Samstag, 06. Juni 2020, 16:06:56

Whisky des Monats Januar: Bulleit Bourbon

Glenallachie for whic

In unserer regelmäßigen Rubrik “Whisky des Monats” stellen wir, sehr subjektiv gesehen natürlich, Whiskys vor, die wir besonders mögen, denen wir eine breitere Öffentlichkeit wünschen. Unser Redakteur Reinhard Pohorec, bester Bartender Österreichs und international geschätzter Spezialist in Sensorik,  hat sich zu Jahresbeginn für einen einfach erhältlichen, aber keineswegs einfach gestrickten Bourbon entschieden. Er erzählt, eingebettet in die Geschichte eines Treffens mit Tom Bulleit, warum er den Bulleit Bourbon schätzt und empfiehlt.

Die Spannung liegt knisternd in der Luft. Er spannt das Gewehr, ein schneller Blick, den Atem angehalten, PENG! Ein Treffer.

Der Mann neben mir, dessen schelmisches Grinsen eher an einen Schulbub und seine ersten Streiche erinnert, als an einen der Grandseigneurs der Whisk(e)ybranche, trägt ein schultergepolstertes Hemd – auf alles vorbereitet.

Tom Bulleit ist leidenschaftlicher Schütze. Wie sein Sohn, der in diesem Bereich schon annähernd professionell unterwegs ist, so der Vater stolz berichtet, hat auch Tom eine Affinität zu Colt und Gewehr.

Doch es fließt kein einziger Tropfen Blut, kein Tier muss um seine Existenz bangen. Wir stehen am Schießstand des wunderschönen Gleneagles Resort in Schottland. Hier treffen sich die weltbesten Bartender zum Global Final der Diageo World Class. Und Diageo schließlich ist ja auch für die Whiskeys aus dem Hause Bulleit zuständig, die sich nun im Premium Portfolio des Spirituosenriesen wiederfinden. Auch mit Rye und Bourbon werden die Protagonisten hier mixen.

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Whiskyexperts-Redakteur Reinhard Pohorec mit Tom Bulleit im Gleneagles Resort.

Mr. Bulleit ist ein ungemein herzlicher und aufrichtiger Mann. Zwischen zerlegten Tontauben und Patronenhülsen spricht er über sein Leben, seine Arbeit, seine Geschichte. Ob die rührige Markenhistorie bis ins Detail so eindeutig rückzuverfolgen ist, sei dahin gestellt, aber es macht schon eine gute Story, wenn Tom von seinem Vorfahren Augustus berichtet, dessen Brennkünste mit aus Frankreich in die Neue Welt übersetzten. Ein Small Batch Bourbon würde man heute sagen, das war sein Ziel, als er in den frühen 1800er Jahren zu destillieren begann. Doch das Glück wehrte nicht allzu lange und mit dem Tod des Erfinders, starb auch das Produkt selbst. Bis schließlich in den 90ern des vergangenen Jahrhunderts Tom selbst Interesse zeigte an der Tradition und dem Rezept vergangener Generationen. Vom Vater zum Sohne weitergegeben, hielt er so schließlich das goldene Ticket in der Hand und hob Bulleit Bourbon aus der Taufe. Für ihn sei das keine große Sache gewesen, habe doch „eigentlich jede Familie in Kentucky ihr eigenes Bourbon Rezept in der Schublade.“

Mr. Tom Bulleit, eine lebende Legende des Bourbons.
Mr. Tom Bulleit, eine lebende Legende des Bourbons.

Beachtlich an ebenjenem ist der hohe Roggenanteil von 28%. Die Würze und crispy Tiefe des Rye spiegeln sich am Gaumen wieder und verleihen jedem Schluck eindeutigen Charakter und Rückgrat.

Und obwohl Tom selbst ein Büro in einer der legendärsten Kentucky Distilleries sein Eigen nennt (Stitzel-Wellter), stammt Bulleit Bourbon nicht etwa aus eigenen Brennblasen. Es ist die Four Roses Distillery, Lawrenceburg, im Besitz der japanischen Kirin Brewing Company, wo jeder Tropfen destilliert wird. Und entgegen der gängigen Praxis anderer Abfüller, geht man bei Bulleit ganz offen und ehrlich mit diesem Faktum um.

Im Herbst 2015 übrigens eröffnet man auch noch eine neue, gänzlich eigene Destillerie in Kentucky, ein weiterer Meilenstein der Historie Bulleits. Aber das wird eine andere Geschichte sein.

Zurück zum Bourbon, der in einer kurzen, flachen Flasche mit aufwendigen Glasgravuren daherkommt – einem Flakon, angelehnt an Feldflaschen der Unabhängigkeitskriegssoldaten.

Bulleit Bourbon 700ml_small

Nun werden die damals wohl keinen Bulleit Bourbon genossen haben, dieses Privileg bleibt uns Genießern der Moderene vorbethalten. Mit satten 45% Volumen Alkohol läuft der Bourbon ölig ins Glas, in der Nase ein voller Duft von Honig, Buttermandeln und ein blumiger Hauch Lavendel. Keine Spur spritig oder lackig, wie manch American Whiskey zu Beginn. Hintergründig dann kommt das Holz zum Vorschein, vanillig, röstige Klänge von Marillen, üppig cremig.

Ebenso der Gaumen, der mit einem dezenten Gerbstoff die kraftvoll dichte Textur balanciert, schmalzig, doch stets fein und elegant. Schwarzer Pfeffer, etwas Myrrhe und Thymian schimmern hervor, rauchig holzig, Barbecue, wiederum Vanille, Butter, Obers und Creme Anglaise.

Ein bleibender Nachhall und langes Finish beschließen den Whiskey, die ihn zu einem exzellenten Every-Day-Dram machen. Super solide, ein verlässlicher American Whiskey, die manchmal etwas unterschätzt werden ob der Dominanz und hervorgehobenen Stellung der Single Malts. Zu Unrecht, denn hier zeigt sich in voller Größe, was Kentucky kann, was Bourbon kann.

Und gehen Sie ruhig frei und unverkrampft mit dem feinen Tropfen um, pur im Nosingglas, auf Eis, als klassischer Cocktail kalt gerührt oder lang mit Ginger Ale serviert. Weg mit Konventionen und bornierten Vorurteilen, genießen Sie einfach.

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Auch Tom und ich haben mittlerweile zwei Gläser gefunden. Ein schlichter kleiner Tumbler, nichts Großes, aber nach unzähligen erlegten Tontauben, Anstrengung und ein paar Stunden, die wie im Flug vergehen, ist das genau das Richtige. Und umso mehr wird mir auch bewusst, dass ich dieses Erlebnis mit einem ganz besonderen Menschen teilen kann, der neben vielem anderem auch der Oberverantwortliche für das ist, womit wir uns glücklich und zufrieden zuprosten.

Mit den besten Spirits,
Reinhard Pohorec

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