: Wie man sie erkennt und was die Industrie dagegen tut

Whiskyfälschungen sind besonders im High End Markt ein drängendes Problem, wie man nicht erst seit dem Fall des gefälschten Macallan 1878 weiß, über den wir ausführlich berichtet haben.

Besonders, aber nicht nur dort. Denn wo es um Geld geht, ist die Verlockung des Betrugs nie weit, und das gilt durchaus auch für Preiskategorien, in denen man sich als „normaler“ Whiskyliebhaber ebenfalls bewegt. Nicht umsonst gibt es auf zum Beispiel Ebay einen gewissen Markt für leere Whiskyflaschen höherwertiger Produkte, für die nicht nur sporadisch Preise gezahlt werden, die leises Kopfschütteln hervorrufen. Dass diese dann ausschließlich zur Dekoration herumstehen oder zu Lampenständern verarbeitet werden, darf angezweifelt werden.

Umso wichtiger ist es, Fälschungen erkennen zu können. Mit etwas Wissen und der Suche nach den richtigen Anhaltspunkten ist dies gar nicht so schwer – gerade dann, wenn es nicht um sehr viel Geld geht, arbeiten die Fälscher nicht immer mit größter Sorgfalt.

Auf Whiskyadvocate können Sie heute einen sehr hilfreichen Artikel finden, in dem beschrieben wird, welche Merkmale einer Flasche darauf hindeuten können, dass etwas nicht in Ordnung ist. Absolut lesenswert, vor allem dann, wenn Sie Whisky auch auf dem Sekundärmarkt von nicht direkt bekannten Quellen kaufen.

Begleitet wird dieser Artikel von zwei anderen: Ein Bericht listet auf, was die Whiskyindustrie unternimmt, um es Fälschern schwer zu machen. Der zweite Artikel dann beschreibt einen Fall aus dem Jahr 2012, in dem ein Fälscher mit seiner Werkstatt aufflog – nicht ohne vorher ziemlichen Schaden angerichtet zu haben.

Und hier können Sie die Geschichte des 10.000 Franken teuren Drams aus dem Macallan 1878 nachlesen, der sich ebenfalls als Fälschung erwiesen hat. Die Geschichte beginnt hier, und endet mit der Aufklärung hier.

So einfach machen es einem Fälscher leider nicht 🙂
Bild © Hotel Waldhaus, St. Moritz

Wir verkosten: Springbank Starkicker 21yo Fresh Sherry Port Finished vs. Fresh Sherry

„Oh brother where art thou?“ – Ein Geschwister Tasting

Immer wieder schon war an dieser Stelle von Starkicker zu lesen.

Ein bunter Haufen whisky-enthusiastischer Genießer, einander und dem Lebenswasser in Freundschaft verbunden.

Diese unabhängigen Abfüllungen der Springbank Destillerie haben in unterschiedlichen Spielarten zuletzt jährlich ihren Weg in die Flasche gefunden, ehe wissende Käufer den wohlfeilen Geist aus der ebensolchen lassen durften.

Stets von exzellenter Qualität, bietet Starkicker immer wieder einen neuen Akkord im destillierten Grund-Wohlklang des Campbeltown Parade Orchesters „Springbank“.

Einem großartigen 13-jährigen Portfass-gereiften folgte eine nicht minder spektakuläre 18-jährige Abfüllung, einem frischen Sherry Pipe entstammend, auf 140 Flaschen limitiert, von betörendem Charme und Cremigkeit.

Kürzlich legte man mit Editionen nach, die alterstechnisch sogar schon in den Vereinigten Staaten legal dem Alkoholgenuss frönen dürften.

Zwar auch in früheren Spielarten durchaus erwachsen, präsentieren sich die letzten Starkicker Whiskys definitiv volljährig und mit 21 mehr als nur mündig und reif.

Denkt man heute an das Jahr 1995 zurück, so wähnt man sich bereits in längst vergangenen Tagen eines anderen Jahrhunderts. Österreich tritt der EU bei, Greenpeace Aktivisten besetzen die Brent Spar Ölplattform, während Boris Jelzin am Atomkoffer herumspielt, dem „norwegischen Raketenzwischenfall“ sei Dank. Die Stadt Srebrenica erlangt unrühmliche Bekanntheit, Windows 95 erblickt das Bildschirm-Licht der Welt – vermutlich ähnlich unrühmlich. Den Euro einzuführen beschließen die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union, während BackRub als Google Vorläufer den Start einer Ära markiert. Michael Schumachers zweiter WM Titel ist nur ein weiterer Baustein einer ebensolchen.

Der Autor dieser Zeilen kratzt mit Ach und Weh an der Volksschul-Reife.

Am wichtigsten jedoch: in Campbeltown läuft jener güldene Saft durch die Brennblasen, der schließlich 2016 als Starkicker 21y old seine Vollendung erleben sollte. Ursprünglich im frischen Sherry Hogshead gereift ehe ein Portwein Finish zusätzliche Dimension verleiht.

