Montag, 27. Januar 2020, 07:17:27

Exklusivinterview: Master Distiller Fred Noe (Jim Beam)

Juliane Reichert spricht mit Fred Noe über Bourbon, Scotch und seinen ersten Whiskey

Glenallachie for whic

reichertJuliane Reichert lebt als freie Autorin in Berlin und promoviert in Philosophie. Ihre Texte drehen sich vor allem um den Planeten des Hochprozentigen, um Geist im Kopf, im Glas und in kombinierter Form auf Reisen.

Für Whiskyexperts hat sie als Gastautorin im Rahmen der Interwhisky 2015 in Frankfurt/Main  ein exklusives Interview mit Fred Noe, dem Master Distiller von Jim Beam, geführt. Sie spricht mit ihm über seinen Werdegang, die Unterschiede zwischen Scotch und Bourbon und die Vorurteile, die dem Bourbon in Europa zum Teil noch entgegen gebracht werden:


Das Gerücht, dass es einen Qualitätsunterschied zwischen Scotch und Bourbon gibt, hält sich in Deutschland hartnäckig. Ich denke, dass es daran liegt, dass viele schon im Alter von 18 Jahren ihren ersten „Jim Beam Coke“ getrunken haben, aber erst mit 25 Jahren den ersten Laphroaig zu sich nehmen. Was halten Sie davon?

Meiner Meinung nach gibt es keinen Qualitätsunterschied zwischen Scotch und Bourbon Whiskey. Während Konsumenten früher zum Beispiel mit einem Jim Beam White eingestiegen sind, fangen viele junge Leute heute direkt mit einem Premium Whiskey an. Manche kaufen schon zum Einstieg Bourbons wie den Maker’s Mark oder einen Knob Creek. Auch Frauen fangen an, Bourbon zu schätzen. Sie wählen meist einen leichten Bourbon, wie zum Beispiel den Premium-Whiskey Basil Hayden’s. Sicher ist, dass nicht jeder Konsument mit einem Jim Beam White einsteigt. Durch das große Whiskey-Portfolio ist der Genuss von Whiskey sehr individuell und lässt sich nicht verallgemeinern.

Welchen Whiskey haben Sie eigentlich als erstes probiert?

Mein erster Whiskey war ein Jim Beam Produkt – der Old Tub. Das war der Whiskey, den mein Vater am liebsten getrunken hat. Er war vier Jahre alt – ein richtiger Bourbon eben. Ich muss zugeben, dass ich ihn nicht sofort zu schätzen wusste, denn er war sehr geschmacksintensiv. Zum Einstieg habe ich ihn dann erst mal gemischt.

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Trinken Sie gerne Scotch? Wenn ja, wie sieht es mit den rauchigen Whiskys aus? Ist es ein Widerspruch, beides zu mögen?

Ich trinke gerne einen guten Scotch. Vor allem die Single Malts. Mein Freund John Campbell von Laphroaig gibt mir gerne seine Whiskys zum Probieren. Ich muss zugeben, dass ich mich erst an den anderen Geschmack gewöhnen musste. Aber dann hat John mir erklärt, warum sein Scotch so schmeckt, wie er schmeckt und so begann ich auch Scotch zu schätzen. John und ich sitzen gerne gemeinsam in Bars auf der ganzen Welt. Wir essen und trinken gerne zusammen. Ich schätze seinen Scotch und er meinen Bourbon. Ich denke, dass es immer gut ist, zu sehen, was andere Leute produzieren. Daher trinken wir in Kentucky traditionell nicht nur unseren eigenen Bourbon sondern jeden Bourbon, den es in Kentucky gibt. Das machen wir alle so. Wir mögen einfach guten Whiskey und darum geht es schließlich.

Manche Menschen behaupten, dass man Scotch zum Beispiel nicht mit Wasser mischen sollte. Es gibt viele solcher Vorurteile. Gibt es irgendeine Art, Whiskey zu trinken, die Sie nicht empfehlenswert finden?

Ich bin der Meinung, dass jeder seinen Whiskey so trinken sollte, wie er ihm am besten schmeckt. Meine Mutter trinkt ihren Jim Beam White beispielsweise immer mit Ginger Ale und Ice. Gegen Wasser oder Eis habe ich ebenfalls nichts. Das sollte jeder selbst entscheiden.

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Ein weiteres Vorurteil besagt, dass Frauen keinen Whisky mögen. Ich persönlich liebe Whisky und besonders die getorften Sorten. Was haben Sie für geschlechtsspezifische Unterschiede beobachtet? Gibt es heute mehr Frauen, die Whisky trinken?

