Heute tut sich bislang wenig an der Newsfront, also wenden wir uns doch, vor dem Start der Saison für Schottlandreisen, einigen Einblicken in die schottische Landschaft und Geschichte zu. Eine 30minütige Sendung von BBC berichtet über die Isle of Skye, ihre Landschaften und Einwohner – schönes Augenfutter in HD, das Sie auf Youtube oder gleich hier bei uns ansehen können.
Und falls Sie zu jenen gehören, die jetzt noch arbeiten müssen – einfach ein Bookmark setzen und das Ansehen heute am Abend bei einem Glas guten Whisky (vielleicht sogar ein Talisker?) nachholen…
Junge Japaner mit einer gehörigen Portion Torfrauch – das ist das, was Serge Valentin heute in seiner Verkostung bewertet. Zudem offeriert er uns noch einige Nachgedanken zu seinem „Aprilscherz“ von gestern. Die beiden torfigen Japaner bedenkt er mit durchaus guten Wertungen:
Shinshu Mars ‚Komagatake The Revival‘ 2011/2014 (58%, OB, 6000 bottles); 85 Punkte
Chichibu 2009/2014 ‚In the Mood for Love‘ (61.7%, OB, for La Maison du Whisky, 1st fill bourbon, cask #641): 88 Punkte
Gestern berichteten wir darüber, dass Bacardi ins Bourbongeschäft einsteigt – heute kann man in Harpers.co.uk lesen, dass das Unternehmen auch Anteile an der Londoner Firma Compass Box, bekannt für ihre ausgezeichneten Blends, gekauft hat. Bacardi bleibt dabei in der Minderheit.
Compass Box ist unter Whiskyfreunden für die ausgezeichneten Blends aus ihrem Sortiment bekannt, wie Peat Monster, Oak Cross, The Spice Tree oder unlängst die Jubiläumsabfüllung Hedonism Quindecimus. Unser Redakteur Reinhard Pohorec hat übrigens im Oktober 2013 Compass Box besucht und von dort diesen Bericht mitgebracht.
Auch in der Highland-Destillerie Tomatin kann man jetzt dank Google einen virtuellen Rundgang unternehmen. Auf dieser Seite des Webauftritts der Destillerie lässt sich in Ruhe das Besucherzentrum betrachten; und danach kann man durch die Türe hinaus zu Warehouse 6 gehen, um dort einen Blick auf die Fässer zu werfen.
Probieren Sie es mal aus – und es gibt noch mehr zu entdecken: Hier finden Sie die Zugänge zu Talisker, Cardhu und Glen Ord, wo sie ebenso durch die Destillerie gehen können – wie auch hier bei Lagavulin!
Serge Valentin hat heute auf Whiskyfun statt einer Verkostung seine Gedanken zu No Age Statement Bottlings veröffentlicht – und mit einem Augenzwinkern verlautbart, dass auf seiner Seite ab sofort alle NAS-Whiskys mit „3 Jahre alt“ ausgezeichnet werden, denn zumindest drei Jahre alt seien sie ja. Gleichzeitig hat er für morgen folgende Verkostung angekündigt:
Glenlivet 3 yo ‘Founder’s Reserve’ (40%, OB, +/-2015)
Glenmorangie 3 yo ‚Signet‘ (46%, OB, +/-2014)
Dalmore 3 yo ‘King Alexander III’ (40%, OB, +/-2014)
Highland Park 3 yo ‚Svein‘ (40%, OB, travel retail, +/-2015)
Macallan 3 yo ‘M’ (44.5%, OB, +/-2014)
Old Pulteney 3 yo ‘Clipper around the world’ (46%, OB, +/-2015)
Laphroaig 3 yo ‘Select’ (40%, OB, +/-2015)
Ardbeg 3 yo ‚Perpetuum‘ (49.2%, OB, 2015)
Bowmore 3 yo ‚Small Batch‘ (40%, OB, +/-2014)
Talisker 3 yo ‚Skye‘ (45.8%, OB, +/-2015) BONUS: Yamazaki 3 yo ‘Sherry Cask 2013’ (48%, OB)
Lesenswerte, pointierte und diskussionswürdige Gedanken zu einem durchaus ernsthaften Thema.
Nachtrag 2. April: Wir hoffen, Ihnen hat unser Aprilscherz ebenso viel Spaß gemacht wie uns 🙂
Der chinesische Getränkekonzern Wahaha hat in einer Aussendung bekanntgeben, dass er die Destillerie Edradour, bislang im Besitz des unabhängigen Abfüllers Signatory, erworben hat. Wahaha plant, die kleinste Destillerie Schottland Stein für Stein abzutragen und in der chinesischen Provinz Shandong nahe der Stadt Qingdao originalgetreu wieder aufzubauen.