Das Jahr darauf bringt die Schwesternedition hervor: einen 1996 destillierten, 2017 abgefüllten Starkicker 21y old, der sich mit Sherry Fass ohne Finish zufrieden gibt. Dafür darf’s etwas mehr Speck auf den Rippen sein mit stattlichen 56% Volumen Alkohol.

Zu einem spannenden Vergleichstasting treffen sie sich also wieder, die zwei 21er Geschwister. Eine Familienzusammenführung der besonders delikaten Art.

Starkicker Springbank 21y old, 1995/2016, fresh sherry, port finished, 48% vol. alc

Sehr helles, verhalten blasses, goldgelbliches Schimmern, dicht viskos mit engmaschiger Corona am Glas.

Ein markant fruchtiger erster Duft steigt aus dem Glas. Roter Apfel, vollreif, gerade bevor er zu Boden zu fallen gedenkt. Da sind auch gleich die ersten Rauchzeichen, sämig, engmaschig, fein verwoben. Betörend elegant, doch mit einem Statement von Charakterstärke, Oppulenz und Kraft, Cassis schwingt mit, etwas Mandelgebäck, angeröstet, mit Zuckerkaramell glaciert.

Im zweiten Aromaanflug machen sich grünliche Akzente breit. Seetang, der maritime Auftritt gibt sein Stelldichein. Da ist Kafir Limette, da ist Nougat ebenso wie Salzgebäck und Nori Alge. Immer und immer wieder will sich aber der Fruchtschmelz nach vorne drängen. Kaum hat sich der Rauch etwas Gehör verschafft buhlt die Birnenquitte um Aufmerksamkeit, der saftige Waldbeeren Mix deutet dunkle Süße an, ehe sich ein weißer Anflug von Asche und glimmenden Kohlescheitern beimischt. Es ist ein bunter Reigen der Düfte, eine komplexe Nase, ebenso weich wie dicht, filigran wie gehaltvoll, fett ölig und doch grazil.

Am Gaumen ein tiefer Basston von Petrol, buttrig fette Süße, ein Gaumenschmeichler, der vor lauter Dahinschmelzen die Knie weich werden lässt, Butterbrioche, eine dicke Schnitte saftigen Milchbrötchens, dick beschmiert mit Erdnussbutter, Marillenmarmelade und Haselnusscreme. Frühstück vom Allerfeinsten, oder doch Late Night Dram vor dem Kamin?

Ein After Dinner Schoko Delight, mousse-artig, mundfüllend, weich, komplex, mit der gerade nötigen alkoholischen Substanz unterlegt, sodass markantes Profil, Gewicht und Akzent zu tragen kommen.

Dann spielt auch die Frucht wieder mit, analog zur Nase betören Beerenconfit und eingekochter Apfel die Geschmacksknospen.

Und weil nur schön ja auch zu schnell fad wäre, drückt die leise Schärfe von Ingwer-Prickeln auf den Komplexitätsknopf und verwandelt die süßlich weiche Geschmeidigkeit in einen lebendigen Tanz von Würze und Eleganz. Nicht über-alkoholische „Ich-kann-auch-Fassstärke“ Muskelspielchen, sondern erhabenes Selbstbewusstsein von Größe und Imposanz.

Lange klingt die Vielfalt nach, da ist noch einmal die Erinnerung an Dörrobst, dichte Teeblatt Adstringenz und verkohlte Birkenholzscheiter. Es bleibt ein Hin-und-her von Fruchtsüße, engmaschigster Textur und komplexer Subtilität.

Ein Whisky der dahinschmilzt, zum dahinschmelzen.

Sehr lang, sehr eindrucksvoll.

Starkicker Springbank 21y old, 1996/2017, fresh sherry, 56% vol. alc

Deutlich dunkler, röstiges Mahagoni, satt schwer im Glas hängend, dicht ablaufende Tränen.

Sherry! brüllt die erste Nase, ein von spanischer Finesse triefender Opener, ein Anflug von salzig komplexer Palo Cortado Signatur, super dicht verwobene Würze jahrzehntelanger Oxidation, konzentrierte Säure nebst dichten Holz- und Reifetönen, uralte Ledergerbung voller Patina, wie eine Handtasche, die alles gesehen und alles erlebt zu haben scheint.

Verlieren könnte man sich in der Komplexität der andalusischen Handschrift alleine, ehe man beginnt Zwiebelschalen-gleich die tieferliegenden Komponenten zu entdecken.

Fast scheu lugt da die Springbank Charakteristik hervor, ein wenig von dem Rauch und aschig-grünlichem Algen Touch, Nori, Seetang, maritim salzige Frische, alle sind sie da, aber noch so verhalten und leise, dass man ganz fein hinhören muss.

Auch hier zeigt sich Petrol, eine ölig-cremige Finesse die sogar an die hell-herben Akkorde eines hochqualitativen Olivenöls erinnert. Salzmandeln, ein wahrer Tapas-Umami-Reigen. Sogar die dicke Salzschicht von Bacalhau könnte man vermuten. Das Sherry Fass hat so etwas von ganzer Arbeit geleistet, deutlich vordergründiger als beim früher geborenen Geschwisterchen.  Hier kommen die Sherry Fans auf ihre Rechnung. In einer Komplexität und dichtest verwobenen Fülle jedoch, dass man nur den Hut ziehen und um mehr bitten könnte. Also mehr im Glas, nicht vom Sherry.

