Samstag, 03. Januar 2026, 01:59:27

Wir verkosten: Cadenhead’s Glenburgie 21yo, Clubflasche 2014

 

 

 

Glenburgie 21yo, 51.1%, Cadenhead
Speyside
Destilliert: 1993

Abgefüllt: 2014
92 Flaschen, 70cl
Unchillfiltered; nicht gefärbt
Verkoster: Klaus Doblmann

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Nase: Von Beginn weg sehr dunkel mit Kirschen, trockenem Sherry (Fino?), Zwetschkenschnaps, die Würzigkeit europäischer Eiche, getrocknetem Toffee und Karamell (weniger die Süße des Karamells, mehr das Aroma). Dazu Kakaopulver, Instantkaffee und Eukalyptus. Darüber liegt eine Note von Melissengeist. Keine Malzigkeit erkennbar. Eine sehr eigenwillige Nase – das könnte fast ein Obstler aus Kirsche und Zwetschke sein, der in einem Sherryfass gereift wurde…

Gaumen: Eine Mixtur aus reichhaltigen Eichentanninen und trockenen Sherrynoten. Es spielt sich alles im vorderen Bereich der Mundhöhle und auf der Zunge ab. Getrocknete Zwetschken (mehr das Aroma, denn die Süße), bitterer Salat (positiv gemeint), Kakaopulver, Zimt, Piment, Muskatnuss, Zimt vermischt mit Weichselsaft und einem starken alkoholischen Antritt. Die Zugabe von Wasser zähmt den Alkohol. Nach einer Stehzeit von einer halben Stunde gesellt sich dann auch eine leichte Süße hinzu.

Finish: Das Finish ist trocken mit Tanninen, leicht säuerlich mit Kräutern. Nicht zu aufdringlich und sehr lange anhaltend.

Alles in Allem: Diesem Whisky haftet kaum Süße oder Malzigkeit an. Da haben sie wirklich ein sehr interessantes Fass für die 2014er Clubabfüllung des Cadenhead’s Clubs ausgesucht. Definitiv kein 08/15-Whisky, aber dafür sehr lehrreich, wenn man sich damit auseinandersetzt. Leider gibt es ihn nirgendwo zu kaufen – die Flaschen wurden unter den Mitgliedern des (kostenpflichtigen) Cadenhead’s Clubs gegen ausgefüllte Stempelkarten getauscht.

Whisky im Bild: Ein paar Port Ellen

Vladimir Leonov ist Fischhändler aus Tula, eine Stadt am Fluss Upa, südlich von Moskau. Vladimir teilt mit uns allen eine Leidenschaft: Die Vorliebe für guten Whisky. Bei ihm ist es vor allem Port Ellen. Und von Port Ellen hat er sich eine beeindruckende Sammlung zugelegt. Archivaren wie ihm ist es zu verdanken, dass man auch in Zukunft solche Tropfen noch trinken wird können. Das Bild veröffentlichen wir mit seiner freundlichen Genehmigung.

vladimir port ellen

Blogrundschau: Ein halbes Dutzend Unterschiede

Am Feiertag erwarten wir nicht gerade einen Sturm an Neuigkeiten, also finden wir auch wieder einmal Zeit, uns auf internationalen Blogs umzusehen und dort einige Verkostungsnotizen für Sie zu sammeln. Auf geht’s:

  • The Mashtun verkostet einen 22jährigen Bladnoch – mit sehr viel Gefallen wird dieser Lowlander dort aufgenommen.
  • Der Glenlivet Founders‘ Reserve wird auf Masterquill ob seiner Jugend und Unkomplexität mit relativ wenig Gegenliebe bedacht, obschon er „kein schlechter Whisky“ sei.
  • Wesentlich freudiger tritt Masterquill dem Glenlivet 1983/2003 entgegen – er erhält 86 Punkte.
  • Best Shot Whisky Reviews trinkt den Hibiki 12yo – die Nase sei sensationell, meint man dort, und der Rest ebenfalls sehr mögbar.
  • Ein Arran Premium Single Cask für den englischen Markt wird auf Maltfascination verkostet – und sehr geschätzt.
  • Und dann gibt es auf Whiskygospel noch den Octomore 7.2 – mit Syrah gefinished weiß er zu überzeugen, allerdings nicht so sehr wie der 6.2, folgt man den Ausführungen des Verkosters.