Edradour Destillerie, Foto von Dudesleeper, Public Domain
Wahaha ist der größte chinesische Hersteller von Softdrinks, hat sich aber in den letzten Jahren in andere Produktkategorien diversifiziert. Nach den Worten des CEO von Wahaha, Zong Qinghou, der mit einem geschätzten Privatvermögen von 8 Milliarden Dollar als einer der reichsten Männer Chinas gilt, dient der Aufkauf der Destillerie dem Ziel, punktuell unabhängiger von Whiskyimporten zu werden und das Know How der Whiskyherstellung nach China zu transferieren.
In den veröffentlichten Plänen für den Neuaufbau (siehe oben) ist eine Erweiterung der Lagerkapazität geplant, jedoch sollen die existierenden Stills in keinster Weise verändert werden. Auch alle anderen Einrichtungsgegenstände werden, so wie die Gemäuer, ohne Veränderung übernommen. Die Destillerie wird ab November 2015 abgetragen und mit Lastwagen und dann per Schiff auf das neue Gelände westlich von Qingdao verbracht.
Sämtliche Fässer, die derzeit in Edradour lagern, gehören zur Kaufmasse dazu. Sie werden im Herbst mit einem Containerschiff noch vor der Destillerie die Reise nach China antreten. Der neue Besitzer erhofft sich durch die Seefahrt der Fässer eine wesentlich schnellere Reifung, wie sie aus alten Berichten der englischen Handelsmarine überliefert wird.
Signatory erhält den Zuschlag für den Reimport von 15% der Jahresproduktion nach Europa. Für den nicht näher ausgeführten Verkaufspreis will sich der unabhängige Abfüller in Destillerien in Frankreich, Deutschland und Skandinavien einkaufen.
Dies ist übrigens nicht das erste Objekt, das aus Europa nach China verbracht und dort neu aufgebaut wurde – oder nach Originalplänen nachgebaut. So wurde zum Beispiel das österreichische Städtchen Hallstatt komplett in China nachgebaut (siehe diesen Bericht im Spiegel). Dass man bei einer Destillerie die Originalteile aufkauft und verwendet (so wie das Stahlwerk aus Dortmund), ist natürlich sinnvoller als ein Nachbau. Nur so kann die Unverfälschtheit des Whiskys garantiert werden.
Die Stills von Edradour. Foto von Frank Gauert, alle Recht vorbehalten.
Keine guten Nachrichten für die schottische Whisky-Industrie: Die Exporte fallen laut den neuesten Zahlen der Scotch Whisky Association auf bbc.com und auf Financial Times (ev. Paywall) im letzten Jahr um 7.4%, so stark wie seit 16 Jahren nicht mehr. Dieser Rückgang ist vor allem den Problemen in Asien, aber auch einem erstarkten Bourbon-Markt geschuldet. Dies ist wertmäßig betrachtet, aber auch im mengenmäßigen Vergleich ergibt sich ein Minus von 3%.
Trotzdem bleibt die SWA im längerfristigen Ausblick optimistisch, so der Report.
Auch in diesem Monat stellen wir ihnen wieder einen Whisky vor, dem wir wünschen, dass ihm ein wenig mehr Beachtung geschenkt wird – und wie immer sehr subjektiv. Wie schon im März haben wir auch dieses Mal für unsere regelmäßige Rubrik “Whisky des Monats” einen Speysider ausgewählt. Unser Whisky des Monats April ist der Tamdhu Batch Strength.
Tamdhu. Bildrechte bei Lars Pechmann.
