Ende Juni hatten wir von Whiskyexperts gemeinsam mit einer kleinen Gruppe von Journalisten und Bloggern die Möglichkeit, auf Einladung des deutschen Importeurs Kirsch Whisky die dänische Brennerei Stauning zu besuchen und über unsere Eindrücke zu berichten. Wir tun das in einem mehrteiligen Beitrag, den wir heute mit dem dritten Teil über die neue Brennerei fortsetzen.  Teil eins können Sie hier lesenden zweiten Teil finden Sie hier. Viel Vergnügen damit!


Ein Besuch bei der Stauning Distillery – Teil 3: Die Kathedrale auf dem Feuer

Wenn man das Still House bei Stauning betritt, ist man zunächst einmal baff – und dann ruhig, als befände man sich in einer Kathedrale. 16 Wash Stills, 8 Spirit Stills, das muss man erst einmal verdauern. Nein, die Alembic Stills bei Stauning sind nicht groß, aber in ihrer Masse ungeheuer beeindruckend.

Daher möchten wir Sie jetzt einmal einfach mit den Eindrücken alleine lassen – so wie wir alle gemeinsam gute fünf Minuten einfach nur durch die Alleen von Brennblasen marschierten und uns umsahen…

Die Brennblasen in der Stauning Distillery. Bild © Whiskyexperts 2019
Die Brennblasen in der Stauning Distillery. Bild © Whiskyexperts 2019
Die Brennblasen in der Stauning Distillery. Bild © Whiskyexperts 2019
Die Brennblasen in der Stauning Distillery. Bild © Whiskyexperts 2019
Die Brennblasen in der Stauning Distillery. Bild © Whiskyexperts 2019
Die Brennblasen in der Stauning Distillery. Bild © Whiskyexperts 2019
Die Brennblasen in der Stauning Distillery. Bild © Whiskyexperts 2019
Die Brennblasen in der Stauning Distillery. Bild © Whiskyexperts 2019
Die Brennblasen in der Stauning Distillery. Bild © Whiskyexperts 2019
Die Brennblasen in der Stauning Distillery. Bild © Whiskyexperts 2019

Die von Abercrombie, der Kupferschmiede von Diageo in den Lowlands hergestellten Brennblasen haben einige Eigenheiten, die man ihnen nicht auf den ersten Blick ansieht. So mussten die 16 Wash Stills nach dem ersten Einbau alle noch einmal an einer Seite leicht angehoben werden, damit ihr Inhalt nach dem Brennen wieder abgepumpt werden kann. Was nämlich nicht bedacht wurde: Es wären ansonsten in der Brennblase Reste zurückgeblieben, was die Reinigung gerade bei so kleinen Blasen immens erschwert hätte.

Wenn Sie sich die Brennblasen in den Bildern oben genauer ansehen, so erkennen Sie bei allen die Kupferleitung von der Blase weg, der sogenannte Lyne Arm. Nun stellen Sie sich einmal vor, man neigt die Blase leicht – der Lyne Arm ist dann entweder zu lang oder zu kurz. Das bedeutete, dass die Monteure von Abercrombie sämtliche Lyne Arme durchtrennen und – in diesem Fall – etwas verlängern mussten. Eine gewaltige Zusatzarbeit.

Die weitere Besonderheit: Die Brennblasen sind direkt beheizt – nicht mit heißem Dampf betrieben wie sonst fast alle modernen Brennblasen. Diese alte Technik ist nicht ohne besondere Schwierigkeiten, wie uns Alex Højrup Munch, unser Gesprächspartner und einer der Gründer von Stauning, anhand einer Still schmunzelnd zeigt:

Ein Blick in diese Brennblase enthüllt Interessantes. Bild © Whiskyexperts 2019
Hier hat man es mit der direkten Befeuerung etwas übertrieben – dem „Whiskybier“, das hier zuvor destilliert wurde, wurde es entschieden zu heiß. Bild © Whiskyexperts 2019

Auch die Brenner unter den Brennblasen konnten wir besichtigen – und auch wieder eine kleine Imperfektion in der Anlage bewundern: Das Sicherheitsglas bei einer der Türen zu den Brennkammern ist zwar Sicherheitsglas, aber eines mit nicht ganz passenden Spezifikationen:

Auch hier hat die Hitze ihr Werk verrichtet. Sicherheitstüre zu einer Brennkammer unter den Stills von Stauning. Bild © Whiskyexperts 2019

Jeweils zwei Brennblasen werden von einer Brennkammer bedient – und in der herrschen bis zu 700 Grad Celsius, wenn die Anlage läuft.

