Nachdem Beam Suntory vor einigen Wochen den Namen des Fanclubs für die Malts of Distinction auf „Men of Malts“ geändert hatte, war die Irritation unter deutschsprachigen Whiskyfreunden ob der Namenswahl, die für deutsches Sprachempfinden rein auf Männer bezogen war, deutlich spürbar. MargareteMarie vom Blog whiskyundfrauen.auch für männer. richtete daraufhin einen offenen Brief an Beam Suntory (wir berichteten hier).
Laut Scotchwhisky.com hat Beam Suntory nun reagiert und will den Namen in den nächsten Wochen wieder ändern. Auch wenn nach den Worten eines Sprechers des Unternehmens der Ausdruck „Men“ nicht als „Männer“, sondern wie im Englisch durchaus gebräuchlich, als „Menschen“ gemeint war, hat man die Beschwerden ernst genommen und die deutsche Agentur gebrieft, neue Namensvorschläge zu unterbreiten, um den Namen dann zu ändern.
Eine offizielle Antwort auf den offenen Brief ist derweilen noch nicht veröffentlicht worden, wir bleiben aber weiter am Ball.
Ein schöner Artikel über die Destillerie Arran findet sich heute auf express.co.uk – darin finden sich auch die neuesten Zahlen der Destillerie auf der Insel zwischen Campbeltown und den Lowlands.
Einige Eckdaten hier: 5.5 Millionen Pfund Umsatz machte Arran im letzten Jahr, ein sattes Plus von 21%. Auch die Besucherzahlen in der Destillerie stiegen um 12% auf 65.000. Und mittlerweile gibt die Destillerie am Standort auf der Insel und jenem am Festland bei Stirling 30 Personen Arbeit.
Weiters bringt der Artikel einige interessante Fakten über die Destillerie sowie über die Pläne des Managing Directors, Euan Mitchell, der einen der großen Vorteile von Arran darin sieht, unabhängig und klein zu sein.
Heute ist Dalwhinnie-Tag für Serge Valentin. In seiner Verkostung auf Whiskyfun lässt er allerdings den, oder das neue Winter’s Gold links liegen. Neben dem aktuellen Batch der 15-jährigen Destillerie-Abfüllung findet auch das diesjährige Special Release beim Tasting seinen Platz. Beide Dalwhinnies wissen zu überzeugen:
Dalwhinnie 15 yo (43%, OB, +/-2015) 83 Punkte
Dalwhinnie 25 yo 1989/2015 (48.8%, OB, Special Release, 5.916 bottles) 90 Punkte
Wer die Geschehnisse auf Islay in den letzten Jahren aufmerksam verfolgt hat, der weiß, dass zu den bestehenden acht Destillerien (mit Kilchoman als letzte in Betrieb gegangene Brennerei) noch einige dazu kommen sollen. Vier sind es an der Zahl, mit Gartbreck als jene, die bereits in der Planung am weitesten gediehen ist.
Allerdings: Auch Gartbreck ist nach wie vor in Planung – ein für diesen Sommer angekündigter Baubeginn hat, nach einigen Abbrucharbeiten, dann doch nicht stattgefunden. Wie es um die restlichen drei Projekte steht – im Einzelnen die Farkin Distillery, die vom Besitzer der Whiskyexchange geplant sein soll, der Ardnahoe Distillery und der – ja, der Port Charlotte Distillery, die von Mark Reynier geplant war und über deren Schicksal nun die neuen Besitzer entscheiden – können Sie in einem interessanten Artikel auf dem Islay Blog nachlesen. Warten wir ab, welches wirklich die nächste Destillerie auf Islay wird…
Am Freitag gab es wieder einmal ein Whiskyexperts-Tasting bei Stendels am Vinckeplatz in Dortmund, präsentiert von Simon Rosenkranz. Das Motto diesmal: View on Islay. Ganz unterschiedliche Whiskys von der Insel zeigten die Vielfalt, die man dort finden kann. Hier ein paar fotografische Eindrücke von der ausverkauften Veranstaltung:
Stuart Nickersons Shetland Distillery Company produziert nicht nur bereits Gin, sondern hat vor einiger Zeit auch schon einen Single Malt auf der Insel abgefüllt und unter dem Namen Shetland Reel Single Malt Scotch Whisky verkauft (es gab 190 Flaschen davon, die binnen kurzer Zeit ausverkauft waren). Nun gibt es auch einen Shetland Reel Blended Malt Scotch Whisky von dort, aus vier Speysidern und einem Islay-Whisky – in Fassstärke geblended und mit dem Wasser aus Unst, dem Standort der Destillerie, auf 47% gebracht. Er wurde gestern in der Destillerie von Malcolm Roughead, Chief Executive von VisitScotland vorgestellt.
