Monat für Monat stellen wir Ihnen auf Whiskyexperts einen Whisky vor, den wir beachtenswert finden. Die Kriterien sind einfach: Der Whisky muss uns nicht nur schmecken, sondern auch landläufig erhältlich sein – und zusätzlich in einem leistbaren Preisrahmen liegen. Diesmal haben wir uns dazu entschieden, eine ganze Gattung und stellvertretend für sie eine Abfüllungsserie in den Fokus zu stellen: Grain Whiskys – und hier speziell als Pars pro Toto die Serie „The Grainman„.

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Grain Whisky führt ein wenig ein Mauerblümchendasein und wird vom Single Malt überstrahlt. Eigentlich ist Grain Whisky als „Füllstoff“ für Blends gedacht und wird industriell in großen Mengen produziert. Durch seine Herstellungsweise in kontinuierlicher Destillation kann eine Graindestillerie zig Millionen Liter im Jahr erzeugen – weit mehr, als es selbst die größten Single Malt Destillerien können. Aber: Grain Whisky kann durchaus auch sehr interessant sein, und zwar als Single Grain.

Dass es überhaupt Single Grains gibt, hat keine wirklich wirtschaftlichen Gründe. Fast könnte man es als Liebhaberei der Destillerien bezeichnen, dass man tatsächlich einige Fässer mit Spirit befüllt und längere Zeit liegen lässt – alte Single Grains, und unserer Meinung nach wird diese Kategorie tatsächlich erst ab einem erheblichen Alter interessant, gibt es eigentlich nur als Einzelfassabfüllungen. Die aber können dann durchaus mit alten Single Malts mithalten.

Ein Single Grain ist vom Geschmacksprofil meist deutlich süßer als ein Single Malt. Noch mehr als jener ist er „wood-driven“, also vom Holz des Fasses bestimmt. Wenn Single Grain in einem guten Fass an die 20 Jahre und länger reifen durfte, dann kann er ein unglaublich runder, harmonischer und fast dessertartiger Genuss werden. Unter den Single Grains mit 40+ Jahren gibt es umwerfend gute Tropfen – aber auch hier gilt, wie beim Single Malt, dass ein Grain mit zu langer Lagerung „überholzt“ und damit an Qualität verliert.

Fast alle Graindestillerien standen und stehen in den Lowlands. Und wie bei den „regulären“ Destillerien gibt es hier Lost Distilleries, die nicht mehr produzieren und schon ein Stück Whiskygeschichte sind (Garnheath zum Beispiel, oder Carsebridge). Aber egal ob produzierend oder nicht, Single Grains sind günstiger zu haben als gleichaltrige Single Malts – besonders in den höheren Altersstufen. Und Lost Grain Distilleries sind zur Zeit fast genauso erschwinglich wie bestehende Brennereien.

„The Grainman“ ist eine Abfüllungsserie von Donald und Andrew Hart (Meadowside Blending), die sich ausschließlich den Grain Whiskys widmet. Sie gibt es seit Anfang 2016 in Deutschland, und mittlerweile sind schon einige verschiedene Abfüllungen davon auf dem Markt. Wir haben so ziemlich alle davon schon einmal kosten können – und finden alle ausnahmslos überdurchschnittlich gut. Im Vergleich zu Grains anderer Abfüller (Cooper’s Choice, A.D. Rattray, Douglas Laing, Wilson & Morgan) sind sie zwar etwas teurer, aber dafür konstant von ausgezeichneter Qualität.

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Wir finden es schön, dass sich eine eigene Abfüllungsserie mit Grain Whiskys beschäftigt und machen daher The Grainman zu unserem Whisky des Monats August 2016. Und falls Sie sich fragen, welchen aus der Serie Sie zuerst probieren sollten, dann hier unser Tipp: Gönnen Sie sich den Carsebridge 33yo – eine Lost Grain Distillery, die man nicht oft auf dem Markt findet und eine Abfüllung, die großartig zeigt, was für ein Geschmackserlebnis in einem Grain Whisky stecken kann…