13 Jahre lang gibt es bereits Whiskyfun.com, die Website von Serge Valentin. Und zur Geburtstagsfeier hat er sich heute in der Verkostung drei Abfüllungen aus der Islay-Destillerie Ardbeg gegönnt. Sich gönnen bedeutet hier: Alte Ardbegs. Einer aus dem Jahr 1958 (der laut Serge wahrscheinlich zu schön ist, um wahr zu sein, und vermutlich ein Fake), einer aus dem Jahr 1965 – und ein neuer, der laut Serge nicht von schlechten Eltern ist. Und was wir noch lernen: nicht alles Alte ist auch besser als das Neue.
Nebenbei: Diesmal zahlt es sich wirklich aus, unserem Link zu folgen, denn der Bilderwitz auf der Seite ist, finden wir, ziemlich gut ;-).
Ardbeg 18 yo 1958 (70° proof, Gordon & MacPhail, Connoisseur’s Choice, +/-1976): 69 Punkte
Ardbeg 14 yo 1965 (70° proof, Gordon & MacPhail, Connoisseur’s Choice, +/-1979): 93 Punkte
Ardbeg 23 yo 1991/2015 (50.6%, Master of Malt, bourbon, 216 bottles): 92 Punkte
Auchentoshan 16yo, 48% Refill Hogshead Lowlands Distiller’s Art Verkoster: Klaus Doblmann Sample von: prowhisky.de
Nase: Leicht und floral, wie man es von den dreifach destillierten Auchentoshans kennt. Limette, Grapefruit und Pfefferminz sorgen für die hellen Töne und auch der Alkohol ist deutlich spürbar. Darunter liegen Vanille und duftende Sommerblumen, dazu ein Anflug von verdünntem Honig, Malz und Glukosesirup, in welchem tropische Dosenfrüchte eingelegt waren.
Sehr stark im Destilleriecharakter, das Fass hat trotz der 16 Jahre den Malt zwar abgerundet, aber selbst nur wenig Eindruck hinterlassen – gerade mal eine Spur von dunklen Eichennoten im Hintergrund.
Gaumen: Am Gaumen macht sich sofort die Malzsüße mit etwas verdünntem Honig bemerkbar, dazu gesellen sich wieder florale, blumige Noten – vielleicht ist es ja auch stark verdünnter Löwenzahnhonig? Dazu Vanille, Anflüge von Grapefruitzesten und Kartonagen. Leicht ölig und den Mundraum bekleidend, aber im Charakter sehr leicht bleibend ohne jede Tiefe.
Finish: Kurz. Zu Beginn mit der Spritzigkeit von Zitrusfrüchten, danach übernimmt die leichte, verdünnte Süße, bevor der Dram trockener wird mit einer leichten, aber nicht unangenehmen Bitterkeit.
Alles in allem: „Distiller’s Art“ trifft hier voll zu – es ist die Kunst des Brennmeisters, ein schönes, sauberes, dreifach destilliertes Destillat zu kreieren. Dieses Destillat behält in diesem Malt auch absolut die Oberhand, das Fass hat nicht besonders viel mitzureden. Ein typischer, leichter, floraler Auchentoshan, der für Fans des leichten Stils genau das Richtige sein mag, für mich persönlich dann aber – wie so viele andere Malts aus dieser Destille – doch die Tiefe und Raffinesse vermissen lässt. Gut, aber nicht mehr.
Von irish-whiskeys.de haben wir eine Pressemitteilung über die Knockeen Hills Poteens erhalten, die ab sofort wieder in Deutschland erhältlich sind. Wir bringen sie für unsere Leser zusammen mit den offiziellen Tasting Notes:
Knockeen Hills Poteen, eine legendäre Poteenmarke kehrt zurück nach Deutschland.
