Sie sind eher unbeliebt, oder genauer, nicht gerne gesehen, weder im Glas noch in der Sammlung: die Whiskyabfüllungen ohne Altersangabe, die NAS – No Age Statement. Sie sind in der letzten Zeit immer häufiger auf dem Markt zu finden. Die wirklichen Whisky-Enthusiasten schwören dann doch eher auf den Dreiklang Einzelfass, Fassstärke und exakte Altersangabe durch Destillations- und Abfülldatum. Vielleicht möglichst noch von einem unabhängigen Abfüller (die es ja auch in steigender Anzahl gibt).

Eine Altersangabe an sich ist natürlich keine Garantie für Qualität, sowie andersherum eine fehlende Angabe auch nicht auf eine fehlende Qualität hinweist. Aber: Whisky ist und bleibt ein Geschäft. Wir befinden uns im Moment in einer Blase. Niemand weiß, ob und wann sie platzt. Und unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten ist es legitim, in so einer Zeit verschiedene Überlegungen zur Gewinnmaximierung anzustellen. Dazu gehören sicherlich die NAS-Abfüllungen, welche einerseits eine Ergänzung der Standard-Range darstellen und anderseits durch eine gewisse Exklusivität neue und alte Käuferschichten an sich zu binden.

Die Altersangabe fehlt, weil in diesen Abfüllungen auch recht junge Fässer verwendet werden. Aufgrund der Gesetzeslage wäre dann, wenn ein Alter des Whiskys angeben wird, das Alter des jüngsten verwendeten Whisky-Fasses gleich der Altersangabe des Whiskys. Die Altersangabe fehlt aber auch, weil bei den NAS-Abfüllungen der Hauptaugenmerk auf der Verwendung, der Auswahl und/oder dem Vatting besonderer Fässer liegt. Der Einfluss des Fasses auf die Qualität des späteren Whiskys beträgt zwischen 60 bis 80 Prozent, die große Kunst ist es, den richtigen Zeitpunkt zu finden, an dem der Whisky das Höchstmaß an zu erreichender Qualität erreicht hat. Und eine weitere Kunst ist es, aus verschiedenen Fässern unterschiedlichen Alters einen Whisky zu blenden, bei dem die verschiedenen Merkmale der Fässer wiederzufinden sind: die Würde und Reife des lange gelagerten, gepaart mit der Ungestümtheit eines jungen Whiskys.

Einen anderen Weg scheint Macallan zu gehen. Lange waren sie bekannt und geliebt für ihre in First- und Second-Fill Sherry-Fässern gelagerten Whiskys, und speziell der 18-jährige, welcher neben der Altersangabe auch noch die Jahreszahl der Destillation enthielt, war der Rolls Royce unter den Whiskys. Nachdem sich Anfang diese Jahrhunderts mit der Fine Oak Serie die Verwendung von Bourbon-Fässern etabliert hatte, wird jetzt mit der neuen 1824 Collection auf eine Altersangabe komplett verzichtet. Eine höchst angesehene und geschätzte Destillerie demontiert ihre hohe Reputation?

Dies ist nicht zwingend mit NAS-Abfüllungen verbunden. Wir stellen hier einige No Age Statement Whiskys vor, die es unserer Meinung nach verdienen:

abunadhAberlour a’bunadh
Möglicherweise ist der Aberlour a’bunadh (gälisch: Das Original) die älteste No Age Statement Abfüllung. Bereits 1997 kam er auf den Markt, zwei Jahre später startete mit Batch #6 dann die Serie, die mittlerweile bei Batch #45 angelangt ist. Gelagert wird der Aberlour A’bunadh ausschließlich in First Fill Oloroso Sherry-Fässern, danach in Fassstärke, ohne Kühlfilterung und ohne Zugabe von Farbstoff abgefüllt. Ältere Batches sind ein gesuchtes Sammlerobjekt. Die Qualität der einzelnen Batches ist schwankend, jedoch in einem schmalen Bereich. Es ist eine schwerer Malt voller, hauptsächlich Sherry-Aromen, der durch die Fassstärke das Spiel mir der Zugabe von Wasser ermöglicht. Preis: ca. 60 €