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Whisky des Monats Mai: Arran

Auch im Mai stellen wir Ihnen, so wie schon seit über zwei Jahren, wieder einen Whisky vor, dem wir wünschen, dass ihm ein wenig mehr Beachtung geschenkt wird – und wie immer sehr subjektiv. Diesmal empfehlen wir erneut eine ganze Destillerie, die es für einige noch zu entdecken gilt. Sie liegt auf der gleichnamigen Insel: Arran.

Destillerie Arran. Bildrechte bei Lars Pechmann.
Destillerie Arran. Bildrechte bei Lars Pechmann.

Im Jahr 1994 gründete Harold Currie die Destillerie auf der Insel Arran. Harold war davor bei Chivas und erfüllte sich mit Arran einen lang gehegten Traum: Wieder eine Brennerei auf der Insel zu betreiben. Arran beherbergte über die Jahrhunderte dutzende, meist illegale Brennereien – die letzte offizielle wurde im Jahr 1837 geschlossen.

Arran wurde 1995 eröffnet und an dieser Destillerie kann man schön die Entwicklung eines Whiskys von ungestümen Anfängen bis zu der jetzt 18jährigen Abfüllung verfolgen. Anfänglich begegnete man den Whiskys aus Arran unter Freunden des Lebenswassers mit einer gewissen Skepsis, die durchaus auch auf den Erfahrungen mit den ersten Abfüllungen basierte. Die Begeisterung, die man zum Beispiel den jungen Whiskys aus Kilchoman entgegenbrachte, wollte sich bei Arran nicht so recht einstellen.

Arran hat sich aber über die Jahre mehr als gemausert. Das verdankt die Destillerie zum Einen einer deutlichen Qualitätssteigerung, zum Anderen aber auch einer verbesserten Produktpolitik und gekonntem Marketing. Das frühe Abfüllungswirrwarr ist einem definierten Sortiment mit zwei Kernsegmenten (Alter und Finishes) und einer überschaubaren Anzahl an Sonderabfüllungen gewichen. Die Marke Arran hat nun Profil und damit mehr Bekanntheit am Markt. Und manche ihrer Sonderabfüllungen (The Devil’s Punchbowl, Icons of Arran) sind mittlerweile gefragte Raritäten.

Aus der Core Range möchten wir unseren Lesern zwei Whiskys ans Herz legen: Der neue 18jährige Arran ist der älteste Whisky aus der Destillerie – und ein schönes Beispiel für einen soliden, ausgewogenen Arran. Vielerorts wird er begeistert gelobt; wir hier bei Whiskyexperts finden ihn einfach gut und unprätentiös. Unser Favorit ist eher der 12jährige Arran in Fassstärke; wir schätzen seine Knackigkeit und Frische.

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Wer Finishes mag, der könnte sich auch den Arran Amarone Cask Finish einschenken – er ist kräftig, fast schon ruppig, aber durchaus charmant. Die getorften Machrie Moor sind einen Versuch wert, aber sicher nicht die Stärke der Destillerie.

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Unsere Top-Empfehlung bei Arran gilt aber den Arran Premium Single Casks, die im Fachhandel zu finden sind. Sie werden abwechselnd aus Sherry- und Bourbon Casks abgefüllt und zeigen Arran von der besten Seite. Momentan sind gerade die Bourbon Casks aus dem Jahr 1999 auf dem Markt und erfreuen den Gaumen mit einem ausgeprägten Charakter.

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Zum Abschluss noch ein Geheimtipp: Wenn Sie irgendwo noch den Arran Millenium Casks auftreiben können: probieren Sie ihn. Ursprünglich wohl als Sammleredition gedacht (das ging aber etwas in die Hose), ist er doch ein schöner Trinkwhisky zu einem ganz akzeptablen Preis.

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Auch preislich bleibt die Destillerie Arran nach wie vor eine angenehme Überraschung, sodass wir ihr unsere Empfehlung des Monats widmen. Wir wünschen Ihnen jedenfalls viel Freude beim Entdecken und Genießen!

Neu: Benriach Dunder – 18yo peated Dark Rum Finish (mit Tasting Notes)

Von Benriach haben wir eine Pressemitteilung über eine neue Abfüllung erhalten, die heute, am 30. April, offiziell erschienen ist.