Knockeen Hills stellt den Poteen auf einer Molkebasis her. Destilliert und abgefüllt wird er in Cork im Süden Irlands und wird dort auch abgefüllt. Es gibt den Poteen in drei verschieden Stärken: 60% Farmer Strength, 70% Extra Strength und 90% Gold Extra Strength. Außerdem ist er der einzige Poteen der derzeit legal mit 90% verkauft werden darf.
Die Geschichte
Es ist nicht bekannt, wann Poteen erstmals in Irland produziert wurde. Bekannt ist nur, dass irische Mönche die Destillationsapparate von einer Pilgerfahrt in den Süden mit nach Irland brachten. Dort fingen sie an Destillate aus Kartoffelschalen und Getreide herzustellen. Später kamen dann Molke, ganze Kartoffeln und Zuckerrüben hinzu.
Der Name Poteen stammt von dem gälischen Wort „Pota“ für Pot, das wiederum weist auf die kleinen Pot Stills hin, die benutzt wurden, um Poteenn herzustellen. Es gibt mehrere Schreibweisen für das Wort Poitin: Poitín, Poitin, Poteen, Potcheen. Jedes der Worte meint das gleiche Produkt. Von 1661 bis 1997 war die Herstellung von Poteen in Irland verboten und dementsprechend hoch war der Anteil des Schwarzgebrannten in Irland. Die Destillateure zogen sich in die Täler Irlands zurück, wo sie nachts ihren Poteen herstellten, denn tagsüber wäre der Dampf der Pot Stills zu sehr aufgefallen. Im Schutz der Berge fühlten sie sich sicher.
1997 wurde Poteen wieder legalisiert und bekam die Auflage, dass er mindestens 40% enthalten muss.
Knockeen Hills Poteen
Knockeen Hills Poteen wurde erstmals 1996 produziert und somit war die erste Auflage dieses Poteens noch in illegaler Herstellung. Es ist auch der Poteen, der ab 1997 erstmals legal verkauft werden durfte. Die Basis bildet ein irisches Molkedestillat, dass mit 96% produziert wird. Dieses Alleinstellungsmerkmal hat der Poteen bis heute, auch wenn er heute mit „nur“ noch 90% verkauft wird. Die Molke wird zusammen mit verschiedenen Botanicals vierfach destilliert, so dass der Poteen einen unvergleichlichen weichen und angenehmen Geschmack erhält.
Alle drei Knockeen Hills Poteens wurden bereits mit Medaillen bei dem IWSC ausgezeichnet.
Der Knockeen Hills Extra Gold Strength lässt sich wunder bar mit ein paar Tropfen Wasser pur genießen und er eignet sich sehr gut als Basis für verschiedene Cocktails oder Longdrinks. Er enthält alle Eigenschaften eines „old-faishoned“ Poteen.
Über Irish Whiskeys sind ab sofort der 60% und 90% Poteen erhältlich.
Tasting Note Knockeen Hills Farmer Strength 60%:
Aroma: leichte Vanille, etwas Süße, ganz viel Frucht mit Melonen- und Zitrusnoten Geschmack: Früchte, sehr weich, frisch Nachklang: warmes und weiches Finish mit Fruchtnoten
Tasting Note Knockeen Hills Extra Gold Strength 90%:
Aroma: Fruchtnoten von Zitrone und Sommerfrüchten, etwas Süße Geschmack: wärmend mit Würze, sehr fruchtig, Vanillenoten Nachklang: langer warmer Abgang
Zwei Neuheiten von Tomatin gibt es heute ebenfalls zu vermelden, und beide setzen sozusagen alte Traditionen fort. Uns haben dazu zwei englischsprachige Pressemitteilungen erreicht, die wir auf whiskyexperts.com veröffentlichen werden. Die wichtigsten Punkte daraus aber natürlich zuerst hier:
Der Cù Bòcan – The Bourbon Edition kommt klarerweise aus Bourbon-Fässern (die zweite Abfüllung war aus Sherry-Fässern, Nummer 3 aus Virgin Oak und die erste aus allen vier Fasstypen). Sechstausend Flaschen wird es geben, abgefüllt mit 46%. 50 Pfund muss man für den Whisky in England bezahlen.