Wie grazil doch Opulenz und Eleganz Hand in Hand in den Sonnenuntergang reiten können.

Am Gaumen das nächste Feuerwerk, und was für eines. Sofort schießt der Whisky aus vollen Rohren und bietet ein mundfüllendes Erlebnis erster Güte. Die alkoholische Stärke ist präsent und wärmend spürbar, jedoch so fein eingebaut, dass man den Kollegen auch gegen den Durst trinken würde – viel zu schade, natürlich.

Langsam und behutsam sollte man sich dem zweiten Schluck nähern. Denn die Farbpalette auf der Zunge bietet plötzlich eine Vielfalt, die zu begeistern weiß. Hinter dem nussig-dichten Sherryton sind schwarze Ledernoten, dicht verkohlte Asche Akkorde, sanft ausrollende Fruchtsüße, Dörrobst diesmal, weniger die frische, saftige Variante. Da sind kandierte Orangenzesten, da ist dunkles Pflaumenmus nebst zur Unkenntlichkeit getrockneten Feigen, würzig eingelegte Umeshu, auch Salzzitrone.

Von funky herbem Urwaldboden bis zu teeblättriger Bitternote und gepopptem Genmaicha bietet der Starkicker Springbank alles feil.

Mit einem langen Nachhall verabschiedet er sich in die unendlichen Weiten des Malt-Happy-Endings und kokettiert noch einmal frech mit der andalusischen Abendstimmung, ehe sie einträchtig  in den interkulturellen Whiskyhimmel entschwinden.

Und die Moral …

Es ist ein so spannendes und faszinierendes Erlebnis, zwei vermeintliche Geschwister Whiskys nebeneinander im Glas zu genießen. Findet man bei beiden Abfüllungen doch eine klar erkennbare Handschrift der Destillerie, so zeigen die unterschiedlichen Fasstypen doch wie markant sich ihr Einfluss über zwei Jahrzehnte zu manifestieren weiß. Während sich der 2016er mit sehr sanften Sherrytönen zufrieden gibt und vom Portfass noch einen super subtilen Fruchtsüße-Touch mitbekommt, hat der 2017 die volle Wucht Andalusiens zu spüren bekommen. Hier braucht es kein Finish, keine weitere Akzentuierung mehr, nur volle Aufmerksamkeit und große Freude.

Denn Spaß machen sie beide, die Starkicker, und das in gehörigem Ausmaße und mit kolossaler Ausdauer.

Geschmäcker und Watschen, sie seien bekanntlich verschieden.

Ob Sie nun mit dem etwas sanfteren, endlos-schmeichelhaften Lover von 1995/2016 liebäugeln oder sich doch in die breiten, sicheren Arme des 1996/2017 legen wollen, Potenzial zur großen Liebe haben beide.

Mit den besten Spirits
Reinhard Pohorec

Seit 2016 verzichten wir in unseren Tasting Notes auf numerische Bewertungen und geben unseren Eindruck nur mehr über die Beschreibung wieder. Wir tragen damit unserem Gefühl Rechnung, dass man mit einem starren Punkteschema Vergleiche forciert, die den Whiskys nicht gerecht werden. PS: Wir haben Geschmack. Unseren. Nicht Ihren. Unsere Verkostungsnotizen sind also kein richterliches Urteil, sondern unser persönlicher Eindruck.

Gordon & MacPhail unterstützt Verkaufsstrategie durch Restrukturierung

Wie uns Gordon & MacPhail in einer Aussendung informierte, hat man beim unabhängigen Abfüller und Besitzer der Speyside-Destillerie Benromach das Salesteam neu strukturiert, um damit einer veränderten Strategie bei der Vermarktung der Produkte Rechnung zu tragen.

Neu ist, dass UK nicht mehr als gesonderter Bereich betrachtet wird, sondern in das globale Saleskonzept eingebunden wird. Das ist auch eine Reaktion auf das Wachstum von 11% im letzten Jahr, schreibt das Unternehmen.

David King, der International Sales Director, wird nun die Gesamtverantwortung für den Salesbereich, inklusive GB, übernehmen. Stuart Ellis, der UK Sales Manager, wird nun als der direkte Ansprechpartner für Großhändler fungieren.

Managing Director Ewen Mackintosh hebt hervor, dass diese Restrukturierung auch ein direkter Ausfluss der Bestrebungen ist, Gordon & Macphail in Hinkunft mehr auf das Luxussegment für Single Malts auszurichten und die Marke Benromach global aufzubauen.

Von links nach rechts: Stuart Ellis – UK Sales Manager, Ewen Mackintosh – Managing Director and David King – International Sales Director bei Gordon & MacPhail. Bild © Gordon & MacPhail

Eine Karte der Destillerien auf Islay

Dank unseren Freunden beim Alba Collection Verlag, den Spezialisten für Whiskykarten aller bedeutenden Whiskyregionen rund um den Globus, können wir Ihnen heute eine Karte der bestehenden, geplanten und gewesenen Destillerien auf der Insel Islay präsentieren. Acht sind es, die momentan produzieren, drei in Planung (eine davon bereits im Bau) – und jede Menge Lost Distilleries, allen voran natürlich Port Ellen. Der Verlag schreibt dazu:

Mit diesen Charts unterstützen wir seit Jahren kostenfrei interessierte Tastingveranstalter, Whisky Club’s und Händler, welche unsere Karten gerne in ihren MultiMedia-Präsentationen nutzen wollen. 

