Reinhard Pohorec hat eigene Tasting-Notes zum Maker’s Mark Red Seal, Small Batch Kentucky Straight Bourbon Whisk(e)y 45% vol Alk geschrieben, wir möchten Sie hier als Ergänzung zu der Verkostungsnotiz von Bernhard Rems bringen, da wir immer betonen, dass solche Notizen und Bewertungen auch persönliche Komponenten und Vorlieben enthalten – natürlich neben objektivierbaren Dingen. Reinhard Pohorec bewertet den Maker’s Mark gesamt höher, mit einer Gesamtwertung von „sehr gut“. Auch hier gilt, so wie bei den unseren anderen Tasting-Notes: Wertungen gelten innerhalb der Kategorie, nicht kategorienübegreifend. Es macht ja wenig Sinn zu sagen, Bourbon A ist besser oder schlechter als Single Malt B.

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Nase: frisch fruchtig, Vanillekaramell, gepaart mit Kirschsaft, etwas rotbeerige Marmelade, trockene Holzscheiter, frische Sägespäne, Asche, samtig toffeeartig, fudge, Zimtrinde, sanft hinterlegt von Tonkabohne und Shortbread, frisches Getreide und gemähte Alpenwiese, Almkräuter, dann werden die Fruchtnoten wieder deutlicher, Himbeerconfit, überreife Erdbeeren, Combino-Zuckerl, sehr einladend, freundlich und von feiner Komplexität, Guaven und Zuckermelone entwickeln sich, eingebettet in Akazienhonig, Nelken, etwas Milchkakao

Gaumen: trocken, straff zu Beginn, Kirschkompott, Honig und Vanillecustard, helle Schokolade, Kakao mit Bitterakzenten, Zitrusfrische, dann kommen rauchig holzige Töne, Bienenwachs, weniger Süße als die Nase vermuten lässt, Zitronenzeste, frisches Toastbrot, Marille, wieder tropische Akzente, würzige Kokosraspel, nussig, Macadamia

Finish: mehr fruchtige Akzente, dann kommen wieder die Holztöne, Aschestaub, Porridge, grasige Akzente, Büffelgras, Erinnerungen an die Schale und feinen Haare einer Kokosnuss, gegen Ende setzt sich noch einmal die rotbeerige Note durch, etwas erdig, Rote Rüben, Reispudding, langes Finish

 

Als Ergänzung zu den Bewertungen von Maker’s Mark red Seal  hatte Reinhard Pohorec die einmalige Gelegenheit, neben dem fertigen Produkt auch White Dog und unterschiedliche Reifestadien von Maker’s Mark zu entdecken und zu verkosten:

 

Maker's White, Foto von Fuzzy Gerdes, CC-Lizenz
Maker’s White, Foto von Fuzzy Gerdes, CC-Lizenz

White Dog:

In der Nase grünlich grasig, gelbfruchtig, Papaya, Kokosnuss, sehr frisch, getreidig, Erinnerungen an Trester, Grappa, Getreidehonig, ein spannendes Glas…

Am Gaumen dann deutlich Weißbrot, frisch gemahlenes Weizenmehl, etwas Pumpernickel, überreifer Apfel, sehr trocken, frisch, Frühstückscerealien.

Keine Spur noch von den typischen American Whiskey Noten, kein Karamell, Buttertoffee und Vanillespiel, das ist ein Jungspund, ungestüm, aber trotzdem von einer äußerst feinen Grundqualität, sauber, mit Charakter!

1year old:

Die Nase bringt Banane, Zuckerlaromen, Getreide, Brioche, Vanillekipferl, unreife Marille, etwas Granny Smith

Am Gaumen straff, grünlich grasig, dezente Vanille aber ohne Süße, Zitrus, sehr frisch, knackig, gerbstoffig, das Fass schlägt gleich durch, aber von einer etwas strohig stängeligen Qualität, gewöhnunsgbedürftig, nicht ganz Fisch, nicht ganz Fleisch, man merkt hier sind Kräfte am Werk, die noch nicht recht gemeinsam harmonieren, die Komponenten stehen etwas nebeneinander

2year old:

Jetzt wird in der Nase die Vanille süßlicher, erstmalig kommt auch das Karamell dazu, die Noten werden dunkler, marmeladig, frische getreidge Noten werden von Kirsche und rotem Apfel unterstrichen

Der Gaumen ist immer noch etwas ruppig, aschig, holzig, prägnant, Limettenzeste, etwas Verjus, Roggenbrot,verbrannter Karamell, Sägespäne, weiß, hell, aber schön langsam beginnen sich die verschiedenen Instrumente zu einem Orchester, nun ja sagen wir eine kleine Jazzkombo mit viel Improvisation, zusammenzufügen, welch eine spannende Reise auf dem Weg zum fertigen Produkt, mit jedem Schritt wird ein neues Kapitel aufgeschlagen, die einzelenen Charakteristika des finalen Maker’s schimmern durch, lassen erstmalig ihr Gesicht erkennen und versprechen, dass die in Zukunft ein großes Ganzes ergeben werden!

Es ist eine etwas fordernde Angelegenheit, wenn man sich in einem Tasting bewusst an Destillate heranwagt, die noch kein endgültiges Produkt darstellen – kein Branding, schöne Verpackung und Abrundungen vor der Abfüllung. Man darf diese Brände nicht mit dem vergleichen, was man erwartet, wenn man eine Flasche aus dem Regal zieht und abends genießt. Als Belohnung erwartet einen aber eine Erkundungstour, die nicht nur interessant sondern auch unglaublich lehrreich ist. Einzelne Stadien des langsamen Reifeprozess nachzuvollziehen gibt einem ein Gefühl dafür, mit welchem Geschick die Produzenten vorgehen, um uns am Ende einer jahrelangen Wartezeit flüssiges Gold ins Glas zu zaubern.

Reinhard Pohorec