Deutsche Whiskyszene: „Bavarian Pure Pott Still Whiskey“ aus der Feinbrennerei Simon‘s

30 Whiskys, 7 Destillerien, 1 Mälzerei – und dafür genau 3 Tage Zeit: Die WhiskyTour 2015 führte unsere Gastautoren Simon Weiß von whiskyerlebnisse.de und Christian Schrade von Heart-of-the-Run.de an einem langen Wochenende zu den deutschen Whiskybrennern. Das Ziel: Eindrücke, Einblicke und Einsichten von in und über die deutsche Whiskyszene. Ihre Berichte (Text: Christian Schrade) und Bilder darüber bringen wir mit freundlicher Genehmigung der Autoren auch auf Whiskyexperts. Heute: „Bavarian Pure Pott Still Whiskey“ aus der Feinbrennerei Simon‘s.

„Man darf das alles nicht so fanatisch betrachten. Das passt nicht zum Whiskymachen.“ Diese Aussage macht uns Severin Simon von Anfang an sympathisch. Was ist Whisky? Was darf sich Whisky nennen? Und wer entscheidet das eigentlich? Gerade in Deutschland gibt es darüber teils heftige Kontroversen. Insbesondere, wenn es um Whisky aus dem eigenen Land geht. Während wir uns in der Frühlingssonne unterhalten, mit Blick auf seinen Hof und den Weinhang, den Simon bewirtschaftet, wird uns schnell klar – in die Diskussion steigt der Whiskeybrenner gar nicht erst ein. „Letztendlich geht es doch darum, ein gutes Produkt zu machen. Und wenn es den Leuten schmeckt, dann ist doch eigentlich alles gesagt, oder?“

Dram in der Sonne: Simon Weiß und Severin Simon (v. l.). Foto: Christian Schrade
Dram in der Sonne: Simon Weiß und Severin Simon (v. l.). Foto: Christian Schrade

Das Produkt bei Simon‘s, das ist ein Whiskey. Mit e. Eigentlich ungewöhnlich für einen deutschen Gerstenbrand. „Das kommt daher, dass wir uns eher an der irischen Tradition orientieren, zumindest, was die Rohstoffe angeht“, erklärt Simon. Sein Whiskey wird aus gemälzter und ungemälzter Gerste hergestellt, so wie man es von den Destillaten der grünen Insel her kennt. Und da die Iren sich als Alleinstellungsmerkmal für ihren Whisk-E-y irgendwann das zusätzliche „e“ gegönnt haben, steht es jetzt auch bei Simon auf den Flaschen. Etwa 70 Prozent ungemälzte Gerste machen seinen „Bavarian Pure Pott Still Whiskey“ dann auch recht weich und rund – so wie man es eben von einem Pure Pot Still her gewohnt ist. Ob das zusätzliche „t“ ein Druckfehler ist oder Absicht, wie bei den Iren, das bleibt offen. Unverwechselbar macht es seinen Whiskey in jedem Fall.

Feines Paket: Whiskey und Rum aus der Feinbrennerei Simon's. Foto: Simon Weiß
Feines Paket: Whiskey und Rum aus der Feinbrennerei Simon’s. Foto: Simon Weiß

Wobei es Simon nicht allein um Abgrenzung geht, ganz im Gegenteil. Um neue Whisky-Kreationen zu schaffen, holt sich der Brenner auch schon mal Hilfe von seinen Kollegen aus der Gegend. „Wir kooperieren hier seit einigen Jahren sehr erfolgreich“, berichtet Simon. 13 Whiskybrenner sind sie inzwischen, die meisten davon kleine „Abfindungsbrenner“, die pro Jahr nur 300 Liter Alkohol produzieren – was etwa zwei Fässern Whisky entspricht. Das Ergebnis dieser kleinen Kooperative im Kahlgrund – so nennt sich die Gegend um den Fluss Kahl herum: ein eigener, regionaler Blended Whisky. Simons Whiskey macht darin den größten Anteil aus, das Mischungsverhältnis tüftelten die Brenner in mühsamer Arbeit gemeinsam mit der deutschen Whiskykennerin Julia Nourney aus. „Außerdem bieten wir alle gemeinsam einmal im Jahr eine Art Tag der offenen Tür bei uns Brennern an. Da kommen bis zu 20.000 Besucher zu uns in den Kahlgrund“, berichtet Simon mit bodenständigem Stolz. Der nächste Aktionstag am letzten Sonntag im Oktober sei bereits in der Planung, erklärt der Whiskymacher – mit Touren, Show-Destillation, Verkostungen und Genussprogramm. Ein richtiges regionales Whiskyfestival. Wer hätte das hier erwartet, direkt an der hessisch-bayerischen Grenze, unweit von Hanau bei Frankfurt.

Mehr Whiskey seit 2012: Severin Simon und Christian Schrade (v. l.) vor der neuen Brennanlage. Foto: Simon Weiß
Mehr Whiskey seit 2012: Severin Simon und Christian Schrade (v. l.) vor der neuen Brennanlage. Foto: Simon Weiß

