Am Wochenende lud die Destillerie Rogner im Waldviertel ihre Freunde dazu ein, gemeinsam mit den Betreibern, Elisabeth und Hermann Rogner, das 20jährige Jubiläum als Whiskydestillerie zu feiern. Als Brennerei (vornehmlich Obst- und Getreidebrände) gibt es die Destillerie schon länger, den ersten Whisky tat man aber genau vor 20 Jahren, im Juli 1997, ins Fass.

Zu diesem Anlass brachte die Destillerie auch eine spezielle Jubiläumsabfüllung auf den Markt, einen achtjährigen Whisky, der zunächst fünf Jahre lang in, mit einem österreichischen Pendant zum Portwein vorbelegten Fass, und dann nochmals in einem ex-Whiskyfass reifen durfte. Der mit Torf aus dem Waldviertel getorfte Whisky zeigt sich doppelgesichtig: In der völlig rauchlosen Nase dominieren frische und fruchtige Noten, am Gaumen macht der Torf dann Druck, ohne die interessante Süße auszulöschen.

Wir haben mit Hermann Rogner ein Interview zum Jubiläum der Destillerie geführt, in dem er auch auf die Gründe der geschmacklichen Unterschiede zwischen schottischen und österreichischen Whiskys eingeht – und über die Jubiläumsabfüllung spricht. Das Interview finden Sie untenstehend:

Hier noch einige bildliche Eindrücke vom Abend, der für uns von Whiskyexperts am nächsten Tag noch eine interessante Fortsetzung finden sollte:

In der Nähe von Zwettl liegt der Ort Roiten, die Heimat der Destillerie Rogner. Bild © Whiskyexperts
Der Hof der Rogners. Bild © Whiskyexperts
Das Fest fand im Innenhof und den Räumlichkeiten der Destillerie statt. Bild © Whiskyexperts
Hier werden der Whisky und anderes gebrannt – in Kleinstmengen. Gerade einmal 1000 Liter Alkohol stellt der Familienbetrieb im Jahr in der Kolonnenanlage mit 120 Liter Füllmenge her. Beheizt wird die Anlage mit Holz. Bild © Whiskyexperts
Bild © Whiskyexperts
Nach einem Brand im Jahr 2014 wurde im letzten Jahr ein Teil des Lagers unters Dach gebracht. Bild © Whiskyexperts
Fast der doppelte Angels‘ Share ist dort oben durch die Temperaturschwankungen zu bemerken – aber auch eine schnellere Reifung. Bild © Whiskyexperts
Hermann Rogner beim Ausschenken. Bild © Whiskyexperts
Einer der Höhepunkte des Festes war die Vorführung des Films Angels‘ Share. Bild © Whiskyexperts

Für uns hat sich der gelungene Abend noch am nächsten Vormittag mit einem Besuch des zweiten Lagers der Brennerei und einigen bemerkenswerten Fassproben fortgesetzt. Dort konnten wir zum Beispiel Whisky aus den drei sogenannten „Phönix-Fässern“ verkosten, Fässer, die in absehbarer Zukunft abgefüllt werden.

Die Phönix-Fässer sind drei Fässer, die beim Brand in der Destillerie extremer Hitze ausgesetzt waren, ohne dabei zu verbrennen oder zu verkohlen. So heiß wurden sie, dass man sie laut Hermann Rogner auch am Tag nach dem Brand fast nicht berühren konnte.

Das zweite Fasslager der Brennerei Rogner. Hier reifen ganz besondere Fässer. Bild © Whiskyexperts

Die Hitze hat dabei wohl das Holz des Fasses verändert, und der Whisky in ihnen hat dadurch einen faszinierenden Karamellton erhalten. Auf die Abfüllungen darf man sich heute schon freuen.

Ebenso interessant war eine weitere Probe, die wir verkosten konnten: Whisky, der aus Grünmalz gebrannt wurde. Grünmalz ist Getreide, das durch widrige feuchte Witterung bereits auf der Ähre zu keimen begann – bei Bauern gefürchtet, von Brennern des intensiven Geschmackes wegen begehrt. Wir durften sowohl eine ungetorfte und eine getorfte Variante probieren.

Noch ein Blick ins zweite Fasslager. Bild © Whiskyexperts

Wenn man sich von der Vorstellung löst, dass Whisky immer wie schottischer Whisky schmecken muss, dann kann man bei österreichischem (und natürlich auch deutschem) Whisky ungemein Interessantes entdecken. Auch in der Destillerie Rogner ist das der Fall, und Hermann Rogner gibt unumwunden zu, dass es ein Lernprozess war, auf den heutigen Standard zu kommen – und dass das Lernen und Experimentieren nie aufhören darf. Wir haben nicht nur den Abend genossen, sondern auch das, was wir dort trinken durften: Handwerkliches aus kleinster Produktion, mit viel Wissen, Können und Liebe gemacht.