Es hat ein klein wenig länger gedauert als sonst, nun aber steht das Programm der Masterclasses auf der Finest Spirits in München – und ist auch online zu sehen.
Auch wenn der diesjährige Schwerpunkt der Messe (19. bis 21. Februar 2016) auf Wodka liegt, stellen die Whisk(e)ys das Gros der Masterclasses. Schon am Freitag um 17:00 Uhr starten Maggie Miller (Scotch Single Malt Circle) und Karen Fullerton (Glenmorangie Global Brand Ambassador) mit ihren Tastings das Programm der Finest Spirits. Aus Whisk(e)y-Sicht schließt Timo Lambrecht (Bremer Spirituosen Kontor) dann am Sonntag den Reigen der Tastings mit seiner kleinen Weltreise.
Vorbestellungen sind nicht möglich, die Karten für die Masterclasses können nur am selben Tag im Festivalshop erworben werden.
Wer schon einmal in Schottland war weiß, was – abseits des Whiskys – für ein großartiger Platz für Naturerlebnisse dieses Land ist. Beeindruckende Landschaften, unberührte Weiten und unvermittelte Natur – all das findet man immer gleich ums Eck.
Die 10 schönsten Plätze für Wanderungen hat sich nun Third Force News aus Schottland herausgesucht und damit einen sehr schönen und für Schottlandreisende sehr hilfreichen Artikel gestaltet. Die Auswahl umfasst abgelegene Gegenden, Parks und Anwesen, und natürlich gibt es zu jedem Vorschlag weiterführende Links. Hier mal die 10 Regionen, die man sich ausgesucht hat:
Grey Mare’s Tail Nature Reserve
House of the Binns Estate
Hill of Tarvit Garden and Estate
Culzean Country Park
The Hermitage
House of Dun Garden and Estate and Montrose Basin Nature Reserve
Von Glenfarclas gibt es jetzt die dritte Ausgabe des Glenfarclas 50yo aus der Six Generations Edition. Sie ist George Grant (1874-1949) gewidmet. Die Lagerung des Whiskys erfolgte in ex Oloroso Sherry Casks, bevor 937 Flaschen davon mit 41,1% abgefüllt wurden (nicht gefärbt und ohne Kältefiltration), 60 davon für den deutschen Markt. Die Edition wird in einer Lederbox mit einer Abbildung von George Grant geliefert – und soll über 2000 Euro pro Flasche kosten.
Die englischsprachigen Tasting Notes haben wir für Sie wie üblich übersetzt:
In der Nase unerwartet jugendlich mit frischem Sherryduft.
Im Glas nach einiger Zeit Noten von Crème Caramel und Butterscotch. Der Geschmack besitzt eine gewisse Würzigkeit, die sich aber nie in den Vordergrund drängt. Danach Toffee, Schokoladeneiscreme und mit Sherry vollgesogene Rosinen.
Im Finish eine wunderschöne Balance aus Sherry, gewürzten Früchten und Zimt sowie eine ewig andauernde Süße, die man von 50 Jahren in den besten Sherryfässern erwarten darf.
Eine interessante Session hat Serge Valentin hinter sich: Er hat diverse Blends verkostet, einen aktuellen, der Rest davon war bis zu 100 Jahre alt. Diesmal sind die Beschreibungen und Kommentare mehr als ausführlich, ein Blick auf seine Seite, über unsere Punkteliste hinaus, zahlt sich daher, noch mehr als ohnehin immer, aus :-).
Jedenfalls hier die Bewertungen, die sich teilweise in astronomische Höhen aufschwingen:
House of Lords 12 yo (40%, OB, blend, France, +/-1980): 82 Punkte
Chivas Regal 18 yo ‘Gold Signature’ (40%, OB, blend, +/-2015): 83 Punkte
Chivas Regal 25 yo (OB, blend, 113cl, +/-1915): 93 Punkte
Grant’s ‚Liqueur Scotch Whisky‘ (OB, blend, early 1930s): 90 Punkte
Grant’s ‚Stand Fast‘ (70° proof, OB, blend, early 1930s): 80 Punkte
Old Angus (OB, blend, 1930s): 92 Punkte
King’s Legend ‘Old Special’ (OB, Ainslie & Heilbron, blend, spring cap, +/-1955): 91 Punkte
Fifesay 10 yo (20 U.P., OB, bottled 1920s): 93 Punkte
Der Whiskeyboom in Amerika bringt auch Jack Daniel’s in Tennessee dazu, Geld in den Ausbau seiner Anlagen zu stecken – um die globale Nachfrage und den lokalen Besucheransturm besser bewältigen zu können, wie das Unternehmen in einem Artikel auf whas11.com (einer Website des ABC News Networks) bekanntgab.