Regional bleiben – das ist Severin Simons Devise. „Wir versuchen hier, möglichst viel selbst zu machen und eben nicht von weit weg hinzuzukaufen“, sagt Simon. Eine eigene Wasserquelle für den Whisky, die Brennblase wird mit Holzscheiten aus der Region befeuert. „Nur eben fanatisch darf man das nicht sehen“, wiederholt der Whiskeybrenner. Dass er für die Reifung seines Whiskeys neue Fässer aus deutscher Spessarteiche verwendet, ist daher für ihn auch keine geografische Entscheidung. „Das gibt unserem recht weichen New Make einen gewissen Pepp“, sagt Simon. Klar, dass bei einem Weingut auch Weinfässer im Spiel sind, wenn es um die Holzfasslagerung geht. „Zu 90 Prozent sind das dann Rotweinfässer, Fässer mit Weißweinvorbelegung verwenden wir für den Whiskey recht selten.“ Und der würzig-harzige Nachhall, den man in seinem „Pure Pott Still“ schmecken kann? „Der kommt von den Akazienfässern, in denen auch ein kleiner Teil unseres Whiskeys für wenige Monate reift.“ Wieder so eine für Whiskymacher nicht alltägliche Entscheidung. Schmeckt aber, wie wir finden, wenn auch zunächst etwas ungewohnt auf der Zunge. Und was ist mit Sherryfässern? „Die verwenden wir eigentlich nicht für unseren Whiskey, passt nicht zur Linie. Dafür tun die aber unserem Rum recht gut“, ergänzt Simon, während wir uns bereits die neue Brennanlage der Destillerie anschauen.

„Die haben wir 2012 eingebaut“, berichtet Simon. Seitdem wird auch wesentlich mehr Whiskey produziert als in der Anfangszeit. Die liegt für einen deutschen Whiskybrenner schon recht weit zurück. Anfang der 1990er startete Simon die Destillation aus Getreidemaische. Mehr als 100 Jahre, nachdem sein Ur-Urgroßvater damit begonnen hatte, auf einer kleinen Abfindungsanlage zu brennen. Der alte Mann auf der Whiskyflasche, der ist also keine Werbefigur erfahren wir. Wenn der wüsste, was inzwischen aus der Brennerei geworden ist, wäre er sicher stolz, mutmaßen wir. Zumal so viel in Eigenregie auf dem Hof entsteht.

Gäste können hier bald guten Whiskey angeln: Die Fischbecken sollen zu Warehouses umgebaut werden. Foto: Simon Weiß
Gäste können hier bald guten Whiskey angeln: Die Fischbecken sollen zu Warehouses umgebaut werden. Foto: Simon Weiß

„Es ist einfach immer viel zu tun, da dauern Projekte auch mal länger“, gesteht Simon ein. Nicht schlimm, finden wir. Auch Whisky braucht seine Zeit für die Reifung. Die soll demnächst dort stattfinden, wo jetzt noch Fische im Kreis schwimmen. „Die alten Becken sind fünf Meter tief, ideal, um darin Fässer zu stapeln“, erklärt Simon mit einer gewissen Vorfreude in der Stimme. „Im Dach wird es ein begehbares Glasfenster geben, um auch von oben reingucken zu können.“ Wann es damit losgeht? Dauert noch ein bisschen, wiegelt Simon ab. Jetzt geht es erst einmal auf den eigenen Stand auf der Landesgartenschau – 87 Tage lang Werbung für seine Brennerei. Whiskymachen braucht eben seine Zeit.

Fèis Ìle 2015: Das Programm

Während heute die Whisky Fair in Limburg beginnt (wir wünschen allen Maltheads viel Vergnügen), gibt es jetzt einen wirklich bequemen Service für Whiskyfreunde, die Ende Mai nach Islay fahren: Das gesamte Programm des Islay Festival of Music and Malt 2015 ist nun online auf dieser Site abrufbar, inklusive aller Öffnungszeiten der verschiedenen Destillerien und deren Programm. Wer also plant, das Festival zwischen dem 23. und 30. Mai zu besuchen, findet hier alle Informationen auf einen Blick und an einer Stelle.

Tickets für die einzelnen Veranstaltungen sind bequem von hier aus zu buchen.

Loch Indaal von Port Charlotte aus gesehen. Bild von Calum Hutchinson, Public Domain
Loch Indaal von Port Charlotte aus gesehen. Bild von Calum Hutchinson, Public Domain

Serge verkostet: Glen Spey

Glen Spey. In kaum einer Whiskysammlung wird man Unmengen davon finden, und kaum einer wird davon erzählen, Dutzende Whiskys aus dieser Speyside-Destillerie gekostet zu haben. Auch Serge Valentin bringt es laut eigenen Angaben auf kaum 30 davon, und in seiner Verkostung heute fügt er einige mehr dazu – ohne aber in Jubel über den Geschmack auszubrechen:

  • Glen Spey 2002/2014 (46%, Spirit & Cask Range, refill butt, cask #10150, 298 bottles): 82 Punkte
  • Glen Spey 22 yo 1991/2014 (46%, Coopers Choice, Port finish, cask #6459, 300 bottles): 78 Punkte
  • Glen Spey 20 yo 1991/2012 (48.7%, A.D. Rattray, bourbon hogshead, cask #800860, 256 bottles): 79 Punkte
  • Glen Spey 26 yo 1988/2014 (43.6%, Maltbarn, bourbon, 101 bottles): 85 Punkte
Destillerie Glen Spey.  Bildrechte bei Lars Pechmann.
Destillerie Glen Spey. Bildrechte bei Lars Pechmann.

