Der Kontakt zu einigen Schotten in Linz, eine Liaison zu einer gebürtigen Schottin, dazu die Whiskyleidenschaft des Vaters jener Dame, sind es schlussendlich, die Gerald Kalchauer aus Oberösterreich mit dem hochansteckenden Virus uisge beatha resepektive Schottland infizieren.

Linz – Stornoway, ein Marathon…
Sportlicher Ausgleich im Leben ist bekanntlich ja eine wichtige und richtige Entscheidung hinsichtlich der Work-Life-Drink-Balance, besonders wenn man als Genussmensch ab und zu gut essen und trinken möchte.
Kalchauers Laufclub in Linz fördert größtenteils Frustration zutage, er beschließt seine Passionen zusammen zu werfen, sucht über das World Wide Web auf der britischen Insel eine neue laufende Herausforderung und tritt dem Stornoway Running and Athletics Club bei.
Man trifft sich einmal im Jahr irgendwo in Europa, um gemeinsam einen Marathon zu bestreiten, auch in der Whiskyheimat quält man sich zumindest ein bis zwei Mal jährlich über eine solche Langdistanz. Kalchauer besucht somit regelmäßig die Insel, und mit Jim Bruce, ebenfalls Läufer für StornowayRAC, entsteht eine gute Freundschaft und die Idee zum Whiskyaustausch.
Heute kauft der Linzer über das Starkicker Syndicate direkt seine Whiskyfässer, verschifft diese und vertreibt sie in Österreich.
Für die nächsten Jahre sind weitere Abfüllungen und Kooperationen geplant, es ist von rund 20 Jahre alten Sherryfässern und auch einem ehemaligen Portweinholz zu hören. Zudem soll ab 2015 die wertvolle Flüssigkeit direkt in ein Alkohollager in Oberösterreich importiert werden, was die Begleiterscheinungen Logistik, Rechtliches und Zoll erheblich erleichtert.
Eine Geschichte, wie sie nur das Leben und der Whisky schreiben können, der Traum vom eigenen Whisky, über Umwege, Lauf- und Trampelpfade, die Liebe und Leidenschaft.

Ihr eigener Traum?
Für den Liebhaber gibt es also durchaus Mittel und Wege, den Wunsch nach einem eigenen Fass und dem eigenen Whisky Wahrheit werden zu lassen. Immer wieder haben Destillerien in der Vergangenheit so genannte Cask Offers ausgeschrieben, und auch 2014 finden sich bei genauer Suche Optionen. Gerade neue Unternehmungen versuchen zuweilen, die kritischen Anfangsjahre über Fassoptionen zu finanzieren – nicht anders verhielt es sich mit dem Angebot von Springbank, dass auch die Geburtsstunde des Starkicker Syndicates bedeutete.
Freilich ist in Zeiten akuter Whiskygoldgräber-Stimmung, wie wir sie aktuell beobachten, die Verfügbarkeit von destilliertem und rarem Lebenswasser ein heikles Thema, viele Produzenten hüten sich, auch nur einen Tropfen zu viel herzugeben. In den vergangenen Jahren konnte man beispielsweise noch bei Bruichladdich, Tullibardine oder Glenglassaugh „cask purchases“ vornehmen, heute ist dies nicht mehr möglich.