Die Contrast Limited Edition besteht aus 2 0.35l-Flaschen, die jeweils mit Whisky aus den Jahren 1973, 1977, 1988, 1991, 2002 und 2006 befüllt wurden. Flasche 1 stammt dabei exklusiv aus Ex-Bourbon Casks, Flasche 2 aus Ex-Sherry Casks, so dass man – ähnlich wie damals beim Cuatro – den Fasseinfluß auf den Whisky erleben kann. Beide sind mit 46% abgefüllt und kosten in England 100 Pfund. Von dieser Edition wird es jeweils 5400 Exemplare geben.
Schon heute am Vormittag geisterte eine Meldung über den Verkauf von Bladnoch auf der englischen Site für den Getränkehandel, offlicense.oc.uk, durchs Internet, wurde aber binnen kurzem wieder zurückgezogen. Nun hat die BBC diesen Verkauf bestätigt: Der australische Millionär David Prior hat die Lowland-Destillerie gekauft und verspricht, dort auch ab Ende 2016 wieder Whisky zu destillieren. Alle momentanen acht Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben, weitere werden geschaffen werden.
Die neue Firma, Bladnoch Distillery Limited, wird von David Prior geleitet. Auch der ehemalige Chief Executive der Scotch Whisky Association, Gavin Hewitt, ist mit an Bord.
Wir freuen uns, dass unser J.B.G Münsterländer Single Malt Whisky im diesjährigen Wettbewerb des ISW, Internationaler Spirituosenwettbewerb, in der Kategorie Deutsche Whisky, Single Malt, mit einer Goldmedaille ausgezeichnet wurde.
Am 17. März 2015 wurde bereits zum dritten Mal unser J.B.G Single Malt Whisky abgefüllt. Gereift in Bourbon Barrels erhielt der Single Malt Whisky sein Finish in Sherry Oloroso Fässern. Diese Abfüllung überzeugte die Jury des ISW und wurde nun erfolgreich prämiert. Die Anzahl der Flaschen ist auf 813 limitiert.
Die Gutsbrennerei Joh. B. Geuting präsentierte im September 2013 ihren ersten Münsterländer Whisky. Vier verschiedene limitierte Whiskys, darunter zwei Single Malt sowie zwei Single Grain werden zurzeit angeboten.
Die Gutsbrennerei Joh. B. Geuting schaut auf eine über 175-jährige Brennereitradition zurück und liegt im westlichen Münsterland. Der Familienbetrieb wird von Dipl. Betriebswirt Magnus Geuting in 6. Generation geführt. Der Münsterländer Single Malt und Single Grain Whisky wird mit eigenem, quellfrischen Brunnenwasser zweifach destilliert und auf die gewünschte Trinkstärke eingestellt. Er reift in Ruhe zwischen fast 200 Jahre alten Mauern und ist dort kaum Temperatur-schwankungen ausgesetzt. Die limitierten Whiskys der Gutsbrennerei Joh. B. Geuting sind mild, harmonisch und vollmundig.
Es ist nicht selten, dass man fünfstellige Beträge für besondere Abfüllungen von Scotch zahlen muss. Ganz anders hat es lange Zeit bei amerikanischem Whiskey ausgesehen: Dreistellig war da lange Zeit die Grenze, also im Vergleich zum Scotch wirklich „peanuts“.
Diese Zeiten sind leider auch schon vorbei – aber die Liste der teuersten amerikanischen Whiskeys, die The Whiskey Reviewer heute zusammengestellt hat (die Zahlen stammen von Wine Searcher), ist nicht so erschreckend für jemanden, der die Preise von Dalmore oder alten Macallans kennt. Der teuerste Whiskey kostet hier gerade einmal 3.619 Dollar und ist ein Michter’s Celebration Sour Mash Whiskey.