Video: Neue Glenfiddich-Filme

In der neuen Werbekampagne, die dieser Tage veröffentlicht wurde, versucht sich Glenfiddich ein rebellischeres Image zu geben. Die Kampagne erzählt Meilensteine der Geschichte der größten Destillerie Schottlands, und sie tut dies mit sehr kraftvollen Bildern. Im ersten Clip „Die Glorreichen 10“, wird die Gründung von Glenfiddich gezeigt (Nachtrag: Es scheint, als hätte Glenfiddich das erste Video im Lauf des Vormittags vom Server zurückgezogen):

https://www.youtube.com/watch?v=cDkcrvF2OWI

Film Nummer 2 beschreibt, wie im Jahr 1963 der Single Malt in die USA exportiert wird:

Glina Whisky plant größte Destillerie Ostdeutschlands

Nach einem Bericht der Potsdamer Neueste Nachrichten plant die in Werder an der Havel gelegene Destillerie Glina einen Ausbau zur Verzehnfachung der Kapazität der Brennerei. Michael Schulz will dazu eine 35 x 18 Meter große Halle errichten. Hier ein Auszug aus dem Artikel:

Die neue Halle entsteht gleich neben dem Hofladen mit Restaurant, hat große Fenster und liegt direkt neben den eigenen Getreidefeldern. Die Besucher des Siedlerhofes, zu dem die Destillerie gehört, sollen künftig erleben können, wie das Getreide geschrotet und mit Wasser zu Maische vermengt wird, dann destilliert, gelagert und schließlich nach mehreren Jahren abgefüllt wird. Rund eine Million Euro investiert Michael Schultz dafür. Drei Jahre hat die Planung gedauert, eigentlich sollte die neue Halle schon im Vorjahr gebaut werden. Doch da das Brennen von Whisky nicht als landwirtschaftliche Tätigkeit zählt, musste erst ein Bebauungsplan aufgelegt werden, um im Außenbereich neben dem Siedlerhof zu bauen.

Auch der weitere Ausbau, der nochmals 1.5 Millionen Euro kosten soll, ist im Artikel beschrieben.

Bild: Glina-Whisky
Bild: Glina-Whisky

Der coolste Look: Whisky-Sonnenbrillen

Man muss kein hardcore Whiskyfreak sein, um diese Sonnenbrillen cool zu finden: Auf imgur haben wir einen Beitrag gefunden der zeigt, wie man aus dem Holz eines Whiskyfasses einen Rahmen für Sonnenbrillen herstellen kann.

Das nötige handwerkliche Geschick und das entsprechende Werkzeug vorausgesetzt, sollte die Anleitung in Bildern genügen, um das Projekt nachmachen zu können. Einer modischen Laphroaig- oder Springbank-Brille steht also nichts mehr im Wege…

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Bild: copilotstudios

 

Deutsche Whiskyszene: Aureum – der Whisky der Brennerei Ziegler

30 Whiskys, 7 Destillerien, 1 Mälzerei – und dafür genau 3 Tage Zeit: Die WhiskyTour 2015 führte unsere Gastautoren Simon Weiß von whiskyerlebnisse.de und Christian Schrade von Heart-of-the-Run.de an einem langen Wochenende zu den deutschen Whiskybrennern. Das Ziel: Eindrücke, Einblicke und Einsichten von in und über die deutsche Whiskyszene. Ihre Berichte (Text: Christian Schrade) und Bilder darüber bringen wir mit freundlicher Genehmigung der Autoren auch auf Whiskyexperts. Heute: Aureum – der Whisky der Brennerei Ziegler

Der Fasskeller liegt hier in den oberen Etagen. Weniger Meter vom modernen Lastenaufzug entfernt, geht es von der kleinen Produktionsetage durch eine weiße Tür ins Heiligtum der Brennerei Ziegler. Wer das sehen will, der muss zunächst den Kopf einziehen, um sich nicht am steinernen Deckenbalken zu stoßen. Während wir die Treppen in den dunklen, feuchten Raum hinuntergehen, steigt uns ein sonderbarer Geruch in die Nase. Ein moderig-feuchter Duft kommt uns von den nassen, schwarzen Steinwänden entgehen. Dazwischen umströmen süßlich-fruchtige Aromen unsere Nasen. Typische Warehouse-Atmosphäre eben.

500 Liter flüssiges Gold pro Fass: Brennmeister Jürgen Marré, Simon Weiß und Destillateur Pascal Marré im Fass-"Keller". Foto: Christian Schrade
500 Liter flüssiges Gold pro Fass: Brennmeister Jürgen Marré, Simon Weiß und Destillateur Pascal Marré im Fass-„Keller“. Foto: Christian Schrade

Während wir die großen Sherry- und Portweinfässer bestaunen, erklären uns Jürgen und Pascal Marré, wie darin elementare Bestandteile ihres Whiskys heranreifen. Aureum heißt ihr Produkt, bezogen auf die lateinische Bezeichnung für „golden“. So sieht der Whisky nachher im Glas aber nur aus, wenn er lange genug in den Holzfässern verweilte. Denn: Zuckerkulör, also geschmacksneutraler Lebensmittelfarbstoff, um ein einheitliches Aussehen zu gewährleisten, das kommt bei Aureum nicht in die Flasche. Stattdessen muss sich der Whisky seine Farbe durch den Kontakt mit dem Holz im Fass „erarbeiten“. Je größer das Fass, desto mehr Volumen hat es im Vergleich zur Holzoberfläche. Will heißen: Größere Fässer reifen langsamer. Kein Wunder, das die rund 500 Liter fassenden Behältnisse um uns herum schon fünf Jahre oder länger Whisky beherrbergen.