Zu haben wird er bei uns wohl nur über Direktimport sein – die 1800 Flaschen, die aufgelegt wurden, kosten jeweils 45 Pfund.
Man nennt das Luxusproblem: Serge macht seine Verkostungen immer zumindest mit zwei Samples aus einer Destillerie, um Abfüllungen miteinander vergleichen zu können. Von Glenlochy allerdings hat er zu jenem Sample, das er zur Verkostung ausgesucht hat, kein weiteres in seiner flüssigen Bibliothek – ein Schicksal, das er mit vielen Whiskyfreunden teilen wird, denn Glenlochys zählen zu den seltensten Abfüllungen überhaupt. Also muss in seiner heutigen Verkostung ein Glen Mhor als Sparringspartner herhalten. Wir können uns Schlimmeres vorstellen.
Hier also die beiden Abfüllungen mit den Bewertungen:
Glenlochy 39 yo 1965/2004 (46.3%, Jack Wiebers, Old Train Line, cask #706, 194 bottles): 89 Punkte
Glen Mohr 26 yo 1965 (56%, The Prestonfield, cask #202, 1200 bottles, +/-1991): 86 Punkte
[alert type=white]Ledaig 7yo, 60.6%, C&S Dram Collection
Refill Sherry Butt, 652 Flaschen destilliert: 13.5.2008 abgefüllt: 28.9.2015 nicht gefärbt , nicht kühlfiltriert Sample: Caminneci Wine & Spirit Partner Verkoster: Reinhard Pohorec[/alert]
Auf der Isle of Mull stehend, kann man bisweilen die Zeit vergessen, die Welt hinter sich lassen, den Stress und Lärm des Alltags abstreifen. Hier ticken die Uhren das Quäntchen gemächlicher, wenngleich doch eine rege Betriebsamkeit, Offenheit und Herzlichkeit überschwappt, gleich den Wogen, deren Gischt die raue Haut jener Inneren Hebriden Insel benetzt.
Tobermory Distillery ist nicht nur ein für sich genommen spannendes Werk sondern auch infrastrukturell bedeutsamer Teil des Eilands – die Whiskys von Klasse und Charakter geprägt.
Ledaig bezeichnet die getorften Vertreter hiesiger Brennkunst; wie sich das Ganze mit strammen sieben Lenzen, knackiger Fassstärke und aus den Händen eines unabhängigen Abfüllers ausnimmt…? Nun, read on, fellow.
Nase: Geröstete Nüsse, ölig, fettig süßliche Haselnüsse, auch Creme, wie auf einem saftigen Butterbrot verstrichen, gebrannte Mandeln, ein Hauch von Kirchtag und Weihnachtsdüften, dahinter mahnt wie eine aufsteigende Gewitterfront der dunkle, schwarze Vorhang schwer rauchiger Naturgewalt, eine Explosion, ein Feuerwerk im Duft, dazu grünliche Noten von Seetang, Avocado, eingelegte Oliven mitsamt der Salzlake, begleitet von Ahornsirup und Kürbiskernen, dann kurz auch helles Getreide, frisch-malzige Milchkaffee-Reminiszenz im Widerstreit mit Jod, Terpentin, Petrol und Teer, was für eine Nase, welch fordernd und beglückendes Spiel der Aromen
Gaumen: Schmeichler, Romantiker und Zartbesaitete seien gewarnt: hier geht die Post ab, filigran und elegant sind anders, die Modellfigur und High Heels müssen Muskelpaket und Boxhandschuhen weichen, eine brüllende Kraft wärmt Mund, Rachen und den ganzen Körper, wiederum schwarz-grüne Noten von Teer, Sepia, Moos, Moschus und russischem Leder, Karamell dazu, ein süßlicher Hauch von Erdnussbutter, Nougat und Bitterschokolade, Austernwasser, mineralische Schieferanklänge. Natürlich sind rund sechzig Umdrehungen am Alko-Tachometer eine stolze Ansage aber der Malt ist in keinster Weise sprittig, offensiv oder unangenehm, ein solch kompakt-fokussiertes Energiebündel aber trotzdem mit weichem Kern, die Wogen wiegen hin und her, kitzeln einmal hier, fordern da, überwältigen und begeistern, ein Haufen von Komplexität, der Spaß macht und nach einem nächsten Schluck schreit.
