Wie das Wallstreet Journal Online vor einer knappen Stunde berichtet, sind die weltweiten Verkäufe von Diageo im dritten Quartal des Vorjahres um 1.3% gesunken. Während das Geschäft in den USA um 1.2% anzog, ging es vor allem in Asien deutlich (-19%) zurück. Diageo-Chef Ivan Menezes macht das „schwierige gobale Umfeld“ für den Rückgang verantwortlich.
Der Verkaufsrückgang bei Diageo fügt sich nahtlos in das gesamte Bild der schottischen Whiskyexporte ein (wir berichteten).
Aus Los Angeles stammen die beiden Flaschen Rye Whiskey, die Serge Valentin heute für Whiskyfun verkostet. Wir bezweifeln, dass diese Abfüllungen bei uns erhältlich sein werden, aber nach Los Angeles kommt man ja hin und wieder (ok, mehr hin als wieder), also könnten diese beiden Verkostungsnotizen durchaus mehr als nur von akademischem Interesse sein:
High West ‘Double Rye!’ (46%, OB, USA, batch #13k21, 2013): 84 Punkte
Bilder von ihm gibt es aus der Destillerie Glengyle aus der Region Campbeltown noch nicht, aber die offiziellen Tasting Notes sind schon vorhanden: Der neue Kilkerran Work In Progress 6 soll in Bälde erscheinen, und es wird ihn so, wie bereits in der Ausgabe 5, einmal als Sherry Wood und einmal als Bourbon Wood geben. Hier also die übersetzten Verkostungsnotizen:
Kilkerran WIP6 Bourbon Wood
Nase: Einladend und heimisch von Beginn an. Reife, grüne Äpfel, süße Kräuter und voller miz Zucker glasierter Aprikosen. Gaumen: Nüsse! Ölige Walnüsse, die zu den Geschmacksnoten der Nase noch hinzukommen. Mehr „in Perfektion“ als „in Arbeit“, mit einer schönen Ausgewogenheit zwischen den süßeren Fruchtnoten und den lebendigeren Gewürzen. Es ist unmißverständlich Campbeltown, tröstend und reichhaltig. Mit einem Hauch Wasser wird das Ganze noch süßer und klebriger. Finish: Nichts für Ungeduldige. Behandelt es wie ein schweres Kreuzworträtsel, gebt ihm Zeit und freut euch über diesen fabelhaften Whisky.
Kilkerran WIP6 Sherry Wood
Nase: Verwegen und schön. Klar, aber subtil. Noten voon europäischer Roteiche, ein wirklicher Star unter den gereiften Sherrys. Gaumen: Der Sherryton wird noch deutlicher am Gaumen. Dunkle Schokolade, Datteln, Pflaumen, harter Toffee, Melasse und Lebkuchenglasur. Grillrippchen mit Honig, aber ohne jeglichen Rauch. Finish: Ausgeglichenheit in Reinkultur, fast wie eine Ballerina. Ein wirklich harmonischen Balance zwischen allen Komponenten dieses Drams. Ein endloses Finish, das im Sherryton seinen Widerhall findet.
Vom unabhängigen Abfüller A.D. Rattray ist zu erfahren, dass sein Single Malt „Stronachie“ (man munkelt, dass es sich dabei eigentlich um einen Benrinnes handelt, denn genau in dieser Destillerie wird er abgefüllt) ein neues Verpackungsdesign erhält. Und auch bei den Altersstufen ändert sich etwas: Der 18yo bleibt bestehen, aber der 12yo wird durch einen 10yo ersetzt. Auch hier macht wohl die Nachfrage den Whisky jünger…
Es wird ihn erst am 31. Mai geben, aber Miss Whisky alias Alwynne Gwilt aus London hat die erste unabhängige Review des Ardbeg Auriverdes am Start (wir berichteten über die neue Release zum Ardbeg Day 2014 unter anderem hier). Ihr Urteil im englischen Original:
In conclusion: this is a sticky, smoky, rich whisky – more vanilla heavy than I might have imagined and that ‘mocha’ the company was aiming for definitely comes out. It is my favourite Ardbeg? No, I don’t think so. I still prefer Galileo. But one to try? Definitely. I’d recommend getting a dram of this one first at a bar on Ardbeg Day if you can manage it before committing to a whole bottle as it may be too sweet for a lot of traditional Ardbeg fans.