Bis unter die Decke gestapelt: 800 Fässer und nur noch wenig Platz. Neue Lagermöglichkeiten werden gerade gesucht. Foto: Simon Weiß
Bis unter die Decke gestapelt: 800 Fässer und nur noch wenig Platz. Neue Lagermöglichkeiten werden gerade gesucht.
Foto: Simon Weiß

Was wir uns nur fragen: Wie kommen die großen Brocken denn hier runter in den engen Lagerraum, hinter dessen Wänden sich gleich das angrenzende Erdreich des Hangs befindet, an dem die Gebäude der Destillerie erbaut wurden. Mit einer Mischung aus Lachen und Seufzer deutet Destillateur Pascal Marré auf den linken unteren Rand des Türrahmens. Dort fehlen bereits einige Steine, die eine Fassrundung erkennen lassen. Neue Fässer einlagern – das geht bei Aureum also mit Türrahmen ausbauen und viel Muskelkraft einher. Zusammengefasst: „Fassmanagement ist bei uns brutal aufwendig“, erklärt Jürgen Marré. Natürlich liegt das auch daran, dass der Whisky von Aureum in mehreren Lagerräumen entlang der Brennereigebäude reift. Teils sogar auf der anderen Seite des Mains, der nur wenige Meter von der Destillerie entfernt durch den kleinen Ort Freudenberg fließt.

Um 15.000 Flaschen Aureum pro Jahr abzufüllen, müssen also einige der inzwischen 800 Fässer durch die sehr engen Keller und Hochlager bewegt werden. Zusätzliches Krafttraining brauchen die Mitarbeiter da nicht mehr. Je nach Abfüllung reift der Whisky zunächst jeweils ein Jahr in neuen Fässern aus Allier-Eiche. Das gleiche Destillat wird parallel in neue Kastanienfässer eingelagert. In Liebhaberkreisen ist genau das eines der „Alleinstellungsmerkmale“ von Aureum. Ein Cuvée oder Verschnitt aus diesen beiden Fassarten wird dann anschließend zur Endreifung in andere Fässer umgelagert. Welche dafür ausgewählt werden, ist die große Kunst des Whiskymachens, kommen doch nachher rund zwei Drittel des Geschmacks aus der Holzfassreifung.

Whisky mit Eis? Kann zumindest eine Notlösung sein, wenn er viel zu warm serviert wird. Jürgen Marré und Christian Schrade im Gespräch. Foto: Simon Weiß
Whisky mit Eis? Kann zumindest eine Notlösung sein, wenn er viel zu warm serviert wird. Jürgen Marré und Christian Schrade im Gespräch. Foto: Simon Weiß

Je besser das Fass, desto besser auch der Whisky – etwas vereinfacht zwar, aber so kann man es auf den Punkt bringen. Das richtige Holz auszuwählen braucht Erfahrung und ein glückliches Händchen bei der Beschaffung. Gute Fässer sind zurzeit teuer und rar. Auf Expertise und gute Kontakte ist man bei Ziegler durchaus stolz, das merkt man im Gespräch mit Jürgen und Pascal Marré. Natürlich hat man es durch das Mutterunternehmen WeinWolf beziehungsweise dessen Mutterkonzern, den Wein-Riesen Hawesko, einfacher, an herausragende Fässer für die Whiskyreifung zu gelangen. Besonders zum Vorschein kommt das bei den limitierten Sonder-Abfüllungen, wie bei dem inzwischen vergriffenen Single Malt Whisky, der seit 2008 sechs Jahre lang in Fässern des weltbekannten Weingutes Château d’Yquem lagerte. 809 Flaschen waren da schnell ausverkauft.

Zum Glück ist Nachschub in Sicht, verrät uns Jürgen Marré, während wir uns auf ein paar ausgewählte Proben Aureum in die schweren, braunen Ledersessel neben einer der Brennblasen im Destillations- und Verkostungsraum setzen. Natürlich baut die Brennerei Ziegler auch beim Nachfolger der Sonder-Edition auf Weinfässer mit Weltruhm. Dieses Mal stammen sie aus dem Château Lafite-Rothschild in der Nähe von Bordeaux. Um die 800 Flaschen wird es davon geben, wahrscheinlich mit 47 % vol., damit man den Whisky nicht kühlzufiltrieren braucht. Ab diesem Prozentsatz wirkt der Alkohol als natürliches Anti-Trübungsmittel. So behält der Whisky seinen klaren Charakter, auch wenn er mal etwas kühler wird.

Zu viel Wärme, das ist sowieso keine gute Sache, findet Jürgen Marré. 16 Grad Celsius, das ist seine optimale Trinktemperatur für einen guten Whisky. Da kann man im Notfall auch mal mit einem Eiswürfel nachhelfen, wenn man einen viel zu warmen Dram serviert bekommt, rät Marré. Aufgewärmte Nosinggläser, ähnlich wie die heiße Tasse beim Espresso? „Quatsch. Da kommt der Whisky gar nicht zur Geltung“, wiegelt Marré ab. Man sollte sich beim Whisky eben nicht an kurzlebigen Trends orientieren, rät der Senior-Brennmeister.

Hier wird Aureum destilliert: Die Anlage der Brennerei Ziegler, zwei zusätzliche Brennblasen passen nicht mehr mit aufs Bild. Foto: Simon Weiß
Hier wird Aureum destilliert: Die Anlage der Brennerei Ziegler, zwei zusätzliche Brennblasen passen nicht mehr mit aufs Bild. Foto: Simon Weiß

Wer sich erfolgreich eine Jahrgangs-Range aufbauen will, wie man es bei Aureum vor hat, der sollte sowieso nicht in Jahren denken, sondern besser in Jahrzehnten, lässt Marré seinen Anspruch durchblicken. Und der ist hoch in Freudenberg: Es gehe nicht darum, irgendeinen guten deutschen Whisky zu brennen. Ziel ist es, einen Spitzenwhisky zu kreieren, der es mit anderen Top-Destillaten auf internationaler Ebene aufnehmen kann. „Wir dürfen uns nicht zu sehr auf regionale Grenzen konzentrieren. Solange der Whisky wirklich gut gemacht ist, kann es doch egal sein, aus welchem Land der kommt.“

Bruichladdich: Master Distiller Jim McEwan geht im Juli in Pension!

