So pflegen Sie Ihr Whiskyglas richtig für den optimalen Genuss – Tipps und Tricks vom Profi

Unser Gastautor Ewgeni Jussufov beschreibt, was man bei der Pflege seiner Whiskygläser richtig und falsch machen kann...

Beim Whiskyglas kommt es nicht nur auf die Form an, damit Sie Ihren Whisky in allen Geschmacksfacetten optimal genießen können – sehr viel hängt auch von der richtigen Glaspflege und -aufbewahrung ab. Vieles, was wir intuitiv als richtig dafür erachten, ist es nicht. Wir haben daher einen Profi in Sachen Glas gebeten, für uns über die richtige Pflege eines Whiskyglases zu schreiben, wie man dabei Fehler vermeidet und damit das Optimum aus dem Whisky holt.

Unser Gastautor Ewgeni Jussufov ist Gebäudereinigermeister und führt die G+C Facility GmbH in Berlin, einen Meisterbetrieb mit rund sechzig Beschäftigten. Die milchigen Gläser aus dem Einstieg seines Artikels stehen in Büros, die sein Betrieb reinigt.

GastartikelAutor: Ewgeni Jussufov

Für Whiskyliebhaber ist das Glas Nebensache. Für Gebäudereiniger ist es der Whisky.

In den Büroküchen, die wir reinigen, stehen sie in fast jedem Schrank, meistens hinter den Kaffeebechern mit Firmenlogo: die toten Gläser. Milchig und matt kommen sie jeden Morgen frisch gespült aus dem Geschirrspüler und sind genauso tot wie am Tag davor.

Ich bin Gebäudereinigermeister. Vom Whisky verstehe ich weniger als du, vom Glas vermutlich mehr. Das Glas kommt sauber aus dem Geschirrspüler. Der Klarspüler auch.

Klarspüler

Klarspüler enthält Tenside. Die senken die Oberflächenspannung des Wassers, damit es als dünner Film vom Glas läuft, statt in Tropfen stehen zu bleiben und beim Trocknen Flecken zu machen. Ein Hauch davon bleibt trotzdem hängen. Je großzügiger dosiert, desto mehr Hauch.

Beim Bier sieht man, was solche Rückstände anrichten. Der amerikanische Brauerverband schreibt in seinem Handbuch zur Zapfqualität von 2019, ein wirklich sauberes Bierglas sei frei von Rückständen, die den Schaum töten, und von Gerüchen, die hängen bleiben. Wer mal ein Pils aus einem Büroglas getrunken hat, kennt die Krone, die sich nach einer Minute höflich verabschiedet.

Und beim Whisky? Ob man den Film riecht? Eine Studie dazu habe ich nicht gefunden. Meine Nase sagt ja, aber meine Nase ist keine Profi-Nase. Ich würde es trotzdem nicht drauf ankommen lassen. Der Whisky hat zwölf Jahre im Fass gelegen, der Klarspüler vierzig Minuten in der Maschine.

Kalk oder kaputt

Dann ist da der milchige Schleier. Viele halten ihn für Kalk. Kalk wäre die gute Nachricht.

Oft ist es Glaskorrosion. Maschinenreiniger sind alkalisch, sie sollen ja Fett lösen. Zusammen mit weichem Wasser und Hitze holen sie über viele Spülgänge aber auch Bestandteile aus der Glasoberfläche heraus. Das Glas wird ausgelaugt, und das lässt sich nicht mehr rückgängig machen, höchstens noch bremsen.

Wer es genau wissen will, nimmt eine Zitrone. Im Handwerk sagen wir: sauer gegen Kalk, alkalisch gegen Fett. Zitronensaft hat einen pH-Wert um 2 bis 3, und Kalk, chemisch Calciumcarbonat, löst sich darin auf. Press die Zitrone ins Glas, gib etwas Wasser dazu, warte zwanzig Minuten und reib dann einmal mit dem Finger über die Stelle. Ist der Schleier weg, war es Kalk. Bleibt er, ist es sehr wahrscheinlich Korrosion, und das Glas ist kaputtgespült.

Danach trinkst du es aus. Zwei Vorteile: Du weißt, woran du bist, und du hast etwas Vitamin C im Blut. Nach ein paar Glas Whisky schadet das nicht.

So bleibt das Glas sauber:

  • Whiskygläser kommen nicht in den Geschirrspüler. Das ist schon der halbe Trick.
  • Von Hand spülen, mit warmem, nicht kochendem Wasser und höchstens einem Tropfen parfümfreiem Spülmittel.
  • Gründlich klar nachspülen, damit auch das Spülmittel wieder runter ist. Das ist der wichtigste Schritt und der, den man am liebsten weglässt.
  • Polieren mit einem Tuch, das ohne Weichspüler gewaschen ist und nicht fusselt. Viele schwören auf Leinen, ein großer Glashersteller rät zu Mikrofaser, ich komme auch mit fusselfreier Baumwolle gut aus.
  • Lagern: aufrecht, oder kopfüber auf einem Gitter, an das Luft kommt. Nie kopfüber auf Brett, Tuch oder Gummimatte, sonst riecht der Rand nach dem, worauf er stand.
  • Riecht das Glas vor dem Einschenken nach Schrank oder Karton, schwenk einen kleinen Schluck Whisky darin und gieß ihn weg. Wasser wäre billiger, bleibt aber als Tropfen im Glas.
Extratipp vom Meister: Nimm für deine Whiskygläser einen eigenen Schwamm oder eine eigene Bürste und nie den aus der Spüle. Der hatte gestern die Pfanne. Was er von der Pfanne mitgenommen hat, gibt er heute ans Glas weiter, und zwar genau an den Rand, an den du nachher die Nase hältst.

Es darf nur nicht mittrinken

Die toten Gläser aus den Büroküchen bekommen übrigens keinen Whisky. Sie bekommen Leitungswasser und einmal im Jahr einen Sekt zum Firmenjubiläum. Ihnen ist es egal.

Deinem Whiskyglas nicht. Es darf nur nicht mittrinken.

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