St. Kilian Whisky
 

Drei Jahre lang haben die St. Kilian Distillers, so wie jede andere Whiskydestillerie, darauf warten müssen, dass aus ihrem fassgelagerten New Make endlich per definitionem Whisky wurde. Jetzt war es soweit, und die Brennerei konnte ihren ersten Single Malt der Öffentlichkeit präsentieren. Am Freitag einer Runde geladener Gäste, und am Sonntag dann endlich auch den vielen Fans, die nach Rüdenau angereist kamen.

Wir waren am Freitag bei der Präsentation dabei und haben Ihnen neben einigen Bildern natürlich auch unsere eigenen Eindrücke vom Signature One, dem ersten Whisky der Brennerei, mitgebracht. Für die Ungeduldigen: Der Dreijährige ist in unseren Augen eine äußerst gelungene Premiere, auch dank einer innovativen Fassauswahl. Mehr dazu etwas später im Lauf unserer Bilderstrecke:

St. Kilian. Bild © Whiskyexperts

Schön im „schottischen“ Sinne ist die Brennerei von außen ja nicht – sie ist eher so etwas wie das deutsche Deanston, denn auch hier in Rüdenau ist die Brennerei in einem ehemaligen Textilbetrieb entstanden. Wer sich das Innere genauer ansehen will, den verweisen wir auf unseren früheren Besuchsbericht, in dem man das ungleich schmuckere Innenleben im Detail sehen kann.

St. Kilian. Bild © Whiskyexperts

Immer wieder schön jedenfalls die vier hölzernen Washbacks mit einem Fassungsvermögen von 10.800 Litern (1 Washback = 2 Destillationen), hier von unten betrachtet. Im Rahmen einer Pressetour führte uns der Master Distiller Mario Rudolf, der mittlerweile auch Geschäftsführer der Destillerie ist, an ihnen vorbei durch die Räumlichkeiten der Brennerei und erklärte den interessierten Pressevertretern die genauen Abläufe.

St. Kilian. Bild © Whiskyexperts

Hier steht Mario vor dem 12.000 Liter fassenden Mash Tun, den wir gleich noch in zwei Einstellungen sehen werden. Für getoften Whisky kommt das Malz aus der Glenesk Mälzerei in Schottland, ungetorfter Whisky wird mit Pilsener Malz der deutschen Firma Weyermann produziert. Bemerkenswert an seinen Ausführungen war jedenfalls, dass man sich bei St. Kilian als durchaus experimentierfreudig sieht und immer wieder einmal etwas Neues versucht. Dementsprechend wird man zu Beginn auch keine Core Range mit gleichbleibenden, aber älter werdenden Abfüllungen präsentieren, sondern weiter, wie beim Spirit of St. Kilian, in Batches arbeiten.

St. Kilian. Bild © Whiskyexperts
St. Kilian. Bild © Whiskyexperts

Wie versprochen obenstehend ein Blick auf und in den Mash Tun. Er wurde, so wie die Washbacks und die Stills, in Schottland gefertigt.

St. Kilian. Bild © Whiskyexperts

Die Stills stammen von Forsyths aus Schottland – die Wartezeit auf sie mag lang klingen, sie war aber verhältnismäßig kurz: 2 Jahre.

St. Kilian. Bild © Whiskyexperts

In einem der Fasslager von St. Kilian kam dann der große Moment: Mario Rudolf präsentierte den ersten frei erhältlichen Single Malt aus der Brennerei (es gibt auch eine – komplett vergriffene – Sammleredition, dazu etwas später).

St. Kilian. Bild © Whiskyexperts
St. Kilian. Bild © Whiskyexperts

Der One aus der Signature Edition ist mit 45% vol. in einer an die Form der Stills erinnernde 0.5l-Flasche abgefüllt. Er ist der erste einer Reihe von Abfüllungen in dieser Signature Edition, die immer wieder etwas unterschiedlich sein werden.

Der Signature One, wie er kurz genannt wird, stammt aus 5 verschiedenen Fässern, und diese Zusammensetzung ist auch höchst transparent auf der Flasche angegeben.

37% stammen aus Ex Martinique Rhum Fässern (ein Agricole-Rhum aus Zuckerrohr, der nicht so süß ist wie jene aus Melasse), 37% aus Ex Bourbon Casks. 18% der Fässer waren Ex PX-Sherryfässer, 3% kamen aus Ex Bourbon Quarter Casks. Die restlichen 5% sind vielleicht die Bemerkenswertesten: Es sind Fässer aus deutschem Kastanienholz – und obwohl ihr Anteil wie gesagt nur 5% beträgt, ist er doch bemerkbar: Er gibt eine etwas nussige, leicht holzige Note.

Wer sich jetzt fragt: Kastanie? Ist das erlaubt? Nun, würde die Destillerie in Schottland stehen, dann hätte man ganz schnell einen Streit mit der SWA (Scotch Whisky Association) an der Backe – wie einige Destillerien dort, die mit etwas anderem als Eiche experimentierten, selbst leidvoll feststellen mussten. In Irland hingegen wäre es ebensowenig ein Problem wie in Deutschland (Teeling zum Beispiel bietet oder bot in der Destillerie in Dublin einen Distillery Only Whisky an, der in Kastanienfässern gefinisht wurde).