Paukenschlag aus der Bruichladdich-Destillerie: Master Distiller Jim McEwan wird im Juli dieses Jahres in Pension gehen. Mehr als 52 Jahre hat er im Whiskybusiness gearbeitet, und der Name Bruichladdich ist untrennbar mit ihm verknüpft.

Der Abschied kommt deshalb ziemlich überraschend, weil Jim im Jahr 2013 noch bekanntgegeben hat, weitere drei Jahre bei Bruichladdich zu bleiben (wir berichteten hier) – seine Pensionierung wäre demnach erst 2016 fällig gewesen. Wer ihm als Master Distiller nachfolgt, verrät der Eintrag auf der Bruichladdich Website nicht offiziell, aber Jim erwähnt in seinem Dankesstatement Adam Hannet, wie uns unser Leser morris hinweist – und was nun auch von The Spirits Business bestätigt wird.

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Serge verkostet: Lagavulin 16 und Lagavulin DE

Zwei fast überall erhältliche Standardabfüllungen von Lagavulin sind heute die Kandidaten in einer Verkostung von Serge Valentin – reichlich ungewöhnlich, wo doch sonst meist irgendetwas Exotisches oder Altes dabei ist. Aber uns soll es recht sein, hat diese Verkostung doch dadurch mehr Relevanz. Der Lagavulin 16 aus dem Vorjahr und die Distillers Edition 2014 stellen sich dem Urteil – und beide schneiden dabei gut ab:

  • Lagavulin 16 yo (43%, OB, +/- 2014): 90 Punkte
  • Lagavulin 1998/2014 ‚Distillers Edition‘ (43%, OB, lgv 4/503): 88 Punkte
Die Destillerie Lagavulin. Alle Bildrechte bei Alexander Kohn.
Die Destillerie Lagavulin. Alle Bildrechte bei Alexander Kohn.

Whisky Fair Rhein Ruhr: Der Video-Nachbericht

Gestern am Abend ging es online: Ein fast 15minütiges Video von der Whisky Fair Rhein Ruhr, die am 11. und 12. April stattgefunden hat, ist nun auf Youtube zu sehen – und natürlich auch bei uns. Viel Vergnügen (und einen Blick auf unseren Stand gibt es übrigens gleich am Anfang im Hintergrund auch).

Deutsche Whiskyszene: Fränkischer Whisky aus dem Weingut Mößlein

30 Whiskys, 7 Destillerien, 1 Mälzerei – und dafür genau 3 Tage Zeit: Die WhiskyTour 2015 führte unsere Gastautoren Simon Weiß von whiskyerlebnisse.de und Christian Schrade von Heart-of-the-Run.de an einem langen Wochenende zu den deutschen Whiskybrennern. Das Ziel: Eindrücke, Einblicke und Einsichten von in und über die deutsche Whiskyszene. Ihre Berichte (Text: Christian Schrade) und Bilder darüber bringen wir mit freundlicher Genehmigung der Autoren auch auf Whiskyexperts. Heute: Eindrücke über Fränkischen Whisky aus dem Weingut Mößlein.

Optisch unterscheidet sich das Highlight des Nachmittags von außen kaum von seinen Nachbarn. Innen aber ist Fass Nummer 1 den beiden anderen Eichenholzbehältnissen weit voraus. Darin schlummert seit fast zehn Jahren der bisher älteste Whisky des Weingutes Mößlein. Während uns Noten von Backpflaume, cremiger, dunkler Schokolade, Rosinen und ein dezent würziger Nachhall von Tabak den Gaumen hinunter gleiten, lauschen wir schmunzelnd der Geschichte dieses Whiskys, die uns Seniorchef Reiner Mößlein im niedrigen Gewölbekeller aus Sandstein gerade im übertragenen Sinn ins Glas füllt. Winzer und Whiskybrenner Mößlein kann uns zwar ganz genau sagen, welchen Inhalt alle anderen Fässer haben – und das bis auf die Nachkommastelle genau, wenn es zum Beispiel um die prozentuale Zusammensetzung der Getreidemischung geht. Ein kurzer Blick ins handgeschriebene Fasslagerbuch reicht da aus. Beim ersten Fass allerdings, da bleibt er vage. Dass er darüber wenig erzählen kann, das ist ein kleiner Glücksfall. „Das Fass haben wir 2006 abgefüllt und hat uns von Anfang an nicht richtig gefallen“, erzählt Mößlein. Eigentlich war der zukünftige Whisky fast schon beim Monopol, also auf dem Weg, als Steuerabgabe zu Industriealkohol verarbeitet zu werden. „Und dann haben wir das Fass einfach vergessen.“ So schön kann manchmal ein Versehen sein.
Links Single Malt, rechts Grain Whisky: beide in Rotweinfässern gereift und fünf Jahre alt. Foto: Simon Weiß
Links Single Malt, rechts Grain Whisky: beide in Rotweinfässern gereift und fünf Jahre alt. Foto: Simon Weiß