Die restlichen Whiskeys haben oft „Van Winkle“ im Namen, ein Umstand, der Liebhaber amerikanischer Whiskeys nicht wirklich erstaunt.
Alte Abfüllungen aus Strathisla sind nicht wenige am Markt zu finden, die meisten davon stammen vom unabhängigen Abfüller Gordon & MacPhail aus Elgin. Aber auch andere Abfüller bieten hin und wieder schön gealterte Whiskys aus dieser Destillerie an.
Serge Valentin hat heute solche Whiskys aus Strathisla verkostet, darunter auch solche Abfüllungen, die schon lange nicht mehr am Markt sind, und hier sind die Resultate im Einzelnen:
Strathisla 35 yo (43%, OB, Bicentenary, 1986, 75cl): 83 Punkte
Strathisla 30 yo 1954/1984 (40%, Gordon & MacPhail, 75cl): 89 Punkte
Strathisla 42 yo 1954 (40%/80 US proof, Gordon & MacPhail, for John Gross Baltimore, +/-1996): 91 Punkte
Strathisla-Glenlivet 25 yo 1989//2015 (42.7%, Cadenhead, Authentic Collection, bourbon hogshead, 150 bottles): 85 Punkte
Strathisla 27 yo 1979/2007 (55.7%, Signatory Vintage, refill sherry butt, cask #1534, 605 bottles): 80 Punkte
Ende März des Jahres waren wir von Diageo zur Präsentation des Dalwhinnie Winter’s Gold in die Highlands eingeladen – einer neuen Abfüllung, die ab September in Deutschland erhältlich sein wird und mit einigen Besonderheiten in der Produktgeschichte aufwartet: Auch wenn er keine Altersangabe trägt, spielt beim Winter’s Gold die Zeit eine wichtige Rolle; in Form des Zeitpunktes, und nicht der Dauer. Und dann ist da die Kälte, die ihn von Anfang bis Ende prägt. Unser Redakteur Bernhard Rems hat den folgenden Beitrag darüber gestaltet und entführt Sie mit ihm zurück in den ausklingenden schottischen Winter:
[divider]Der Winter ist ein Dieb.[/divider]
Wenn man von Pitlochry die A9 nordwärts in die Cairngorns fährt, ändert sich die Landschaft schneller als das Sonnenlicht zum Abend hin schwinden kann, selbst an einem kühlen Märztag wie diesem. Zuerst bewegt man sich noch durch grüne Hügel, auf denen Schafe unter knorrigen Bäumen grasen, dann dominieren vegetationslose, mit Schnee besprenkelte Bergflanken, denen eine dem zurückkehrenden Winter geschuldete Raureifdecke nach und nach alle Farben stiehlt. Alles wird Kontur, bis auf die Wolken, die vom Abendrot wie von einem manischen Impressionisent in ein hysterisches Gold getaucht werden.
Der Blick aus dem Range Rover ist nicht wirklich auf Fotos bannbar, zu gewaltig ist er. Und während wir unsere Reise fortsetzen, zeigt uns das Gesehene, wie krass und wie bestimmend hier der Winter und die Kälte sein können. Ein später März hat noch nicht die Kraft, ihn dauerhaft aus dem Land zu weisen. Der Winter will bleiben. Und er bleibt.
Wir fahren in Richtung Dalwhinnie, die nach eigenem Bekunden höchstgelegene schottische Destillerie (Braeval läuft ihr in Wahrheit allerdings um ein paar Fuß den ersten Rang ab). Jedenfalls ist sie gesichert aber jene, die die kältesten Jahresdurchschnittstemperaturen (6 Grad Celsius) erdulden muss. Selbst im Hochsommer kann man dort schnell einmal im unangenehmen einstelligen Bereich landen, auch wenn man Edinburgh hemdsärmelig und voller Sommergefühle verlassen hat.