Finish: zart kleidet sich der Ausklang in ein Gewand von Melasse, heißer Schokolade, wärmenden Maroni, Biskuit und in Sepia getauchter Nuss-Marzipan-Karamell, Sellerie, Fruchtschmelz und rote Rübe, lange und impulsiv ist der Nachklang, verwegen, verstörend in seiner wundervollsten Art
Alles in allem: Sieben Jahre und so was von einem frechen, vorlauten Bengel, der aber eine Klasse, Reife und Seriosität versprüht, dass von Jugendlichkeit oder unerfahrener Lausbübigkeit keine Rede sein kann. Die Komplexität dieses Malts ist beeindruckend, die Kraft und Fülle fesselnd und zupackend, das Spiel aus Süße, Opulenz, maritim-salziger Individualität verführerisch. Ich bin kein Fan von Whisky-Lagerfeuer-nördliche-Breiten-Kitsch-Klischees, aber selten habe ich mich bei einem Dram so sehr an die raue Inselprovenienz und seine wärmste, herzliche Gastfreundlichkeit erinnert gefühlt. Pure Ambivalenz, glimmende Begeisterung im Glas – und ein „Spitzenklasse“ von uns.
Wie versprochen melden wir uns wieder, wenn der 15jährige Teeling Revival, der im Oktober in Dublin vorgestellt wurde, auch in Deutschland erhältlich sein wird. Ab Donnerstag soll diese neue Abfüllung auch hier im gut sortierten Fachhandel erhältlich sein.
Der Teeling Revival, der 1989 destilliert und ausschließlich in ex-Rumfässern gelagert wurde, wird rund um die 100 Euro kosten, folgt man der Presseaussendung der Teeling Whiskey Company. 10.000 Flaschen der Abfülllung mit 46% sind davon produziert worden, und neben Deutschland werden unter anderem auch Frankreich, Belgien, Holland, Italien und Australien damit beliefert.
Teeling hat auch bekannt gegeben, dass der Revival der erste Whiskey in einem dreiteiligen Update der Vintage-Serie sein wird. Nach diesem 15jährigen werden noch ein 24jähriger und ein 33jähriger irischer Single Malt folgen. Auch hier gilt: Wenn wir mehr erfahren, dann erfahren Sie es auch.
In Irland tut sich gerade sehr viel, was Whiskey betrifft. Vor drei Tagen gab es eine Studie, die besagte, dass momentan 92.000 Personen in der irischen Getränkeindustrie beschäftigt sind und 1 Milliarde Euro in Wert für den Export schaffen. Dieser Betrag könne sich unter den richtigen Voraussetzungen verdoppeln, schreibt The Independent.
Ausdruck dieser Aufbruchstimmung sind auch die vielen neuen Destillerien, die überall auf der grünen Insel entstehen. Über viele davon haben wir bereits berichtet, so auch über die Boann Distillery (eine Übersicht über unsere Artikel dazu finden Sie hier). Und mit der PR-Managerin Sally-Ann Cooney, die Tochter des Gründers Pat, der die Destillerie zusammen mit der Familie betreibt, hat nun The Whisky Lady aka Anne-Sophie Bigot ein Interview geführt, in dem Sally-Ann Einblick in den Status der jungen Destillerie gewährt. Interessante Lektüre für alle, die sich auch für irischen Whiskey interessieren.