Wie schmeckt der Signature One nun? Die offiziellen Tasting Notes finden Sie in einer Pressemitteilung, die wir heute ebenfalls veröffentlichen, hier aber unser ganz persönlicher Eindruck:

In der Nase zeigt er sich sehr fruchtig mit Birne und Apfel, und dabei fast verspielt leicht ohne alkoholisches Stechen, am Gaumen flutet im ersten Moment eine unerwartete Bandbreite von fruchtigen Noten an, die dann von einer eher würzigen, leicht nussigen und holzigen Note abgelöst wird. Im Finish, das erwartungsgemäß eher kurz ist, ist er dann vor allem malzig und süß, der holzige Unterton (von der Kastanie) schwingt immer noch mit.

In Summe gefällt uns der Signature One ausgesprochen gut – er ist ein gelungener Einstand der Brennerei und ein Whisky, den man nicht nur sammeln, sondern sicher auch immer wieder mal trinken will, weil er richtig Freude bereitet. Die Gesamtauflage (20.000 Flaschen) und der im Rahmen einer Erstausgabe durchaus akzeptable Preis (38,90 Euro für 0.5 Liter) sprechen auch sehr dafür, den auch tatsächlich zu öffnen und mit Freunden zu genießen.

St. Kilian. Bild © Whiskyexperts

Es gibt auch (oder besser gesagt: gab, denn sie ist restlos ausverkauft) eine Sammleredition, die allerdings anders konzipiert ist: Sie stammt aus Fass 2 und 3 (Fass 1 bleibt in der Destillerie) und, das sind reine Ex Bourbonfässer. Von dieser Ausgabe gab es nichts zu probieren (selbst der Gründer der Brennerei, Andreas Thümmler, hat nur eine Flasche, weil er sie zum Geburtstag, den er am Freitag hatte, geschenkt bekam – der Rest ist bei den Fans). Aber im Rahmen des Dekonstruktionstastings in der Abendveranstaltung, in der die einzelnen Bestandteile des Signature One verkostet wurden, gab es auch das reine Ex Bourbonfass zu genießen – und daraus lässt sich sagen, dass die Besitzer des First Kilian, so sie denn die Flasche öffnen werden, ihre Freude mit ihm haben sollten: Der Spirit, der im reinen Bourbonfass reifte, kann als Whisky seine Qualität voll und ganz zeigen.

Zu hoffen wäre es, dass es auch einmal eine Edition gibt, die nur aus dem Kastanienfass kommt. Im Dekonstruktionstasting war sie höchst interessant, mit einer Note in der Nase, die an einen gut gereiften Oloroso-Whisky erinnerte, und einem breiten Bouquet an Frucht (wohl aus dem Spirit), Nussigkeit und Holztönen am Gaumen.

St. Kilian. Bild © Whiskyexperts

Nach dem Presserundgang begann dann der offizielle Teil für hunderte geladene Gäste, die zunächst ebenfalls die Brennerei und die Fasslager erkunden durften.

St. Kilian. Bild © Whiskyexperts

Wer wollte, konnte auch ein eigenes Fass erstehen, sie lagern hier in allen verschiedenen Größen.

St. Kilian. Bild © Whiskyexperts

Der nächste Programmpunkt war die offizielle Vorstellung des ersten Whiskys aus der Brennerei St. Kilian, im großen Saal der Destillerie. Mario Rudolf erzählte einiges über die Geschichte der Brennerei, ein aufwendig gemachter Imagefilm wurde gezeigt. Und dann gab es endlich den Whisky für alle.

St. Kilian. Bild © Whiskyexperts

Das obenstehende Bild zeigt jene drei Menschen, denen wir die neueste (und nebenbei größte) deutsche Whiskybrennerei verdanken: Links David Hynes, das irische Masterbrain hinter Whiskeys wie Connemara oder Kilbeggan, der bei St. Kilian die Pot Stills plante und immer mit Rat und Tat zur Seite stand. In der Mitte Andreas Thümmler, Investmentbanker und Whiskyliebhaber aus Rüdenau, der mit dem Bau der Brennerei nicht nur einen eigenen Traum verwirklichte (und damit wohl auch ein gewinnbringendes Investment tätigte), sondern auch für seine Heimatgemeinde, die ansonsten nicht der Nabel der Welt ist, Impulse für Wirtschaft und Tourismus setzte. Rechts Master Distiller Mario Rudolf, ein ehemaliger Bierbrauer, dessen Enthusiasmus und Können für die Brennerei unverzichtbar ist. Nicht umsonst meinte David Hynes, als er den Turf Dog im Rahmen der Veranstaltung verkostete: „The pupil has surpassed the master“. Der Schüler hat also den Meister übertroffen – und was kann einem als Meister Besseres passieren?

St. Kilian. Bild © Whiskyexperts

Aber natürlich kann so ein Projekt nur gelingen, wenn ein ambitioniertes Team hinter ihm steht. Und dieses Team wurde zum Ende des offiziellen Teils der Veranstaltung auf die Bühne geholt, um sich dort den verdienten Applaus abzuholen – für diesen ersten, gelungenen Schritt der Brennerei St. Kilian.

Wir bedanken uns jedenfalls herzlich für die Einladung zum Eröffnungsfest. Wir sind gespannt darauf, was uns noch aus der Destillerie St. Kilian erwarten wird – der Signature One ist jedenfallsein dickes, höchst erfreuliches Ausrufezeichen in der deutschen Whiskylandschaft: St. Kilian ist da – und sicher nicht als einer unter vielen, sondern ganz vorne mit dabei.