An diesem Abend jedenfalls, als wir mit Global Malt Ambassador Donald Colville aus dem Wagen steigen und einen ersten Blick auf die Destillerie mit ihren Pagodendächern und den imposanten Worm Tubs erheischen, gewinnt der Winter die Oberhand. Es fängt an zu schneien.
Der Winter ist ein Dieb. Er hat uns das Licht und die Farben und die Geräusche gestohlen, und wenn er die Wolken zu Boden drückt, dann nimmt er uns auch die Dimensionen. Es ist plötzlich, als wäre nichts mehr da als die Destillerie und wir.
[alert type=white ]Exkurs: Die Destillerie Dalwhinnie
1897 haben John Grant aus Grantown-on-spey, George Sellar aus Kinguissie und Alexander Mackenzie, ebenso aus Kinguissie, die Destillerie Strathspey bei Dalwhinnie gebaut, zwischen der Great North Road und der Highland Railway – in einer abgelegenen Region der Highlands. Die Lage an einem Verkehrsknotenpunkt hat nicht geholfen, die Destillerie erfolgreich zu machen – schon im Jahr darauf wurde sie liquidiert und von AP Blyth übernommen, der sie in Dalwhinnie umbenannte.
Nach einem kurzen Gastspiel in amerikanischer Hand wird Dalwhinnie während der Prohibition wieder schottisch – und 1934, als nebenbei zum ersten Mal elektrischer Strom nach Dalwhinnie kam, ein Raub der Flammen. Vier Jahre Stillstand waren die Folge.
1961 wurden die Brennblasen mit Dampf geheizt statt wie bis dahin mit direktem Kohlefeuer. Und 1972 wurde statt Kohle Öl verwendet.
Nicht alles in Dalwhinnie wird aber immer moderner. Dort, wo es Sinn macht, besinnt man sich der Tradition. 1996 werden traditionelle Worm Tubs installiert – ein Umbau, der heute eine besondere Bedeutung erlangt, wie wir noch sehen werden.[/alert]
[divider]Der Winter ist ein Alchemist.[/divider]
Donald Colville führt uns gemeinsam mit Distillery Manager Bruce D. Mackenzie durch Dalwhinnie. Jetzt, am Abend, und obwohl voll in Betrieb, wirkt die Destillerie ob ihrer wörtlich zu nehmenden Leblosigkeit fast gespenstisch. Nur wenige Personen überwachen die Prozesse, die fast völlig automatisiert ablaufen. Man hört die Maschinen arbeiten, riecht die würzige Luft über den Gärbottichen, ständig begleitet vom Grundrauschen des Dampfes in den Rohren und der fast schon drückenden Wärme, die den Winter draußen vergessen macht. Aber sonst ist man mit dem Werden des Whiskys allein. In einer eigenen Welt stehen wir, umgeben von Kupfer und Edelstahl und dem Eindruck, in einem ins Riesige aufgeblasenen alchemistischen Labor zu verweilen.
Und irgendwie stimmt das, das mit der Alchemie. Irgendwie ist sie auch der Grund unserer Reise, die im Normalen begonnen hat und jetzt dem Pittoresken verfällt. Denn so, wie die Alchemisten versuchten, aus normalen Materialien Gold herzustellen, so hat man bei Dalwhinnie versucht, mit Hilfe des Winters und seiner Kälte als magische Zutat etwas Besonders zu erschaffen.
Der Winter ist ein Alchemist. Seine Kräfte erschaffen Neues aus Gewohntem. Sie erschaffen das Gold des Winters. Dalwhinnie Winter’s Gold.
[alert type=white ]Exkurs: Destillation und Geschmack
Ein Gutteil des Geschmacks eines Whiskys kommt von der Fasslagerung. Aber wo und wie der Alkohol zuvor destilliert wurde, ist alles andere als egal. Auch der Destillationsprozess prägt den Charakter eines Whiskys entscheidend. Das ist auch ganz leicht daran erkennbar, wie unterschiedlich die New Makes von verschiedenen Destillerien schmecken.