In Deutsch kurz zusammengefasst: Der Auriverdes ist dicht, rauchig, mehr Vanille als üblich. Es ist nicht ihr liebster Ardbeg (das ist nach wie vor der Galileo), aber sicher zum Probieren bestens geeignet. Und das sollte man auch, den für eingefleischte Ardbeg-Fans könnte er zu süß sein.
Angeblich soll er so aussehen und schmecken wie normaler Whisky – und er ist nur ein Produkt im Portfolio der Firma ArKay Beverages, die in den USA, genauer gesagt in Fort Lauderdale ansässig ist: der ArKay Alcohol Free Whisky. Er sei, so die Webseite, ideal für Menschen, die den Whiskygeschmack lieben, ihn aber aus medizinischen oder religiösen Gründen nicht trinken können. ArKay, so die Firma weiter, hat es geschafft, das alkoholische „Brennen“ ohne Alkohol nachzubauen und damit den Geschmackseindruck eines alkoholischen Getränks nachzubilden.
Neben Whisky ohne Alkohol gibt es von ArKay auch Brandy, Curacao oder Amaretto, die Flasche jeweils um umgerechnet 25 Euro. Wir bemühen uns gerade um ein Testsample – der Anspruch, „so wie Whisky zu schmecken“ bedarf unserer Meinung nach durchaus einer sensorischen Überprüfung, zumal die Frage zu stellen ist: „so wie WELCHER Whisky“?
Geschätzte 2 Millionen gefälschte Whiskyflaschen sind in Australien seit 2005 an Konsumenten verkauft worden – das macht Australien zu einem der schlimmsten Regionen für solche Markenfälschungen. Und billig zusammengeschusterter Sprit ist nicht nur vom Geschmack her kein Kavaliersdelikt – im schlimmsten Fall, man erinnere sich an die Probleme in der Tschechei vor einigen Jahren, kann das „Vergnügen“ auch tödlich enden.
Nun hat die SWA einen entscheidenden Sieg im Kampf um den unverfälschten Whisky in Australien gewonnen: Scotch Whisky ist nun eine „Certification trademark“, was bedeutet, dass das Fälschen von Whisky wesentlich schwerer wird. Australische Firmen haben Scotch mit anderem Alkohol verschnitten und weiter als Scotch verkauft oder billigen Whisky durch das Einsetzen von Eichenstäben ins Fass künstlich gereift – man spricht von 40 Marken, die so gearbeitet haben, und das mag nur die Spitze des Eisbergs gewesen sein – durch die Zertifizierung wird es nun wesentlich einfacher, diese Verfälschungen gesetzlich zu verfolgen und abzustellen.
Die letzten Reste von Littlemill vor der Verbauung. Foto von Potstill.org
Zwei der ungewöhnlichsten Littlemill verkostet Serge Valentin heute auf Whiskyfun. Die Ungewöhnlichsten, weil der eine mit 38.5% Vol. abgefüllt wurde (aufgrund der damaligen Gesetzeslage legal), und weil der Zweite ein Sherry-Fass-Finish genoss, und Serge Valentin sich vor der Verkostung fragt, was wohl noch vom Littlemill-Charakter übrig bleibt. Beide erreichen hohe Punktzahlen; der 30jährige überzeugt trotz seiner geringen Alkoholstärke – entgegen der ersten Vermutungen kommt er nicht flach daher.Und der Littlemill aus der Riegger’s Selection ist ein sehr guter sherried Littlemill.
Littlemill 30 yo (38.5%, OB, Edinburgh crystal decanter, 75cl, +/-1985? 90 Punkte
Der Boden der Destillerie Invergordon ist geschichtsträchtig für Single Malt Enthusiasten, auch wenn Invergordon selbst eine Grain-Destillerie ist und relativ spät, erst im Jahr 1959, gegründet wurde. Sie beherbergte nämlich zwischen 1965 und 1977 die Destillerie Ben Wyvis, deren Abfüllungen heute zu begehrten und kaum mehr leistbaren Sammlerstücken geworden sind.