Vom Scandlines Bordershop Puttgarden, der mit 8.000 Quadratmetern das weltweit größte Grenzeinkaufszentrum ist und über 400 Whiskysorten bietet, hat uns eine Pressemitteilung erreicht, in der über den The Balvenie 50yo, den das Grenzeinkaufszentrum zur Zeit als nur eines von zwei Geschäften weltweit anbietet, berichtet wird. Hier der Text in unbearbeiteter Version:
Ein Whisky, der mehr wert ist als Ihr Auto
Einer der besten und teuersten Whiskys der Welt wird jetzt im Scandlines BorderShop Puttgarden, der eines der größten Whisky-Sortimente weltweit sein Eigen nennt, angeboten. Hier ist nun einer der teuersten Single Malt Whiskys, The Balvenie 50 Y.O., zum stolzen Preis von 33.555 EUR erhältlich.
Der Name The Balvenie ist sicherlich jedem Whiskyliebhaber ein Begriff. Die schottische Whiskybrennerei wurde 1892 gegründet und hat sich mit ihren äußerst exklusiven Whiskys weltweit einen Namen gemacht. Die Resonanz war also groß, als die Destillerie unlängst bekanntgab, nun zwei Flaschen des The Balvenie 50 Y.O. Fass 4567 – ein ganz einzigartiger, 50 Jahre alter Single Malt – zu einem Preis von 33.555 EUR pro Flasche zum Verkauf freizugeben.
Es kommt nur äußerst selten vor, dass ein Whisky 50 Jahre überdauert und dazu noch einen Geschmack entwickelt, in dem sich die jahrelange Pflege bezahlt gemacht hat. Der Scandlines BorderShop hat seine Palette an exklusiven Spirituosen beständig ausgebaut und verfügt über eines der größten Whisky-Sortimente der Welt. Dieser Einsatz wurde nun mit dem Recht honoriert, diese exquisite Flasche verkaufen zu dürfen.
„Wir haben unser festes Sortiment an Spirituosen immer wieder um exklusive Spirituosenmarken ergänzt und freuen uns daher sehr darüber, weltweit zu den zwei einzigen Geschäften zu gehören, die The Balvenie 50 Y.O. anbieten können. Damit zementieren wir unsere Position in der Weltelite der Händler von feinsten Spirituosen. Es mag so manchen überraschen, dass ein Grenz-Shop so teure Flaschen verkauft, doch tatsächlich erleben wir eine steigende Nachfrage nach Waren im oberen Preissegment. Die Kunden legen Wert auf Qualität, daher hat der BorderShop heutzutage mehr als nur Palettenware im Angebot“,
erklärt Kerim Lindved Aydin, Geschäftsführer für den Grenzhandel im Scandlines BorderShop.
Der Geschmack von einem halben Jahrhundert
The Balvenie 50 Y.O. Fass 4567 ist einer von zwei 50 Jahre alten Whiskys vom Fass, die die Balvenie-Brennerei jetzt freigegeben hat. Fass Nummer 4567, aus dem die Flasche im BorderShop abgefüllt wurde, lagert seit 1963 im selben europäischen Eichenfass und wurde in diesen 50 Jahren vom selben Malt Master gehegt und gepflegt. Die Balvenie Destillery liegt in Dufftown in der schottischen Region Speyside.
In den letzten 50 Jahren hat der Whisky dort eine rötliche Färbung und einen tiefen, vollmundigen Geschmack entwickelt. Im ersten Moment schmeckt er leicht nach Eiche, dann folgen süße Noten von Rosinen und ein diskreter Hauch von Ingwer. Der Geschmack ist durchdrungen von Kirsch- und Brombeernoten, im Abgang hinterlässt der Whisky einen Geschmack von getrockneten Früchten und eine beständige Süße. Bei einem solch exklusiven Produkt wie dem Balvenie 50 Y.O. fällt selbstverständlich auch die Verpackung luxuriös aus. Sie ist handgefertigt und setzt sich aus 49 verschiedenen Edelholzarten zusammen.
Der Balvenie 50 Y.O. Fass 4567 ist ab November 2015 im Scandlines BorderShop Puttgarden erhältlich.
Whisky für €33.555 pro Flasche: Der Balvenie 50 Y.O. wurde unter der kundigen Aufsicht ein und desselben Malt Masters 50 Jahre in denselben europäischen Eichenfässern gelagert. Die außergewöhnliche, handgefertigte Verpackung besteht aus 49 verschiedenen Edelholzarten.
