Noch vor dem Jura Tastival, das am 25. und 26. Mai auf der Insel stattfinden wird, hat die Destillerie Jura in einer englischsprachigen Mitteilung über den Pressedienst bekanntgegeben, dass ihr langjähriger Distillery Manager Willie Cochrane nach 11 Jahren in dieser Position mit dem heutigen Tag in den verdienten Ruhestand gehen wird. Cochrane gehörte seit 1977 der Destillerie an.
Nachfolger wird ein ebenso langjähriger Mitarbeiter: der bisherige Stillman Graham Logan, der dem Team von Jura seit zwei Dekaden angehört. Vor 25 Jahren wechselte er von seinem Beruf als Mechaniker in der königlichen Marine zur Destillerie.
Wir wünschen Willie viel Freude im Ruhestand, und Graham viel Erfolg in seiner neuen Position.
Bild: Graham Logan und Willie Cochrane /v.l.n.r). (c) Jura Distillery.
Kommt im Bekanntenkreis das Gespräch auf Whisky, so dauert es zumeist nicht lange, bis von Laien wie Fachleuten Whisky aus Japan erwähnt wird. Seitdem Jim Murray in seiner Whiskybibel einen Japaner als weltbesten Whisky ausgezeichnet hat, ist das Interesse an Japan unter Whiskyfreunden sprunghaft gestiegen.
Japanischer Whisky hat nun mittlerweile eine lange Tradition, aber seinen internationalen Siegeszug hat er erst seit einigen Jahren angetreten. Und so fragt sich ein Artikel auf The Spirits Business, der eine Wiederveröffentlichung eines Printartikels aus dem Januar ist, ob er nicht am eigenen Erfolg scheitern könnte.
Tatsache ist, dass das Angebot an japanischem Whisky die weltweite Nachfrage nicht decken kann (vielleicht erinnern Sie sich daran: Im Juni 2015 wurden 14 Produkte von Nikka, also fast die gesamte Range, auf NAS umgestellt, weil die Bestände an älterem Whisky faktisch aufgebraucht waren) – dass die Produktionskapazitäten für dieses Wachstum (noch) nicht vorhanden sind und dass beides die Preise dermaßen in die Höhe treibt, dass der japanische Whisky für den Markt durchaus zu teuer werden könnte. Hört man sich unter Händlern und Vertrieben um, so ist die Knappheit des Angebotes tatsächlich so massiv, dass die Ausweitung des Segments genau daran scheitert.
Die durchaus nachvollziehbare These des Artikels, die auch durch Aussagen aus der Branche gestützt wird: Das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage bei japanischem Whisky ist dermaßen intensiv gestört, dass es zu Marktverwerfungen kommen könnte, die zudem durch die Wechselkursproblematik des Yen zusätzlich befeuert werden würden, stellten sich die Prognosen für den Kurs im Jahr 2016 als richtig heraus. Die Probleme seien zudem strukturell, weil Japan vergleichsweise wenig Destillerien und Unternehmen hätte.
Es könnte also passieren, dass der Boom an sich selbst erstickt…
Im nördlichen Fife, am Gebiet der ehemaligen Lindores Abbey, soll in absehbarer Zukunft eine neue Destillerie entstehen, quasi am Geburtsort des Whiskys. Für das 10 Millionen Pfund schwere Projekt (wir berichteten erstmals 2013) gab es im letzten September bereits die Planungsgenehmigung, nun werden am Gelände erste Arbeiten durchgeführt, die vor allem der archäologischen Erkundung des Areals dienen. Ein wichtiger Schritt, ist das doch geschichtsträchtiges Gelände – nicht nur deshalb, weil dort im Jahr 1494 die erste Erwähnung von Whisky verzeichnet wird (Friar John Cor destillierte dort „aqua vitae“), sondern unter anderem auch durch den im Jahr 1298 verzeichneten Besuch von William Wallace.
The Courier widmet dem Gelände und der geplanten Destillerie einen ausführlichen und sehr interessanten Artikel, den wir Ihnen zur Lektüre empfehlen. Er zeigt Bilder der Probegrabungen, des Geländes und der dort entstehenden Gebäude – ein schönes Projekt, auf dessen Fertigstellung man sich freuen darf.
