Destillerie Tormore, Foto von Tasma3197, CC-Lizenz
Sie wird gerne übersehen, die Speyside-Destillerie Tormore. Sie wurde 1958 in Grantwon-on-Spey gebaut und von dem Architekten Sir Arthur Richardson geplant. Trotz ihres geringen Alters steht sie bereits unter Denkmalschutz. Dass sie gerne übersehen wird, liegt also nicht so sehr an ihrem Aussehen, sondern wahrscheinlich auch daran, dass die Destillerie nicht gerade viel unternimmt, um mit der restlichen Welt in Verbindung zu treten. Die Whiskys aus ihr sind allerdings Botschafter genug – sehr schön fruchtig und dennoch eigentlich schwer für Speysider. 2 Tormore hat Serge Valentin von Whiskyfun heute verkostet, und beide gut bewertet:
Tormore 14 yo 1998/2013 (50%, Gordon & MacPhail, Exclusive for the Whisky Mercenary, first fill bourbon barrel, cask #1586, 277 bottles): 87 Punkte
Tormore 1988/2012 (55.4%, Malts of Scotland, sherry butt, cask #MoS 12043): ebenfalls 87 Punkte
Das Jahr neigt sich wieder dem eher ungemütlichen Teil zu. Es wird kühler, nasser, dunkler – also irgendwie schottischer. Whiskygenießer haben durchaus Grund, sich auf diese geänderten Bedingungen zu freuen – passen sie doch herrlich zu den eher rauchigen Whiskys, die vor allem, aber nicht nur, von der Insel Islay kommen. Unsere Empfehlung für den Whisky des Monats sind daher zwei „Rauchbomben“ aus Islay, die in unterschiedlichen „Schwierigkeitsgraden“ daherkommen. Empfohlen werden sie von unserem Redakteur Bernhard Rems.
Die Rauchbombe für Einsteiger: Bruichladdich Port Charlotte 10 Heavily Peated (46%)
Damit wir uns verstehen: Dieser Whisky ist kein „Einsteigerwhisky“, was die Rauchigkeit anbelangt. Da ist er potent und mächtig. Die 10 Jahre, die er im Fass gelegen hat, haben ihn sehr rund und ausbalanciert gemacht; dass er auf 46% herunterverdünnt wurde, tut ihm keinen wirklichen Schaden. Er beginnt in der Nase mit jeder Menge Rauch wie von einem heruntergebrannten Lagerfeuer. Am Gaumen kommt dann der Geschmack des Meeres dazu, im Abgang wechselt er wieder mehr zu Tabak und einer gewissen Süße. Insgesamt zeigt er einen sehr prononcierten Islay-Charakter, Salzigkeit und hält sich in keinen Belangen zurück. Mit ca. 40 Euro zählt er auch zur Klasse der leistbaren Whiskys – und ganz bestimmt zu jener, wo Preis und Leistung in einem guten Verhältnis stehen. Man findet ihn in jedem halbwegs gutsortierten Fachgeschäft.
Die Rauchbombe für Fortgeschrittene: Bruichladdich Port Charlotte PC 10 Tro Na Linntean (59.8%)
Der große, böse Bruder. Sehr groß, sehr böse. Leider auch schon sehr teuer geworden. Vor einem Jahr, als er am Markt erschien, konnte man seiner um knapp 80 Euro habhaft werden. Jetzt zahlt man für ihn zwischen 150 und 200 Euro. Für sein Geld bekommt man da einen unglaublich kräftigen Islay-Whisky, dagegen schmeckt selbst ein Octomore zahm und brustschwach (naja, der Octomore kann schon auch etwas, wenn es um Rauchigkeit geht). Insgesamt 6000 Flaschen wurden vom Tro Na Linntean aus American Oak Casks abgefüllt – er wird bald aus dem Handel gänzlich verschwunden sein…
Nach einem Bericht in The Scotsman.com hat Grants im Jahr 2012 satte 1.02 Milliarden Pfund Verkaufserlöse eingefahren, ein Plus von 1.4% zum Vorjahr. Zwar sank der Gewinn etwas (-1.% auf 124.6 Millionen Pfund durch Investitionen in die globale Infrastruktur), aber Stella David, CEO des Familienunternehmens, zeigt sich rundum zufrieden.