Aber auch Invergordon als Grain-Destillerie ist bemerkenswert – ist sie doch die einzige ihrer Art in den Highlands und nimmt so eine Sonderstellung ein. In 4 Coffey Stills wird in kontinuierlicher Destillation bis zu 3.6 Millionen Liter Spirit produziert, das Wasser dazu stammt aus dem Loch Glass. Nur ein ganz geringer Teil der Produktion wird als Single Grain Whisky abgefüllt, insgesamt gibt es knapp über 100 Abfüllungen daraus, nur fünf davon sind Originalabfüllungen.
Zu den 30+ unabhängigen Abfüllern, die Invergordon auf den Markt bringen, zählt auch die österreichische Single Cask Collection. Ihr Invergordon 1988, abgefüllt aus dem Bourbon Barrel #18589 im Jahr 2012, ergab insgesamt 188 Flaschen mit 55.5%. Eine davon haben Silvia Behrens und Bernhard Rems für Whiskyexperts verkostet. Das Sample wurde unseren Redakteuren von der Single Cask Collection zur Verfügung gestellt.
Nase: Der Invergordon beginnt ganz typisch für einen Grain, mit einem Bouquet, das sich eher in Richtung einer Mischung aus Rum und Bourbon neigt als in Richtung eines Whiskys. Wir finden schwere, süße und holzige Noten, Vanille, Rosinen und Rumfrüchte, dann leichten Brotgeruch und später noch Karamellnoten. Etwas Zitrone bringt leichte Spitzigkeit.
Gaumen: Ölig weich geht es weiter, Rosinensüße finden wir, Backpflaumen und zur Würze Ingwer. Eine leichte Holznote schwingt mit, verborgen in der Cremigkeit. Der Alkohol zeigt sich gut eingebunden. Ein sehr erfreuliches Mundegfühl.
Finish: Angenehm und lang, wärmend, auch hier wieder viel Süße, die nur Anflüge von würzigen und metallischen Tönen mit sich nimmt.
Alles in allem: Ein sehr guter Grain, eine runde Sache von der Nase über den Gaumen bis hin zum Finish. Er zeigt sich für sein ohenhin nicht geringes Alter noch reifer als erwartet, erfreut durch seinen durchaus kräftigen Charakter, der zwar nicht besonders komplex, aber immer sehr harmonisch ist. Wir geben ihm ein deutliches „Sehr gut“.
Man verzeihe die etwas saloppe Ausdrucksweise, aber sie umschreibt ganz gut, was gerade bei Bruichladdich in der Destillerie abgeht. Und das ist Folgendes: Nach einer längeren Winterpause, die auch dazu genutzt wurde, den schon etwas altersschwachen Maischbottich (er stammt aus den Jahr 1882) zu ersetzen, wurde die Produktion wieder hochgefahren. Gestern waren die Wash stills dran, heute nacht sollten die Spirit Stills loslegen – aber es gab, so die Destillerie, „Kinderkrankheiten“. Jetzt aber „flutscht“ es wiedern, wie man schön an diesem Bild vom Spirit Safe sehen kann – Bruichladdich produziert wieder…
Noch eine Woche läuft unser Gewinnspiel um den Jim Beam Signature Craft – den Small Batch Bourbon von Jim Beam, für unsere Leser zur Verfügung gestellt von Beam Austria. Mitmachen und gewinnen ist ganz einfach: man sollte sich als User auf unserer Seite eintragen und eine wirklich relativ einfache Gewinnfrage beantworten.