Dass die wichtigsten Komponenten der Destillationsanlage aus Kupfer gefertigt sind, hat einen Grund: Kupfer ist bestimmend für den Geschmack des Destillates – und das gilt auch für die Worm Tubs. Je weniger Kontakt das Destillat darin mit dem Kupfer hat, desto mehr schwefelig wird es im Ansatz, und desto mehr kann es sich danach bei Dalwhinnie in Richtung eines honigartigen, mit Heidekraut durchsetzten Geschmacks entwickeln.[/alert]
[divider]Der Winter ist ein Künstler.[/divider]
Als wir von unserer Tour und einem Abstecher ins Warehouse vor Ort in das Besucherzentrum zurückkommen, stellt uns Donald Colville den neuen Dalwhinnie Winter’s Gold vor. Und er tut das nicht in der von uns erwarteten Art. Er gibt dem Winter ein weiteres Spielfeld: Er serviert den Dalwhinnie Winter’s Gold eiskalt.
Kälte ist von Anfang an die Farbe, mit der, in allen Schattierungen, der Winter’s Gold gemalt wird. Dalwhinnie ist, wie schon erwähnt, per se die kälteste Destillerie Schottlands. Und Master Blender Dr. Craig Wilson sucht für den Winter’s Gold dazu auch nur jene Fässer aus, die in den Wintermonaten mit Destillat befüllt wurden.
Warum tut er das? Je kälter es draußen vor Dalwhinnie ist, desto weniger kommt der New Make mit dem Kupfer der Kondensatoren in Berührung, die sich ja in den riesigen Worm Tubs im Freien befinden. Durch diesen geringeren Kontakt verändert sich im Winter der Geschmack des Destillats hin zu schwereren, süßeren Tönen.
Und auch beim Servieren soll die Kälte ihr Recht bekommen: Donald Colville empfiehlt, die Flasche aus dem Tiefkühlfach auf den Tisch zu stellen. Das Mundgefühl wandelt sich dadurch, der Dalwhinnie Winter’s Gold wird dickflüssiger, die Honignoten werden intensiv – und wenn man ihn dann mit der Hand wärmt, lösen sich der Duft von Heidekraut und leichte Anflüge von Rauch aus dem Glas und verleihen ihm seine ganz individuelle Note.
Der Winter ist ein Künstler. Er nimmt das Gegebene, interpretiert es neu und gibt uns damit neue Perspektiven. Und ist es nicht das, was überhaupt Wahrnehmung ermöglicht? Wäre alles statisch, würde sich nichts mehr verändern, blieben unser Standpunkt und unser Blickwinkel ewig derselbe – was könnten wir noch erkennen?
[alert type=white ]Dalwhinnie Winter’s Gold: Die offiziellen Tasting Notes
Global Malt Ambassador Donald Colville bei der Verkostung in Dalwhinnie
Erscheinungsbild: Gold, fast wie polierte Bronze
Nase: Breit, dicht, weich und sauber, aber dabei mit einem überzeugenden, süßen, honigartigen Charakter, der auf die folgende Verführung vorbereiten soll. Im Hintergrund immer leicht wachsartig, darüber Eindrücke von Früchten. Bilder eines Karamell-Törtchens auf kalter Aprikosensauce drängen sich auf, oder süßes Gebäck mit Orangenzesten. Man findet auch Menthol-Frische und eine unaufdringliche Rauchnote.
Gaumen: Dickflüssiges Mundgefühl, honigartig, süß und schön texturiert – als Gegengewicht dazu eine Tarte mit Herbstfrüchten. Dann wird es würziger, mit Pfefferkuchen, dann dichter mit einem Laib Malzbrot. Anklänge von Melasse und Minze, später dann weich, ferner Rauch. Die Beigabe von ein paar Tropfen Wasser ändert wenig am Gesamteindruck.
Finish: Exquisit und wärmend, angenehm dicht. Sanft mit süßem Malz, Rosinen und dunkler Schokolade. Endet aromatisch mit Spuren von Datteln und Sandelholz.