Die 140 Millionen Dollar werden in zwei neue Lagerhäuser, die Erweiterung der Abfüllanlage und den Ausbau des Besucherzentrums gesteckt. Über 275.000 Touristen haben nach eigenen Angaben die Destillerie im Vorjahr besucht, und man rechnet mit stetig wachsenden Zahlen.
Die Investition kommt übrigens nicht einmal drei Jahre nach dem letzten großen Ausbau, der damals knapp 100 Millionen Dollar kostete…
Laut einem Bericht in marketwatch.com hat der französische Getränkegigant Pernod Ricard in seinem letzten Finanzhalbjahr noch besser als zuvor verdient. Der Gewinn stieg im 2. Halbjahr 2015 um 9% auf 909 Millionen Euro (rechnet man die vorteilhaften Wechselkursschwankungen heraus, bleibt immer noch ein Plus von 4%). Dabei stieg zum Beispiel der organische Gewinn von Jameson um 11%, während der Gewinn bei Chivas um 2% sank.
Das Plus verdankt der Konzern vor allem guten Verkäufen in den USA und in den asiatischen Märkten (ausgenommen China). In Europa lief es nicht so gut, hier gab es ein Minus von 2%.
Ein stimmungsvolles Bild aus der nördlichsten Festlanddestillerie Schottlands, Wolfburn: Die ersten Fässer werden aus den Lagern zur Abfüllung in Flaschen gerollt. Nun wird es tatsächlich ernst mit der Inaugural Release…
Das Thema asiatische Whiskys ist das bestimmende in einem Interview, das about drinks mit Timo Lambrecht vom Bremer Spirituosen Contor geführt hat. Das Bremer Spirituosen Contor ist einer der großen deutschen Importeure und Großhändler von Whiskys sowie anderen hochprozentigen Getränken.
In diesem Auszug aus dem Interview geht es zum Beispiel um die Whiskys von Togouchi:
Timo Lambrecht: Die Chugoku Jozo Destillerie besitzt keine eigene Whiskybrennerei, sondern produziert hauptsächlich japanische Spezialitäten wie Fruchtliköre, Sake und Shouchu. Nur der Vorgang der Reifung und des Blendens wurden und werden durch die Master Blender der Chugoku Jozo Destillerie durchgeführt. Gelagert werden die eingekauften Whiskys in einem Tunnel in einem Berg mit einer Länge von 361 Metern, welcher im Jahr 1970 von der japanischen Eisenbahngesellschaft JR gebaut wurde, um die Strecke von Kabe nach Hamada in Shimane zu erweitern. Dieses Projekt jedoch kam nie zur Vollendung, so dass dieser Tunnel, nun im Besitz der Gemeinde Togouchi, die Interessen von Chugoku Jozo weckte, da dieser mit einer konstanten Temperatur von 14°C und einer Luftfeuchtigkeit von 80% ideale Bedingungen für die Reifung des Shochu und Whiskys liefert. Seitdem reift der Togouchi an diesem ungewöhnlichen Ort.
Auch über indische Whiskys erzählt Timo im Artikel. Einfach unserem Link folgen.
Unter dem Titel „Trends in Latin America are good for Scotch“ hat der CEO der Scotch Whisky Association, David Frost, einen Essay über seine Sicht auf den lateinamerikanischen Markt beschrieben. Die Länder dort gelten ja als Hoffnungsmarkt für die schottische Whiskyindustrie, und was Frost in seinem Artikel schreibt, scheint diese Hoffnung zu unterstützen. Er bezeichnet Scotch sogar als Zugpferd für andere wirtschaftliche Beziehungen Schottlands zu der im Artikel angesprochenen Region.
Der Artikel in Herald Scotland erscheint im übrigen im Vorfeld einer Handelskonferenz, die in der kommenden Woche in Edinburgh stattfinden wird und die wohl dazu genutzt wird, die Exporte von Scotch nach Südamerika weiter anzukurbeln.
Eine Reihe von unabhängigen Abfüllungen aus der Destillerie Bruichladdich wurden von Serge Valentin für seine Tasting Notes von heute verkostet, darunter auch ein Bottling des deutschen Abfüllers Anam na h-Alba aus dem Vorjahr – und das wurde auch mit der Höchstnote der heutigen Session ausgezeichnet, nämlich mit 90 Punkten.
