Sehr zum Leidwesen der Sammler von Lost Distilleries sind auch bei Littlemill die Zeiten, als es noch jede Menge Abfüllungen am Markt gab, langsam vorbei – die Abstände zwischen den Releases der Unabhängigen werden größer – und die Preise leider immer höher.

Diese Lost Distillery aus den Lowlands (nicht einmal die Grundmauern stehen mehr) ist aber dennoch nicht nur für Sammler interessant: Wer den typischen Lowland-Geschmack mag, wird in Littlemill meist einen würdigen Vertreter finden. Allerdings scheiden sich des „meist“ wegen bei dieser Destillerie auch die Geister, denn man findet nicht durchgehend nur gute Abfüllungen. Die „Fehlerquote“ ist höher als bei Rosebank oder St. Magdalene.

Schon daher sind wir auf diese aktuelle Cadenhead-Abfüllung aus der Small Batch-Serie mehr als gespannt. Im Handel haben wir ihn zwischen 180 und 220 Euro gesehen – also durchaus in der momentan für solche Abfüllungen üblichen Preisrange.

Littlemill 1990, 24yo, 53.7%
Small Batch Collection
Cadenhead
Cask Strength
nicht gefärbt
nicht kältefiltriert
Verkoster: Bernhard Rems
Sample: Cadenhead

 

 

littlemill

Nase: Die Nase braucht Zeit, um sich zu öffnen, aber wenn das geschehen ist, dann ist hier ein ganzes Bouquet an für einen Lowlander unerwartet warmen Noten: Vanillezucker, Schokoladenmüsli, Kokosmilch, warme Milch mit etwas eingerührtem Honig und dazu eingelegte Pfirsichhälften – der Littlemill zeigt in der Nase ein wenig die Charakteristik gut gealterter Grains. Jedenfalls ist das sehr einladend, sehr verführerisch.

Gaumen: Was für ein Antritt: Dick, cremig, sämig – Mandelmilch mit einem subtilen Hauch Fliederduft, dazu etwas Zitronensorbet und Schlagsahne. Ein leichter Holzton mischt sich darunter, geröstete Haselnüsse und als Gegenton süß fruchtige Mandarinenspalten aus der Dose – alles macht sich am ganzen Gaumen breit und überzieht ihn mit dichter Süße.

Finish: Sehr lang, sahnig mit einem leichten Zitruston, noch immer die Noten gerösteter Nüsse. Man möchte der Harmonie der Eindrücke endlos hinterhersinnen.

Alles in allem: Was für ein wuchtiger Littlemill! Dicht, komplex, reif – ein Whisky, von dem man erzählen will, weil er selbst eine Geschichte am Gaumen erzählt. Welches Bild könnte ihm gerecht werden? Vielleicht dieses: Untypisch für einen Lowlander ist er ein barockes Kunstwerk, prall, voller Lebensfreude und unwiderstehlich verführerisch durch seine Üppigkeit. Spitzenklasse!

 


Über unser Ratingsystem:

Wir vergeben 0-5 Sterne in drei Kategorien: Nase, Gaumen, Finish

Die Gesamtnote ergibt sich aus dem Mittelwert dieser drei Kategorien. Unsere Skala geht von 0-5 Sternen und ist nicht mit dem Wertungssystem xx/100 vergleichbar. Sie kann so interpretiert werden:

0-1 Stern: Furchtbar. Nur äußerlich anwenden.

1-2 Sterne: Enttäuschend. Aber vielleicht kann man damit die Gäste zum Gehen bringen.

2-3 Sterne: Geht so. Kann man trinken. Muss aber nicht.

3-4 Sterne: Gut. Macht man gerne immer wieder mal auf.

4-5 Sterne: Sehr gut. Daumen hoch. Ab 4.5 Sternen: Spitzenklasse. Vor diesem Whisky verbeugt man sich.

Wichtig: Wir haben Geschmack. Unseren. Nicht Ihren. Unsere Verkostungsnotizen sind kein richterliches Urteil. Darum haben wir bei unseren  Reviews auch die Möglichkeit vorgesehen, dass unsere Leser selbst werten können. Machen Sie Gebrauch davon, falls Sie den Whisky schon probiert haben!