Wie wir bereits vor einiger Zeit berichteten, hat Master Distiller John Lunn George Dickel (Diageo) verlassen. Nun ist auch bekannt, welches sein neuer Arbeitgeber wird, und das ist eine kleine Überraschung: Lunn wird als Master Distiller bei Popcorn Sutton Distilling beginnen. Firmen-CEO Megan Kvamme über John Lunn: „Mit seiner Liebe zur Authentizität ist John Lunn der ideale Mann für uns“.
Popcorn Sutton Distilling ist ein Whiskey Startup in Newport, Tennessee, und ist nach einem gewissen Marvin “Popcorn” Sutton benannt, der im Jahr 2009, nach dem Auffliegen seiner illegalen Destillerie, Selbstmord beging. Nach seinem Tod begann die Firma ihre Tätigkeit, die bislang auf Moonshiner, also ungereiften Whiskey spezialisiert war. Sie war, so berichtet Casa Grande Dispatch, schon in Rechtsstreitigkeiten mit Jack Daniel’s verwickelt, weil sie ihren Moonshiner in rechteckigen Flaschen abfüllte statt in runden Krügen und dies zu sehr an die von Jack Daniel’s erinnerte.
Glenglassaugh Torfa Highland Single Malt Whisky 0.7 Liter, 50% Verkoster: Klaus Doblmann Sample: Privatsammlung
Nase: Die Nase erzählt eine Geschichte von einem sehr jungen, rauchigen Whisky: Der dominierende Torfrauch mit Lagerfeuernoten (demnach Mainland-Torf) macht einen halbwegs guten Job um den jungen Charakter des Destillats zu verstecken. Die sich dahinter verbergenden Aromen sind anfangs sehr dezent und mit leichter Süße von ehemaligen Bourbonfässern. Es finden sich Noten von mit Vanille angereichertem Honig, deutlicher Ingwer, weißer Pfeffer, Orangenschale mit Anflügen von Eukalyptus und Menthol.
Gaumen: Der Gaumen schreibt die Geschichte, welche die Nase begann, fort: Eine leicht metallische Jugend, New Make, Lagerfeuerrauch, verdünnter Honigsirup, Orangenzesten, Ingwer, bittere Küchenkräuter, Malzcerealien (gepresste Malzflocken?). Noch deutlich jung im Herz (oder grün hinter den Ohren). Die Aromen hüpfen herum wie ein junges Kind, sie sind noch nicht gesetzt und gefestigt, wie es die Erziehung und Zeit mit sich bringen. Wasser verträgt der Glenglassaugh Torfa trotz seiner 50% nicht wirklich, dazu ist die Aromenstruktur zu fragil – er hat Wasser aber auch gar nicht nötig, ist trotz seiner 50% gut trinkbar.
Finish: Der Abgang eröffnet mit einer Wucht an Gewürzen und Kräutern just im Moment des Schluckens um dann mit deutlich leichteren Noten den Rest des Weges zu bestreiten. Rauch ist ebenfalls deutlich spürbar vorhanden. Mit der Zeit entwickelt sich eine leichte Süße, aber immer gepaart mit Kräutern und Gewürzen. Lang anhaltend, aber ohne große Komplexität.
Alles in Allem: Zwischen 1986 und 2008 war die Destillerie Glenglassaugh geschlossen mit ungewisser Zukunft, bevor sie wiedererweckt und schließlich im Jahre 2013 von BenRiach aufgekauft wurde. Da ist es nur logisch, dass wir hier einen sehr jungen Malt im Glas haben, maximal 5 Jahre alt, realistischerweise, dem Eindruck nach, eher 3-4 Jahre. Nunja, junge (wiedereröffnete) Destillerien brauchen Cash-Flow um zu überleben – also wird logischerweise blutjunger Whisky verkauft. Im Falle des Glenglassaugh Torfa ist es ein junger, stürmischer, stark rauchiger Malt. Nicht überaus komplex, aber ein schöner daily dram für Maltheads und preislich nicht völlig daneben kalkuliert, sodass man durchaus gerne zugreifen und die Destillerie für die Zukunft – und damit für die Herausgabe von älteren Whiskies – unterstützen kann. Von uns ein Gut.
Mark Reynier, ehemals Bruichladdich und nun bald mit seiner eigenen Destillerie in Irland unterwegs (siehe unser Bericht hier), meldet sich in der Debatte um die rückläufigen Scotch-Verkäufe im Vereinigten Königreich nun zu Wort. Er meint, dass die hohe Steuer nicht der Grund dafür sei und die Debatte darüber verfehlt.
