Dass wir in einer Welt leben, in der viele Dinge voneinander abhängig sind, ist eine Binsenweisheit – die man sich aber immer wieder vor Augen führen sollte, um nicht den Verlockungen der Vereinfachung im eigenen Denken zum Opfer zu fallen. Wie abhängig und sich befruchtend zum Beispiel Produktionszweige sein können, zeigt das Beispiel aus Schottland, das jetzt Aberdeen Press and Journal zum Anlass eines Artikels genommen hat. Nicht zuletzt durch die erhöhte Nachfrage nach schottischem Whisky, der ja Gerste als Grundstoff verwendet, ist die schottische Produktion dieses Getreides in den letzten 100 Jahren um 1000% gestiegen.

190.000 Tonnen waren es 1914 – und im letzten Jahr, 2014, über 2 Millionen Tonnen, die in Schottland produziert und geerntet wurden. Ist diese Menge für die schottische Whiskyproduktion ausreichend? Bei weitem nicht mehr, weswegen die Mälzereien überall in Europa Getreide zukaufen. Destillerien, die ausschließlich mit lokalem Getreide arbeiten, sind die absolute Ausnahme und werden immer seltener – auch Glengoyne, die bislang ausschließlich mit lokaler Golden Promise Gerste gebrannt haben, mussten laut Glengoyne’s Antony McCallum mittlerweile auch dieses Alleinstellungsmerkmal aufgeben (allerdings gilt das dann erst für Glengoyne-Whiskys, die in mehreren Jahren am Markt erscheinen werden).

Übrigens hat die Fläche, auf der Gerste angebaut wird, in den Jahren seit 1982 wieder abgenommen, aber der Ertrag pro qm ist in dieser Zeit weiter gestiegen, sodass 2014 ein Rekordjahr bei der Ernte war.

Hordeum Gerste
Hordeum Gerste