Womit das Fass vorher belegt war, kann er nicht mehr genau sagen. „Da waren wir mit den Aufzeichnungen noch nicht so genau.“ Das hat sich jetzt aber fundamental geändert. In der Abfindungsbrennerei kommen jährlich aktuell zwei Fässer zum Bestand hinzu. Mehr ist brennrechtlich nicht erlaubt. Maximal 300 Liter reiner Alkohol ergeben bei Mößlein umgerechnet 1.000 Flaschen Whisky. Über den Daumen gepeilt. So kamen in den vergangenen Jahren bisher 18 Fässer zusammen, die im Gewölbekeller und im benachbarten Brennereigebäude direkt neben dem 2010 neu gebauten Shop und Verkostungsraum lagern. Die Gemeinsamkeit bei allen Fässern: In allen lagerte vorher Rotwein – aus eigener Produktion. Seit 1976 wird bei Mößleins Wein angebaut, die Whiskybrennerei gibt es seit 1996. Nächstes Jahr wird 20. Jubiläum gefeiert. „Da füllen wir auch wieder etwas Besonderes ab“, ist sich der Master Distiller sicher. Zum Weinbau kommen noch etwa 25 Hektar eigene Landwirtschaft, vor allem, um Weizen für die Whiskyproduktion anzubauen. Der kommt dann neben etwas Gerste wegen der darin enthaltenen, für die Gärung notwendigen Enzyme in den fünf Jahre alten Grain Whisky. Zusammen mit dem Single Malt sind das die beiden Zugpferde für Mößleins „Fränkischen Whisky“.

Rotwein und Rauch, passt das zusammen? Christian Schrade und Reiner Mößlein im Gespräch (v . l.). Foto: Simon Weiß
Rotwein und Rauch, passt das zusammen? Christian Schrade und Reiner Mößlein im Gespräch (v . l.). Foto: Simon Weiß

Mehrere Fässer werden hier in Zeilitzheim bisher nicht zu Whisky verschnitten. „Bei uns gibt es ausschließlich Einzelfassabfüllungen“, erklärt Mößlein. Für Kenner eine wichtige Information, die aber auf den Etiketten noch nicht zum Vorschein kommt. Dass dem Whisky kein Farbstoff hinzugefügt wird, ist für den Whiskymacher selbstverständlich. Bei diesen Holzfässern braucht es den ehrlich gesagt auch nicht. Nach fünf Jahren hat das Endprodukt einen extrem dunklen, fast schon rotweinfarbenen Schimmer. Nur kühlfiltriert ist der Whisky. Um Trübungen zu vermeiden, wenn das Destillat etwas kälter ist, erklärt Mößlein. Bei der Fassprobe im Keller begeistert uns besonders der Whisky aus ungarischen Eichenfässern, die Mößlein durch einen guten Partner bezieht. Sicher braucht der noch etwas, hat aber schon nach vier Jahren eine intensiv fruchtige Note. Ganz deutlich: Banane und Schokolade. Eine tolle Mischung. Was Mößlein im Keller noch fehlt, sagt er, während er die nächste Probe einschenkt, ist ein rauchiger Whisky. Das Malz ist schon bestellt, kräftig krachen soll es dann später im Glas. Und auch Sherry- und Port-Finishes seien eventuell eine Überlegung wert, macht sich Mößlein Gedanken.

Der braucht noch Zeit (links ein Jahr altes Destillat, rechts zwei Jahre alt). Intensiv fruchtig ist er aber schon, mit einer tollen Bananennote. Foto: Christian Schrade
Der braucht noch Zeit (links ein Jahr altes Destillat, rechts zwei Jahre alt). Intensiv fruchtig ist er aber schon, mit einer tollen Bananennote. Foto: Christian Schrade

Inzwischen sind wir wieder bei Fass Nummer 1 angekommen – der Backpflaume mit dem Tabak-Touch. Ob der Whisky jetzt tatsächlich nächstes Jahr als 10-jährige Jubiläums-Edition auf den Markt kommt, das ist noch nicht ganz sicher. Reif zur Abfüllung ist er allemal. Möglicherweise, so überlegen wir alle drei, wäre er sogar als erste Fassstärken-Abfüllung des Familienbetriebes geeignet. Ob das so kommt, das weiß nur Reiner Mößlein. „Jedes Fass ist ein neues Abenteuer für uns“, sagt der. Seit dem sein Sohn Martin vor kurzem den Betrieb übernommen hat, bleibt jetzt mehr Zeit für Experimente. „Und die machen das Whiskybrennen ja erst so spannend“, sagt der Seniorchef. Da stimmen wir zu, und sind besonders auf die Ergebnisse des Rotwein-Rauch-Experimentes gespannt. Die Mischung klingt ungewöhnlich. Rotwein und Rauch – warum nicht?

Die Fässer lagern im Gewöblekeller des Weinguts. Regelmäßige Proben sind Voraussetzung dafür, einen guten Whisky zu kreieren. Foto: Simon Weiß
Die Fässer lagern im Gewöblekeller des Weinguts. Regelmäßige Proben sind Voraussetzung dafür, einen guten Whisky zu kreieren. Foto: Simon Weiß

Vorbericht zu Limburg auf Mittelhessen.de

Einen Vorbericht zum Hochamt der Whiskyfreunde, der Whisky Fair in Limburg, gibt es heute auf Mittelhessen.de. Die am kommenden Wochenende stattfindende Messe gilt als eine der wichtigsten Whiskymessen in Deutschland und findet mittlerweile zum 14. Mal statt.

Die Ausstellungsfläche wird in diesem Jahr mit einem Großraumzelt in der Fußgängerzone erweitert.

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PR: Alba goes Irish – Hyde Irish Single Malt im Vertrieb von Alba Import

Über einen neuen irischen Whiskey im Vertrieb von Alba Import berichtet eine Pressemitteilung, die wir heute zur Veröffentlichung bekommen haben. Premiere des irischen Single Malts wird auf der Whisky Fair in Limburg am nächsten Wochenende sein. Wir bringen die Pressemitteilung wie üblich in den relevanten Teilen:

Mit Hyde Irish Single Malt Whiskey kann Alba Import das Portfolio um ein Premium Produkt aus Irland erweitern.