Die Brennerei Tamdhu wurde 1897 gegründet und erlebte eine wechselvolle Geschichte mit verschiedenen Besitzerwechseln und Schließungen. Die letzte Stilllegung erfolgte im März 2010. Etwas mehr als ein Jahr später verkaufte der damalige Besitzer, die Edrington Group, die Destillerie Tamdhu an den unabhängigen Abfüller Ian MacLeod. Der neue Eigentümer investierte 1 Million Pfund in die Brennerei und im Januar 2012 startete die Produktion dann wieder. Tamdhu präsentierte sich daraufhin im Mai 2013 neu der Öffentlichkeit. Neben einer neuen Website inklusive eines Online-Shops veröffentlichte Tamdhu zwei neue Abfüllungen. Dem neuen Tamdhu 10 yo wurde ein limitiertes gleichalteriges Bottling an die Seite gestellt. Mit 46 % Vol. abgefüllt, und damit 6 % mehr als die ursprüngliche Standardabfüllung, ist der Tamdhu Ten Year Old Limited Edition ausschließlich über den Web-Shop erhältlich und wohl eher für Jäger und Sammler gedacht. Beide erscheinen im neuen Flaschen- und Verpackungs-Design. Angelehnt an die Viktorianische Zeit, schmücken die schlicht gehaltene Tube feine illustrative Elemente. Sie beinhaltet eine schlanke, elegante Flasche mit einer Wellen-Prägung.
Tamdhu Whisky lagert ausschließlich in ehemaligen Oloroso- und Pedro Ximenez-Fässern, welche im Vergleich zu Ex-Bourbon-Fässern deutlich teurer sind. Ian MacLeod hat in Zukunft mit Tamdhu und seinem Whisky weitere ambitionierte Pläne. In diesem Jahr soll der Bau sechs neuer Lagerhäuser abgeschlossen sein, und auch der Export, speziell in den asiatischen Raum, soll erweitert werden. Und doch hat man den Eindruck, dass es bei Tamdhu nicht um Vermarktung eines Produktes nach den üblichen Marktmechanismen geht, sondern um Whisky – einfach nur um Whisky und die Personen, die ihn genießen werden.
In dieses Bild passt auch die Abfüllung, der Tamdhu Batch Strength. Handverlesene Fässer wurden miteinander vermählt und in der in unseren Breitengraden beliebten Fassstärke abgefüllt, in die gleiche schlichte elegante Flasche mit der gleichen schlichten eleganten Verpackung wie seine beiden Vorgänger-Bottlings.
Schon mit dem Erscheinen des 10-jährigen bewiesen die neuen Eigentümer, dass sie ein offenes Ohr für die Wünsche und individuellen Besonderheiten ihrer Whisky-Freunde haben. Für den britischen Markt wird der Tamdhu 10 yo mit 40 % Vol. angeboten, im deutschsprachigen Raum ist er mit 3 % Vol. mehr erhältlich. Und auch bei den noch kommenden Bottlings ist man offen für einen Austausch mit den Kunden. Der ursprüngliche Plan, den bald erscheinenden 12-jährigen ebenfalls mit 40 % Vol. abzufüllen, wird überdacht, nachdem es auf Facebook eine intensive Debatte über die Abfüllungspolitik von Tamdhu gab. Möglicherweise wird es 3 oder sogar 6 % Vol. mehr geben. Vielleicht wird man sich auch für zwei Abfüllungen entscheiden, eine für den Einzelhandel und eine für den Fachhandel. Wir sind gespannt, wie sich die Verantwortlichen von Ian MacLeod entscheiden werden.
Verkostungsnotizen
Tamdhu Batch Strength
58,8%%, ncf, nc
Nase: Voller Sherry-Fass-Einfluss. Helles Steinobst, dazu Äpfel und Birnen, und ein kleiner Anflug von Fruchtsäure – das Ganze schön vermengt wie bei einem Früchte-Kompott. Im Hintergrund taucht ein wenige dunkle Schokolade auf.
Gaumen: Recht ölig am Gaumen. Studentenfutter, allerdings ohne Haselnüsse, viel Trockenobst, überraschend unsüß, eher leicht trocken, was hier auch sehr gut passt.
Finish: Sehr lang und voll von schweren Aromen heller Früchte. Sehr intensiv.
Alles in allem: Ein fassstarker Whisky aus Ex-Sherry-Casks, wie man sich ihn wünscht: üppig und voller Aromen. Der Einsatz von Wasser zeigt hinter den satten Geschmacks-Noten ein gewisse Jugendlichkeit, welche auch zu erwarten war. Mit um die 70 € ist der Tamdhu Batch Strength auch noch zu einem recht attraktivem Preis erhältlich. Natürlich kann man auch für weniger Geld schon Whisky bekommen. Doch nur selten auf diesem Niveau.
Höher als Dalwhinnie liegt bis auf Braeval keine Destillerie in Schottland – und mit 6.6°C Jahresdurchschnittstemperatur ist Dalwhinnie auch ein kalter Ort. Dieses Bild (zum Vergrößern anklicken) zeigt sie am 25. März dieses Jahres am Vormittag – den Abend zuvor hatte es dort noch geschneit; aber auch in Schottland hat die Frühlingssonne schon etwas Kraft und der Schnee blieb nicht liegen.