In einem Artikel auf Herald Scotland, der unter anderem auch auf The Spirits Business zitiert wurde, sieht er den Hauptgrund des Rückgangs in der Vernachlässigung des Heimatmarktes durch die schottische Whiskyindustrie, die mittlerweile 90% der Produktion auf andere Kontinente liefert. Und diese Vernachlässigung fände schon seit den Siebzigerjahren statt.
Zudem meint Reynier, dass es nicht Aufgabe der SWA sei, für die gesamte Branche eine Kampagne zur Steuerreduktion zu führen. Überhaupt seien ja die Verkäufe von Vodka, Gin und Rum durch die Decke gegangen – das Problem liege also offensichtlich nur bei Scotch und nicht bei der Steuer.
Mark Reynier will mit seinem neuen Unternehmen die großen Konzerne herausfordern, deren Strategie seiner Meinung nach verfehlt ist. Statt immer mehr standardisierte Ware und Whisky mit Geschmackszugaben zu produzieren, solle man sich auf die Stärken von Whisk(e)y konzentrieren. Das, so Reynier, habe er mit seiner neuen Destillerie vor.
Eine so einfache wie irgendwie geniale Idee hat es auf Kickstarter geschafft, ausreichend Geld aufzustellen, um in Produktion zu gehen: Die Pinocchio Barrique Bottle ist eine aus europäischer Eiche hergestellte Flasche, die Spirituosen in wenigen Tagen mit einer eigenen Note ausreifen lässt. Laut Angaben der Erfinder entsprechen 10 Tage ganzen sechs Monaten im Fass.
Ob man die Flasche nun als „Virgin Oak“ verwendet oder zum Beispiel zuvor mit Sherry präpariert, bleibt jedem selbst überlassen. Jedenfalls soll sie für alle Spirituosen mit mehr als 12% Alkohol geeignet sein – und mehrfach verwendbar.
Wer also ein wenig mit eigenen Finishes experimentieren will, findet in dieser Holzflasche ein wirklich innovatives und interessantes Spielzeug, mit dem man seiner Fantasie freien Lauf lassen und eigene Geschmacksnuancen für sich und seine Freunde schaffen kann.
Auf der Kickstarter-Seite findet sich übrigens auch ein Video, das die Idee gut und ausführlich erklärt.
Passend zum St. Patrick’s Day hat Serge Valentin heute einige Bushmills aus Irland verkostet. Zwei Originalabfüllungen sind dabei, und auch zwei Unabhängige. Die Bewertungen reichen von ok bis wow, wobei die beiden offiziellen Bottlings ganz gut abschneiden:
Bushmills 16 yo (40%, OB, Irish single malt, +/-2014): 82 Punkte
Bushmills 21 yo (40%, OB, Madeira finish, +/-2014): 82 Punkte
Columban of Iona 23 yo 1991/2014 (57.5%, The Stillman’s, Irish single malt, bourbon barrel, 231 bottles): 91 Punkte
Irish Single Malt 2003/2014 (49.5, Whisky-Fässle, hogshead): 78 Punkte
Beim letzten Whisky ist sich Serge übrigens nicht ganz sicher, ob es tatsächlich Bushmills ist…
Bushmills im Co. Antrim gehört seit 2014 der mexikanischen Tequila Dynastie Beckmann. Alle Rechte vorbehalten. Copyright Ernst J. Scheiner 2015.
Der Whiskeyboom in den USA beflügelt die Branche: Laut einem Bericht im Lexington Herald wird Brown Forman zusätzlich 20 Millionen Dollar in die Old Forester-Destillerie und das Besucherzentrum investieren (30 Millionen waren bereits fix eingeplant). Diese Investition wurde durch das zweistellige Wachstum der Marke möglich.
Zusätzlich wurde verlautbart, das Campbell Brown, ein Mitglied der Familie, die Destillerie leiten wird.
Wir wünschen unseren Lesern einen wunderschönen und wundersam grünen St. Patrick’s Day! Seien Sie heute so irisch, wie Sie nur können – mit gutem irischen Essen, einem irischen Bier und einem irischen Whiskey.
