St. Kilian Whisky
 

[alert type=white]Bruichladdich 9yo, 55.2%, whic.de
Fass #317, 48 Flaschen

Destilliert 10.05.2006
Abgefüllt 14.08.2015
nicht gefärbt , nicht kühlfiltriert
Sample: whic.de 
Verkoster: Reinhard Pohorec[/alert]

Wir lieben das Besondere, das Feine, das Exklusive. Wir lechzen nach Craft, Small Batch, Limited nebst Single hier und artisanal da.

Dass „klein“ dann oft gar nicht so klein ist, muss man sich bisweilen immer wieder ins Gedächtnis rufen. Bei in die Zehntausenden gehenden Fläschchen, steht hinter dem rustikal handwerklichen Klischeebild nicht viel mehr als ein dickes Fragezeichen. 48 Flaschen allerdings klingt nach einer wirklich raren Geschichte.

Der Independent Bottler whic hat sich einen Teil des Bourbon Cask #317 herausgepickt und mit neun Jahren auf die Flasche gezogen, die Abfüllung erfolgte in Fassstärke, ohne Beigabe von Farbstoff und natürlich nicht kühlfiltriert.

Nase: erwartungsgemäß ein frisch würzige, grünlich florale Getreidenote, grasig, sehr lebendig und hell, dazu schmelzig-weiche Marille und Vanilletöne, fast hefig, Sauerteig, Germknödel auch nicht ohne den obligaten Powidl, buttrig laktil, etwas Birnenquitte, Frischkäse und Sauerrahm, Bienenwabe und Propolis tänzeln um die Fruchtnoten, dezent herbe Schalen von Cox Orange Äpfeln, etwas Rosenwasser, Muskat entwickelt sich hintergründig, ein maritimer Anflug will sich auch noch bemerkbar machen, Meeresfenchel, Salbei, Austernwasser

Jung, kräftig, fesselnd.

Gaumen: auch der mundfüllende, ölig dicht gewobene Eindruck und das Spiel auf der Zunge sind getragen von frisch fruchtiger Brillanz, strahlend hell, gelbe Steinfrucht, auch die parfümierte Note von Quitte ist wieder da, süßliche Zitrone und Vanillecreme, kräftiger Gerbstoff, in den neun Jahren hat man dem Whisky einen dicken Pack Holz mit auf den Weg gegeben, strammes Tannin, schwarzer Pfeffer, Muskat. Jugendliche Kraft, analog zum Duft, wenngleich etwas weniger breit aufgestellt, eher geradlinig am Gaumen.

Finish: wollen wir es einmal brav nennen, der Whisky spielt sich in seiner bereits bekannten Frische und Fülle den Rachen hinunter, klar strukturiert, ohne große Überraschungen, aber ebenso ohne Ausrutscher. Solide, ehrlich, jung – man wird nicht das kolossalste Finish seit Menschheits- und Whiskygedenken erwarten. Es bleibt viel Süße liegen, auch die florale Note gibt einen Schlussauftritt, im Widerstreit mit den kraftvollen Eichenspitzen.

Alles in allem: Bruichladdich, jung, und dazu steht man. Punkt aus. Der Whisky bietet Trinkvergnügen und ansprechenden Trinkfluss, bedenkt man die knackige Fassstärke und den packenden Fasscharakter.

Ob man eine der strengst limitierten 48 Flaschen ergattern wird, bleibt abzuwarten. Ob man es denn wirklich muss, sei ebenso dahingestellt. Ein lieber Malt, ein feiner Malt – „ja eh“, wie der Österreicher sagen würde, oder, in unseren Bewertungskriterien: Gut, aber auch nicht mehr.

Mit den besten Spirits,
Reinhard Pohorec

buichladdich 9

 


Über unser Ratingsystem:

Wir vergeben 0-5 Sterne in drei Kategorien: Nase, Gaumen, Finish

Die Gesamtnote ergibt sich aus dem Mittelwert dieser drei Kategorien. Unsere Skala geht von 0-5 Sternen und ist nicht mit dem Wertungssystem xx/100 vergleichbar. Sie kann so interpretiert werden:

0-1 Stern: Furchtbar. Nur äußerlich anwenden.

1-2 Sterne: Enttäuschend. Aber vielleicht kann man damit die Gäste zum Gehen bringen.

2-3 Sterne: Geht so. Kann man trinken. Muss aber nicht.

3-4 Sterne: Gut. Macht man gerne immer wieder mal auf.

4-5 Sterne: Sehr gut. Daumen hoch. Ab 4.5 Sternen: Spitzenklasse. Vor diesem Whisky verbeugt man sich.

Wichtig: Wir haben Geschmack. Unseren. Nicht Ihren. Unsere Verkostungsnotizen sind kein richterliches Urteil. Darum haben wir bei unseren  Reviews auch die Möglichkeit vorgesehen, dass unsere Leser selbst werten können. Machen Sie Gebrauch davon, falls Sie den Whisky schon probiert haben!