Die Destillerie arbeitet 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche. Im Mai, so haben wir bei unserem Besuch von Site Operations Manager Bruce D. Mackenzie erfahren, werden die beiden Wormtubs (rechts unter dem rauchenden Kamin) erneuert. Und rechts das kleine Haus im Vordergrund ist sein Büro – so wie die Destillerie in der Mitte von Nirgendwo, oder, wie Bruce zu sagen pflegt: „In the middle of everything“.
Auch Frank-Michael Böer, Veranstalter der Finest Spirits in München, blickt auf seine diesjährige Messe zurück (unseren Bericht finden Sie hier). Und weil sie zum zehnten Mal stattfand, hält Frank-Michael Böer kurz inne und blickt auch zurück auf die Anfänge der Finest Spirits – gemeinsam mit denen, die ihn von Anfang an begleiten. Dieses Video finden Sie entweder auf Youtube oder, wie gewohnt, direkt unter unserem Post.
Zwei Spirits, die noch keine Whiskys sind – denn dazu sind sie beide zu jung, werden heute von Serge Valentin verkostet, konsequenterweise ohne Wertung. Zunächst geht es um die bald schon nördlichste Destillerie auf dem schottischen Festland, Wolfburn. Von dort hat Serge einen 20 Monate alten Spirit aus einem Laphroaig-Fass, auf 46% herunterverdünnt (einige Besucher der Wiener Whiskymesse hatten es da übrigens authentischer, es gab dort einen 18 Monate alten Spirit aus dem Bourbonfass und den New Spirit, beide mit 63.5%, zu kosten). Serge findet die Probe leicht zugänglich und vielversprechend.
Der zweite Spirit kommt aus der neuen Adelphi-Destillerie Ardnamurchan. Er ist mit 63% als Sample zu Serge gekommen, und seine Meinung dazu: Dichter, rauer, ebenfalls sehr interessant.
Auch wir bei Whiskyexperts konnten beide New Makes bereits verkosten und meinen, dass die beiden Destillerien sehr unterschiedliche Whiskys produzieren werden, schon allein, was den Ausgangs-Spirit betrifft. Freuen, so unser Eindruck, darf man sich auf beide.
Ardnamurchan im Januar 2015. Fotorechte bei Mark Armin Giesler, Assistant Distillery Manager, Ardnamurchan.
Die Scotch Malt Whisky Society (SMWS), seit einem Jahrzehnt im Besitz von Glenmorangie und damit vonLVMH Moët Hennessy – Louis Vuitton S.A., ist laut einem Bericht von The Scotsman an eine Gruppe privater Investoren verkauft worden.
Mehr als die Hälfte der Anteile der SMWS wird im Rahmen des nicht näher erläuterten Deals in schottische Hände gelangen, und das bisherige Management wird ebenfalls involviert sein.
Laut Marc Hoellinger, CEO der Glenmorangie Company, ist der Verkauf ein Teil der Strategie, sich mehr auf Glenmorangie und Ardbeg zu konzentrieren.
Bacardi hat laut einem Beitrag von Whiskycast seine Intentionen, ins Bourbon-Geschäft einzusteigen, nun umgesetzt und zu diesem Zweck letzten Freitag die Marken von Angel’s Share gekauft, darunter auch Angel’s Envy Bourbon. Zum Deal gehört auch die noch im Bau befindliche Destillerie in Louisville, die im Jahr 2016 in Betrieb gehen wird.
Über den Kaufpreis wurde nichts verlautbart, sicher ist allerdings, dass Angel’s Share als eigenständige Unit weitergeführt wird. Bacardi hatte seit der Gründung im Jahr 2006 durch den früheren Brown-Forman Master Distiller Lincoln Henderson und seinen Sohn Wes Minderheitenanteile an Angel’s Share.
Auf der Website der Isle of Harris Distillery wurde unlängst ein neuer Artikel veröffentlicht. Er stellt Guest Team Manager Shona Macleod vor, die in Hinkunft die Betreuung der Besucher der Destillerie übernehmen wird. Sie stammt von der Insel und hat das Hotelgewerbe gelernt. Sie hat in verschiedenen Hotels und Restaurants in Glasgow gearbeitet, ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Die Isle of Harris Distillery sieht sich als „social distillery“ und will neben ausgezeichnetem Whisky Arbeitsplätze für die lokale Bevölkerung schaffen.