Ein Bild der alten Burg Wick
Ein Bild der alten Burg Wick

Kaum eine andere Brennerei liegt an einer derart exponierten und den Naturgewalten ausgesetzten Stelle wie Old Pulteney in Wick, einem Fischerdorf an Schottlands nordöstlichem Festland-Zipfel. Die Errichtung Pulteneytowns und des Hafens von Wick zu Beginn des 19. Jahrhunderts, markierten den Beginn einer bedeutsamen Geschichte, voll von Silver Darling Heringen, Gold und Barley Handel, ein Boom, der um die 1000 Boote und 7000 Arbeiter in seine Kreise zog. Auch für flüssigen Nachschub musste folglich gesorgt werden, Pulteney Distillery erblickte 1826 das Licht der Welt, gegründet von James Henderson und benannt nach Sir William Pulteney, der auch Namenspatron der Ortschaft war.

Die Stadt Wick, Foto von Flaxton, CC-Lizenz
Die Stadt Wick, Foto von Flaxton, CC-Lizenz

Während der Fischhandel in den vergangenen Dekaden eher zu kämpfen hatte, floriert die Whiskyindustrie und Old Pulteney stellt stolz und selbstsicher seine Mauern gegen die rauhen Meeresbrandungen, harschen Winde und die bewegten Auf-und-Abs des schottischen Lebenswassers. Fünf Jahre, zwischen 1925 und 1930, schwiegen die Brennblasen, die bis heute eine der prominentesten Eigenheiten der Destillerie sind. Waren es früher noch drei Stück, sorgt heute nur noch ein Pärchen für die dennoch beträchtliche Ausbringungsmenge von etwa drei Millionen Liter Alkohols, zwei kleine spirit stills wichen einer einzigen, größeren still.

Pulteney Destillerie, Foto von K. Schwebke, CC-Lizenz
Pulteney Destillerie, Foto von K. Schwebke, CC-Lizenz

Die Flasche der Single Malts soll in ihrem Design an die kupfernen Edelstücke Pulteneys erinnern, besonders interessant ist dabei auch die Geschichte der wash still, deren Form bis heute fasziniert. Rumour has it, dass der lange Hals nicht mit der Höhe des Gebäudes zurecht kommen wollte und man aus der Not eine Tugend machte, „Rübe ab“ quasi…

1995 übernahm Inver House Distillers die Verantwortung – mit International Beverage Holdings als Eigner und An Cnoc, Balblair sowie Speyburn im Single Malt Portfolio, findet sich Pulteney heute in bester Gesellschaft, wohlmeinenden Händen, und erfreut sich einer ausgezeichneten Reputation, die nicht zuletzt der Qualität der Whiskys geschuldet ist.

Old Pulteney übrigens ist nicht Schottlands nördlichste Destillerie, die Insel Orkney ist Heimat von Highland Park und Scapa, immer wieder auch waren Gerüchte und Pläne rund um eine Brennerei auf den Shetland Islands zu vernehmen (Whiskyexperts hat zum Beispiel hier und hier darüber berichtet). Auch den Rang als nördlichste Festland-Destillerie wird sie bald abgeben müssen, wenn Wolfburn die ersten Whiskys im Februar 2016 verkaufen wird.

Für die Reifung des Destillats bedient man sich größtenteils ausgedienter Bourbon Fässer, aber auch das ein oder andere Sherry Butt findet Einzug in die sehr verlässlichen Standardabfüllungen. Die Range besteht aus einem 12 year old mit 40 Volumenprozent, der 17 year old darf dann schon mit 46 Umdrehungen aufwarten, ist nicht kühlfiltriert und birgt einen kleinen Anteil von Oloroso und Pedro Ximenez Fässern. Auf die Liebhaber von reiferen, älteren Malts warten ein vielfach ausgezeichneter 21 year old, ebenfalls mit 46% vol. Alkohol und dem Verzicht auf chill filtration und final eine 30 jährige Abfüllung in einer edlen Walnussholz besetzten Box.

Morgen verkosten wir den 17jährigen Old Pulteney mit 46% Alkohol…

Mit den allerbesten Spirits!
Reinhard Pohorec