Seit fast fünf Jahren präsentieren wir Ihnen Monat für Monat einen Whisky, welchen wir beachtenswert finden, der halbwegs problemlos erhältlich ist und auch preislich im Rahmen bleibt. Und weil Weihnachten ist, sehen wir das letzte Kriterium diesmal nicht ganz so eng und erlauben uns auch mal den Griff in die gehobenere Preisklasse. Noch dazu haben wir diesmal nicht eine Einzelflasche, sondern eine Abfüllungsserie zum Whisky des Monats gekürt – und sie ist damit unsere sehr subjektive Weihnachtsempfehlung an unsere Leser: Der Bruichladdich Octomore.

Zum bereits achten Mal wurde der Bruichladdich Octomore in diesem Jahr veröffentlicht – ein Zeugnis dafür, wie sehr diese extrem getorften Whiskys nicht nur den Geschmack der Fans, sondern auch den Zeitgeist treffen. Dabei ist es interessant, dass der im Gesamtkonzept so futuristisch und innovativ anmutende Whisky nach einer längst vergangenen Destillerie auf der Insel Islay benannt ist, die auf dem Grundstück der Octomore Farm an den Hängen über Port Charlotte residierte. Man nimmt an, dass auch der Whisky von dort extrem torfig und jung war, als er ausgeschenkt wurde, und der Octomore ist eine Referenz auf diese lang vergangene, ungestüme Zeit.

Was uns bislang an den Octomore-Abfüllungen fasziniert hat ist der Umstand, dass die extreme Rauchigkeit nicht wie ein Vorschlaghammer die anderen Aromen des Whiskys zerprügelt. Da sind jede Menge anderer Geschmäcker, die es zu entdecken gilt, sei es nun aus dem Destillat selbst, oder aus den experimentellen Fässern, die bei Octomore immer wieder verwendet werden. Nach dem ersten „Rauchschock“ findet man in ihm Tiefen, die man von solch jungen Whiskys eigentlich nicht erwartet. Und in der Tat hat der Octomore seine Blütezeit in einem Alter von 10 Jahren abwärts. Der dreizehnjährige Octomore, den wir verkosten konnten, bricht in unseren Augen ein wenig mit der Stilistik.

Die neueste Serie, „Masterclass“ genannt, gefällt aber besonders. Die Abfüllungen sind sich in ihrer Strahlkraft ebenbürtig, man kann allenfalls über den Geschmack, nicht aber über die Qualität seinen Liebling definieren. Aber auch in den früheren Reihen sind durchwegs interessante und faszinierende Abfüllungen zu finden. Head Distiller Adam Hannett kuratiert die Octomore-Serie mit viel Fachverstand und Enthusiasmus. Sie finden sicherlich einen Octomore, der Sie faszinieren wird – so lange Sie nicht dem Rauch generell abhold sind.

Nein, der Bruichladdich Octomore ist nicht billig und ja, der Bruichladdich Octomore versucht im Aussehen für manche ein wenig zu sehr très chic zu sein, aber er ist und bleibt ein ausgezeichneter Whisky voller Innovationskraft und de facto ein eigenes Genre begründend. Er ist ein Erlebnis und hat sich die Auszeichnung als unser Whisky des Monats verdient – in welcher Ausprägung auch immer…

Oberhausen 2018 728×90