Vom deutschen Generalimporteur Alba Import haben wir heute die Pressemitteilung zu Erscheinen des neuen Kilchoman Loch Gorm (2nd Edition) erhalten – sowie zu weiteren geplanten Abfüllungen im Jahr 2014. Wir veröffentlichen sie gemeinsam mit den offiziellen Verkostungsnotizen, die wir übersetzt haben:
Neue Abfüllungen von Kilchoman Distillery – Kilchoman Distillery bringt die zweite Auflage der limitierten Abfüllung „Loch Gorm“ heraus
Islay’s unabhängige Farmbrennerei Kilchoman hat die zweite Edition ihrer Sherry Cask Release „Loch Gorm“ aufgelegt. Die Stückzahl dieser 5-jährigen Abfüllung ist wie schon im Vorjahr stark limitiert.
Die erste „Loch Gorm“ Abfüllung wurde letztes Jahr bereits mit Gold bei den IWSC Awards (International Wine and Spirits Competion) ausgezeichnet. Die diesjährige Release stammt aus dem Destillationsjahr 2009 und ist durchgehend in frischen Oloroso Sherry Butts gereift. Die „Loch Gorm“ ist die einzige Variante von Kilchoman Single Malt, die ausschließlich aus Sherry Fässern stammt.
Kilchoman „Loch Gorm“ ist nach dem torfigen See gegenüber der Brennerei benannt, von dessen Zulauf die Destillerie auch das Wasser für die Produktion entnimmt.
Anthony Wills, Managing Director und Gründer von Kilchoman Distillery kommentiert: „Unsere Sherry Cask Releases haben sich als sehr beliebt erwiesen, so hoffen wir, dass auch die neue zweite Edition Loch Gorm Zuspruch findet. Sie zeigt erneut eine wunderbare Balance aus Torfrauch, den typischen Kilchoman Noten sowie üppigen würzigen Aromen von den verwendeten frischen Sherry Fässern. “
Kilchoman „Loch Gorm“ wird in 46% Trinkstärke, ohne Kältefiltrierung und selbstverständlich ohne Zusatz von Farbstoff abgefüllt und ist ab sofort auf dem deutschen Markt verfügbar.
Im Laufe des Frühjahrs wird Kilchoman Distillery mit „Machir Bay 2014“ sowie der 4. Edition des „100% Islay“ zwei weitere neue Qualitäten vorstellen.
Offizelle Tasting Notes Loch Gorm 2. Edition:
Nase: gemischte Marmeladenfrüchte, besonders Zitrone. Voller Torfrauch. Gaumen: Trockene Frühstücksflocken, die in Honig eingelegt sind, Kekse, wabernder Torf. Finish: Süß, reichhaltig und rauchig.
Die Bieterschlacht um den Weltmarkt für Spirituosen geht weiter: Wie Bloomberg Businessweek heute berichtet, bietet Diageo 1.9 Milliarden Dollar für Mehrheitsanteile an dem indischen Konzern United Spirits. Mit den bis zu 26%, für die Diageo jetzt bietet, hätte der Riese dann eine satte Aktienmehrheit von 55% in seinen Büchern. Der indische Markt gilt als DER Hoffnungsmarkt für Whisky – bislang ist er durch Schutzzölle von ausländischen Produkten nahezu hermetisch abgeschirmt.
Mehr zu diesem geplanten Deal bei Bloomberg – für alle, die sich für die Hintergründe des Geschäfts mit Whisky interessieren und genügend Englischkenntnisse mitbringen, eine sehr lesenswerte Lektüre.
Glendullan ist eine Destillerie, die gerne übersehen wird. In der Tat zählt sie nicht zu den Ikonen der Speyside, obschon sie momentan die zweitgrößte Diageo-Destillerie ist und ziemlich zentral, in Dufftown, liegt. Aber ihre Abfüllungen sind nicht immer bemerkenswert, und vor allem findet man nicht besonders viele davon. Drei von ihnen hat sich nun Serge Valentin von Whiskyfun in eine Verkostung genommen – und die Ergebnisse sind durchaus gut, wenn man seinem Geschmack vertraut:
Singleton of Glendullan 12 yo (40%, OB, +/-2013): 80 Punkte
Glendullan 16 yo ‘Centenary Bottling’ (65.9%, OB, 1998): 87 Punkte
Glendullan-Glenlivet 31 yo 1966/1997 (49.7%, Cadenhead, Authentic Collection): 84 Punkte (und laut Serge sehr seltsam)