In Bardstown Kentucky, wo ich herkomme, haben Frauen schon immer Bourbon getrunken. Allerdings leben wir auch in einer Bourbon-Hochburg. Meine Großtante, die Tochter von Jim Beam, trank ihren beispielsweise immer auf Eis. Aber auch außerhalb Kentuckys beobachte ich, dass immer mehr Frauen Bourbon trinken. Sie trinken ihn sowohl als Cocktails als auch als puren Whiskey. Sie scheuen sich nicht davor, ein angeblich „männliches Getränk“ zu trinken. Es kann sogar sehr cool sein, wenn eine Frau in eine Bar geht und sich einen Bourbon bestellt. Die meisten Männer würden sich umdrehen, weil es eben doch noch ungewöhnlich ist. Man sollte übrigens nie den Fehler machen, einer Frau zu sagen, dass sie einen leichteren oder gar keinen Bourbon trinken sollte. Das kommt nicht gut an. Jeder Erwachsene kann Bourbon trinken und das so, wie er ihm am besten schmeckt.

„Distiller’s Masterpiece“ – der ja eine Hommage an ihre Familientradition ist – ist das neueste Produkt, das ich kenne. Können Sie uns sagen, was in Zukunft auf den Markt kommt?

Distiller´s Masterpiece ist ein Produkt, das auf einen Whiskey meines Vaters zurückgeht. Ausgangsbasis hierfür ist unser Bourbon, den wir noch einmal in einem anderen Fass reifen lassen. Wir haben das zum Beispiel mit Cognac- Fässern, Portwein-Fässern und in Sherry-Fässern ausprobiert. Die Idee, mit unterschiedlichen Fässern zu experimentieren, kommt von meinem Vater. Wer weiß, was sich noch entwickelt – wir haben jetzt beispielsweise Partner bei Suntory, der japanischen Destillerie. Vielleicht können wir von ihnen ein paar Fässer bekommen und den feinen japanischen Whiskey mit unserem Bourbon mischen. Aktuell ist das nicht geplant, aber es ist vorstellbar. Die Konsumenten wünschen sich eine Vielfalt an Bourbon. Also suchen wir immer wieder nach neuen Möglichkeiten, hochwertigen Whiskey herzustellen.

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Jim Beam steht für traditionelle Kompositionen auf der einen Seite und ganz persönliche Kreationen auf der anderen Seite. Können Sie beschreiben, wie Sie das Unternehmen geprägt haben – auf der geschmacklichen und der strukturellen Ebene?

Ich persönlich schätze das Aroma und den Duft eines Bourbons – die Wärme im Hals und das Finish am Gaumen. Produkte wie der Jim Beam Black, der Devil’s Cut, Knob Creek oder Booker’s – diese Whiskeys haben für mich das perfekte Geschmacksprofil. Mein Sohn und ich entwickeln Produkte, die geschmacksintensiv, angenehm im Abgang und für jeden geeignet sind. So hinterlassen wir unsere ganz persönliche Handschrift.

Auf der schottischen Insel Islay parfümieren sich einige Einwohner sogar mit Whisky. Ich koche gerne mit Whisky. Gibt es etwas, was Sie – abgesehen vom Trinken – mit dem Whiskey machen?

Wenn Besucher zu uns nach Kentucky kommen, möchten wir sie natürlich gut unterhalten. Daher organisieren wir kleine Grill-Shows. Wir grillen Schweinekoteletts, auf die wir am Ende etwas Booker’s Bourbon geben. Dann flambieren wir das Fleisch. Dadurch wird der Geschmack noch einmal intensiviert. Mein Vater hat damit angefangen und ich habe diese Tradition fortgeführt. Das macht immer sehr viel Spaß und das Fleisch schmeckt wirklich sehr gut.

Wenn man keinen Urgroßvater bei Jim Beam hat und Master Distiller werden möchte – wie schafft man das? Mussten Sie viel lernen?

Ja, es gibt eine Menge zu lernen. Um das Destillieren zu lernen, muss man schlichtweg sehr lange in einer Destillerie arbeiten. Es gibt viele Kleinigkeiten zu beachten: warum man dies tut oder eben gerade nicht. Oder wie man bei Problemen korrekt reagiert zum Beispiel. Die Arbeit in einer Destillerie ist das beste Training, um Master Distiller zu werden.

Haben Sie jemals darüber nachgedacht, irgendetwas anderes zu machen? Wollten Sie vielleicht mal Philosophie studieren, aber konnten den familiären Whiskey-Kreislauf nicht durchbrechen?

Bevor ich richtig bei Jim Beam eingestiegen bin, hatte ich sogar ein anderes Jobangebot als Tour Manager einer Country Band. Mein Vater hat mich dann aber schnell in die Distillerie geholt, um bei Jim Beam zu arbeiten. (lacht) Er hatte offensichtlich andere Pläne für mich. Wahrscheinlich wäre ich heute gar nicht mehr am Leben, wenn ich den anderen Job angenommen hätte. Mit einer Band auf Tour feiert man viel und lebt einen ganz anderen Lifestyle.

Haben Sie Ihre Entscheidung je bereut?

Ich habe die beste Entscheidung getroffen, das steht für mich außer Zweifel.

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