Der Benriach Dunder ist ein 18jähriger getorfter Whisky, der in Dark Rum Fässern gefinisht wurde. 1888 Flaschen werden davon aufgelegt, und zwar, wie Benriach ausdrücklich betont, in einem einzigen Batch. Der Dunder wird mit 46% abgefüllt und kommt aus amerikanischen Eichenfässern. Er gehört in die gleiche Produktkategorie wie der im Februar erschienene Benriach Albariza. Sein Name stammt vom Rest des Zuckerrohrsafts, der beim Erzeugen von Rum in der Brennblase verbleibt. Ein Preis wurde uns nicht genannt.

Hier die offiziellen Verkostungsnotizen in unserer Übersetzung:

Farbe: Stroh aus der Sommerernte.

Nase: Getrocknete Fruchtschalen ummanteln Wellen von weichem Pfirsich, reifer Banane und einem Überzug von Demerarazucker. Runder, zarter Rauch vermengt sich mit würziger Eiche.

Geschmack: Deutlicher, dramatischer Torfrauch und Gerste ergänzen knackige Zitronenzeste, weißen Pfeffer und frischen Ingwer. Karamelisierte Gartenfrüchte und getrocknete Aprikosen entwickeln sich hin zu einem reichhaltigen Rauch aus Gras und Holz als Finish.

BenRiach Dunder Peated 18YO Dark Rum Finish

Prometheus 26yo ab 4. Mai im Handel

Prometheus, der 26jährige Whisky aus einer nicht näher bezeichneten Speyside-Destillerie, wird laut einer Aussendung des deutschen Generalimporteurs A Wee Taste of Scotland ab Montag, dem 4. Mai im ausgesuchten deutschen Fachhandel erhältlich sein. Der mit 47% abgefüllte Speysider der in spanischen First Fill Sherry Casks reifte, wird 579 Euro (UVP) kosten.

Prometheus wird auf der Website so beschrieben:

Auftreten
Reich und bernsteinfarben mit einer kupferfarbigen Nuance.

Nase
Ein warmes Bouquet süßer Noten von Butterscotch, aromatischer Heide, Orangenschale und rauchender Kohle.

Gaumen
Wunderbar langlebig, cremig und pfefferig mit Aromen gerösteter Nüsse, Muskatnuss und Nelke verflochten mit einem Hauch Madagaska-Vanille, dunkler Schokolade, Früchtekuchen, Heidehonig, kandierten Früchten und Rauch.

Händler in Deutschland, die Prometheus führen werden, können Sie hier unter „Kaufen“ einsehen.

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Spiegel.de: Diskussion über Kalorienangaben auf Alkoholflaschen

Die schon seit einiger Zeit schwelende Diskussion über Kalorienangaben auf alkoholischen Getränken (Diageo will sie ja freiwillig einführen – siehe hier) findet nun auch auf Spiegel Online ihren Niederschlag: In einem Artikel wird das Für und Wider einer solchen Kennzeichnung abgewogen und der Standpunkt der Politik in Deutschland und Europa dazu dargelegt. Auch die Wissenschaft kommt zu Wort – und man findet eine Kalorientabelle für die wichtigsten alkoholischen Getränke. Whisky ist zwar nicht vertreten, aber wohl vergleichbar mit Wodka: 43 kcal nimmt man mit 2cl zu sich.

Warum Alkohol aber auch aus anderen Gründen den Hüftgürtel vermehrt, lesen Sie im Artikel auf Spiegel.de.

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Neu im Visitor Center: Glenfarclas 24yo

Ab heute und nur im Glenfarclas Visitor Center zu haben (laut unserem Leser Marcel Siebert kostet er dort 150 Pfund – Danke, Marcel!): Der neue Glenfarclas 24yo, destilliert im Jahr 1991, abgefüllt mit 49.3% und limitiert auf 258 Flaschen – und zu jeder gibt es laut Glenfarclas auch ein Buch dazu. Das Kontingent wird über die Dauer des Speyside Festivals in Tranchen ausgegeben – man sollte ihn deshalb nicht nur am ersten Tag bekommen. Sieht jedenfalls sehr lecker aus!