Aktuell findet sich im Portfolio der Isle of Arran Distillery ein solches Cask Offer, man wählt einen Fasstyp und die entsprechende Größe, schließt ein Bestellformular und die Zahlung ab, im Gegenzug erhält man „a receipted invoice, stock certificate and display certificate detailing the cask number, capacity (expressed in litres of pure alcohol – l.p.a), strength and cask type“.
Zur Wahl stehen 2014 ein First Fill Ex-Bourbon Barrel, First Fill Ex-Sherry Hogshead sowie ein weiteres Bourbon Barrel getorften Inhalts.
Der festgesetzte Preis beinhaltet Versicherung und Lagerung für zehn Jahre, in Arran Warehouses, was aber nicht zwangsweise eine Reifung auf der Insel bedeuten muss (die Destillerie reift Teile ihres Bestandes am Festland). Entscheidet man sich dafür, die Engel etwas länger an seiner wertvollen Errungenschaft mit naschen zu lassen, wird jährlich eine weitere Gebühr verrechnet.
Für das restliche Prozedere bietet Arran lediglich Empfehlungen an, die Entscheidungen, und damit verbunden auch weitere Kosten, muss man selbst tragen.
In regelmäßigen Abständen kann man sich samples seines Whiskys schicken lassen, um den idealen Zeitpunkt für die Abfüllung zu erwischen. Der Anbieter legt einen zehnjährigen Single Malt mit 46% Volumen Alkohol nahe, selbstredend kann man sich auch für 40% vol. oder cask strength entscheiden. Die Anzahl der Flaschen, die sich rechnerisch daraus ergeben, variiert natürlich abhängig von den finalen Schritten, die zu setzen man sich überwindet.
Einer davon ist auch der Vorgang des Füllens und Etikettierens, Isle of Arran Distillers LTD. besitzt selbst keine bottling plant, daher muss sich der private Fasskäufer an einen der „recommended bottlers“ wenden und diesen mit einem gewünschten Label versorgen, “Single Malt, produced at the Isle of Arran Distillery” darf auf diesem stehen.
Pro 12er Karton wird dann ein bestimmter Preis veranschlagt, inklusive Korken, Karton und Etikettierung. Auch Teilfüllungen und eine Weiterreifung des noch im Fass verbleibenden Whiskys sind möglich.
Hat man dann endlich seine eigene Single Malt Flasche in der Hand, wird einem schmerzlich bewusst, dass man vermutlich immer noch in der bottling plant irgendwo in Schottland steht, und man sich nun darüber den Kopf und die Geldbörse zerbrechen muss, wie das Gut von hier wegkommen kann.
Stichwort: „Duty and VAT are due after the cask has been bottled and the finished goods are removed from the bonded warehouse.“
Und weiter lautet es da: „It is up to the cask owner to find a suitable importer in the destination country and to arrange the export but the bottling plants may be able to assist with this.
Please note it is the responsibility of the cask purchaser to be aware of all regulations prevailing in their country of residence regarding the importation of alcohol plus any issues regarding labelling. Planned legislation in the UK will mean that the spirit can only be shipped out of the country in bottled form.“

Zu guter Letzt bietet man auf der Website auch noch eine schätzungsweise Preiskalkulation, so dass der Traum nicht schnell und überraschend zum Albtraum wird, wenn die Rechnung ins Haus flattert.

springbank-palette

Whisky will wohlüberlegt sein…
Zusammenfassend kann man wohl klar sagen, dass der Romantik des unabhängigen Abfüllers eine große finanzielle und organisatorische Hürde vorangestellt ist. Zu sagen: „ich mache jetzt meinen eigenen Whisky, kaufe ein Fässchen, warte ein bisschen und räume schon einmal das Glencairn aus dem Schrank“, wäre illusorisch.

Auch bei Glengoyne kann man „a dram good offer“ wahrnehmen. Angesichts der Tatsache, dass in Schottland in den kommenden Jahren wieder 120 bis 130 aktive Destillerien beheimatet sein werden, eine Vielzahl an neuen Brennereien gerade gebaut wird oder mancherorts bereits die ersten neuen washes und low wines destilliert werden, kann man aber fast sicher sein, dass vereinzelt wieder mehr Fassangebote die Whiskylandschaft bereichern.

… Und wohl getrunken…
Und dann kann jeder für sich entscheiden und kalkulieren, ob man sich dem Traum vom eigenen Whisky hingibt oder doch lieber zum Händler seines Vertrauens geht und schlichtweg eine Flasche aus dem Regal greift, aufmacht und trinkt.

Geschichten, wie sie nur das Leben und der Whisky schreiben.
Mit den besten Spirits,
Reinhard Pohorec