Zu Grants gehören neben Glenfiddich, The Balvenie, Tullamore Irish Whiskey und Grant Blended Scotch auch der Blend Monkey Shoulder sowie andere Alkoholikas wie Hendrick’s Gin, Sailor Jerry Rum, Reyka Vodka, Solerno Blutorangen-Likör und Milagro Tequila.
Glengoyne Distillery, Bild von K. Schwebke unter CC-Lizenz
Unter Whiskyfreunden genießt die Highland-Destillerie Glengoyne einen guten Ruf: Sie ist in Privatbesitz, arbeitet nach traditionellen Methoden mit lokalen Grundstoffen und verarbeitet selbst. Die daraus resultierenden Whiskys sind grundsolide, ehrlich und so ziemlich der Inbegriff dessen, was ein traditioneller schottischer Festland-Whisky sein soll.
Wenn man die Website von Glengoyne besucht, dann kann man dort sehr viel über den Herstellungsprozess erfahren – und zwar ausführlich, klar dargestellt und interessant aufbereitet. Eine Reihe von Artikeln und Videos (sie beginnen hier) machen den Ablauf der Whiskyerzeugung verständlich – und sie geben Einblick in jene Dinge, die die Unterschiede in der Qualität von Whisky ausmachen. Wer etwas Englischkenntnisse besitzt, den laden wir ein, unserem Link zu folgen und die Präsentation auf der Glengoyne Website zu verfolgen – es zahlt sich wirklich aus…
Nach Glenmorangie startet nun auch The Glenlivet eine Initiative, bei der Whisky-Interessierte über eine kommende Abfüllung abstimmen können. Registrierte Benutzer, die „The Guardians of The Glenlivet„, können zwischen drei von Master Distiller Alan Winchester ausgewählten Whiskys wählen:
Classic
Noten von Honig und Karamell, aufgrund der Verwendung von spanischen und amerikanischen Eichenfässern
Exotic
Ein dunkler und tiefer Geschmack wird durch die Verwendung von Sherry Fässern entwickelt
Revival
Die Refill Bourbon Fässern liefern einen Hauch von Vanille, frischen Früchten und Crème brûlée
Diese drei Whiskys gehen auf eine weltweite Tour und werden bei Verkostungen in Dutzenden von Ländern präsentiert (Australien, USA, Großbritannien, Indien, Südafrika und Japan, um nur einige zu nennen). Auf der The Glenlivet Website wurde ein Bereich ausschließlich für die Guardians erstellt, in dem sie ihre Stimme den Guardians’ Chapter abgeben können. Nach der abschließenden Verkostungs-Veranstaltung im Dezember werden die Stimmen gezählt und der Gewinner-Whisky verkündet. Eine limitierte Auflage des ausgewählten The Glenlivet Guardians’ Chapter von 2000 9-Liter Cases wird weltweit ab Februar 2014 auf den Markt kommen.