Das bedeutet, dass Sie diese Karte (sowie weitere, die wir in den nächsten Tagen veröffentlichen werden) bei uns herunterladen und sie in Multimedia-Präsentationen verwenden dürfen. Wenn Sie Interesse an den ausgedruckten und plastifizierten Karten in größeren Formaten haben, schauen Sie doch einfach bei der Alba Collection vorbei.

Untenstehend die Islay-Karte etwas komprimiert zum Ansehen. Sie können sie unkomprimiert unter diesem Link für sich herunterladen.

Nochmals herzlichen Dank an den Alba Collection Verlag!

Black Bowmore 1964 stellt neuen Auktionsrekord auf

Wer gemeint hat, dass die Whiskypreise bei Auktionen langsam an die Decke stoßen sollten, der wird durch einen neuen Verkaufsrekord eines Besseren belehrt und muss konstatieren, dass das Potential nach oben noch nicht wirklich ausgereizt zu sein scheint.

Zumindest gilt das für den Black Bowmore 1964 2nd Edition, der bereits im Jahr 2017 mit 9500 Pfund für eine Flasche einen Rekorderlös erzielte. 2000 Flaschen davon sind auf dem Markt, und wer sie damals, Mitte der Neunziger kaufte, musste (bitte festhalten) dafür gerade einmal 80 Pfund auf den Tisch legen.

Jetzt kam wieder einmal eine Flasche unter den Hammer, und zwar bei Whisky Auctioneer in Perth. Ein nicht näher genannter Investor/Sammler aus den USA ersteigerte die Flasche um 11900 Pfund – 2400 Pfund höher als der bisherige Rekord.

The Spirits Business listet noch ein paar andere Höchstgebote aus der Auktion auf, und man kommt nicht umhin, leicht zu schlucken, wenn man sie liest: Ein 41jähriger Single Cask Clynelish aus dem Jahr 1973 erzielte 6100 Pfund, ein Port Ellen 1981 Fèis Ile 2008 4600 Pfund, der Macallan Private Eye 3700 Pfund, und ein 27jähriger Laphroaig 1980 konnte 3000 Pfund erlösen.

Liebe Leser, was war eigentlich der teuerste Whisky, den Sie sich gekauft haben? Sagen Sie es uns unten über die Kommentarfunktion – wir sind gespannt 🙂

Eine spätere Ausgabe des Black Bowmore – diese stammt aus dem letzten verfügbaren Fass.

 

Amrut: Die indischen Interpretationen eines Single Malts

Bevor Amrut als Schöpfer des Indian Single Malts im Blickfeld der europäischen Whisky-Connoisseure erschien, betätigte sich die in Bangalore ansässige Firma hauptsächlich auf dem heimischen Markt. Schon kurz nach der Gründung 1947 war Amrut in der Produktion von sogenannten Indian Made Foreign Liquors (IMFL) tätig.

Kleiner Exkurs: Die Basis eines Indian Made Foreign Liquor ist Neutralalkohol, welcher durch Zusatz von Aromen veredelt wird. Bei indischem Blended Whisky wird dem Neutralalkohol, welcher meist aus Melasse gewonnen wird, Malt Whisky beigefügt. Je höher dieser Anteil, desto hochwertiger der indische Blended Whisky.

Produzierte Amrut vorher nur Neutralalkohol, begann man dort in den 60ern mit der Destillation und Herstellung eigenen Rums, in den 70ern kam dann auch Brandy dazu. Aus Sicht eines Destillateurs sind die Unterschiede zwischen Brandy, Rum und Whisky in der Produktion nur marginal. So begann Amrut auch zu Beginn der 80er Jahre, Whisky für den indischen Markt zu produzieren. Den dafür benötigten Single Malt destillierte Amrut selber, mit MaQintosh, Three Aces und Prestige ist man mit drei Whisky-Marken auf dem heimischen Markt vertreten.

Amrut's Marken für den indischen Markt
Amrut’s Marken für den indischen Markt. Bild © Whiskyexperts

Von der Qualität des eigenen, selbst produzierten Single Malt Whiskys war (und ist) man bei Amrut sehr überzeugt. Anfang des neuen Jahrtausends wollte man prüfen, da Single Malt zu diesem Zeitpunkt in Indien keinen Markt hatte, ob Amruts Single Malt in Europa einen Markt finden kann. In Schottland organisierte man unterschiedliche Tastings und führte einem „blinden“ Publikum den eigenen Indian Single Malt vor. Das dortige Tasting-Publikum war von der Qualität dieser Whiskys überzeugt, Amruts Single Malt wurde für einen Whisky aus der schottischen Region Speyside gehalten. Der Beginn von Amruts Single Malt kam dann 2004, im Glasgower Restaurant Cafe India wurde Amrut Indian Single Malt erst auf dem britischen und danach dann auch auf dem europäischen Markt eingeführt.