Douglas Hyde war der erste Präsident der Republik Irland nach ihrer Unabhängigkeit im Jahre 1922.

Zu seinen Ehren haben Hibernia Distillers, ein neuer Premium Abüller aus West Cork, ihre allererste Whiskey-Abfüllung benannt: „Hyde No. 1 – The Presidents Cask“

Die Besitzer von Hibernia Destillers – Alan und Conor Hyde (nomen est omen) – machen dabei kein Geheimnis daraus, dass es sich bei Ihrem Whiskey um Single Malt handelt, der ursprünglich bei der für ihre Top-Qualität bekannten Cooley Distillery gebrannt wurde.

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Nach 10 Jahren Reifung in frischen Bourbon-Fässern umgefüllt in schwere first class Oloroso Sherry casks und in West Cork schlussgereift, tritt Hyde Whiskey an, die ausgeprägte Fruchtigkeit irischer Malts mit der Komplexität und Schwere bester Sherry Fässer zu kombinieren.

Das Ergebnis ist beeindruckend – weich, üppig, aromenreich, sehr sherry-tönig mit langem Finish.

Hyde Irish Single Malt Whiskey ist zweifach in klassischen Pot Stills destilliert und wird nach seiner Schlussreifung in Small Batch Premium Qualität abgefüllt, also ohne Kühlfiltration, in 46% und natürlich ohne Zusatz von Farbstoff.

Zum Herabsetzen auf Trinkstärke wird frisches West Cork Quellwasser verwendet.

Batch 1  ist auf 5000 Flaschen limitiert, welche einzeln durchnummeriert sind.

 

Die offiziellen Tasting Notes HYDE No. 1 „Presidents Cask“

  • Nose: delightful peaches and cream, vanilla, slightly custard, barley malt softness, with citrus, sweet honey, caramel, vanilla, chocolate, orange, lemon, banana and infused with spices
  • Taste: wonderfully smooth yet complex, creamy yet fruity with notes of caramel and manuka honey, apricot, plumb and a silky malt texture
  • Finish: rich, spicy and oaky, it lingers in the mouth with a long rich finish

„Wir freuen uns, dass wir unser Portfolio nun auch mit einem irischen Premium Produkt ergänzen können – insbesondere vor dem Hintergrund, dass es sich bei Hibernia Distillers um ein unabhängiges, privat geführtes Unternehmen mit höchsten Qualitätsansprüchen handelt – was ja der rote Faden in unserem Sortiment ist.

Schon seit längerem haben wir nach einem passenden Partner in Irland gesucht, der sich konsequent Premium Qualität verschrieben hat und das gewisse „Etwas“ bietet“ – so Geschäftsführer Dietmar Schulz von Alba Import.

Im Laufe des Jahres wird Alba Import „HYDE No. 1“ bei diversen Whisky Veranstaltungen und Messen präsentieren, so dass Whisk(e)yliebhaber sich  Eindrücke von der Qualität dieses neuen Irish Single Malts machen können.

Die offizielle Vorstellung von Hyde No. 1 „Presidents Cask“  in Deutschland erfolgt auf der diesjährigen Whisky Fair in Limburg (25. – 26.04.2015).

Deutsche Whiskyszene: Die Mälzerei Weyermann in Bamberg

30 Whiskys, 7 Destillerien, 1 Mälzerei – und dafür genau 3 Tage Zeit: Die WhiskyTour 2015 führte unsere Gastautoren Simon Weiß von whiskyerlebnisse.de und Christian Schrade von Heart-of-the-Run.de an einem langen Wochenende zu den deutschen Whiskybrennern. Das Ziel: Eindrücke, Einblicke und Einsichten von in und über die deutsche Whiskyszene. Ihre Berichte (Text: Christian Schrade) und Bilder darüber bringen wir mit freundlicher Genehmigung der Autoren auch auf Whiskyexperts. Heute: Mälzerei Weyermann in Bamberg.

„Bei Rotlicht kommen die Käfer aus der Gerste raus“, sagt Karl-Ludwig Rieck und hält die Lampe hoch, sodass man die rote Glühbirne sehen kann. Ist dann nur ein Tierchen in der Schale unter dem Sieb, in dem das Getreide liegt, geht ein ganzer Lastwagen mit Gerstenkörnern zum Lieferanten zurück. Denn da, wo ein Käfer ist, sind in der Regel auch viele seiner Freunde. Qualitätskontrolle, das ist schon eine Wissenschaft für sich in der weltweit größten Spezialmälzerei. Seit 135 Jahren weichen, keimen, darren und rösten die Bamberger auf ihrem aus altehrwürdigen Backsteingebäuden bestehenden Firmengelände Getreide – heutzutage vor allem Gerste und Weizen für die Bier- und Whiskyproduktion.

Käferkontrolle im Labor: "Da geht auch schon mal eine Lkw-Ladung zurück." Foto: Simon Weiß
Käferkontrolle im Labor: „Da geht auch schon mal eine Lkw-Ladung zurück.“ Foto: Simon Weiß

Washington, Wellington, Wladiwostok – das Malz aus Bamberg wird nicht nur in Deutschland von zahlreichen Whiskydestillerien geschätzt, sondern auch an Brenner und Bierbrauer in aller Welt verschickt. Weit über 100 Länder kommen so zusammen, erzählt Rieck, während er mit dem Finger über die große Weltkarte mit hunderten kleiner bunter Stecknadeln fährt. Und dabei sind noch nicht einmal alle aktuellen Kunden auf der Karte verzeichnet. „Wir müssten mal wieder ein paar neue Nadeln verteilen“, meint der Kundenberater, der uns am Vormittag durch die Mälzerei führt.