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Zum Nachhören: Ö1 Nachtquartier über Whisky mit Dr. Mario Prinz

50 kurzweilige Minuten über Whisky und schottische Kultur waren heute in der Nacht im Kultursender Ö1 zu hören. Moderator Xaver Forthuber sprach mit Dr. Mario Prinz, der seit 20 Jahren über sein Geschäft Potstill die Österreicher mit momentan über 1200 verschiedenen Single Malts versorgt. Dr. Mario Prinz ist nicht nur Whiskyhändler, sondern auch studierter Soziologe – auch unter diesem Aspekt sind die Gespräche sehr interessant.

Das Ganze gibt es jetzt unter diesem Link eine Woche lang zum Nachhören.

Ein Whiskyregal im Potstill - Foto: Whiskyexperts
Ein Whiskyregal im Potstill – Foto: Whiskyexperts

Whisky im Bild: Teeling Distillery, the eagle has landed!

Sicher war das heute ein emotionaler Moment für die Familie, als der Adler – jenes Symbol, das jede Originalabfüllung ihres Whiskeys ziert – auf dem Dach der familieneignen Teeling-Distillery in Dublin angebracht wurde. Die Teelings posteten davon diese beiden Bilder:

Foto: Teeling Distillery
Foto: Teeling Distillery
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Foto: Teeling Distillery

 

10 Whiskys für die Royal Family

Die Bewohner dieser etwas feuchten Insel oberhalb Frankreichs haben ja ein gewisses Faible für eine Familie unter ihnen, die als „königlich“ bezeichnet wird. Und diese königliche Familie hat ein ebenso dokumentiertes wie verständliches Faible für Whisky. Kein Wunder also, dass viele Destillerien Whiskys zu Ehren der königlichen Familie und deren Festtage kreiert haben.

Zehn dieser „königlichen“ Whiskys und ihre Geschichte stellt nun The Spirits Business in einem Artikel vor – und diese Whiskys stammen aus Destillerien wie Laphroaig, The Glenlivet oder Glenfiddich. Also dann: To the Royal Highnesses!

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Serge verkostet: Grain Whiskys von wäh! bis wow!

Grain Whisky ist in der Regel der Füllstoff für Blends. In kontinuierlicher Destillation hergestellt, kann man ihn durchaus auch als Massenware bezeichnen. Hin und wieder lagern Grain-Destillerien den Stoff auch über lange Zeit in guten Fässern – zumeist eher aus einer Laune heraus als aus wirtschaftlichen Interessen; Grain-Destillerien haben einfach völlig andere Schwerpunkte. Und aus diesen alten Fässern können dann echte Perlen stammen.

Können, müssen aber nicht. Auch zu jung sollten Grains in der Regel nicht sein, wie auch Serge Valentin in seiner Verkostung heute feststellt. Schöne sind dabei, und einer, der laut seiner Bewertung bei gewissen Leuten als „Körperverletzung“ abgekanzelt würde. Serge sagt über ihn, dass im Vergleich dazu der Haig Club wie ein Brora 1972 schmeckt :-).

Aber ist das nicht das Schöne bei unserem Lieblingsgetränk, dass man in jeder Richtung überrascht werden kann, und das immer wieder?

  • Ship Chandler ‚Scotch Whisky‘ (40%, Scamark, blended grain Scotch whisky, France, +/-2015): 25 Punkte
  • Cameronbridge 33 yo 1979/2012 (44.4%, Duncan Taylor, Octave for Glen Fahrn, sherry, cask #395111): 76 Punkte
  • Invergordon 1988/2014 ‚Caribbean Crème‘ (46%, Wemyss Malts, barrel, 171 bottles): 79 Punkte
  • Strathclyde 40 yo 1974/2014 (55.4%, Douglas Laing, XOP, refill hogshead, ref #10598, 150 bottles): 88 Punkte
  • Invergordon 7 yo 2006/2014 (61.5%, The Whisky Barrel, Burns Malt, Pedro Ximenez sherry Octave finish, cask #901446D): 83 Punkte
Die Destillerie Cameronbridge in den Lowlands, Foto von James Allan, CC-Lizenz
Die Destillerie Cameronbridge in den Lowlands, Foto von James Allan, CC-Lizenz