Die Gerste des bei Amrut verwendeten ungetorften Malzes wird im Norden Indiens angebaut. In Ermangelung indischen Torfs greift Amrut für ihre rauchigen Whiskys auf getorftes Gerstenmalz aus Schottland zurück und importiert dieses. Amruts Single Malts sind weder gefärbt noch kühlgefiltert (bis auf eine Ausnahme) und haben in der Regel keine Altersangabe. Wer sich die besonderen Bedingungen der Reifung in Indien anschaut, kann dies auch nachvollziehen. Die klimatischen Bedingungen mit ihren deutlich höheren Temperaturen in Süd-Indien führen zu einem beschleunigten Reifeprozess, allerdings auch zu einem höheren Angels‘ Share. Benötigt im deutlich kühleren Schottland ein Single Malt vielleicht zehn bis zwölf Jahre, um eine gewisse notwendige Reife im Fass zu erreichen, kommt man in Indien ungefähr mit der Hälfte der Zeit aus. Für den Durchschnitts-Whisky-Käufer ist das Alter ein vermeintliches Qualitätsmerkmal, einer Altersangabe bei Amruts Single Malts müsste daher eine längere Erläuterung der Wechselwirkungen Fass-Klima-Zeit beigefügt werden, um beim Thema Alter einen fairen Vergleich zu ermöglichen.

Im Rahmen unserer Destillerie-Führung hatten wir die einmalige Gelegenheit, uns vor Ort in einem kurzen Tasting einen Überblick über die unterschiedlichen Abfüllungen für den europäischen Markt aus dem Hause Amrut zu verschaffen.

Die Core Range von Amrut Indian Single Malt
Die Core Range von Amrut Indian Single Malt. Bild © Whiskyexperts

Die Core Range von Amrut

Ungefiltert, mit seiner natürlichen Farbe und kräftigen 46 % Vol. abgefüllt – mit seinen Basis-Abfüllungen Indian Single Malt Whisky und Peated Indian Single Malt Whisky trifft Amrut den Nerv der westlichen Whisky-Liebhaber. In seiner ungetorften Version bietet uns Amrut viel kräftige Frucht und viel Reife. Bei der rauchig-torfigen Variante, welche in Batches abgefüllt wird, kommen rauchige Aromen hinzu und lassen ihn ein wenig trockener werden. Beiden gemein ist eine sehr hohe Präsenz, es sind keine zarten, verhaltenen Whiskys, sondern zeigen sich und ihre Aromen sehr deutlich. Diese Deutlichkeit nimmt bei den jeweiligen Cask Strength Abfüllungen natürlich noch zu. Mit über 60 % Vol. möchten sie manchmal mit Wasser ein wenig gebändigt werden.

Amrut Fusion, abgefüllt mit 50 % Vol., ist deutlich mehr als die Summe von ungetorften und getorften Amrut Single Malts. Hervorragend ausbalanciert, sehr dicht und mit hoher Komplexität, vollziehen die Aromen – exotische Früchte, deutliche Süße, Vanillie und Holz – ein feines Wechselspiel und werden durch hintergründigen Rauch ergänzt, welcher diesen Whisky leicht trocken werden lässt.

Amrut’s Limited Editions

Neben ihrer Core Range bietet Amrut des weiteren einige limitierte Abfüllungen an.

Amrut Raj Igala

Mit dem „König der Adler“ bieten die Amrut Destillers einen preisgünstigen Einstieg in die Indian Single Malts. Wo manch andere neu geschaffene Einstiegs-Abfüllung für ein breiteres Publikum dazu neigte, den eigenen Brennerei-Charakter zu verschleiern, finden wir beim Raj Igala eine ähnliche Präsenz seiner Aromen und Reife wie schon bei der Core Range. Abgefüllt mit 40 % Vol. und hier ausnahmsweise mal kühlgefiltert, ist er für ein breiteres Publikum zugänglich.

Amrut Naarangi

Naarangi ist Hindi und heißt Orange. Für diesen Whisky lagerten Orangenschalen für drei Jahre in ehemaligen Sherryfässern. Danach befüllte man diese Fässer mit dreijährigem Single Malt. Dieser Whisky durfte nun weitere drei Jahre reifen und wurde mit 50 % Vol. abgefüllt. Wie zu erwarten finden wir hier deutliche Orangen-Noten, dazu haben die Ex-Sherry-Casks auch ihren Einfluss hinterlassen. Schokolade und Würze ergänzen die fruchtigen Komponenten zu einem sehr dichten Whisky.