Bild: Lindores Abbey, die Geburtsstätte des schottischen Whiskys. Bild von Bubobubo2, GNU-Lizenz
Zwei Abfüllungen von und für Unabhängige aus der Destillerie Aberlour hat Serge heute verkostet – sie sind wohl beide nicht leicht zu bekommen, weil sie einerseits bereits älter oder im anderen Fall für einen Shop, The Whisky Exchange, abgefüllt worden sind. Beide punkten über der 80er-Grenze, der 16jährige für TWE knapp unter 90 Punkte. Wie üblich sind die Beschreibungen von Serge lesenswert, weil recht ausführlich:
Aberlour 13 yo 1995/2008 (43%, Jean Boyer, Best Casks of Scotland, recoopered hogsheads, 1200 bottles): 83 Punkte
Aberlour 16 yo (53.5%, OB, for The Whisky Exchange, first fill sherry, cask #4738, 2016): 89 Punkte
Am heutigen Feiertag werden die Neuigkeiten wohl eher sporadisch eintröpfeln – das gibt uns die Möglichkeit, Ihnen neben den tagesaktuellen Dingen so wie sonntags etwas zur Muße zu präsentieren. Wir haben uns für ein Video einer Rundreise durch Schottland entschieden, die in schönen Bildern die Highlights der Fahrt einfängt und Ihnen die Region von ihren schönsten Seiten zeigt. 15 Minuten dauert es, es enthält auch einige Drohnenaufnahmen und ist in Full HD. Gemacht hat es Youtube-User NadTob, und er schreibt darüber:
„Impressionen der Lowlands und Highlands von Schottland, inklusive einigen Luftaufnahmen, die mit einem Multicopter gedreht wurden. Gefilmt und fotografiert im Juni 2014, bei einer Mietwagenrundreise durch Schottland.“
Des einen Leid, des anderen Freud: Während die Scotch Whisky Association (SWA) eindringlich vor einem Brexit, also dem Austritt Großbritanniens aus der EU, warnt, rechnet man in Irland damit, dass dieser Brexit der irischen Whiskeyindustrie einen gewaltigen Schub verleihen würde, berichtet der Irish Examiner.
Insgesamt 5 Länder beherrschen den globalen Whiskymarkt: Schottland, die USA, Japan, Irland und Kanada. Der Löwenanteil daran gehört den Schotten, mit 85%. Sollte für sie der Vorteil einer EU-Mitgliedschaft wegfallen (und dabei geht es natürlich nicht nur um die Exporte in die EU, sondern um jene Länder, wo dann die Handelsmacht der EU vom Partner zum Gegner würde, also zum Beispiel der asiatische Raum oder die Hoffnungsgebiete wie Afrika), würden die in der EU verbleibenden Iren die wesentlich besseren Karten am Markt haben. Man rechnet damit, dann das Ziel einer Verdopplung des Marktanteils weit vor dem geplanten Ziel 2020 zu erreichen – und würde damit noch mehr kämpfen müssen, die benötigten Kapazitäten bereitstellen zu können.
Am 23. Juni entscheidet sich also auch, wie sich die globalen Anteile von Whisky in Zukunft entwickeln werden. Mehr dazu im Artikel des Irish Examiners.
Unser Titelbild zeigt die Tullamore D.E.W. Distillery, einer der vielen Neubauten in Irland, der den Boom der dortigen Whiskeyindustrie anschaulich demonstriert.
Auch wenn man mit generellen Aussagen immer gerne ein wenig in die Stereotypenfalle läuft (Frauen sind schlechtere Autofahrer als Männer, Franzosen sind die besseren Liebhaber) – einige Dinge lassen sich auf Grund von Fakten durchaus differenzierend zwischen zwei unterschiedlichen Gruppen sagen – oder behaupten, je nachdem, wie stark die Faktenlage tatsächlich ist.
Heute wagt sich ein Artikel in Forbes Lifestyle mit einer starken Ansage in die Öffentlichkeit: Frauen, so der Artikel, würden einen besseren Geruchssinn haben als Männer und daher beim Nosing mehr Geschmäcker erkennen und unterscheiden können.