Und wenn Sie gerne genau wissen wollen, was St. Patrick’s Day eigentlich ist, dann lassen Sie es sich von irischen Kindern erklären: 🙂
In der Märkischen Onlinezeitung wurde heute unter dem Titel „Der raue Preuße wird fünf“ ein Artikel zum 5. Geburtstag der Preußischen Whiskydestillerie veröffentlicht. In ihm erzählt Brennmeisterin Cornelia Bohn die Geschichte der jungen Destillerie und über ihre Liebe zum Whisky. Im Artikel steht auch zu lesen, dass Cornelia Bohn ab diesem Jahr die Whiskyproduktion hauptberuflich betreiben wird:
Wegen der wachsenden Nachfrage gibt sie ab Juni ihren Job in einer Apotheke auf und widmet ihr Leben nun ganz der mit viel Liebe und familiärer Hilfe aufgebauten Brennerei … Ob sie künftig von der Produktion leben kann, zeigen die kommenden Jahre. „Wir leben in der Uckermark und mit unserem Lebensstandard nicht auf der großen Spur“, sagt Cornelia Bohn. „Aber bereut habe ich meinen Whiskytraum nie.“
Eine schöne Vertikale von Knockando stand auf dem Programm der Verkostung von Serge Valentin – bunt gemischt mit Originalabfüllungen und Unabhängigen, alten und neuen, Reifen und Jüngeren. Und diesmal ist etwas passiert, dass laut Serge bei solchen gemischten Vertikalen nicht oft vorkommt: die offiziellen Bottlings haben in Summe doch deutlich gewonnen. Aber sehen Sie selbst:
Knockando 12 yo 2000 (43%, OB, +/-2014): 80 Punkte
Knockando 1972/1984 (43%, OB, 75cl): 80 Punkte
Knockando 1970/1982 (43%, OB, 75cl: 80 Punkte
Knockando 15 yo 1997 (43%, OB, +/-2013): 83 Punkte
Knockando 1963/1985 ‚Extra Old Reserve‘ (43%, OB): 88 Punkte
Knockando 14yo 1994/2009 (50%, Douglas Laing, OMC, bourbon barrel, cask #4863, 357 bottles): 70 Punkte
Die Whisky’n’More ist vorbei, und die ersten Nachberichte dazu tauchen in der Presse auf. Zwei Artikel mit diesem Thema sind gestern bereits online gegangen: In der WAZ gibt es einen bildlosen Artikel mit positivem Tenor, und in Hallo Herne einen weiteren, diesmal mit einer Fotostrecke. Und wer sich für unsere ersten Eindrücke interessiert, der kann unseren kleinen Rundgang vom Freitag hier nachlesen.
Ein kurzer Reminder unsererseits: Wer es gar nicht mehr erwarten kann, bis der Arran 18yo, die bislang älteste Abfüllung aus der Destillerie und der letzte in der Vintage-Trilogie (16, 17 und 18 Jahre) auch bei uns in den Fachhandel kommt, der hat ab Montag die Möglichkeit, die Abfüllung direkt im Online-Shop von Arran zu bestellen.
Sollte sich nicht in der letzten Zeit etwas geändert haben, so gibt es diese Möglichkeit für unsere deutschen Leser und jene aus der Schweiz – die Österreicher müssen sich wohl noch gedulden; ein direktes Bestellen ist für sie wohl nach wie vor nicht möglich.
Aus der Highland-Destillerie Glengoyne kommt die Abfüllung, die Ralfy heute in seinem Video verkostet: Der Glengoyne 21yo. Abgesehen davon, dass er für einen 21jährigen mittlerweile eher in der gemäßigten Preiszone zu liegen kommt (etwas über 100 Euro) und schon damit Pluspunkte sammeln kann, ist er auch noch ansprechend verpackt. Und der Inhalt? Nun, laut Ralfy ist auch der beachtlich: 91 von 100 Punkten erhält er in dem knapp halbstündigen Video, das Sie auf Youtube oder gleich hier sehen können:
Wie vielfältig Schottland sein kann, wissen alle, die das Land bereits etwas ausgiebiger bereist haben. Einen guten Eindruck davon gibt auch diese Bildstrecke auf Buzzfeed, die in 14 Aufnahmen Plätze und Gebäude zeigt, die man im ersten Moment nicht mit Schottland assoziieren würde. Die Bildunterschriften geben nähere Informationen zu den jeweiligen Bildern.
Einen wunderschönen Sonntag wünschen wir, wie immer mit Videos über Whisky oder Schottland. Heute haben wir uns die Mitte der Highlands ausgesucht – und zeigen zunächst einen kurzen Film über einen Besuch bei der höchstgelegenen Destillerie Schottlands, Dalwhinnie (sie können ihn auch auf Youtube ansehen).
Und dann gibt es heute ein zweites Video, das in der Tradition der beschaulichen Bahn-Videos steht. In zwanzig Minuten, hier oder auf Youtube, zeichnet es die Bahnreise zwischen Dalwhinnie und Tomatin mit dem „Caledonian Sleeper“ nach – und es bietet vor allem eines: Landschaft. Erwarten Sie sich also keine Action, sondern Highlands unfiltered.