Amrut Intermediate Sherry
Amrut Portonova

Die schnelle Reifung des Whiskys in Süd-Indien erfordert eine besondere Aufmerksamkeit beim Einsatz von Fässern, deren Einfluss recht schnell zu dominant werden kann. So ist der Intermediate Sherry kein rein in Sherry-Fässern gelagerter Whisky. Vor seiner Reifezeit in Ex-Oloroso Fässern lagerte er in, unter anderem, früheren Bourbon-Fässern, um auch in solche wieder gefüllt zu werden.
Ein ähnliches Fasskonzept finden wir beim Amrut Portonova, nur dass hier natürlich ehemalige Portfässer ihren Einsatz finden. Gemeinsam ist beiden, dass neben den prägenden Aromen der Oloroso- bzw. Portfässer die ebenfalls noch eingesetzten Fässer einen sehr dichten und vielschichtigen Whisky schaffen. Beide Abfüllungen kommen in Fassstärke (Intermediate Sherry 57,1 % Vol. bzw. Portonova 62,1 % Vol.) und laden zum Spiel mit einer Wasserbeigabe ein.

Amrut Spectrum

Die eigene Küferei (in diesem Beitrag können Sie die Wiederaufbereitung eines Fasses bei Amrut sehen) ermöglicht Amrut, ganz eigene Fässer zu bauen und diese dann für die Whisky-Reifung einzusetzen. So beim Spectrum: hier wurden Dauben vier unterschiedlicher Fass-Arten verwendet. Für ein Fass verwendete man Dauben aus neuer Amerikanischer Eiche und neuer Französischer Eiche sowie Dauben aus Ex-Oloroso- und Ex-PX Sherry Fässern. Viel dunkle Frucht, viel dunkle Schokolade und viel Nuss, ergänzt durch viele Gewürze. Abgefüllt mit 50 % Vol. in unterschiedlichen Batches mit einer übersichtlichen Flaschenanzahl (beim aktuellen Batch 04 sind es 1.800 Flaschen) ist diese Abfüllung nicht ganz günstig.

Scotsman: Immer mehr Destillerien in Großbritannien

Die Ortsbezeichnung der Überschrift ist bewusst weiter gewählt als nur Schottland, denn der Boom bei den Brennereien ist kein schottisches Phänomen, sondern quer über das Vereinigte Königreich beobachtbar. The Scotsman hat dazu ein paar Zahlen veröffentlicht, die von der WSTA (Wine and Spirit Trade Association) stammen und sehr schön verdeutlichen, wie sehr das Segment wächst und gedeiht.

Die Zahl der Destillerien in Schottland ist seit 2010 um zwei Drittel gewachsen, von 90 auf 149. Natürlich sind dies nicht alles Whiskybrennereien – Gin hat einen erklecklichen Anteil daran. Ca. 95 Ginmarken soll es in UK geben, der Umsatz stieg in einem Jahr von 40 auf 47 Millionen Flaschen.

Südlich der schottischen Grenze werden es ebenfalls, und das können Sie auch an unserer Berichterstattung sehen, immer mehr Brennereien. 172% mehr seit 2010, um genau zu sein. 199 neue Destillerien sind da seit 2010 hinzugekommen. England ist dabei Spitzenreiter, dort stieg die Zahl von 23 auf 135. Auch hier sind es vor allem Gin-Destillerien, aber auch Whisky wird vermehrt in England und Wales produziert (unsere Berichterstattung zu Whisky in England ist hier übersichtlich zusammengefasst).

Eine Zahl, die zeigt, dass auch Whisky auf der Insel boomt: Die Zahl der Scotch-Marken, die dort verkauft wurden, stieg von 119 im Jahr 2010 auf 246 im Vorjahr, schreibt The Scotsman im Artikel.

Unser Titelbild zeigt die Cotswolds-Distillery in England, die im Vorjahr ihren ersten dreijährigen Whisky auf den Markt gebracht hat und eine der neuen englischen Brennereien ist.

Die Cotswolds Distillery – der Shop© Whiskyexperts

Serge verkostet: Aberfeldy x2

Aberfeldy in den Highlands ist eine Destillerie, die unter Umständen überproportional in Sammlungen vertreten sein könnte; ist sie doch die erste in einer alphabetischen Liste der schottischen Whiskybrennereien und vor allem beginnende Sammler trachten zunächst einmal danach, die Liste der Destillerien zu vervollständigen.

Ansonsten aber tritt Aberfeldy nicht sehr groß in Erscheinung, auch wenn das vor einiger Zeit erfolgte Redesign der Verpackungen für etwas mehr Aufmerksamkeit in den Regalen gesorgt haben dürfte. Und Aufmerksamkeit verdienen die Whiskys von dort allemal.

Serge Valentin hat heute zwei davon verkostet, einmal eine Abfüllung von Gordon & MacPhail aus der Connoisseur’s Choice Serie, und einen in der Destillerie abgefüllten Aberfeldy, der allerdings nicht für unsere Gegend, sondern für China bestimmt war. Hier die Bewertungen dazu:

  • Aberfeldy 2003/2017 (46%, Gordon & MacPhail, Connoisseur’s Choice): 83 Punkte
  • Aberfeldy 33 yo 1983/2016 (52.4%, OB, Exceptional Cask Series, for China, Marsala finish, 588 bottles): 87 Punkte

Und wie üblich illustrieren wir unseren Artikel wieder mit einem Bild der Brennerei, diesmal eines mit einem herbstlichen Motiv:

NZZ: Amerikanischer Whiskey hält Anleger im Rausch

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In diesem Artikel geht es ausnahmsweise mal mehr um Geld als um Whisk(e)y – aber wir finden die Infos, die man bei der NZZ unter dem Titel „Amerikanischer Whiskey hält Anleger im Rausch“ finden kann, berichtens- und überdenkenswert.

