Dienstag, 24. November 2020, 18:59:29

Wir verkosten: Ben Nevis 49yo, 29,5%, Whiskybroker

Beam 2020 Bowmore

Unser Autor Klaus Doblmann wagt sich heute über einen fast 50jährigen Spirit, der sich wegen des großen Verlusts an die Engel (Angels‘ Share) nicht mehr Whisky nennen kann. Er wurde im Jahr 1966 in der Destillerie Ben Nevis destilliert und stammt aus den Beständen des unabhängigen Abfüllers whiskybroker.co.uk, betrieben von Martin Armstrong, dem Sohn des ehemaligen Besitzers der Destillerie Bladnoch.

Bildrechte: Klaus Doblmann
Bildrechte: Klaus Doblmann

Ben Nevis 49yo, 29,5%, Whiskybroker.co.uk
Highlands
Destilliert: 15.03.1966

Abgefüllt: 10.04.2015
524 Flaschen (50cl)
Unchillfiltered; nicht gefärbt
Verkoster: Klaus Doblmann

Nase: Gleich zuallererst betört eine sehr deutliche, duftende Eiche die Nase mit getrockneten dunklen Früchten. So, als würde man den Kasten eines Tischlers öffnen, in welchem er Gläser mit Dörrzwetschken zum Naschen aufbewahrt. Die Eiche ist wirklich sehr stark, an der Grenze zur olfaktorischen Überbelastung, aber gerade noch darunter. Keine Tannine – einfach nur alte Eiche mit einem leichten Einschlag von Moder. Hört sich jetzt negativ an, ist aber eigentlich positiv gemeint. Dazu gibt es eine Ladung von kaltem Zigarrenrauch, süßem Pfeifentabak, Kakaopulver, getrockneten Orangenschalen, sämtlichen vorstellbaren dunklen Früchten, aber auch getrockneten Äpfeln, Kandiszucker, Karamell und ein Hauch von Alkohol.

Gaumen: Auweia, der Gaumen präsentiert sich ganz anders als die Nase – so, als würde man an altem, verrottendem Eichenholz lecken. Sehr viel altes Holz und obendrauf eine sehr junge, saure Note – Weingummi mit Zitronensäure außenrum. Die Süße ist vergangen, sie ist einer salzigen Note mit Kräutern gewichen. Bei solchen Drams sollte man ein Foto anfertigen, wo man sieht, wie es dem Verkoster das Gesicht verzieht.

Finish: Das Finish beginnt bitter, sauer mit Noten von Kräutern sowie alter Eiche. Es hält sich länger, als man möchte. Etwas besser wird es nach etwa einer Minute, wenn sich die saure Note verzieht und nur mehr Eiche und Kräuter bleiben. Angenehm ist dennoch was anderes und ein nicht so anziehender Nachgeschmack hält sich sehr, sehr lange…

Alles in Allem: Bei diesem Ben Nevis ist die Nase noch sehr angenehm und interessant, Gaumen und Finish fallen aber sehr stark ab und sind nicht mehr wirklich angenehm. Ein interessantes Experiment: Ja. Eine Erfahrung, die einen bereichert: Ja. Angenehm zu trinken? Nein. Nicht, wenn man hinterher mit einem stark rauchigen Islay-Malt gurgeln muss, um den Nachgeschmack zu überdecken…

 


Über unser Ratingsystem:

Wir vergeben 0-5 Sterne in drei Kategorien: Nase, Gaumen, Finish

Die Gesamtnote ergibt sich aus dem Mittelwert dieser drei Kategorien. Unsere Skala geht von 0-5 Sternen und ist nicht mit dem Wertungssystem xx/100 vergleichbar. Sie kann so interpretiert werden:

0-1 Stern: Furchtbar. Nur äußerlich anwenden.

1-2 Sterne: Enttäuschend. Aber vielleicht kann man damit die Gäste zum Gehen bringen.

2-3 Sterne: Geht so. Kann man trinken. Muss aber nicht.

3-4 Sterne: Gut. Macht man gerne immer wieder mal auf.

4-5 Sterne: Sehr gut. Daumen hoch. Ab 4.5 Sternen: Spitzenklasse. Vor diesem Whisky verbeugt man sich.

Wichtig: Wir haben Geschmack. Unseren. Nicht Ihren. Unsere Verkostungsnotizen sind kein richterliches Urteil. Darum haben wir bei unseren  Reviews auch die Möglichkeit vorgesehen, dass unsere Leser selbst werten können. Machen Sie Gebrauch davon, falls Sie den Whisky schon probiert haben!

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