Caperdonich Destillerie (jetzt abgerissen), Foto von Potstill.org
Caperdonich, eine Lost Distillery aus der Speyside, zählte vor einem Jahr noch zu den leistbaren Losts auf diesem Planeten. Seit diesem Sommer beginnen die Preise etwas anzuziehen – besonders für die älteren Abfüllungen vor 1990. So gehören die Abfüllungen von 1977, die Serge Valentin von Whiskyfun heute verkostet, nicht zu den billigen. Eine davon ist sowieso schon im Jahr 2000 auf den Markt gekommen, also faktisch nur mehr über Auktionen oder von Sammlern beziehbar, die andere, eine Cadenhead-Abfüllung aus diesem Jahr, kostet über 300 Euro. Und was können sie? Laut Serge einiges, denn die Wertungen sind doch positiv:
Caperdonich 22 yo 1977/2000 (46%, Cadenhead, Original Collection, 348 bottles): 85 Punkte
Caperdonich 35 yo 1977/2013 (50.2%, Cadenhead, small batch, sherry butt, 384 bottles): 87 Punkte
Den Geschmack der Cadenhead-Abfüllung beschreibt Serge übrigens als: Kastanienhonig mit Slivovitz, Crème de menthe und Schokolade. Na dann … 🙂
Gleich bei Lindores Abbey nahe Fife, dort, wo 1494 zum ersten Mal die Whiskyproduktion urkundlich erwähnt wurde, plant die Famile Smith laut einem Bericht von „The Scotsman“ eine neue Destillerie. Dort, wo Friar John Cor „acqua vitae“ (sic) für den König herstellte, möchte Andrew McKenzie Smith mit 5 Millionen Pfund (die er von Investoren zu erhalten gedenkt) eine Destillerie samt Besucherzentrum eröffnen. Keine schlechte Idee, denn schon Michael Jackson bezeichnete den Ort als „Pilgerstätte für Whiskyliebhaber“.
Die Überreste von Lindores Abbey. Foto von Bubobubo2, GNU-Lizenz
Die Destillerie soll in der Nähe der Ruine der Abtei errichtet werden, verwendet werden sollen lokale Gerste und Wasser aus dem Brunnen der Abtei. Die Abtei selbst soll mit Hilfe von Historic Scotland ebenfalls renoviert werden. Zudem ist geplant, auch einen Gin herzustellen.
Grundsteinlegung soll in 18 Monaten sein, man hofft, vier oder fünf Jahre später den ersten Whisky in die Regale bringen zu können. Einen offiziellen Namen für die Destillerie gibt es noch nicht. Wir halten Sie auf dem Laufenden.
Auch an Destillerien nagt der Zahn der Zeit – und wo das geschieht, dort muss hin und wieder renoviert werden. So wie jetzt bei Springbank – wo es aber aktuell nicht das Gebäude selbst betrifft, sondern „nur“ den Hof. Der Zugang zum Filling-Store ist bei dieser Campbeltown-Destillerie gerade nicht möglich, ansonsten aber geht der Betrieb ungestört weiter…
Unser Autor Reinhard Pohorec ist nicht nur ein ausgewiesener Whiskykenner, sondern auch ein kreativer Bartender, der international vielbeachtete Cocktails kreiert (zuletzt in der American Bar im Savoy, London). Einer davon hat es nun auf Liquor.com geschafft – vorgestellt von Bar-Legende Gaz Regan. Und natürlich können wir Ihnen diese Komposition von Reinhard namens „Wildbret“ nicht vorenthalten:
Mit handgeschnitztem Eis kalt rühren, anschließend in eine vorgekühlte Coupette oder Cocktailschale abseihen und mit einer Zitronenzeste parfümieren und garnieren.
18 Monate lang führten Burn Stewart Distillers für ihren Blend „Black Bottle“ eine weltweite Konsumenten-Forschung und Design-Entwicklung durch. Nun präsentieren sie die Umsetzung der Ergebnisse. Wie The Spirit Business berichtet, kehrt „Black Bottle“ wieder zu seinen Wurzeln aus dem 19. Jahrhundert zurück. Der Blend wird wieder, wie bis 1914, in einer schwarzen Flasche abgefüllt. Damals musste die schwarze Flasche einer dunkelgrünen weichen, da die Lieferung dieser aus Deutschland aufgrund des 1. Weltkrieges eingestellt wurde. Das Blending wird sich mehr an der ursprünglichen Rezeptur orientieren, diese präsentierte Blumen- und Holzaromen gepaart mit Frucht, Rauch, Honig und Muskat Das heißt, er wird weniger Islay enthalten, dafür eine „Rückkehr zu seinen Nord Ost Wurzeln“, also einen größeren Anteil an Speyside-Malts.