Aber der Reihe nach: Die NZZ berichtet über den andauernden Höhenflug der Aktien von weltweit operierenden Getränkekonzernen. Konkret geht es um Brown-Forman (Jack Daniel’s), ein Konzern, der durch seine Stärke im amerikanischen Markt und bei amerikanischem Whiskey die Konkurrenz wie Pernod Ricard oder Diageo am Aktienmarkt locker outperformt. Hier ein Ausschnitt aus dem Artikel:

An der Wall Street begeistern sich die Anleger für die Brown-Forman Geschichte. Man finde heutzutage kaum mehr ein Konsumgüterunternehmen, das einerseits dank starken Marken hohe Margen und Wachstum vorzeigen kann und anderseits kaum Konkurrenz hat. Brown-Forman sei so ein Unternehmen. Und die Aktien spiegeln diese Begeisterung, zumal sie mit einem Kursgewinnverhältnis von über 30 weit über dem Branchendurchschnitt handeln.

Aber, so die NZZ weiter, es ist nicht alles eitel Wonne, denn „Trends dauern nicht ewig“. Als Beispiel dafür nennt man den Vodka-Boom der Neunziger, der damals ebenso fulminant boomte und danach all seinen Glanz verlor. Selbiges könne auch beim Whisky passieren, meint die NZZ. Könne, müsse aber nicht.

Insgesamt ein schöner Blick auf den Whiskymarkt aus einem anderen Blickwinkel. Und so etwas ist für alle, die ihren Horizont erweitern wollen, immer lesenswert.

Bild von Graeme Maclean

Exklusiv: Ein Besuch bei Amrut (9 Videos)

Wenn eines in Indien momentan konstant ist, dann ist es der Wandel. Wie hier, bei der Destillerie Amrut. Damals, in den späten 80er Jahren, war das, wo wir uns jetzt befinden, eine ländliche Gegend mit Feldern und kleinen Ansiedlungen. Bei unserer Reise, im Januar 2018, sind wir noch nicht ganz am Rand von Bangalore, der Hauptstadt der Provinz Karnataka, mit 9.5 Millionen Einwohnern. Die Stadt ist gewachsen, noch über den Horizont hinaus.

Der schmucklose Bau der Destillerie, an der Straße nach Mysore, liegt in der südindischen Wärme. 30 Grad sind es, sehr trockene 30 Grad. Ab März wird es hier schwül und drückend heiß, im Sommer dann selbst für die Einwohner schwer auszuhalten. Und wenn der Monsun kommt, ist es besonders schlimm.

Drinnen, im Büro, läuft die Klimaanlage. Angenehmes Licht, angenehme Temperaturen, und abgesehen davon ebenfalls angenehmes Klima: Wir werden vom Master Distiller, Surrinder Kumar, dem Technical Director M. Meyyappan, Ashok Chokalingam, Senior G.M. International Sales und Pramod Kashyap, Deputy General Manager Marketing herzlich begrüßt.

Surrinder Kumar, M. Meyyappan, Ashok Chokalingam, Pramod Kashyap Bild © Whiskyexperts

Wir sind nach Indien gekommen, um mehr über die Destillerie Amrut und ihre Single Malts zu erfahren. Diese fruchtigen, dichten Malts, von denen wir in Deutschland, einem Hauptexportland dafür, immer wieder welche verkosten konnten, haben uns durch ihre Lebendigkeit und erstaunliche Reife gefallen. Wir wollen jetzt wissen, wie sie entstehen, warum sie so sind, wie sie sind und wer die Menschen sind, die diese Whiskys machen.

Interessant ist zunächst einmal, dass Amrut mit den Single Malts erst in Europa präsent war (2004), bevor der Whisky auf den indischen Markt kam (2010). Und dieser boomt. Amrut befindet sich momentan in der glücklichen Lage, jeden Tropfen sofort verkaufen zu können, auch und gerade in Indien – wo die Nachfrage das Angebot mittlerweile bei weitem übersteigt.

Einige Abfüllungen der Destillerie Amrut. Bild © Whiskyexperts

Das liegt nicht nur daran, dass der Ausstoß an Single Malt bei Amrut klein ist, momentan an die 30.000 Liter pro Monat – und die sind es auch nur deshalb, weil man mittlerweile rund um die Uhr arbeitet. Indien hat Lust auf Single Malt bekommen, und deshalb werden es ab Mitte des Jahres dann 90.000 Liter sein, wenn der Ausbau der Brennerei fertig ist – und das wird wohl dann auch noch nicht reichen, um die Nachfrage zu stillen.

Die kommt nicht von ungefähr. Die Menschen hier sehen Single Malt mit anderen Augen, seitdem es sich der Mittelstand leisten kann zu reisen, und das Markenbewusstsein wächst. Zudem ist Bangalore ein Nabel der Welt, das Zentrum der Computertechnologie in Indien, ganz Asien. Die Menschen arbeiten hart, verdienen gut – und wollen dafür genießen.