Der Artikel stützt sich dabei auf zwei Studien (die er auch verlinkt für alle, die selbst überprüfen wollen, ob die Schlussfolgerung zulässig ist): Zunächst ein Experiment, bei dem Frauen an T-Shirts riechen mussten, die ihnen unbekannte Männer zwei Tage lang getragen hatten und auf Grund des Geruches die Attraktivität des Mannes für sich festlegen sollten. Resultat war, dass die Frauen Männer attraktiver fanden, deren Geruchsprofil sich von ihrem unterschied. Je mehr, desto attraktiver. Damit sei bewiesen, dass Frauen Geruch gut erkennen und differenzieren können.
Untersuchung Nummer 2 stammt aus Brasilien und stützt sich auf Messdaten: Frauen haben laut dieser Studie im Durchschnitt 43% mehr olfaktorische Zellen in der Nase – und 50% mehr Nervenverbindungen dazu – was den besseren Geruchssinn belegen soll.
Der Autor meint, diese Ergebnisse deckten sich mit seinen eigenen Erfahrungen. Für Männer gelte es, die Geschmacksnerven stärker zu trainieren und daher mehr Whisky zu trinken.
So kann man das natürlich auch sehen…
Unser Bild zeigt Rachel Barrie – Master Blender Morrison Bowmore
Wir haben uns wieder einmal bei den englischsprachigen Bloggern umgesehen und verschiedene Verkostungsnotizen für Sie zusammengesucht. Wie immer ist die Zusammenstellung querbeet – vielleicht entdecken Sie ja die eine oder andere Abfüllung, deren Tasting Notes Sie interessieren könnten:
Ein Ledaig 15yo, der vor der Umstellung auf die neue Stärke (46.3%) abgefüllt wurde, wird auf Malt & Oak verkostet – er wird nicht verglichen, sondern für seinen „alten Stil“ geschätzt.
Best Shot Whisky Reviews widmet sich einem Braeval 1994 aus der deutschen C&S Collection – ein wenig zu holzig, sagt man, aber sonst fein.
Klaus Doblmann bespricht den neuen Wolfburn auf Englisch – nicht aufregend per se, aber für 3 Jahre sehr gelungen, ist das Urteil.
Noch ein Littlemill, und zwar der Littlemill 1991/2010 Douglas of Drumlanrig, wird auf Words of Whisky besprochen – der kommt nicht so gut weg, weil er unbalanciert erscheint.
Und der neue BenRiach Cask Strength wird auf WhiskyIsrael besprochen – süß, dicht, aber etwas eindimensional, und alles in allem sehr gut bewertet.
Sonntag ist es, und damit wieder Zeit für unser wöchentliches Sonntagsvideo. Diesmal haben wir Aufnahmen der Insel Arran für Sie vorbereitet – und zwar solche, die von einer Drohne von oben gemacht wurden. Bäche, Wasserfälle, Küstenstreifen und die Destillerie Arran sind nur einige der Plätze, die in diesem Video aus dem April 2015 in HD in Szene gesetzt wurden.
Wie üblich können Sie das Video (es dauert vier Minuten) gleich hier bei uns ansehen, oder auf Youtube, wo wir es gefunden haben…
Eine Karte von Schottland haben wohl viele Whiskyfreunde daheim – man möchte ja gerne mal ab und an einen Blick darauf werfen können, wo sich welche Destillerie befindet und in Gedanken seine nächste Reise planen. Es gibt einige Standardausführungen solcher Karten, und es gibt welche, die sind allein durch ihre Machart außergewöhnlich.
Ein solch besonderes Exemplar einer Schottlandkarte möchten wir Ihnen heute vorstellen: Die handgezeichnete Karte der schottischen Destillerien vom Kartografen Kevin Sheehan aus Durham. Sie sieht nach alter Handwerkskunst aus, ist aber top-aktuell.
80 – 130 Stunden investiert Sheehan in die Vorlage für seine Drucke, von der ersten Vorzeichnung mit Bleistift bis hin zur genauen Tuschezeichnung. Und dass sich diese Mühe lohnt, kann man mit einem näheren Blick unschwer erkennen: Die Karte von Schottland ist tatsächlich mit viel Liebe zum Detail gestaltet:
Sheehan hat alle existierenden Destillerien auf der Karte festgehalten, dazu viele jener, die aller Voraussicht nach in den nächsten Jahren dazukommen werden – und die Lost Distilleries, die in den letzten 50 Jahren geschlossen wurden.