Jahrestagung der Scotch Whisky Association

Recht zuversichtlich für weiteres Wachstum gab sich die SWA gestern auf ihrer Jahreskonferenz, die mit 180 Teilnehmern im Sheraton Hotel in Edinburgh stattfand. BQlive.co.uk berichtet darüber in einem Beitrag. Obwohl das letzte Jahr schwierig gewesen sei, sagte CEO David Frost, sei das Gesamtbild doch positiv zu bewerten. Allein im letzten Jahr wären sechs neue Destillerien in Produktion gegangen, und hohe Investitionen flössen in 30 weitere neue Projekte – etwas, was man viele Jahre lang nicht mehr gesehen hätte.

Besonders wichtig für den weiteren Erfolg, so das Ergebnis einer Podiumsdiskussion, sei die verstärkte Zusammenarbeit mit anderen Bereichen der britischen Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie.

David Frost, Chief Executive Officer der Scotch Whisky Association. Bild: SWA
David Frost, Chief Executive Officer der Scotch Whisky Association. Bild: SWA

Wir verkosten: Ben Nevis 49yo, 29,5%, Whiskybroker

Unser Autor Klaus Doblmann wagt sich heute über einen fast 50jährigen Spirit, der sich wegen des großen Verlusts an die Engel (Angels‘ Share) nicht mehr Whisky nennen kann. Er wurde im Jahr 1966 in der Destillerie Ben Nevis destilliert und stammt aus den Beständen des unabhängigen Abfüllers whiskybroker.co.uk, betrieben von Martin Armstrong, dem Sohn des ehemaligen Besitzers der Destillerie Bladnoch.

Bildrechte: Klaus Doblmann
Bildrechte: Klaus Doblmann

Ben Nevis 49yo, 29,5%, Whiskybroker.co.uk
Highlands
Destilliert: 15.03.1966

Abgefüllt: 10.04.2015
524 Flaschen (50cl)
Unchillfiltered; nicht gefärbt
Verkoster: Klaus Doblmann

Nase: Gleich zuallererst betört eine sehr deutliche, duftende Eiche die Nase mit getrockneten dunklen Früchten. So, als würde man den Kasten eines Tischlers öffnen, in welchem er Gläser mit Dörrzwetschken zum Naschen aufbewahrt. Die Eiche ist wirklich sehr stark, an der Grenze zur olfaktorischen Überbelastung, aber gerade noch darunter. Keine Tannine – einfach nur alte Eiche mit einem leichten Einschlag von Moder. Hört sich jetzt negativ an, ist aber eigentlich positiv gemeint. Dazu gibt es eine Ladung von kaltem Zigarrenrauch, süßem Pfeifentabak, Kakaopulver, getrockneten Orangenschalen, sämtlichen vorstellbaren dunklen Früchten, aber auch getrockneten Äpfeln, Kandiszucker, Karamell und ein Hauch von Alkohol.

Gaumen: Auweia, der Gaumen präsentiert sich ganz anders als die Nase – so, als würde man an altem, verrottendem Eichenholz lecken. Sehr viel altes Holz und obendrauf eine sehr junge, saure Note – Weingummi mit Zitronensäure außenrum. Die Süße ist vergangen, sie ist einer salzigen Note mit Kräutern gewichen. Bei solchen Drams sollte man ein Foto anfertigen, wo man sieht, wie es dem Verkoster das Gesicht verzieht.

Finish: Das Finish beginnt bitter, sauer mit Noten von Kräutern sowie alter Eiche. Es hält sich länger, als man möchte. Etwas besser wird es nach etwa einer Minute, wenn sich die saure Note verzieht und nur mehr Eiche und Kräuter bleiben. Angenehm ist dennoch was anderes und ein nicht so anziehender Nachgeschmack hält sich sehr, sehr lange…

Alles in Allem: Bei diesem Ben Nevis ist die Nase noch sehr angenehm und interessant, Gaumen und Finish fallen aber sehr stark ab und sind nicht mehr wirklich angenehm. Ein interessantes Experiment: Ja. Eine Erfahrung, die einen bereichert: Ja. Angenehm zu trinken? Nein. Nicht, wenn man hinterher mit einem stark rauchigen Islay-Malt gurgeln muss, um den Nachgeschmack zu überdecken…