 

glendronachcaskstrengthGlendronach Cask Strength
Unser Whisky des Monats Mai darf hier natürlich nicht fehlen. Auch hier werden verschiedene Sherry-Fässer gevattet, jedoch kommen zu den Oloroso- noch Pedro Ximenez Sherry-Fässer hinzu. Auch wenn auf den Flaschen keine Altersangabe zu finden ist, macht Glendronach macht aus dem Alter der verwendeten Whiskys kein Geheimnis. Batch #2, seit einigen Tagen erhältlich, beinhaltet Fässer mit einer Lagerzeit zwischen 8 und 19 Jahren. Auch hier: Fassstärke, ohne Kühlfilterung und ohne Zugabe von Farbstoff abgefüllt. Preis: ca. 60 €

 

 

 

 

uigedailArdbeg Uigedail
Seit 2003 ist der Uigedail im Programm der Islay-Destillerie Ardbeg. Zu 90% werden Ex-Bourbon verwendet, die restlichen 10% des Malts kommen aus Sherryfässern. Dadurch ist er fruchtiger als der Ardbeg Ten, gepaart mit den typischen Rauch- und Torfaromen. Auch hier wird in verschiedenen Batches abgefüllt. Während bei den vorher genannten die Batchnummer deutlich erkennbar, ist sie beim Ardbeg Uigedail nur über den Bottle Code gekennzeichnet sind. Er wird mit 54,2 %Vol. abgefüllt, ohne Kühlfilterung und ungefärbt. Preis: ca. 60 €

 

 

quartercaskLaphroaig Quarter Cask
Seit 2004 auf dem Markt ist der Laphroaig Quarter Cask. Wie gewohnt reifte er zuerst in Ex-Bourbon-Fässern und durfte in Quarter Casks (ca. 50 Liter) nachreifen. Durch eine 30 Prozent größere Kontaktfläche zwischen Holz und Whisky benötigt er eine geringere Reifezeit, dadurch bietet der Laphroaig Quarter Cask mehr Holz- und Vanille-Noten als der Zehnjährige. Ohne Kühlfilterung mit 48 %Vol. abgefüllt. Preis: ca. 35 €

 

 

 

 

traditionalcaskArdmore Traditional Cask
Hier wird das gleiche Konzept wie beim Laphroaig Quarter Cask angewendet. Nach der Reifung in Ex-Bourbon-Fässern wird dieser Ardmore abschließend in kleinere Quarter Casks gefüllt. Dieser für einen Highländer ungewohnt rauchige Single Malt ist seit 2007 auf dem Markt und wird mit 46 %Vol. ohne Kühlfilterung abgefüllt. Preis: ca. 30 €

 

 

 

 

 

threewoodAuchentoshan Three Wood
Bei diesem NAS-Single Malt, auch seit 1997 erhältlich, ist das Besondere die Verwendung verschiedener Fasstypen. Zuerst reift er für ca. 10 Jahren Reifung in Ex-Bourbon-Fässern, die Nachreifung findet erst in Oloroso Sherry-Fässern statt, zum Schluss wird er in Pedro Ximenez Sherry-Fässer gefüllt. Abgefüllt mit 43 %Vol. Preis: ca. 40 €

 

Dies ist sicherlich nur eine kleine Auswahl empfehlenswerter NAS-Abfüllungen. Es fehlen bewusst diejenigen, die Teil einer Serie sind und/oder nur im Duty Free erhältlich. Diese Empfehlungen sind seit einiger Zeit etabliert, immer erhältlich und auch für den schmaleren Geldbeutel zu stemmen.
Haben wir welche übersehen? Welche NAS-Abfüllung können Sie empfehlen?

 

4 KOMMENTARE

  1. Einer der besten NAS die ich bisher probieren durfte, und definitiv eher aus dem „Edel-Segment“: Glenmorangie Signet