Eine von Serge Valentins Töchtern lebt keine 200m von Bataclan entfernt, dort, wo am Freitag die Geiselnahme in Paris geschah. Sie hat die Stadt eine Stunde vor den Attentaten verlassen. Serges Sohn war nur 5 Minuten vom Anschlagsort im 10. Arrondissement entfernt, als die Schüsse fielen. Und sein Bruder geht normalerweise zu den Fußballspielen im Stadion. Diesmal nicht.
Serges Familie blieb also unbehelligt, und er führt die Verkostungen weiter wie gehabt, denn: Warum sollte er, so sagt er, oder irgendjemand sonst die Art zu leben ändern, die man führt? Heute aber gibt es nur eine Verkostung, eine mit Symbolcharakter, denn es ist ein Whisky aus Frankreich, aus Paris.
Distillerie de Paris ‚Aged Malt Spirit‘ (42%, OB, France, 2015) 80 Punkte
Seit 1965 gibt es nun bereits den Big Market, Deutschlands ältestes Whiskyfachgeschäft seiner Art, in Berlin. Im Rahmen der Feierlichkeiten entstand eine kleine Hausmesse, zu der auch Fred Laing, Managing Director bei Douglas Laing & Co Ltd., in die Hauptstadt kam. Von seinem Unternehmen stammen so bekannte Marken wie Big Peat, Old Particular oder die Blends Scallywag und Timorous Beastie.
Wir haben unseren Gastautor Benjamin Roscher von notesofmalt.de gebeten, für uns mit Fred Laing ein Interview zu führen und ihn zu seinem Unternehmen, seinen Marken und dem Whiskymarkt im Allgemeinen zu befragen. Fred war so freundlich und hat sich ausführlich Zeit für das Gespräch genommen.
WE: Hallo Fred, du sprichst ein wenig deutsch, bist du das erste Mal in Berlin?
FL: (auf deutsch) Nein, das erste Mal besuchte ich Berlin vor drei Jahren und es war wirklich notwendig, zurückzukommen. Seitdem bin ich 2 oder 3 Mal beruflich in der Stadt gewesen, ich hoffe es ist okay, wenn ich den Rest des Interviews in Englisch antworte.
(Auf englisch) Ich bin etwas enttäuscht, dass ich Berlin nicht schon früher für mich entdeckt habe, es ist eine super Stadt. Die Menschen sind so lässig und ungezwungen, was für eine Hauptstadt eher ungewöhnlich ist. Normalerweise begegnen sich Menschen in Hauptstädten etwas distanziert und selbstherrlich, hier in Berlin verhalten sie sich demokratischer.
WE: Berlin gefällt dir also, was magst du am liebsten an Deutschland?
FL: Ich mag eure Bratwurst, wirklich. Ich denke deutsche Wurst ist um Welten besser als unsere. Natürlich mag ich auch die Herausforderungen des deutschen Whiskymarktes, welcher für uns ein sehr wichtiger ist. Als mein Vater die Firma gründete, war sein erster Kunde ein Herr Haberland aus Bremen, welcher Kaffee und Whisky nach Deutschland importierte. Und nun, fast 70 Jahre später, kommt unser größter Abnehmer immer noch aus Bremen. Wenn ich selbst dort bin, dann verbinde ich meine Aufenthalte auch immer mit den ersten Schritten meines Vaters, was wirklich schön ist.
WE: Ihr steht also in einer besonderen Beziehung mit dem deutschen Whiskymarkt?
FL: Ja und diese wird immer besser. Deutschland war für uns immer ein Meilenstein, an dem sich die Verkäufe weltweit messen lassen müssen. Auch in letzter Zeit nahm der Umsatz in Deutschland wieder zu, insbesondere die hohe Nachfrage nach unseren Einzelfassabfüllungen aus der „Old Particular“-Serie ist beachtlich.
WE: Fred, wie ist es gelaufen, seitdem du und deine Tochter Douglas Laing 2013 übernommen habt? Wurden deine Erwartungen erfüllt?