So sieht ein Brenner unter der Kupferblase aus. Bei Stauning wird direkt befeuert. Bild © Whiskyexperts 2019

Kurz nachdem wir dieses Foto aufgenommen haben, macht es in einer benachbarten Kammer Klick und die beiden Brenner darin beginnen mit ihrem Werk. Ein kurzer Blickwechsel mit Alex – ja, wir dürfen. In den ersten Minuten nach dem Anfeuern ist die Hitze im Raum noch zum Aushalten, also gehen wir auf die Knie und machen eine Aufnahme von den Brennern in Aktion, die man so wohl nur ganz selten zu sehen bekommt:

Ein Bild mit Sedltenheitswert: Die beiden Brenner unter den Brennblasen von Stauning in Aktion – aufgenommen in der Brennkammer selbst. Bild © Whiskyexperts 2019

Noch ein kurzer Blick in einen der beiden Spirit Safes, die sich bei den ingesamt acht Spirit Stills befinden:

Vier der acht Spirit Stills, die sich bei Stauning befinden. Bild © Whiskyexperts 2019
Spirit Safe bei Stauning. Bild © Whiskyexperts 2019
Spirit Safe bei Stauning. Bild © Whiskyexperts 2019
Spirit Safe bei Stauning. Bild © Whiskyexperts 2019

Alex erklärt uns, dass hier nichts gemessen wird und nichts per Computer entschieden – die Cuts werden händisch vorgenommen und rein sensorisch festgelegt. Auch hier möchte man den handwerklichen Ansprüchen, die man an die eigene Arbeit stellt, genügen.

Von hier geht es weiter in eines der neuen Lagerhäuser, um dort ein Tasting aus den unterschiedlichsten Fässern durchzuführen. Sieben Abfüllungen sind vorbereitet – letztlich sind es dann dreizehn geworden.

Die vorbereiteten Abfüllungen für das Tasting bei Stauning. Bild © Whiskyexperts 2019

Eigentlich sind es 14 Abfüllungen, die wir verkosten, denn auch der White Dog ist dabei – schon dieser lässt auf die hohe Qualität der Whiskys schließen…

Alex präsentiert den White Dog, den ungereiften Spirit der Destillerie Stauning. Bild © Whiskyexperts 2019

Die Notizen zur Verkostung präsentieren wir in einem anderen Artikel – wir haben uns entschlossen, die Samples in der Redaktion nachzuverkosten, denn trotz fleißigen Ausspuckens und Wegleerens wäre eine faire Beurteilung ob der Menge der Abfüllungen in so kurzer Zeit nicht gegeben gewesen. Aber was da aus Stauning auf uns zukommt, kann sich mehr als nur sehen lassen. Nur ein kommendes Highlight sei kurz erwähnt: Ein Whisky aus einem Wermutfass – eine tolle Komposition!

Das Panel bei der Verkostung im Lagerhaus bei Stauning. Bild © Whiskyexperts 2019
Noch ist Platz in den neuen Lagerhäusern – der wird aber bei der geplanten Ausweitung der Produktion von 200.000 auf 900.000 Liter bald wieder knapp werden. Bild © Whiskyexperts 2019

Zum Ende unseres Besuches schnupperten wir noch in das älteste Lagerhaus bei Stauning, eigentlich nichts anderes als ein Schuppen, aber stimmungsvoll und mit dem Zauber, den solche Whiskytempel überall auf der Welt haben…

Altes Lager bei Stauning, Bild © Whiskyexperts 2019

Das Foto an der Wand zeigt mittig den Mann der Königin von Dänemark (ihn als König anzusprechen, wäre laut Auskunft von Dänen ein gesellschaftlicher Fauxpas).

Altes Lager bei Stauning, Bild © Whiskyexperts 2019
Altes Lager bei Stauning, Bild © Whiskyexperts 2019
Altes Lager bei Stauning, Bild © Whiskyexperts 2019
Altes Lager bei Stauning, Bild © Whiskyexperts 2019

Was haben wir aus Stauning von unserem Besuch mitgenommen? Den Eindruck, eine innovative Brennerei mit viel Ambition und Qualitätsbewusstsein kennengelernt zu haben. Das Gefühl dafür, warum sich Diageo als Gigant in so einen „Zwerg“ einkaufen wollte. Und die Vorfreude auf viele Whiskys, die aus Stauning zu uns kommen werden. Vielen Dank an alle, die diesen Besuch möglich gemacht haben.

Dieses Panoramabild der Brennerei Stauning können Sie hier in seiner vollen Größe (11.000×2200 Pixel, 3.6MB) hier herunterladen. Bild © Whiskyexperts 2019

Disclaimer im Sinn unserer Redaktionsrichtlinien: Unser Aufenthalt bei Stauning wurde von  Kirsch Whisky, dem deutschen Importeur, organisiert und finanziert. Das Unternehmen hatte keinerlei Einfluss auf die Gestaltung des Beitrags.