Die Kunstfertigkeit der Ausführung ist erstaunlich – und das sieht man nicht nur an der Whiskykarte, sondern auch an den anderen Karten, die er auf seiner Website zum Kauf anbietet.
Auf den Geschmack gekommen? Die schottische Whiskymap gibt es für Besteller vom Kontinent gerollt in einer stabilen Schutzhülle zu bestellen, und wenn auch der Preis von 43 Pfund für ein 42x60cm Poster doch beachtlich ist, ist er wiederum für die handwerkliche Qualität sehr gerechtfertigt, finden wir.
Sie können diese Karte hier bestellen, andere Karten finden Sie nach einem Klick auf „Products“ oben auf der Website.
Wie The Spirits Business berichtet, wird Beam Suntory für ausgesuchte Regionen einen neuen japanischen Whisky in den Travel Retail bringen, darunter auch Europa: The Chita ist ein japanischer Single Grain ohne Altersangabe, der auf diese Weise erstmals außerhalb von Japan verfügbar sein wird.
The Chita ist allerdings keine traditionelle Marke, sondern wurde erst im letzten Jahr in Japan auf den Markt gebracht. Erzeugt wird er in der Chita Distillery in der Aichi-Präfektur.
Laut Beam Suntory soll der alterslose Single Grain die Kunstfertigkeit japanischer Whiskyproduktion demonstrieren und nach Kardamom, Honig, Rosenblüten und würziger Eiche schmecken.
The Chita wird ab Juli im Travel Retail erhältlich sein. Als Verkaufspreis wird 55 Dollar angegeben.
Recht gut scheint es der Highland-Destillerie Tomatin zu gehen: Im letzten Jahr konnte das Unternehmen, das seit 1986 den japanischen Unternehmen Takara Shuzo (Getränkeerzeuger) und Okura (Getränkehandel) gehört und damit die erste schottische Destillerie war, die in japanischem Besitz stand, den Gewinn um 15% erhöhen, berichtet Press and Journal.
Die Destillerie hat 100.000 Pfund in die Entwicklung der Marke investiert (dazu gehört zum Beispiel der komplette Packungsrelaunch, der sich über den Jahreswechsel vollzogen hat) und wird sich auch in Zukunft stark auf das Geschäft mit Single Malts konzentrieren, sagt Robert Anderson, der Chef der Destillerie.
Die neugestaltete Range
Tomatin exportiert in über 50 Länder der Welt. Der deutsche Sprachraum gehört zu den wichtigsten Märkten der Destillerie.
Foto: Die Destillerie Tomatin. Foto: Potstill Wien
Nein, beide Angaben in der Titelzeile sind keine Tippfehler: Der von uns bereits im Februar angekündigteBooker’s Rye ist tatsächlich mit 68% Alkohol abgefüllt und kostet in den USA satte 300 Dollar – ein gerade für den amerikanischen Markt sehr ambitionierter Preis. Dennoch gibt es wenig Zweifel, dass dieser Rye in kurzer Zeit ausverkauft sein wird, wenn er jetzt im Mai am Markt erscheinen wird.
Die Fässer für diese Sonderausgabe wurden von Booker Noe im Jahr 2003, ein paar Monate vor seinem Tod 2004, persönlich ausgesucht und in seinen liebsten Warehouses zur Reifung gelagert. Sein Alter bei der Abfüllung: 13 Jahre, ein Monat und 12 Tage.
Die dritte Ausgabe der Johnnie Walker Private Collection ist jetzt auf den Markt gekommen – wieder komponiert von Master Blender Jim Beveridge. Laut Diageo ist dies die bislang komplexeste Edition der Serie – man hat Whisky aus über 100 verschiedenen Fässern dafür verwendet, und zwar aus fünf Grain Distillerien (die letzten vier davon sind Lost Distilleries): Cameronbridge, Caledonian, Cambus, Carsebridge und Port Dundas. Welcher Highland Malt verwendet wurde, wurde nicht verlautbart.
Vom Geschmack her ist der Name Programm, laut Jim Beveridge gesellt sich zur Süße auch eine zarte Fruchtigkeit dazu, die aber im Gegensatz zu letztem Jahr eher im Hintergrund bleibt.
8888 Decanter wurden von der Edition 2016 abgefüllt, mit 43% Alkoholgehalt. Der Preis dürfte bei uns umgerechnet bei 650 Euro liegen.