Organisch gewachsen

Begonnen hat Amrut 1948 nicht mit Whisky, sondern zunächst mit Neutralalkohol und danach, in den 60ern, mit Rum – und nicht am momentanen Standort, sondern im Zentrum von Bangalore. Rum? Was auf den ersten Blick seltsam erscheint, wird schnell verständlich, wenn man weiß, dass Indien der zweitgrößte Zuckerrohrproduzent der Welt ist, gleich nach Brasilien. Amrut kauft den Spirit aus Melasse (und für den Brandy aus ebenfalls heimischen Trauben) zu und lagert diesen in großen Tanks. Dieser wird von dort über Rohre in die Produktion gebracht. Übrigens: Auch indischer Whisky für den Heimatmarkt (IMFL = Indian Made Foreign Liquors) besteht zum Teil aus Alkohol, der aus Melasse gewonnen wurde.

Lagertanks für zugekauften Spirit bei Amrut. Bild © Whiskyexperts
Bild © Whiskyexperts
Am Gelände von Amrut. Bild © Whiskyexperts

Wir beginnen die Tour mit Surrinder Kumar, dem Master Distiller (wenn Sie mehr über seinen Werdegang und seine Philosophie wissen wollen, sehen Sie hier unser Interview mit ihm). Er führt uns in die Produktionsgebäude. Innen sieht es ein wenig anders aus, als man es von schottischen Destillerien gewohnt ist. Auf Schmuckheit oder Flair wird wenig Wert gelegt, alles ist funktional und doch nicht ohne Charme. Während wir uns einen ersten Eindruck verschaffen, erzählt Surrinder Kumar mehr über die Anfänge von Amrut und den Bau der Destillerie hier am Rande von Bangalore:

Was uns natürlich brennend interessiert: Wie kam man dazu, Whisky zu produzieren und was war der Anlass, als erste Brennerei in großem Stil Single Malt zu erzeugen und als solchen zu vermarkten? Warum entschloss man sich, die Vermarktung zunächst in Schottland und Europa zu forcieren? Auch hier gibt Surrinder Kumar bereitwillig Auskunft:

Es beginnt mit Gerste

Mit diesem Wissen ausgestattet begeben wir uns mit Surrinder zu dem Teil der Destillerie, in dem die Produktionskette ihren Anfang nimmt, dort, wo das Getreide angeliefert und gemahlen, oder besser gesagt: aufgebrochen wird. Bei Amrut verwendet man für ungetorften Malt (er macht ca. 70% der Produktion aus) indisches Getreide. Nicht aus der Gegend, wie der Master Distiller sagt, denn hier in diesem Klima wächst keine Gerste, man holt es aus Nordindien:

Wie schon erwähnt, ist bei Amrut nichts auf Ästhetik ausgelegt, sondern auf Praktikabilität. Das ergibt dann als Resultat einen der hässlichsten Mashtuns, den wir jemals gesehen haben, aber auch einen stimmigen, denn die Isolierung, die wahrlich keine Augenweide ist, ist gerade unter den gegebenen lokalen Umständen sinnvoll und richtig.

Schön ist anders, aber klug ist besser. Der strikt isolierte Mashtun bei Amrut. Bild © Whiskyexperts
Bild © Whiskyexperts
Die Fermenter bei Amrut sind aus Edelstahl und werden mit Kühlwassermanschetten gekühlt. Im Raum hinter Surrinder Kumar befindet sich die Getreidemühle. Bild © Whiskyexperts

Begleiten Sie uns auf der nächsten Seite zu den Brennblasen der Destillerie. Weiter mit der Navigation unten.

Serge verkostet: Springbank x2

Zwei nicht so einfach erhältliche Abfüllungen von Springbank sind heute die Objekte des Interesses von Serge Valentin auf seiner Seite. Springbank ist ja ein erklärter Liebling vieler Whiskyfans – die handwerkliche Produktion und vor allem viele sehr gute Abfüllungen machen Springbanks, Longrows und Hazelburns (drei Marken aus der Destillerie) zu begehrten Whiskys.

Diesmal geht es um „echte“ Springbanks, also die Kernmarke der Brennerei. Einer davon ist eine siebzehnjährige Originalabfüllung aus dem Sherryfass für eine Bar in Singapur, der zweite ein unabhängiger Springer von Whiskynerds. Der stammt aus einem reinen Bourbonfass und ist mit 21 Jahren deutlich älter.

Die Wertungen sind hoch – aber das war bei Springbank in einer Verkostung von Serge ja auch irgendwie anzunehmen :). Hier die Details:

  • Springbank 17 yo 1999/2017 (49.2%, OB, for Quaich Bar Singapore, fresh sherry hogshead): 87 Punkte
  • Springbank 21 yo 1996/2017 (58.1%, Whisky Nerds, cask #471): 92 Punkte

Springbank. Bild © Alexandra Kreutz, Genuss am Gaumen
Springbank. Bild © Alexandra Kreutz, Genuss am Gaumen