26 Tonnen pro halbe Stunde: Weyermann-Mitarbeiter Karl-Ludwig Rieck. Foto: Simon Weiß
26 Tonnen pro halbe Stunde: Weyermann-Mitarbeiter Karl-Ludwig Rieck. Foto: Simon Weiß

Während wir im Labor im untersten Stock der Familienvilla zuschauen, wie gerade die aktuelle Lkw-Lieferung an Gerste auf Verunreinigungen, Stärkegehalt und zahlreiche weitere Kriterien überprüft wird, fährt schon der nächste Truck mit Getreide auf den Hof. „Heute werden es wohl sechs Lastwagen werden“, sagt Rieck und klingt dabei so, als wenn das eine Halbtagsportion für den Betrieb ist. Ist ja auch Freitag, versteht sich. 30 Minuten braucht es, bis ein Laster leer ist. 26 Tonnen fließen wie aus dem Wasserhahn in ein Loch im Boden auf dem Hof und werden dann mit Förderbändern zur Reinigung geschickt. Dann folgt das Weichen.

Bevor aus Maische Whisky wird, muss aus Malz und Wasser Maische werden. Und wie man aus Getreide und Wasser Malz macht, das können wir eindrucksvoll im sogenannten Keimkasten sehen. Der liegt hinter einer massiven Stahltür, die mit einem großen Hebel geöffnet werden muss, und sieht wie ein großes Schwimmbecken aus. Darin ruhen 120 Tonnen Gerste, übereinandergeschichtet auf 1,30 Meter Höhe, und keimen in Ruhe vor sich hin. Ganze fünf Tage lang dauert das, bei extrem hoher Luftfeuchtigkeit. Schwimmbadatmosphäre halt. Damit die Keimlinge sich nicht ineinander verhaken wie Grassamen, die zu einer festen Rasendecke verwachsen, muss regelmäßig umgeschichtet werden. Das passiert mit einem langen Stahlrahmen, an dem sich zahlreiche Rührschnecken befinden – ähnlich wie bei einem elektrischen Teigrührer für die Küche. „Wenn wir das nicht regelmäßig machen, wächst das schneller zusammen als man gucken kann“, sagt Rieck. Damit das nicht passiert, sichern Notstromversorgung und ein hauseigener Rund-um-die-Uhr-Elektriker-Service die riesige Gerstenmenge. Bei rund 500 Euro Wert pro Tonne durchaus verständlich.

Ist die Gerste „fertig gekeimt“, hat sie also die für die Vergärung nötigen Enzyme gebildet, wird der Keimungsprozess in großen Trocknungskammern, den Darren, unterbrochen. Denn für die Whiskyproduktion muss noch genügend Malzzucker im Korn übrig bleiben. Wartet man zu lange, geht zu viel Kraft bei der Bildung des Keimlings verloren. Gedarrt wird mit heißer Luft, bei Weyermann auch mit Buchen- und Eichenrauch. „Torf gibt’s bei uns nicht in der Darre“, das kommt bei Rieck wie aus der Pistole geschossen. Man merkt, wir sind nicht die ersten, die danach fragen. „Das sollen lieber die Schotten machen, die haben damit mehr Erfahrung“, gesteht unser Tour-Guide. „Außerdem wäre es viel zu aufwändig, den Torfrauch wieder aus unseren Anlagen zu bekommen. Das setzt sich regelrecht fest.“

Röstmalz, dunkel wie Kaffeebohnen: würzig, angenehm bitter, fruchtig und getreidig. Foto: Christian Schrade
Röstmalz, dunkel wie Kaffeebohnen: würzig, angenehm bitter, fruchtig und getreidig. Foto: Christian Schrade

Stattdessen haben sich die Bamberger auf etwas anderes spezialisiert: Geröstetes Getreide, sogenanntes Röstmalz, das ähnlich wie beim Rösten von Kaffeebohnen in riesigen Trommeln erhitzt wird – bei Weyermann fast so hoch, dass es sich ohne Rotation selbst entzünden würde. Das Ergebnis: kleine, dunkelschwarze Körner, die teils starke Gewürz- und Bitteraromen aufweisen, zusammen mit intensiven Frucht- und Getreidenoten, die sich beim Knabbern des Malzes langsam im Mund entfalten. Bringt man das gekeimte Getreide direkt in die Rösttrommeln, ohne es zu darren, schmilzt der Malzzucker direkt im Korn. Voilà: karamellisiertes Malz.

Neue Brennanlage im Besucherzentrum: Platz für mehr als 550 Liter Maische. Foto: Simon Weiß
Neue Brennanlage im Besucherzentrum: Platz für mehr als 550 Liter Maische. Foto: Simon Weiß

Neben „normal“ gemälzter Gerste werden letztere Spezialvarianten auch gerne in geringen Mengen von Whiskybrennern für ihre Maische verwendet, berichtet Rieck. Das gibt dem Destillat hinterher besondere Karamell- und Rauchnoten. Die erzeugen die Bamberger seit wenigen Wochen auch in der eigenen Whiskydestillerie. Diese steht hochglänzend und vollständig aus Kupfer gefertigt im Besucherzentrum und wurde bisher nur zwei Mal benutzt. 550 Liter Volumen fasst die Brennblase, 90 Prozent Rauchmalz und 10 Prozent karamellisiertes Malz ist das Mischverhältnis für den bisherigen Hausstil. Wie viel der 95.000 Tonnen Malz der Jahresproduktion dann dort destilliert werden sollen, das kann Rieck noch nicht sagen. Im neuen, noch leeren Fasslager ist aber reichlich Platz. Zeit, eine Stecknadel für Bamberg auf der deutschen Whiskykarte hervorzukramen.