FL: Ganz klar: nein, zumindest jetzt noch nicht. Ich bin nach meinem Vater Fred Douglas Laing benannt und die Übernahme war ein sehr anstrengender und emotionaler Schritt für mich. Wir haben uns gut aufgestellt, meine Tochter Cara kennt die Branche, arbeitete unter anderem bei Jura, Bowmore und Glen Garioch, somit ist die Entwicklung neuer Produkte in meiner DNA verankert, die Weiterentwicklung des Portfolios ist unser Leben. Vielleicht sind wir in zwei oder drei Jahren dort, wo wir hinwollen. Bis dahin werden wir weiterhin an unseren Marken arbeiten und die Verkäufe steigern. Ich denke wir haben uns richtig platziert, haben junge professionelle Mitarbeiter_innen aus dem Whiskygeschäft für uns gewinnen können und schauen jetzt sehr gerne vorwärts.
Foto: Josephine Merkl
WE: Wenn wir Douglas Laing als das erfolgreichste der Laing Unternehmen bezeichnen würden, würdest du dem zustimmen?
FL: Dafür ist es noch zu früh, ich denke, wir sind für das Whiskygeschäft sehr individuell ausgerichtet und es wäre sehr angenehm, wenn wir uns in fünf oder acht Jahren hier in Berlin wiedertreffen und du mir diese Frage dann noch einmal stellst.
WE: In den letzten Jahren gab es immer wieder neue Blended Malts aus eurem Hause. Glaubst du, dass Blended Malt in starken Marken die aktuelle Situation von unabhängigen Abfüllern widerspiegelt, besonders im Zusammenhang mit fehlenden Fässern sehr guter Qualität?
FL: Da kann ich nur zustimmen. 2009 entwickelten wir unseren „Big Peat“, welcher von den Märkten sehr gut angenommen wurde und den Start unserer „Regional Malts“ bedeutete. 2013 folgte dann unser „Scallywag“ aus der Speyside und 2014 dann „Timorous Beastie“ aus den Highlands, dieses Jahr kam dann noch der „Rock Oyster“ mit Malt Whisky von den Inseln hinzu. Vor sechs Jahren wurde es bereits schwieriger den Bestand an älteren Fässern zu erhalten, weshalb wir uns auch dazu entschlossen haben, den Blick auf Quantität, also Anzahl an Malts verschiedener Brennereien, zu richten und eigene Fässer gegen Fässer anderer Unternehmen zu tauschen, so z.B. ältere Speysider gegen jüngere Islay-Whiskys. Nur so können wir auch weiterhin ältere Einzelfassabfüllungen herausbringen.
WE: Was hat sich in den letzten fünf Jahren für unabhängige Abfüller geändert? Wie werden deiner Meinung nach die nächsten fünf Jahre aussehen?
FL: Sie werden faszinierend sein. In den letzten fünf Jahren wir haben unseren Betrieb stark geändert und das Blending wiederentdeckt. Mein Vater hat bereits seit den 1960er Jahren mit Whyte & Mackay, seit den 1970er Jahren mit White Horse Distillers zusammengearbeitet. Als Unternehmen war Douglas Laing immer ein Hybrid und Blends gehörten schon immer dazu, wir reflektieren damit auch unsere Unabhängigkeit. Dazu gehört für uns auch die Verpackung, welche die Qualität des Whiskys optisch wiederspiegelt. Ich denke unser Fokus auf qualitativ hochwertige Blended Malts gibt uns auf dem Markt einen Vorteil. Einzelfassabfüllungen sind in den letzten 15 Jahren enorm wichtig gewesen, in Zukunft werden sie aber nicht mehr ganz so stark sein. Vor zwei Jahren lag der Anteil der Einzelfassabfüllungen am Umsatz in unserem Unternehmen bei 60%, die „Regional Malts“ lagen bereits bei 40%, heute liegen wir ungefähr bei 55% zu 45%, weswegen ich glaube, dass Blended Malts für uns noch wichtiger werden.
WE: Wir haben schon viel über Whisky gesprochen, vielleicht eine ganz kurze Antwort auf folgende Frage: Gibt es irgendwelche Planungen, auch Rum abzufüllen?
FL: Nein. Ich habe zwar vor 8 Jahren mal das Old-Malt-Cask Label in ein Old Rum Cask Label umgestaltet, was aber schrecklich aussah. Rum ist nicht das richtige Produkt für uns.
WE: In einem Interview hat sich Ardmore‘s Assistant Distillery Manager George Forsyth zur aufkommenden Whisky-Flut geäußert, die ihm Angst macht, und verglich die möglichen Folgen mit der Situation der großen Whiskykrise der 1980er Jahren. Was sind deine Gedanken dazu, würdest du George zustimmen?