Ab Oktober wird wird die neue schwarze Black Bottle erhältlich sein, die UVP liegt bei etwa 18 £.
Es tut sich was in Österreich: Die 1. österreichische Whiskydestillerie erweitert ihr Sortiment. Jasmin Haider (im Bild rechts), ausgebildete Destillateurin und seit 3 Jahren für das Marketing der von ihren Eltern gegründeten Familiendestillerie Waldviertler Whisky J.H. verantwortlich, war an der Kreation der drei neuen Abfüllungen, die im September vorgestellt wurden, maßgeblich beteiligt. Sie meint: „Speziell an der neuen Serie RARE Selection ist, dass die Whiskys in verschiedenen gebrauchten Fässern gelagert werden. Die Geschmacksnoten, Aromen und Farbstoffe, die durch diese Vorbelegungen im Fass bleiben, werden vom Whisky aufgenommen und bereichern in Kombination mit den einmaligen Nuancen der heimischen Eiche das Geschmackserlebnis“.
Drei neue Abfüllungen sind erhältlich:
RARE Selection Single Malt J.H. : Gelagert im Wineskyfass
100% Gerstenmalz, hell geröstet. 7 Jahre gelagert in einem gebrauchten Winesky Fass (Traubenedelbrand, 46 %Vol.);
Fruchtige Süße mit herben Karamell- und Bitternoten, malziger Abgang
RARE Selection Single Malt J.H.: Gelagert im Süßweinfass (TBA Riesling)
100% Gerstenmalz, hell geröstet (46% Vol.). 5 Jahre gelagert in einem gebrauchten TBA Riesling Weinfass von Schloß Gobelsburg;
Karamellaromen, fruchtig, malzig milde Note im Abgang
Special Rye Malt Selection J.H.: 100% Roggenmalz, dunkel geröstet (46% Vol.); 6 Jahre in Manhartsberger Sommereiche gelagert.
Durch den höheren Alkoholgehalt intensiver im Geschmack, sehr malzig, einzigartige schokoladige Nougatnote
Raymond Stewart von der Kentraw Farm erntet die Gerste auf Richard Macaire’s Foreland Estate. Bild von Bruichladdich
Mit ihrer Abfüllung „Islay Barley“ hat Bruichladdich den ersten zu 100% aus Islay-Gerste bestehenden Whisky gebrannt (später dann zog Kilchoman mit dem 100% Islay nach). In einem Blogbeitrag beschäftigt sich Bruichladdich nun mit der Tradition des Gersteanbaus auf der Insel, der nicht so eindeutigen Historie, die industrielle Revolution, den Crinan Canal und den Excise Act von 1823. Ein wirklich lesenswerter Artikel mit viel Hintegrundinfo.
Der Ausblick ist nicht übel, die Umgebung für Islay-Liebhaber mehr als ideal: Das Ardbeg Seaview Cottage nimmt jetzt Buchungen für 2014 entgegen. Bis zu 6 Erwachsene können in drei Schlafzimmern untergebracht werden – und diese Unterbringung erfolgt im Herzen der Destillerie. 220 Pfund pro Tag (Minimum 2 Tage) mögen jetzt einmal nach sehr viel klingen, sollte man aber die Reise in Vollbelegung antreten, dann ist das sogar mehr als erschwinglich. Lassen Sie sich jedenfalls von diesen Bildern inspirieren…
Für diejenigen, denen gestern das Laphroaig Live Tasting zu spät in der Nacht war: Die komplette Veranstaltung gibt es auf ihrer Website als Aufzeichnung, oder für die Klickmüden, unter unserem Beitrag.