Generell gab es gute Wertungen für die Whiskys aus der Islay-Destillerie:
Bruichladdich 15 yo (43%, OB, Moon Import, 75cl, +/-1985): 82 Punkte
Bruichladdich 1991/2015 (53.3%, Gordon & MacPhail, Cask Strength, refill hogsheads, casks #2775, 2776, 2780): 87 Punkte
Bruichladdich 11 yo 2004/2015 (58.4%, Hunter Laing, Old Malt Cask, cask #2530): 84 Punkte
Bruichladdich 22 yo 1992/2015 (53.3%, Cadenhead, Authentic Collection, bourbon hogshead, 222 bottles): 88 Punkte
Bruichladdich 22 yo 1991/2014 (55.9%, Anam na h-Alba, bourbon hogshead): 90 Punkte
Titelbild: Bruichladdich. Bildrechte bei Lars Pechmann
Offiziell wird er im Februar in den USA veröffentlicht, aber Flaschen von den Jack Daniel’s Single Barrel Releases schaffen relativ rasch auch den Weg über den großen Teich und können hier erworben werden – das gilt wohl auch für den neuen Jack Daniel’s Single Barrel Rye Whiskey.
Der Jack Daniel’s Single Barrel Rye ist der erste ausgereifte Whiskey von Jack Daniel’s, bei dem der Roggen in der Mashbill die Oberhand hat. Genauer gesagt: 70% Rye, 18% Corn und 12 Prozent malted Barley. Kosten wird der Whiskey in den USA ca. 50 Dollar, abgefüllt ist er mit 47%, berichtet Bevnet.
Vor knapp zwei Stunden hat Alasdair Day, Mitgründer von R&B Distillers, dem Unternehmen hinter der geplanten Destillerie auf der Insel Raasay, die freudige Mitteilung über seinen Linkedin-Account verbreitet: Die Planning Commission für die Destillerie, über die wir bereits mehrmals berichtet haben, ist von der Highland Council heute erteilt worden. Damit können nun die nächsten Schritte zum Bau der Destillerie auf der Insel östlich von Skye gesetzt werden.
Für die ganz Neugierigen lassen sich übrigens alle hiermit zusammenhängenden Dokumente auf dieser Website der Highland Council einsehen.
Unser Titelbild zeigt das geplante Destilleriegebäude in einer künstlerischen Skizze.
Nachdem wir schon vor einiger Zeit den Benromach 35yo mit Begeisterung verkostet haben (siehe hier), ist heute Serge an der Reihe. Als Sparringspartner für seine Verkostung hat er sich den Benromach 10yo ausgesucht – für sich schon ein bemerkenswert guter Whisky. Und in der Tat kann er auch gegen ein Schwergewicht wie den Benromach 35yo bestehen. Der geht allerdings als Sieger aus der Verkostung – auch Serge findet ihn ausgesprochen gelungen, was sich in einer Wertung über 90 Punkte niederschlägt.
Benromach 10 yo ‚100° proof‘ (57%, OB, +/-2015): 87 Punkte
Benromach 35 yo (43%, OB, 2016): 91 Punkte
Titelbild: Benromach. Author Cls With Attitude.This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 2.5 Generic license.
Prometheus 27yo Cache#2, 47%
Verkoster: Reinhard Pohorec Sample: A Wee Taste of Scotland
Da ist er also, viel diskutiert, sehnsüchtig erwartet und von Mythen und Mystik umrankt – Prometheus geht in die zweite Runde, die zweite Abfüllung des raren, nicht offiziell deklarierten Speyside Single Malts, der in strengst limitierter Menge den Whisky Enthusiasten zum Genuss feilgeboten wird.
Lassen wir die vielen Worte und Floskeln und tauchen schlichtweg die Nase und Zungenspitze ins Glas, in die kleine Pfütze kostbaren Whiskys.