[/alert]
[divider]Der Winter ist ein Rebell.[/divider]
Wir sind in den Cairngorns, am nächsten Tag, nach einem ebenso unterhaltsamen wie ausgezeichneten Abendessen mit Distillery Manager Ewan Mackintosh, bei dem viel gefachsimpelt wird, aber auch viel genossen. Donald Colville führt uns, gemeinsam mit einem ortsansässigen Naturkundler, auf eine Wanderung in die Wälder dort. Der Frühling wagt sich aus dem Himmel, sinkt auf die noch karge Heide und versucht, die Natur dort wachzuküssen. Schneeglöckchen bilden einen ersten Hauch von Grün in dieser noch vor kurzem vom Winter zugedeckten Landschaft.
An einem See im Wald, zu den Klängen eines Dudelsacks, machen wir Rast. Noch einmal verkosten wir den Dalwhinnie Winter’s Gold, noch einmal genießen wir die Honigsüße, die aus der Kälte kommt. Noch einmal blicken wir in die großartige Landschaft der Highlands und lassen die Frische der Natur und die Frische des Whiskys auf uns wirken.
Der Winter ist ein Rebell – er beendet das Alte und macht Platz für das Neue. Und in der Tat ist der Winter’s Gold auch ein wenig eine Zäsur, denn in ihm liegt sowohl Tradition wie Innovation. Die Tradition in ihm besteht darin, dass er sich für seine Eigenheit auf handwerkliches Wissen und Können beruft – das Wissen um die temperaturabhängige Charakteristik des New Make und das Können bei der Fassauswahl.
Die Innovation des Dalwhinnie Winter’s Gold besteht darin, dass er mit Gewohnheiten und Regeln bricht. Er lebt nicht nur von der Regionalität, wie es jedem Single Malt gebührt, sondern ist vielleicht der erste Whisky, der seine Eigenheit mit Saisonalität begründet. Er spielt mit Temperatur, und es ist in der Tat interessant zu entdecken, dass sich der Geschmack des Winter’s Gold mit der Kälte radikal ändert.
Er kommt ab September nach Deutschland, gleichzeitig mit den anderen Märkten in Westeuropa – mit 43% abgefüllt. In England wird er 33 Pfund kosten, und für dieses Geld bietet er unserer Meinung nach passende Qualität. Mit seinem saisonalen Flair und der Aufforderung, ihn heruntergekühlt zu genießen, versucht er zweierlei: einen neuen Zugang zu potentiellen Whiskyfreunden zu finden und sich für versierte Whiskykenner interessant zu machen.
Man darf sich durchaus auf ihn einlassen, er ist eine gelungene Neuerscheinung; ein angenehmer Whisky, der gekühlt tatsächlich eine neue Dimension zeigt, die zu entdecken Spaß macht.
Im Sinne der Transparenz gegenüber unseren Lesern legen wir offen, dass die Reise zur Produktpräsentation von Dalwhinnie Winter’s Gold nach Schottland auf Einladung von Diageo erfolgte. Diageo hatte im Übrigen keinerlei Einfluss auf den Inhalt und die Aussage dieses redaktionellen Beitrages.
Ein wenig rauchiger Whisky in einem Cocktail kann wahre Erfrischungswunder wirken – und nicht alleine deshalb wäre es zumindest einen Versuch wert, vier getorfte Cocktails, die heute auf GQ präsentiert werden, einmal nachzumixen. Die Rezepte stammen von The Vault at Milroy’s, einer angesagten Bar im Londoner Stadtteil Soho, die sich hinter einem Bücherregal eines Whiskyshops versteckt, und sie beweisen einmal mehr, dass Whisky mehr drauf hat, als nur pur getrunken zu werden.
Abwechslung ist alles, und daher: Viel Vergnügen beim Ausprobieren!