FL: Vor zwei Jahren sah ich dies genauso und hätte ihm definitiv zu gestimmt. Aber heute glaube ich nicht mehr an die Überflutung des Marktes. Die großen Konzerne kontrollieren ihren Bestand gut und sind derzeit daran interessiert ihre Kapazität zu drosseln, sie haben bereits gegengesteuert. Die Bestände werden deshalb in zwei oder drei Jahren wieder in Balance sein, daher glaube ich aktuell nicht, dass das Vorhergesagte auch eintreffen wird.
Foto: Josephine Merkl
WE: Wir haben schon viel über die letzten Releases gesprochen, welche Abfüllung im Jahr 2015 fandest du persönlich am besten?
FL: Ich muss da sogar zwei Abfüllungen nennen. Der erste war ein 50-jähriger North British Single Grain, sehr ungewöhnlich für uns, aber der Markt für Single Grains hat sich in den letzten 5 Jahren wirklich gut entwickelt, auch hat uns David Beckham mit dem Haig dabei geholfen. 50 Jahre Reife, Sommeräpfel, Toffee, Karamell, Vanille uns sehr viele Gewürze. Doch mein absoluter Liebling ist dieses Jahr ein 26-jähriger Laphroaig gewesen, auch wenn ich dir gerade nicht mehr sagen kann, in welcher Serie er erschienen ist. Er stammte aus einem Sherryfass, Torf und Sherryeinfluss waren wunderbar ausgeglichen, sehr fruchtig und viele torfige Meeresaromen, er erinnerte mich an die früheren Laphroaigs aus den 80er Jahren.
WE: Was können wir nächstes Jahr erwarten?
FL: Von mir?
WE: Von Douglas Laing.
FL: Wir werden einen Lowland Malt vorstellen, welcher dann die „Regional Malts“ ergänzt. Er wird damit der letzte Malt der Serie sein, da wir nie eine größere Menge an Campbeltown-Whiskys in unseren Beständen hatten und wir deshalb leider keinen Campbeltown-Malt abfüllen können. Dahingegen konnten wir unseren Bestand an Lowland-Whisky kontinuierlich ausbauen und ich arbeite derzeit an der genauen Zusammensetzung des Blends, Cara entwickelt die Verpackung.
WE: Habt ihr schon einen Namen für den Blended Malt?
FL: Hatten wir, aber wir werden diesen wohl noch einmal ändern.
WE: Kommen wir zur letzten Frage, unserer Standardfrage. Wenn du dich als Whisky beschreiben solltest, welcher wärst du und warum?
Ich wäre ein Vatted Malt, in dem Begriff der von der Scotch Whisky Assoziation gestoppt wurde. Ein Vatted Malt aus einem lange gereiften und sanften, attraktiven Macallan, über 20 Jahre Jahre alt. Dazu käme ein junger, vielleicht 5-jähriger Caol Ila, jung und stark, aufgeladen mit Energie. Ich will einfach nicht nur ein alter Macallan sein, weswegen ich den Caol Ila dringend brauche.
WE: Vielen Dank für das Interview und viel Spaß noch in Berlin.
Beam Suntory hat sich vor kurzem entschlossen, sein neues Programm für Freunde der Malts of Distinction „Men of Malts“ zu nennen. Eine Namensgebung, die hierzulande durchaus exkludierend aufgefasst werden kann.
MargareteMarie vom Blog whiskyundfrauen.auch für männer. hat nun einen offenen Brief an Beam Suntory geschrieben, mit dem sie ihrer Irritation über die Namensgebung Ausdruck verleiht. Sie fragt sich darin, ob Frauen als Whiskyfreunde bei Beam Suntory noch willkommen sind, und was das Unternehmen zu der Namensgebung bewogen hat:
The problem is: I can’t become a” Man of Malts”. Because I am a woman.
Am I not wanted?
Am I not worth of any consideration from your company?
Do you really wish to exclude half the population from the pleasure of enjoying your Whiskies?
Den gesamten Brief in Englisch finden Sie hier auf ihrem Blog.
Auch wir sind auf die Reaktion von Beam Suntory gespannt und werden, wenn es soweit ist, hier darüber berichten.