Nase: schwer üppig und mit einer ungemein sanften, tiefen Harmonie schwingen die Duftwellen hin und her, unmittelbar hat man das Gefühl, dass der Prometheus wahrlich in sich ruht, seine Mitte gefunden hat, von graziler Reife und fast ehrfurchterbietender Würde, beinahe schon kokett selbstsicher, fruchtige, frisch-rote Apfelnoten, Birnenmost nebst etwas parfümierter Quitte, stängelig schalig auch die Reminiszenz von Zitrus und ätherischen Spitzen, dick gekochter Porridge schimmert dahinter, überbordend volle Getreidefelder, in schwer goldgelbe Sonnenstrahlen getaucht, samtig, ein wenig Kornblume, Muskatblüte und dann macht sich erstmalig der dunkle Rauch auf, die Szenerie zu bereichern, geröstete Walnuss, gekleidet in röstig dunklen Karamell, Pumpernickel mit Waldhonig dick bestrichen, lemon sherbet, angedrückte Kardamomkapseln legen sich elegant neben Küchenkräuter, Sauerampfer, etwas Salbei aber auch Rosmarinnadeln, gelbfruchtig, fast marmeladig, Marille, pürierte Weingartenpfirsiche zu weiß glimmender Asche, Sanddorn kommt dann bevor sich einmal mehr die würzig-rauchigen Akzente in die erste Reihe schieben wollen. Es ist ein ständiges In-Bewegung-Sein, ein andauerndes Wogen der Brandung, eine Flut von Düften und Eindrücken, welche die Sinne betört
Gaumen: ebenso gewaltig setzt sich der Whisky auf die Zunge, gelockert und pointiert von straff würziger Reife, holzig rauchige Akzente von glimmenden Kohlen, schwarz eingelegten Nüssen, verbranntem Karamell und geröstetem Getreide, Malzkaffee, Salzmandeln und Sesam, dann die marmeladige Süße mit Erinnerungen an Marille, Birnenquitte und dem schon duftig präsenten, roten Apfel, geriebene Muskatnuss, Zimtzucker und auch etwas tropische Frucht, ein leiser Umami Anflug, maritime Einflechtungen, Meeresbrandung und auch die dazu wehende Brise, eine frische Gischt von grünlicher Herbe, Seetang, Nori Alge und Sepia, druckvoll und sehr üppig ist der Körper, dennoch filigran gezeichnet, die Würze und Komplexität kitzelt immer wieder eine Idee von Frische über den Gaumen, Weihrauch, Moschus und Myrrhe branden auf, wahrlich sakrale Noten und eine kontemplativ, geistliche Größe, die man in diesem Malt mit Sicherheit zu entdecken vermeint, beeindruckend!
Finish: als krönende, finale Inszenierung spannt sich ein Spannungsbogen über die Geschmacksknospen, der den Malt schier endlos erscheinen lässt, kolossal ist der Abgang, getragen von dem Spiel aus Würze, Gerbstoff und holzig-kompaktem Fokus, sowie der dick üppigen Fruchtsüße, Cremigkeit und der öligen Statur, Frucht, Gewürze, Kräuter – make your pick, es ist alles da. Nie ist das Sherry Fass übertönend, nie fordern Säure, Holz oder Alkohol zu viel vom Genießer, stets ist da diese Harmonie, diese Ruhe und Überlegenheit. Noch einmal zeigen sich Menthol, samtweiche, rote Beeren, Rosenblüten und Laubblätter, Sternanis, Lavendel und Arancini.
Alles in allem: Wie ein zutiefst selbstreflektierter, erfahrener Mensch, der scheinbar alles gesehen und erlebt hat, wie eine Speise, die kaum feiner zu komponieren sei, wie ein Kunstwerk, dem wenig hinzuzufügen sei – so imposant, groß und stolz steht Prometheus 27y da.
Man muss sich nicht vom Gerede imponieren lassen, man muss nichts auf Blabla und ach so schöne Marketing Stories geben, aber wenn ein Whisky so fein gezeichnet ins Glas und auf den Gaumen kommt, bleibt man ehrfürchtig und freudig, wie ein kleines Kind vor seinem Glas sitzen, ein Lächeln auf den Lippen, die Gedanken in die Ferne schweifend und auf der Suche nach all der Reife und Erfahrung eines solchen Malts. Weltklasse.
Mit den besten Spirits,
Reinhard Pohorec
Seit Beginn des Jahres verzichten wir in unseren Tasting Notes auf numerische Bewertungen und geben unseren Eindruck nur mehr über die Beschreibung wieder. Wir tragen damit unserem Gefühl Rechnung, dass man mit einem starren Punkteschema Vergleiche forciert, die den Whiskys nicht gerecht werden. PS: Wir haben Geschmack. Unseren. Nicht Ihren. Unsere Verkostungsnotizen sind also kein richterliches Urteil, sondern unser persönlicher Eindruck.