Heute, wie üblich an einem Sonntag, möchten wir Ihnen wieder ein Video über Whisky vorstellen – diesmal begeben wir uns in eine Destillerie, die momentan gerade eingemottet ist und nach wie vor eine ungewisse Zukunft vor sich hat: Bladnoch.
Takayoshi Fujii hat in dem 13 Minuten langen Video gemeinsam mit Martin Armstrong, dem Sohn des ehemaligen Destilleriebesitzers Raymond Armstrong und als unabhängiger Abfüller unter Whiskybroker.co.uk tätig, einen Rundgang durch die Destillerie gemacht und dabei Einblicke auf Video festgehalten, die man bei den Touren in den großen Destillerien so nie und nimmer erhalten kann.
Das Video ist, wo der Kommentator japanisch spricht, mit englischen Untertiteln versehen, bei englischer Sprache dann japanisch untertitelt – gewöhnungsbedürftigt, aber des interessanten Videos wegen sollte man sich davon nicht stören lassen.
Das Video können Sie direkt bei uns ansehen oder natürlich auch auf Youtube. Viel Vergnüngen und einen schönen Sonntag, an dem wir natürlich, sollten interessante News eintrudeln, weiter für Sie da sind…
Übrigens: Auf unserer englischsprachigen Site whiskyexperts.com haben wir ein anderes Video von Bladnoch für Sie vorbereitet. Dort begleiten wir Raymond Armstrong ins Lagerhaus und sehen zu, wie er ein Fass für einen Kunden aussucht – ein interessanter Einblick in diese Tätigkeit, die viel Fachverstand erfordert.
Wie versprochen setzt margaretemarie heute ihren Artikel über die Brennerei Alt-Enderle heute fort (vom ersten Teil berichteten wir hier) – diesmal mit dem Interview selbst. Hier ein Teil der Antwort auf die Frage, ob der deutsche Whisky langfristig überhaupt eine Chance am Markt hat:
Wir sind hier in Deutschland und sollten uns nicht unbedingt an den Schotten ein Vorbild nehmen. Mich ärgert immer, wenn jemand sagt: „der Whisky schmeckt nicht wie bei den Schotten„. Nein! Wir sind hier in Deutschland! Es wäre schlimm, wenn unsere Whiskys nach Schottland schmecken würden. Wir haben ein anderes Klima! Wir haben andere Sorten!
Wir haben hier auf der Schwäbischen Alb Betriebe, die machen Alb-Dinkel. Das ist doch eine gigantische Sache. Ein einheimisches Produkt. Wir haben hier einen Bio-Betrieb mit 180 ha Emmer. Und neulich konnte ich eine Ladung Weizen kaufen von der Sorte „Schwarze Madonna“. Es gibt heute vielleicht noch zwei Betriebe in ganz Deutschland, die noch „Schwarze Madonna“ haben. Das muss man doch mal probieren! Wir haben doch eine ganz andere Vielfalt!
Den Rest der Antwort und jede Menge andere interessanten Antworten auf ebenso interessante Fragen lesen Sie im Originalartikel.
Joachim Alt und Michael Enderle. For (c) margaretemarie
Die generelle Situation für Whisky ist nicht gerade rosig, mit schwächelnden Verkäufen in den Hauptmärkten – die Arran-Destillerie lässt dieser Umstand kalt: sie meldet Rekordumsätze und den höchsten Gewinn seit ihrem Bestehen, berichtet The Scotsman.
Während die Umsätze im Vorjahr um 21 Prozent stiegen, konnte der Nettogewinn sogar um 51% erhöht werden. Den größten Anteil daran haben Taiwan, Kanada und Deutschland. Insgesamt ist Arran nun auf 45 Märkten vertreten, man denkt aber daran, so Managing Director Euan Mitchell, noch weitere Märkte zu beliefern.
Laut Mitchell ist das starke Wachstum Ergebnis einer fokussierten Strategie. Und man gedenkt, diese Strategie weiter zu fahren.